Die sozialen Hilfsdienste "Tafeln" werden zunehmend auch von Schulen um Hilfe und Lebensmittel gebeten. Immer mehr Eltern schickten ihre Kinder unzureichend gesättigt und ohne Vespergeld zur schulischen Betreuung. Die Lehrer müssten sich öfter als früher damit auseinandersetzen, wie die Schüler verpflegt werden können, "wenn die Eltern das nicht tun", wie es die Vorsitzende der "Tafeln" in Baden-Württemberg feststellen musste, und "bis jetzt hat es die Tafeln vor allem in den grösseren Kommunen gegeben - in letzter Zeit steigt die Zahl der Angebote auch auf dem Land" Die Zahl der Bedürftigen steige sprunghaft an. "Tafeln geben der Armut vor Ort ein Gesicht."
Die sozialen Hilfsdienste "Tafeln" werden zunehmend auch von Schulen um Hilfe und Lebensmittel gebeten. Immer mehr Eltern schicken ihre Kinder unzureichend gesättigt und ohne Vespergeld zur schulischen Betreuung. Die Lehrer müssten sich öfter als früher damit auseinandersetzen, wie die Schüler verpflegt werden können, "wenn die Eltern das nicht tun", wie es die Vorsitzende der "Tafeln" in Baden-Württemberg feststellen musste: "Bis jetzt hat es die Tafeln vor allem in den grösseren Kommunen gegeben - in letzter Zeit steigt aber die Zahl der Angebote auch auf dem Land". Die Zahl der Bedürftigen steige sprunghaft an. "Tafeln geben der Armut vor Ort ein Gesicht."
So war es nicht verwunderlich, dass der Deutsche Kinder- und Jugendhilfetag 2008 in Essen eine Anhebung der Hartz IV Regelsätze um 20% sowie eine allgemeine Grundsicherung für junge Menschen forderte. "Kinder- und Jugendliche sind der wertvollste nachwachsende Rohstoff. Darin müssen wir investieren", mahnte der Vorsitzende der Kinder- und Jugendhilfe, Norbert Struck, zum Abschluss des Kongresses in Essen.
Das Rote Kreuz regte an, angesichts der wachsenden Armutszahlen, vor allem den Ausbau offener und kostenloser Freizeitangebote zu fördern. Nur auf diese Weise könne Chancengleichheit für Heranwachsende von den ersten Lebensmonaten an bis zum Einstieg ins Berufsleben gelingen, so DRK-Präsident Seiters.
Auch EU-Kommissar Spidla forderte, entschiedener gegen Kinderarmut vorzugehen - etwa durch einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt für die Eltern sowie Einkommensunterstützung und angemessene Betreuungsmöglichkeiten. "Kinderarmut schmälert die Chancen für eine gute Zukunft", betonte er, denn: In Armut aufwachsende Kinder sind im Schnitt weniger gut in der Schule, werden häufiger krank und kriminell. Spida mahnte zudem an, dass Lohnarbeit sich auszahlen müsse. Rund 8% der EU-Bevölkerung seien armutsgefährdet, obwohl sie einer bezahlten Beschäftigung nachgingen.
Mit jeder neuen Statistik bekommen es die Arbeitnehmer schwarz auf weiss: Vom Konjunkturboom profitieren sie nicht. Ihre minimalen Lohn- und Gehaltssteigerungen werden von Steuern, Sozialabgaben und Inflation seit Jahren gleich wieder "aufgefressen". Das Ministerium bestreitet nicht, dass die Löhne in den vergangenen Jahren so minimal gestiegen sind, dass sie meist hinter der Preisentwicklung zurückblieben. Ein Gutachten der Hans-Böckler-Stiftung zeigt zudem, dass der aktuelle Konjunkturboom bislang Einkommenszuwächse überwiegend Unternehmer, Selbstständige, Aktienbesitzer und andere Kapitaleigner abschöpfen liess.
Immer mehr Bundesbürger fühlen sich dementsprechend ungerecht entlohnt. Dass ihre Bezahlung angemessen sei, empfanden im vergangenen Jahr noch rund 61% in Westdeutschland und 50% in Ostdeutschland, wie die FAZ unter Berufung auf eine aktuelle Studie berichtete. Zwei Jahre zuvor hätten sich noch rund 75% im Westen und 58% im Osten gerecht bezahlt gefühlt und die Meinung der Bundesbürger, dass die Verteilung des Kapitals in Deutschland gerecht sei, erlangte mit 15% einen historischen Tiefstand. Jean Paul Sartre stellte bereits vor Jahren fest, dass "ein System, das dem Untergang geweiht ist, instinktiv alles tut, was diesen Untergang beschleunigt."
Fast 80 Millionen Europäer leben in Armut
Und rund ein Viertel davon sind minderjährig - also jeder fünfte Heranwachsende in der EU. Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt der Sozialbericht der EU-Kommission. "Etwa 10% der Kinder leben in Haushalten, in denen niemand einer Erwerbsarbeit nachgeht", heisst es in dem Bericht. "Von ihnen sind 60% armutsgefährdet." In Deutschland leben vergleichsweise viele Heranwachsende in einem Arbeitslosenhaushalt. Ihr Anteil stieg von 8,9% 2001 auf 9,3% im vergangenen Jahr.
Das ist unter den 27 EU-Staaten der zehntschlechteste Platz - ein Armutszeugnis für die Politik, die Kirchen und die Sozialverbände; und besonders erbärmlich empfindet es Struck, dass es Armut auch unter Jugendlichen gäbe, die einen Ausbildungsvertrag in der Tasche hätte. Es gäbe Ausbildungsberufe, bei denen die tarifliche Ausbildungsvergütung sogar unter dem Hartz-IV-Satz liegen, und das obwohl sich Leute wie die Sozialministerin Monika Stolz durchaus bewusst sind, dass eine gute Ausbildung wie das "Sesam öffne dich" für den Zugang zum Arbeitsleben und für einen Platz in der "Mitte es Lebens" sei. Der badische Oberkirchenrat Stockmeier weiss, dass Jugendliche dien Perspektive einer angemessenen Berufsausbildung bräuchten und selbstverständlich eines Arbeitsplatzes. Er regt deshalb eine engere Verzahnung von dafür relevanten Stellen an.
Schätzungen zufolge leben in Deutschland inzwischen mehr als 2,5 Millionen Minderjähriger auf oder unter dem Sozialhilfeniveau von 207.oo Euro pro Monat. Seit Einführung des Arbeitslosengeldes II im Jahre 2005 unter Führung der angeblich Sozialen Partei Deutschlands und der Grünen, die sich ja ebenfalls die sozialen Aspekte des Lebens in ihre Parteigrundsätze verankert sehen wollen, hat sich die Zahl der auf Sozialhilfe oder Sozialgeld angewiesenen Heranwachsenden verdoppelt. Nach einer Untersuchung der UNICEF, dem Kinderhilfswerk der vereinten Nationen, stieg und steigt die Zahl der Heranwachsenden, die in relativer Armut aufwachsen, in der BRD stärker als in anderen Industrieländern.
Jugendliche in Deutschland haben immer unterschiedlichere Startchancen. Demnach nimmt die Kluft zwischen Kindern, die gesund und behütet aufwachsen und denen, deren Alltag durch Mangel und Ausgrenzung bis zu einer deprimierenden Hoffnungslosigkeit geprägt ist, immer mehr zu. Das zeigt sich auch daran, dass Handys, Computer und vor allem Markenklamotten verstärkt bei Jugendlichen als Statussymbol gelten. Um ihre Kids nicht ins soziale Abseits innerhalb der Cliquen geraten zu lassen, gönnen sich auch die ärmeren Schichten für ihre Nachkommen Ausgaben für Designerjeans oder Multimedia im Jugendzimmer und das neueste Mobiltelefon sollte es dann auch schon sein.
Mehr Geld für den Nachwuchs
Zum Alltag von rund 3,3 Millionen Kindern bis 13 Jahren zählt mittlerweile auch automatisch das Internet. Mehr als die Hälfte geht bereits regelmässig ins Netz, während immer weniger (63%) zu einer Zeitschrift greifen. Die Kosten müssen die Eltern tragen und auch die Kleidung schlägt im Familienetat immer stärker zu Buche. Dabei wünscht sich der Nachwuchs einer Studie zufolge vor allem Markenware.
Eltern seien oft genug bereit, den Wünschen ihrer Kinder nachzugeben, die über den Besitz vermeintlich exklusiver Produkte ihre eigene Persönlichkeit ausdrücken wollen. Vor allem Sportschuhe, Taschen und Rucksäcke sind gefragte Statussymbole. Der erste Eindruck ist der wichtigste, haben Psychologen schon lange empirisch nachvollzogen und folgerichtig geben Kinder und Jugendliche ihr Geld zu einem nicht unerheblichen Teil für das äussere Erscheinungsbild aus.
Das Münchner Meinungsforschungsinstitut 'iconkids & youth' stellte in einer repräsentativen Studie fest, dass die 6- 19-jährigen für Mode und Accessoires 4,4 Milliarden Euro aufbringen werden. Das entspricht etwa einem Fünftel ihres gesamten Etats. Nach den Ergebnissen liegen auf Platz zwei die Ausgaben fürs Ausgehen, also Diskotheken, Konzertbesuche und Kneipen mit gut 2,7 Milliarden Euro. Die hohen Ausgaben fürs Ausgehen zeigten, dass die Jugendlichen nicht nur stets am Computer sässen und im Internet surften oder sich Gewaltvideos reinzögen, betonte der Studienleiter von "iconkids & youth", Ingo Barlovic. An dritter Stelle folgen mit gut 2,2 Milliarden Euro Kosten das Handy.
Allein die Handykosten belaufen sich im Monat im Schnitt auf fast 30.oo Euro, was sich locker auch auf 500.oo Euro im Jahr summieren kann. Das ist doppelt soviel wie vor zwei Jahren und das, obwohl durch die gesunkenen Tarife und die Flatrates die jährlichen Kosten gesunken sein müssten - mehr als zwei Millionen Heranwachsender sind bereits mobil erreichbar - Tendenz steigend, vor allem bei den unter 13-jährigen.
"Die Kinder haben so viel Geld und soviel Freiräume, wie noch nie", fasst Ralf Bauer, Leiter der Markt- und Medienforschung bei dem Egmont Ehapa Verlag (Micky Maus), ein Ergebnis der Kids-Verbraucheranalyse 2007 zusammen, und "es wird noch mehr in die Kinder investiert". Die Studie sei eine reine Marktanalyse und unterscheide sich dementsprechend nicht nach sozialem Hintergrund oder etwa der Höhe des Taschengeldes. 1588 Heranwachsende und deren Eltern wurden zum Konsum und Medienverhalten befragt - aus welchen Stadtbezirken bleibt offen - wohl aber kaum aus sozialen Brennpunkten.
Doch Kinder aus einem verarmten familiären Umfeld dürfen nach Überzeugung von UNICEF-Schirmherrin Luise Köhler nicht isoliert werden. "Durch die Annahme der Kinderrechte ins Grundgesetz würde deutlich, dass Staat und Gesellschaft das Wohl der Kinder in den Mittelpunkt stellen", so die Frau von Bundespräsident Horst Köhler.
Und die CSU legt mit einem Grundsatzpapier "Politik und Kinder" mit der Forderung nach zahlreichen Verbesserungen für Eltern und Heranwachsende nach. Unter anderem nennt das Papier Ziele wie zusätzliche Kräfte für Kinder- und Jugendeinrichtungen, höhere Zahlungen aus dem Landeserziehungsgeld, flexibleres Elterngeld und die Einführung einer Elternrente. Der Forderungskatalog solle Leitlinie sein, bekräftigte der CSU-Vorsitzende Erwin Huber - zumindest so lange, bis die Bayernwahl vorüber ist.
Die generelle Notwendigkeit einer Kindergelderhöhung ist weitgehend unbestritten, wie auch Kanzlerin Angelika Merkel immer wieder bekräftigt. Nach Angaben einer Sprecherin der Unions-Fraktion gibt es jedoch keinen Fraktionsbeschluss zu den Details einer etwaigen Erhöhung. Im Gegensatz zur SPD wollen Fachpolitiker der Union das Kindergeld vor allem für grosse Familien spürbar erhöhen. "Wir bewerten es positiv, wenn Mehrkindfamilien spürbar mehr Geld erhalten sollen", so die Präsidentin des Familienbundes der Katholiken, Elisabeth Bußmann, "allerdings brauchen auch alle anderen Familien endlich eine deutliche finanzielle Entlastung".
"Die enormen Preissteigerungen gerade bei Lebensmitteln und Energie treffen unsere Familien besonders hart, unabhängig von der Kinderzahl. Bussmann wies darauf hin, dass das Kindergeld zum grössten Teil Ausgleich für zuviel gezahlte Steuern der Eltern ist und diese damit ein Recht auf ein Kindergeld in angemessener Höhe haben. "Die Politik darf sich nicht aus ihrer Verantwortung gegenüber den Familien stehlen, indem sie die kinderreichen Familien gegen die mit einem oder zwei Kindern ausspielt", so Bussmann "Wir warten weiter auf ein schlüssiges und für alle Familien gerechtes Konzept seitens der Politik."
Trotz allem guten Willen: Die soziale Schere klafft immer weiter auseinander. Im Schnitt wurde im Vergleich der Jahre 2006 und 2008 eine Steigerung des Taschengeldes für Jugendliche um 20% ermittelt, allerdings ohne die Inflationsrate zu berücksichtigen. Die Kaufkraft ist gleich geblieben, in vielen Bereichen sogar rückläufig. Da klingt es fast herzig, wenn Barlovic behauptet: "Trotz der gestiegenen Kosten und der existierenden Kinderarmut geht es der Mehrheit der deutschen Familien immer noch so gut, dass sie ihren Kindern immer mehr Geld zur Verfügung stellen." Warum wohl?
"An den Kindern wird als letztes gespart."
Wie wahr, auch wenn das 'mehr an Geld' nicht unbedingt ein 'mehr an Konsum' darstellt - einerseits durch die sich steigernde Inflation, andererseits dadurch, dass die Jugendlichen im laufenden Jahr schätzungsweise 2,2 Milliarden Euro auf die hohe Kante legen werden; und da kann man wirklich sagen: "Die Inflation frisst eure Eus".
Moment mal: "An den Kindern wird als letztes gespart", scheint lediglich Familienangehörigen eigen zu sein. Im Zuge des Sozialabbaus in Deutschland werden auch die Jüngsten nicht verschont. Wegen des drastischen Stellenabbaus in der Kinder- und Jugendarbeit sind nach Einschätzung von Sozialverbänden immer mehr junge Menschen sich selbst überlassen. "Die Jugend wird kaputtgespart", stellte Norbert Struck resigniert fest.
Aktuellen Berechnungen zufolge ist in den vergangenen fünf Jahren bundesweit mehr als jede vierte Vollzeitstelle in Jugendzentren oder Streetworker-Teams weggefallen. Schuld an dem Stellenabbau seien jedoch nicht allein die Kommunen, wie Thomas Rauschenberger vom Deutschen Jugendinstitut feststellte. Die Städte hätten oftmals keine andere Wahl, denn sie würden mit den steigenden Kosten für die Jugendsozialarbeit allen gelassen: "Was wir brauchen, ist eine andere Finanzverteilung auf Bund- und Länderebene." Die Probleme von Jugendlichen zu schultern sei eine gesamtstaatliche Aufgabe.
Qualifizierte Angebote der Jugendhilfe in Kooperation mit Schulen und Kirchen sowie eine verlässliche Finanzierung der Schulsozialarbeit könnten Bausteine sein, um die soziale Jugendarbeit effektiver zu machen, vermutet der badische Oberkirchenrat Johannes Stockmeier. Er fordert zudem eine engere Verzahnung von Sozial-, Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik. Unterstützung sagte Stockmeier, der auch Vorstandsvorsitzender der Diakonie Baden ist, und der Bischof der evangelischen Landeskirche in Baden, Ulrich Fischer, dem Diakonischen Werk bei seinem Einsatz zur Stärkung der Bildungs- und Beteiligungsgerechtigkeit der beiden Landeskirchen zu.
Der Sozialwissenschaftler Stefan Sell von der Fachhochschule Koblenz betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung des Elternhauses für die positive Teilhabe an der Volkswirtschaft. Die Gesellschaft müsse sich als Anwalt für Kinder und Jugendliche stark machen: "Werden sie zum Mitkümmerer nicht zum Mülleimer." Das gilt vor allem in verstärktem Masse den etablierten christlichen Kirchen, denen die Jugendlichen scharenweise weglaufen würden, gäbe es da nicht die Notbremse Jugendkirche, und das, obwohl die Landeskirchen auch auf das Problem hoher Personalkosten reagiert haben. Gerade in der christlichen Jugendarbeit wurde drastisch gekürzt und es gib nur noch wenige 100%-Stellen in diesem Bereich.
Sparen trotz Mehreinnahmen
Die sprudelnden Steuereinnahmen beim Staat machen sich auch in den Kassen der Kirchen positiv bemerkbar. Insbesondere Tarifsteigerungen und die Auslastung des Arbeitsmarktes führen zu einem höheren Kirchensteueraufkommen. Als Folge des wirtschaftlichen Wachstums entwickle sich das Kirchensteueraufkommen rasant und mache den Finanzchef der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Thomas Begrich, sprachlos: "Einen solch steilen Anstieg über drei Jahre gab es sehr lange nicht."
Der unerwartete Geldsegen wird jedoch bei den Kirchen, wie schon in der Vergangenheit, nur teilweise in neue Projekte investiert und in Jugendkirchen eher zögerlich, obwohl diese momentan die einzige adäquate Möglichkeit darstellen, die Zukunft durch die Bindung Jugendlicher an die Kirchen zu gewährleisten. "Unser erklärtes Ziel ist es, dass wir mit den Rücklagen weitgehend unabhängig von künftigen Haushaltsschwankungen werden", verkündete Marc Witzenbacher, der Kirchensprecher der Evangelischen Landeskirche Baden. Aber man fragt sich, wofür hier Rücklagen geschaffen werden, wenn die Kirchen leer sind. "Gebt dem Volke, was des Volkes ist", heisst es sinnigerweise an anderer Stelle.
Allerdings hält der Bochumer Politikwissenschaftler Ernst-Ulrich Huster kirchliches Engagement zur Armutslinderung für "problematisch". Zwar sei die Kirche dort stark, wo sie individuell arbeite, sagte er der Zeitschrift "Psychologie Heute", zugleich befreie aber dieses Engagement den Staat von seinem Handlungsdruck auf politischer Ebene, die strukturellen Ursachen der Armut zu bekämpfen. Zudem sei die Kirche als Institution selbst Arbeitgeber und von daher an den Verteilungsprozessen des gesellschaftlichen Reichtums beteiligt, erklärte Huder, Professor an der Evangelischen Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe.
Darüber hinaus bekomme die Kirche staatliche Gelder, um ihre Aufgabe als sozialer Dienstleister wahrnehmen zu können. "Die Frage ist, wie sich Vertreter der Kirche verhalten, ob sie wirklich Partei für die sozial Ausgegrenzten dieser Gesellschaft ergreifen und öffentlich für notwendige soziale Korrekturen eintreten, um soziale Ausgrenzung zu verhindern", so Huster. Da liege vieles im Argen. Bislang finde in den beiden grossen Kirchen weder eine theologische Auseinandersetzung um den Begriff Reichtum statt, noch werde in ernstzunehmender Weise über dessen Verteilung gestritten.Klar ist: Trotz sprudelnder Kirchensteuereinnahmen wollen die Landeskirchen in diesem Jahr vorsichtig haushalten. Das geht sogar so weit, dass in einigen Bundesländern die Sparvorgaben Kürzungen zum Religionsunterricht enthalten. Noch zum Weihnachtsfest 2007 stand im Mittelpunkt der Botschaften der grossen christlichen Kirchen die Themen Friede und Gerechtigkeit in der Welt sowie der Schutz der Umwelt und vor allem und in erster Linie mehr Fürsorge für die Heranwachsenden. Viele deutsche Bischöfe lasen den Eltern die Leviten und riefen dazu auf, den Kindern und Jugendlichen mehr Liebe zu geben.
Sie mahnten grösseren Einsatz für die Nachkommen an. Wo Heranwachsende vernachlässigt würden, müsse die Gesellschaft eingreifen, forderte beispielsweise der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Berliner Bischof Wolfgang Huber. Die Botschaft, dass Gott als Kind zur Welt gekommen sei, enthalte die Aufforderung, sich den Kindern in der Gesellschaft mit besonderer Aufmerksamkeit zuzuwenden.
Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, rief zu einer Neubesinnung für "Gerechtigkeit in der Gesellschaft" auf, und der evangelische Landesbischof in Baden, Ulrich Fischer, weist darauf hin, dass Gott Mut mache. "Niemand muss sich schämen, dass er oder sie kein Geld hat. Gottes Liebe können wir einander umsonst geben." Es scheint so, als ob die österreichische Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach die richtige Prämisse für derartige Aussagen parat hat: "Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft." So scheint vor allem die Jugend zu denken!
Oder doch nicht?
Die Zeiten, in denen Kirchen als Treffpunkte der sonntäglichen Andacht fungierten und sich jeder Pfarrer auf eine feste Gruppe Gläubiger verlassen konnte, sind längst vorbei. Die christlichen Kirchen teilen das Schicksal anderer gesellschaftlicher Gruppen wie z.B. Gewerkschaften, politischer Parteien und Vereinen: Ihre Bindungskräfte schwinden und die Jugendlichen gehen ihre eigenen Wege.
Vor allem die sogenannten Volkskirchen haben Schwierigkeiten, ihre Schäfchen zusammenzuhalten. Gerade jüngere Sinnsuchende sind offenbar empfänglich für populistische Parolen mit nicht selten zweifelhaften Glaubensansätzen. Und jetzt soll auch noch aus Gründen, die lediglich der Kirchenbürokratie eine Verschnaufpause verschafft, die missionarische Aufgabe des Religionsunterrichts vielerorts beschnitten werden. Doch gerade hier könnten Werte, wie sie fürderhin auch und vor allem in den JuKis auf unkonventionelle Weise vermittelbar werden, jenseits der sozialen Schichten auf fruchtbaren Boden fallen.
Denn die Jugendlichen sind, allen Unkenrufen zum Trotz, Sinnsuchende. Trifft man sie ausserhalb ihrer Cliqué, in der sie sich leider all zu oft irrationalen Gruppenzwängen untergeordnet fühlen, zeigt sich, dass die Insignien der Wohlstandsgesellschaft sehr schnell in den Hintergrund gerückt werden können. Werte, die Bestand haben, wie Liebe, Freundschaft, Ehrlichkeit, Treue und Verlässlichkeit sind plötzlich wichtig.
Gegensätze wie Arm oder Reich verlieren ihre Brisanz. Ansichten aus dem christlichen Kontext stehen unerwartet im Vordergrund - und die Suche nach dem "Sinn des Lebens". Was in den USA die Sonntagsschulen sind, stellt inzwischen in Ermangelung selbiger in den deutschsprachigen Ländern, nahezu als Ersatz, die Jugendkirchenbewegung mit anderen Mitteln dar: Die Einbindung Jugendlicher in eine Kirchengemeinschaft mit missionarischem und christlich geprägtem Bildungsauftrag.
Arme Kinder - Reiche Stadt
 Um sich der eigenen und der Situation innerhalb der Geschichte bewusst zu werden, empfiehlt die JuKi bei der Flottbeker Mühle eine Zeitreise in das Hamburg Wicherns. Die wenigsten Jugendlichen wissen, wer Johann Hinrich Wichern war. Wicherns Wirken ist immer noch in der Kirche und der Gesellschaft zu spüren, und das Thema ist heute so aktuell wie damals, was vor allem aus den Unsicherheiten innerhalb unserer Gesellschaft ersichtlich wird. Es handelt sich um ein Rollenspiel-Modell für die Arbeit mit Jugendlichen zum Thema Kinderarmut und soziale Verantwortung und stellt eine Kooperationsveranstaltung von 'Die Jugendkirche' und der Konfirmandenarbeit Nordelbien unter der Leitung von Robert Zeidler und Ekkehard Langbein dar - könnte das Thema durchaus abrunden.
Kosten: 10,- Euro Zeit: 9:30 - 12:30 Uhr Ort: 'Die Jugendkirche', Bei der Flottbeker Mühle 28, Hamburg Anmeldeschluss: 19.09.08 Melden Sie sich über das → Kontaktformular an. Die Dauer des Spiels ist ca. 2 Stunden, die Kosten 1 € pro Teilnehmer. |