Die sprudelnden Steuereinnahmen beim Staat machen sich auch in den Kassen der Kirchen positiv bemerkbar. Insbesondere Tarifsteigerungen und die Auslastung des Arbeitsmarktes führen zu einem höheren Kirchensteueraufkommen. Als Folge des wirtschaftlichen Wachstums entwickele sich das Kirchensteueraufkommen rasant und mache den Finanzchef der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Thomas Begrich, sprachlos: "Einen solch steilen Anstieg über drei Jahre gab es sehr lange nicht."
Der unerwartete Geldsegen wird jedoch bei den Kirchen, wie schon in der Vergangenheit, nur teilweise in neue Projekte investiert und in Jugendkirchen eher zögerlich, obwohl diese momentan die einzige adäquate Möglichkeit darstellen, die Zukunft durch die Bindung Jugendlicher an die Kirchen zu gewährleisten. "Unser erklärtes Ziel ist es, dass wir mit den Rücklagen weitgehend unabhängig von künftigen Haushaltsschwankungen werden", verkündete Marc Witzenbacher, der Kirchensprecher der Evangelischen Landeskirche Baden. Aber man fragt sich, wofür hier Rücklagen geschaffen werden. Sollten die Kirchen nicht in die Jugend investieren, wird sie aufgrund er drastisch zunehmenden Überalterung schlicht aussterben.
Klar ist: Trotz sprudelnder Kirchensteuereinnahmen wollen die Landeskirchen in diesem Jahr vorsichtig haushalten. Das geht sogar so weit, dass in einigen Bundesländern die Sparvorgaben Kürzungen zum Religionsunterricht enthalten. Noch zum Weihnachtsfest 2007 stand im Mittelpunkt der Botschaften der grossen christlichen Kirchen die Themen Friede und Gerechtigkeit in der Welt sowie der Schutz der Umwelt und vor allem und in erster Linie mehr Fürsorge für die Heranwachsenden. Viele deutsche Bischöfe lasen den Eltern die Leviten und riefen dazu auf, den Kindern und Jugendlichen mehr Liebe zu geben.
Sie mahnten grösseren Einsatz für die Nachkommen an. Wo Heranwachsende vernachlässigt würden, müsse die Gesellschaft eingreifen, forderte beispielsweise der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Berliner Bischof Wolfgang Huber. Die Botschaft, dass Gott als Kind zur Welt gekommen sei, enthalte die Aufforderung, sich den Kindern in der Gesellschaft mit besonderer Aufmerksamkeit zuzuwenden.
Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, rief zu einer Neubesinnung für "Gerechtigkeit in der Gesellschaft" auf, und der evangelische Landesbischof in Baden, Ulrich Fischer, weist darauf hin, dass Gott Mut mache. "Niemand muss sich schämen, dass er oder sie kein Geld hat. Gottes Liebe können wir einander umsonst geben." "Gebt dem Volke, was des Volkes ist", heisst es sinnigerweise an anderer Stelle. Es scheint so, als ob die österreichische Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach die richtige Prämisse für derartige Aussagen gefunden hätte: "Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft." So scheint vor allem die Jugend zu denken!
Oder doch nicht? 
Die Zeiten, in denen Kirchen als Treffpunkte der sonntäglichen Andacht fungierten und sich jeder Pfarrer auf eine feste Gruppe Gläubiger verlassen konnte, sind längst vorbei. Die christlichen Kirchen teilen das Schicksal anderer gesellschaftlicher Gruppierungen wie z.B. Gewerkschaften, politischer Parteien und der Vereine: Ihre Bindungskräfte schwinden und die Jugendlichen gehen ihre eigenen Wege.
Vor allem die sogenannten Volkskirchen haben Schwierigkeiten, ihre Schäfchen zusammenzuhalten. Gerade jüngere Sinnsuchende sind offenbar empfänglich für populistische Parolen mit nicht selten zweifelhaften Glaubensansätzen. Und jetzt soll auch noch aus Gründen, die lediglich der Kirchenbürokratie eine Verschnaufpause verschafft, die missionarische Aufgabe des Religionsunterrichts vielerorts beschnitten werden. Doch gerade hier könnten Werte, wie sie fürderhin auch und vor allem in den JuKis auf unkonventionelle Weise vermittelbar werden, jenseits der sozialen Schichten auf fruchtbaren Boden fallen.
Denn die Jugendlichen sind, allen Unkenrufen zum Trotz, Sinnsuchende. Trifft man sie ausserhalb ihrer Cliqué, in der sie sich leider all zu oft irrationalen Gruppenzwängen untergeordnet fühlen, zeigt sich, dass die Insignien der Wohlstandsgesellschaft sehr schnell in den Hintergrund gerückt werden können. Werte, die Bestand haben, wie Liebe, Freundschaft, Ehrlichkeit, Treue und Verlässlichkeit sind plötzlich wichtig.
Gegensätze wie Arm oder Reich verlieren ihre Brisanz. Ansichten aus dem christlichen Kontext stehen unerwartet im Vordergrund - und die Suche nach dem "Sinn des Lebens". Was in den USA die Sonntagsschulen sind, stellt inzwischen in Ermangelung selbiger in den deutschsprachigen Ländern, nahezu als Ersatz, die Jugendkirchenbewegung mit anderen Mitteln dar: Die Einbindung Jugendlicher in eine Kirchengemeinschaft mit missionarischem und christlich geprägtem Bildungsauftrag.
Jugendkirche als Gemeinschaft ohne soziale Dünkel?
Inwieweit es innerhalb der Jugendkirchen soziale Barrieren gibt, ist bislang nicht hinreichend untersucht worden. Aussagen Betroffener liessen allerdings den Schluss zu, dass sich das Arm/Reich-Gefälle vor allem in einem Bildungs- und/oder Informationsbereich bemerkbar macht: Da sich die Kommunikations- und Nachrichtenflut verstärkt über das Internet verbreitet, sind Jugendliche ärmerer Schichten eindeutig benachteiligt, da sie diese Möglichkeiten aus finanziellen Gründen oftmals gar nicht oder nur unzureichend (veraltete Programme) nützen können.
Dies macht sich innerhalb der Jugendkirchen immer wieder bemerkbar und es bedarf einer grossen Einfühlnahme des jeweiligen JuKi-Teams, um hier keine Ausgrenzungen, gar Anfeindungen entstehen zu lassen. Hier könnten Möglichkeiten durch Workshops und die Bereitstellung entsprechender Gerätschaften hergestellt werden, die dem Interesse und dem Wissensdurst Jugendlicher jedweder monetären Ausstattung Vorschub bedingt leisten würde und damit aktiv für eine Situation Heranwachsender mit gleichen Bildungsmöglichkeiten, zumindest im Ansatz, sorgen könnte.
Der Medienforscher Philipp Ikrath sieht ein grosses Problem (auch der Kirche) darin, dass die jetzige Generation sich den Verhaltensmustern, die die sogenannten Erzieher der heutigen Zeit geprägt haben, entzieht: "Jugendliche sind in ihrem Medienverhalten vor allem durch das Internet geprägt. Dort holt man sich seine Inhalte zu exakt dem Zeitpunkt, da man sie verfügbar haben möchte. Die Jugendlichen lehnen es immer stärker ab, ihren Tagesablauf nach sturen zeitlichen Vorgaben auszurichten."
Die in Hamburg und Wien ansässige Trendagentur "tfactory" mit ihrer Studie "timescout", die das Verhalten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 11 bis 29 untersucht, also jener Altersgruppierung, die für die Klientel der Jugendkirchen relevant zu sein scheint, hat in einer Langzeitstudie herausgefunden, dass die "Älteren", also die Grundeis Ende 20, vielmehr auf Produkte stehen, die mit dem Flair der Jugendlichkeit ausgestattet sind, als es noch vor wenigen Jahren augenfällig der Fall war. Nicht umsonst macht man ab und an die ernüchternde Erfahrung, dass die "Jugendlichen" in der JuKI älter sind, als man aufgrund der "Kirchenbeschreibung" erwartet hätte.
Ikarth meint dazu: "Der Trend zur Jugendlichkeit zeigt sich vor allem im sogenannten demonstrativen Konsumbereich - also Mode und andere Produkte, mit denen man sich darstellen kann." Ich will euch nur zurufen: "Habt Geduld mit den Graubärten, sie meinen es doch nur gut." "Die Älteren wollen als jung wahrgenommen werden, wenn sie sich in der Öffentlichkeit bewegen", hat Ikarth herausgefunden. "Das gelingt am einfachsten, indem sie sich hinsichtlich der Produkte, die sie öffentlich konsumieren, an Jugendlichen orientieren" - und so sind auch die Jugendkirchen ins Visier der Altersjugendlichen geraten.
Jesus hat den sozialen Aspekt in eine Welt gebracht, in der diese Begrifflichkeit bereits der Habgier, des Neids und der Machtbesessenheit gewichen war. Den Jugendlichen ist es seit Generationen auferlegt, dieses Gedankengut zu leben und mancher musste als Erwachsener nur all zu oft feststellen, dass er seinen jugendlichen Idealen nicht gerecht werden konnte. Ihr JUKIS könntet das ändern.
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