Papst Benedikt XVI. hat das Ende von rassistischen Gesängen und Gesten in den Fussball-Stadien gefordert und strich die besondere Stellung des Sports beim Streben "nach Solidarität und Frieden“ heraus. Er verlangte ein konsequenteres Vorgehen gegen rassistische Ausschreitungen in Fussballstadien. Auch DFB-Kapitän Michael Ballack übernimmt im Kampf gegen Rassismus eine tragende Rolle:
Wie alle Spielführer der vier EM-Halbfinalisten verlas der Mittelfeldstar vor der Partie gegen die Türkei am Mittwoch im Baseler Stadion einen Appell gegen Rassismus. Die Aktion ist der Höhepunkt der Kampagne gegen den Rassismus, die sich die Uefa 312.500 Euro kosten lässt.
Bislang war diese offensichtlich erfolgreich, denn nach Angaben des europäischen Verbandes gab es während des laufenden EM-Turniers noch keine rassistischen Zwischenfälle. "Das ist ein Zeichen für die Reife der Fans. Uns ist aber klar, dass das Phänomen Rassismus nicht über Nacht verschwindet. Deshalb werden wir weiter dagegen kämpfen", sagte UEFA-Mediendirektor William Gaillard.
Unter dem Motto "Vereint gegen Rassismus" hatte die UEFA zusammen mit FARE zahlreiche Aktivitäten rund um die EM-Partien organisiert. Die Kampagne umfasst einen in München produzierten Anti-Rassismus-Spot, die Armbinden der Mannschaftskapitäne, Artikel in den Spielprogrammen, Bandenwerbung, spezielle Westen für die Ordner und die mit dem Motto in englischer Sprache ("Unite Against Racism") bedruckten Eintrittskarten.
UEFA-Präsident Michel Platini begrüsste am Rande der Euro die Aktivitäten und erklärte: "Die Kampagne 'Unite Against Racism' zeigt unseren Respekt für Vielfalt. Wir sind fest entschlossen, bei grossen Fussballturnieren wie der EURO sicherzustellen, dass die Spiele in einer harmonischen und respektvollen Atmosphäre ausgetragen werden können".
Für Piara Powar von der britischen FARE Mitgliedsorganisation Kick It Out, hat die Kampagne ‘Vereint gegen Rassismus’ durch eine hohe visuelle Präsenz innerhalb und ausserhalb der Stadien die Aufmerksamkeit der Fans erreicht. "Die Aktivitäten dieses Jahres markieren einen Wendepunkt bei der Art, wie diese soziale Botschaft kommuniziert wird", meinte der Direktor der britischen Anti-Rassismus-Organisation.
EMOTIONEN ERLEBENIn Wien wird Spanien, das sich am Donnerstagabend im zweiten Halbfinale 3:0 gegen Russland durchsetzte, der Gegner sein. "Das wird ein schwerer Brocken", sagte Matchwinner Lahm. Auch Löw äusserte grossen Respekt: "Die Spanier haben eine beeindruckende Leistung geboten. Im Vergleich zu den Portugiesen spielen sie variabler. Die Mittelfeldspieler wechseln ständig die Positionen und stossen in die Spitze vor. Dadurch sind sie unberechenbar."
"Wir können viel gewinnen - und das streben wir an. Wir haben jetzt diese Siegermentalität, um dieses Finale zu gewinnen", sagte der Bundestrainer nach den emotionsgeladenen 90 Minuten von Basel, die eine rasante Achterbahnfahrt der Gefühle waren: Freude, Verzweiflung und ein Jubelrausch nach dem märchenhaften Last-Minute-Tor von Philipp Lahm. Der Höhepunkt der schwarz-rot- goldenen Fussball-Party soll am Sonntag (20.45 Uhr) folgen, mit dem finalen Glücksmoment des vierten EM-Triumphes.
Deutschlands Nationalteam geht mit einer positiven Gesamtbilanz gegen Spanien in das EURO-Finale am Sonntag. Acht Siegen der DFB-Auswahl stehen sechs Remis und fünf Niederlagen bei einem Torverhältnis von 27:21 gegenüber. Auch in den direkten EM-Begegnungen haben die Deutschen mit zwei Siegen (je 2:0) bei je einem Remis (1:1) und einer Niederlage (0:1) knapp die Nase vorne. In diversen WM-Spielen waren die beiden Teams übrigens dreimal aufeinandergetroffen, dabei feierte die DFB-Elf zwei Siege (je 2:1) bei einem Remis (1:1).
Das bisher letzte Duell hatten allerdings die Spanier für sich entschieden. Am 12. Februar 2002 schossen Raul (2) und Guti, die beide allerdings nicht im spanischen Kader stehen, einen 3:1-Sieg in einem Vorbereitungsspiel für die EM-Qualifikation in Palma de Mallorca heraus. Fredi Bobic hatte für die DFB-Elf den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielt. Die Deutschen Friedrich, Metzelder, Klose und Neuville sowie die Spanier Casillas, Puyol und Xavi waren schon damals dabei.
Insgesamt gesehen haben die Deutschen auch von der Finalerfahrung einen Vorteil. Die DFB-Auswahl stand bereits fünf Mal in einem EM-Endspiel und ging dreimal (1972/1980/1996) als Sieger und zweimal als Verlierer (1976/1992) hervor. Den Spaniern gelang demgegenüber bei zwei Endspielteilnahmen (1964, 1984) nur bei der Heim-EM 1964 der einzige Titelgewinn.
"Eine Leistungssteigerung muss sicher her", betonte Ballack, der sechs Jahre nach seiner Gelb-Sperre im verlorenen WM-Finale 2002 gegen Brasilien (0:2) endlich gegen Spanien "sein" Endspiel bekommt. Die DFB-Elf sieht sich in einer psychologisch guten Position, wie Mertesacker bemerkte: "Wenn man denkt, dass wir zu nichts imstande sind, genau dann sind wir stark." Ein letztes Mal werden in Wien die Steigeisen angelegt: "Wir sind auf dem Gipfel. Ob wir ganz oben ankommen, wird sich Sonntag zeigen", bemerkte Torschütze Klose.
Löw, Ballack & Co. stehen vor der Krönung, an der auch ein besonderer Ehrengast teilhaben soll: "Ich würde mich riesig freuen, wenn Jürgen Klinsmann zum Finale kommt. Es ist irgendwie auch sein Finale", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger.
Da es die Mannschaft ja nun mit einer Kraftleistung ins Finale geschafft hat, findet am Sonntag, dem 29. Juli 2008, ab 20:00 Uhr in vielen JuKis ein Public Viewing statt. Getränke und Snacks gibt es in der Regel zum Selbstkostenpreis, und auch für gute Stimmung ist mit Sicherheit gesorgt. Ach ja: