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Freitag, 30. Juli 2010
Jugendkirche pierre sein FILMTIPp: 08-08 PDF Drucken
Geschrieben von pierre roh   
Samstag, 16. August 2008
Jugendkirche film-Tip(p)Arbeitslosigkeit oder Diskriminierung sowie Gewalt sind Themen, die viele Menschen bewegen. Trotzdem kommen sie in Filmen in kritischer Form selten vor. Der DGB hat deshalb 1998 einen Regiepreis für gesellschaftlich in besonderer Weise engagierte Filme gestiftet: "Mit dem Preisgeld in Höhe von 5.000 € fördern wir zusammen mit unseren Mitgliedsgewerkschaften Regisseure, die sich intelligent und einfallsreich aktuellen gesellschaftlichen Themen widmen." Damit ehrt der Deutsche Gewerkschaftsbund die Arbeit von Regisseuren, die sich kritisch, innovativ und unterhaltsam gesellschaftsrelevanten Themen widmen. Der DGB-Filmpreis ist ein Publikumspreis und das Publikum des 19. Internationalen Filmfestes Emden-Norderney hat entschieden. Das Preissymbol ist die Plastik "Die Sinne", die der Künstler Joern Schlund aus Münster entworfen hat. Sie wird jedes Jahr von Jugendlichen aus Emden hergestellt.

Battle for Haditha

Deutsche Erstaufführung.
GB 2007.
97 Minuten.
Regie: Nick Broomfield.
Buch: Nick Broomfield, Marc Hoeferlin, Anna Telford.
Kamera: Mark Wolf.
Musik: Stephen McLaughlin
Mit: Elliot Ruiz, Yasmine Hanani, Andrew McLaren, Matthew Knoll, Thomas Hennessy.

Haditha, Irak 2005. Als ein US-Soldat bei einem Bombenanschlag ums Leben kommt, stürmen die vier überlebenden Marines die benachbarten Häuser und töten zahlreiche Zivilisten. Der Brite Nick Broomfield rekonstruiert diesen Vorfall aus verschiedenen Perspektiven: er zeigt die Anspannung der amerikanischen Soldaten, er beobachtet die Attentäter bei der Vorbereitung, und er schildert das Geschehen aus der Sicht der Zivilbevölkerung. Auf scheinbar dokumentarische Weise und mit hautnah geführter Kamera gelingt es Broomfield, die Zuschauer in das Geschehen hinein zu ziehen und sie in die Situation aller drei Gruppen zu versetzen. Broomfields Botschaft ist klar: "Beendet diesen Krieg!"


Beautiful Bitch

BRD 2007. 103 Minuten.
Buch, Regie: Martin Theo Krieger.
Kamera: Andreas Höfer.
Musik: Andreas Schilling.
Mit: Katharina Derr, Patrick von Blume, Sina Tkotsch u.a..

Die 15-jährige Bica lebt auf den Strassen Bukarests, als der ehemalige Polizist Christu ihr ein besseres Leben verspricht. Direkt nach ihrer Ankunft in Deutschland stellt sich jedoch heraus, dass er Kinder unter härtesten Bedingungen zum Taschendiebstahl zwingt. Durch ihre neue Freundin Milka lernt Bica ein normales Teenagerdasein kennen. Es wird für sie immer schwieriger, ihr neues Leben vor Christu zu verbergen...

"Beautiful Bitch" ist die Verfilmung des Volkswagen Drehbuchpreises 2006: Regisseur und Drehbuchautor Martin Theo Krieger wirft einen authentischen Blick in das Milieu organisierten Kinderdiebstahls. Die Geschichte von Bitch beruht auf realen Ereignissen, die Botschaft ist universell: Es lohnt sich, trotz aller Widrigkeiten für Freundschaften und für ein menschenwürdiges Dasein zu kämpfen.


It's A Free World

Großbritannien/Italien/Deutschland 2007.
96 Minuten.
Regie: Ken Loach.
Buch: Paul Laverty.
Kamera: Nigel Willoughby.
Musik: George Fenton.
Mit: Kierston Wareing, Juliet Ellis, Leslaw Zurek, Joe Siffleet u.a..

Angie Wareing, allein erziehende Mutter, hat kein Diplom, aber sie ist jung und ehrgeizig. Gerade hat sie ihren Job verloren, weil sie die eindeutigen Avancen ihres Chefs nicht dulden wollte. Jetzt ist die Powerfrau fest entschlossen, selber etwas auf die Beine zu stellen. Mit ihrer gutmütigen Mitbewohnerin Rose will sie ein Personalvermittlungsbüro gründen. Doch Rose zögert. Der Markt, auf den sie streben, liegt in einer Grauzone zwischen unbürokratischer Jobvermittlung und organisiertem Menschenhandel. Angie setzt sich durch und schon bald geraten die beiden Frauen auf die Seite derer, die in dieser Welt die Macht haben.

"Ken Loach urteilt oder verurteilt nicht, er zeigt die Dinge, wie sie sind - und das meisterhaft. Dabei zeigt er eindringlich und glaubwürdig, was das angebliche britische Wirtschaftswunder tatsächlich zu bieten hat." Benny Furth


Lemon Tree

Israel/Deutschland/Frankreich 2008.
106 Minuten.
Regie: Eran Riklis.
Buch: Eran Riklis, Suha Arraf.
Kamera: Rainer Klausmann.
Musik: Habib Shehadeh.
Mit: Hiam Abbass, Doron Tavory, Ali Suliman, Rona Lipaz-Michael, Tarik Copty u.a..

Salma lebt seit dem Tod ihres Mannes von den bescheidenen Einnahmen ihres Zitronenhains im Westjordanland. Als der israelische Verteidigungsminister und seine Frau ihre Nachbarn werden, sind die Bäume dem israelischen Geheimdienst ein Dorn im Auge - es könnten sich ja dahinter palästinensische Terroristen verbergen und das Leben des Politikers bedrohen. Salma lehnt die angebotene Entschädigungszahlung ab und beharrt darauf, den Hain zu behalten. Schliesslich nimmt sich die streitbare Witwe sogar einen Anwalt, zieht für ihre Bäume bis vor den Obersten Israelischen Gerichtshof und erhält Unterstützung von der Frau des Ministers.

Das Gelb der Zitronen und die weichen, sonnendurchfluteten Bilder leuchten als Hoffnungsschimmer durch diese Parabel auf den Nahost-Konflikt aus der Perspektive der beiden Frauen. Bei der diesjährigen Berlinale erhielt der Film den Panorama-Publikumspreis.


Nacht vor Augen

Deutschland 2008. 91 Minuten.
Regie: Brigitte Maria Bertele.
Buch: Johanna Stuttmann.
Kamera: Mathias Prause.
Musik: Christian Biegai.
Mit: Hanno Koffler, Petra Schmidt-Schaller, Jona Ruggaber.

David kommt von seinem Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan zurück nach Hause. Jetzt soll das normale Leben weitergehen. So will es David, so will es sein Umfeld. In Wahrheit ist nichts mehr, wie es war. Nur mit Mühe gelingt es David, die Fassade des tollen Typen aufrechtzuerhalten. Er hat Alpträume und macht ins Bett, Erinnerungsfetzen verfolgen ihn und Sex funktioniert nicht mehr. Seinem schüchternen Bruder Benni aber will er beibringen, was ein tapferer Junge ist. Zusehends gerät Davids Leben ausser Kontrolle...

Dass Gewalt sich in das Leben der Betroffenen eingräbt, wird in "Nacht vor Augen" deutlich. Der Film zeigt, wie ein überfordertes Umfeld die Augen vor der Krise des jungen Mannes schliesst. Brigitte Bertele ist in Zusammenarbeit mit der Drehbuchautorin Johanna Stuttmann ein schonungsloser Film gelungen, der dort hinsieht, wo es wehtut.


Under The Snow

Argentinien/Spanien 2007. Deutsche Erstaufführung.
99 Minuten.
Buch, Regie: Candela Figueira, Maitena Muruzabal.
Mit: Maiken Beitia, Gabriel Latorre, José María Asín u.a..

Es ist Oktober, der Winter rückt näher. Zeit für Javier, sein Team aufzustocken. Schliesslich steigt jetzt die Nachfrage nach Schneeketten. Jairo kommt aus einer anderen Abteilung, eine Zeitarbeitsfirma schickt Karmentxu und Angela. In der düsteren Lagerhalle erledigt anfangs jeder stur seinen Job, geredet wird kaum. Nach kurzer Zeit freunden sich die beiden Frauen an, lachen und scherzen. Das steckt an. So macht Arbeiten Spass und die Zeit vergeht wie im Fluge. Zum Glück wird ein langer, kalter Winter prognostiziert. Doch nach jedem Winter kommt auch der Frühling, in dem Javier seine drei lieb gewonnenen Mitarbeiter nach Hause schicken muss.

"Under The Snow" ist ein ruhiger Film, der ebenso heiter wie ernst die unterschiedlichen Perspektiven der Bedeutung von Arbeit aufzeigt.

And the winner is ...
 
PreisverleihungDer DGB-Filmpreis ist ein Publikumspreis und das Publikum des 19. Internationalen Filmfestes Emden-Norderney hat entschieden: Der DGB-Preis geht in diesem Jahr an den britischen Regisseur Nick Broomfield. Sein Film "Battle for Haditha", der die Folgen des kriegerischen Konflikts im Irak thematisiert, überzeugte die Kinobesucher. Im Rahmen der Preisverleihungsgala im Neuen Theater in Emden überreichten der DGB-Bezirksvorsitzende Hartmut Tölle und Hans Eisenbeiß von der IG BCE aus Hannover den Preis "Die Sinne" stellvertretend an Georg Mirow vom Filmverleih Kinowelt. Das Preissymbol ist die Plastik "Die Sinne", die der Künstler Joern Schlund aus Münster entworfen hat. Sie wird jedes Jahr von Jugendlichen aus Emden hergestellt.
 
"Die Tagebücher einer Nanny"

Originaltitel:     Nanny Diaries
USA 2007.
106 Minuten.
Kinostart: Dtl:     14.08.2008
Regie: Shari Springer Berman, Robert Pulcini
Buch: Shari Springer Berman, Robert Pulcini

Annie Braddock (Scarlett Johansson) hat soeben das College abgeschlossen und steht nun vor dem Sprung ins Berufsleben. Eins ist klar: Die College-Absolventin hat keine Ahnung, was sie aus ihrem Leben machen soll. Die Mutter möchte, dass ihre Tochter bei einer Bank anheuert. Doch Annie vermasselt gleich das erste Vorstellungsgespräch. Geschickter stellt sie sich an, wie sie nach der Absage einen Fünfjährigen vor einem heransausenden Radfahrer rettet. Damit nimmt ihr Leben eine entscheidende Wendung: Wie sie sich der Mutter des Jungen (Laura Linney) mit "Ich bin Annie" vorstellt, versteht diese "Ich bin (eine) Nanny" - und engagiert sie prompt als Kindermädchen. Annie bezieht ein Zimmer im schicken Heim ihrer Arbeitgeber an der Upper East Side New Yorks.
 
Jetzt gilt es, den verhätschelten Knirps im Zaum zu halten, während die narzisstische Mutter (diese ist mit zeitintensiven Lunch-Verabredungen, Charity-Dinnern, Yoga-Stunden und der Aufrechterhaltung des schönen Scheins beschäftigt) und der testosterongesteuerte Vater (Paul Giamatti), der sich lieber mit einer Kollegin anstatt mit Frau und Kind amüsiert, versuchen, den Schein ihrer zerrütteten Ehe aufrechtzuerhalten. Als sich Annie und Sohn Grayer gegen Tofu-Gerichte, Französisch-Stunden und die nervigen Erziehungsversuche der Mutter verbünden und der unwiderstehliche Nachbar Hayden (Chris Evans), genannt Harvard Hottie, in ihr Leben tritt, ist das Chaos perfekt. Basierend auf dem US-Bestseller "Die Tagebücher einer Nanny" ist der Film eine romantische und spritzige Hommage an alle leidgeprüften Kindermädchen dieser Welt.

Als Tom-Waits-Interpretin vergriff Scarlett Johansson sich sozusagen im Ton, und "The Other Boleyn Girl" ging fast sang- und klanglos unter. Ist der Stern des Stars am Sinken? Wohl kaum. Der exzellent besetzten Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers entführt den Zuschauer in die strahlend schöne, aber knallharte Welt von Manhattans besserer Gesellschaft . Neben Scarlett Johansson ("Lost in Translation", "Scoop") brillieren Laura Linney ("Die Geschwister Savage", "Kinsey") als verbiesterte Society-Lady und Paul Giamatti ("Sideways", "Robots") als testosterongesteuerter Mitvierziger. Unterstützt werden sie von Grammy-Gewinnerin Alicia Keys, die Annie als unverwüstliche Freundin Lynette auf ihrem turbulenten Ausflug in die New Yorker High Society zur Seite steht. Die von Scarlett Johansson verhalten gespielte Annie wirkt stets, als würde sie den beschissenen Eltern am liebsten ein beherztes "fuck you!" ins Gesicht schreien.

Ist der Anfang noch originell inszeniert, verfallen die Regisseure Robert Pulcini und Shari Springer Berman, die 2004 für "American Splendor" eine Oscar®-Nominierung erhielten, bedauerlicherweise bald in sitcomartige Beliebigkeit. Die beiden arbeiten seit über zehn Jahren zusammen und haben neben der Regie auch den Roman für das Drehbuch adaptiert.
Originaltitel des Romans: The Nanny Diaries (2002)
Erstveröffentlichung in Deutschland: 2003
Verlag: Manhattan
Übersetzer/in: Regina Rawlinson
ISBN: 3442545536
Seiten: 345
Bindung: Hardcover
 
 
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