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Freitag, 3. September 2010
EURO 2008: Jugendkirche, Papst und Pastor fiebern mit PDF Drucken
Geschrieben von pierre roh   
Donnerstag, 26. Juni 2008
Jugendkirche EURO 2008
 
Es ist weltweit gesehen das drittgrösste Sportevent, nach Olympia und der Fuss- ball WM: Die Fussball Europameister- schaft. Sie soll ganz im christlichen Sinne ein Fest des Friedens sein. Diesen Wunsch hat Sportminister Samuel Schmid immer wieder geäussert, und nach Meinung der ev. Theologin Birgit Weyel haben Fussball und Religion viel gemeinsam. Aber Ersatzreligion, wie ab und an behauptet wird? Wohl kaum! Und dennoch Oremus, denn es geht weiter:
DEUTSCHLAND IST IM ENDSPIEL!
  Jugendkirchen Laola
 
Deutschland ganz enthemmt: Wenn sich die Fans zu Tausenden auf öffentlichen Plätzen und Jugendkirchen zum "Public Viewing" tummeln, jubeln selbst die kühlsten Denker für den Siegtreffer, des öfteren auch lediglich "hinter vorgehaltener Hand". Egal, ob JuKi, Pastor, Papst - wenn Podolski angreift, Schweinsteiger nach vorne stürmt oder Torsten Frings eine seiner präzisen Flanken in den gegnerischen Strafraum zirkelt, halten alle die Luft an und fiebern mit.
 
Der Sportphilosoph der Freien Universität Berlin, Gunter Gebauer, glaubt diesen weit verbreiteten Hang zur Fussballbegeisterung deuten zu können: "In modernen Gesellschaften sind die Gelegenheiten für solche Gemeinschaftserlebnisse selten. Dieser allgemeinen Begeisterung kann man sich kaum entziehen. Hier wird der Individualismus zumindest vorübergehend überwunden", die Fussballverbände beider Länder warben in einem gemeinsamen Appell für ein friedliches Fussballfest. "Bei aller sportlichen Rivalität auf dem Spielfeld darf es keinen Platz für Gewalt und Randale geben", heisst es in der gemeinsamen Erklärung der beiden Verbandspräsidenten Theo Zwanziger und Hasan Dogan.
 
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble erklärte vorab im Berliner "Tagesspiegel": "Möge nicht nur die bessere Mannschaft gewinnen, sondern auch die deutsch-türkische Freundschaft." Auch Bundesaussenminister Frank-Walter Steinmeier hofft, dass keiner den Versuch unternehmen würde, "ein fröhliches Fussballfest zu stören." Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinden in Deutschland, Kenan Kolat, appellierte an Deutsche und Türken, das Spiel gemeinsam anzuschauen. Dennoch wurden die Sicherheitsmassnahmen bundesweit verstärkt, und um mögliche Hitzköpfe und Krawallmacher auszubremsen, waren Anti-Konflikt-Teams im Einsatz.

Da der Alltag vor allem in einigen sozialen Brennpunktgebieten allein durch ein Fussballspiel nicht ausgeblendet werden kann, galt das Miteinander an diesem besonderen Tag auch als Spiegelbild und Chance zur Überprüfung der gesellschaftlichen Realität. Gebauer ist überzeugt, dass sich auch für die Zugewanderten hier eine Gelegenheit bot, "ihre Zugehörigkeit zur Gesellschaft zu zeigen." Unter dem Pseudonym 'Playhinho' hatte ein 18-jähriger Spieler der U17-Jugend des VfL Bochum in einem Blog im Vorfeld des gestrigen Spiels einen bezeichnenden Kommentar geliefert, der die Problematik für  viele türkischstämmige Jugendliche aufzeigt: Für wen juble ich denn nun?

"Ich bin selbst Türke aber fühle mich ehrlich gesagt mehr Deutsch. Und ganz ehrlich, absolut richtig beschrieben: dies ist schon ein Finale des Europäischen Topfussballs. Eventuell kriegen wir wieder einmal von unserer Nationalmannschaft tollen und attraktiven Fussball zu sehen (wie gegen Portugal) und natürlich eine türkische Mannschaft die vom Glück 'verfolgt ' wird.

Aber wo kein Ehrgeiz ist, kann natürlich auch kein Glück sein. Leidenschaft, Kampf, toller Offensivfussball und keinesfalls Langeweile sind vorprogrammiert. Jedoch spielt die Türkei mit ihrer " Reserve ". Also werden unsere Helden ( Ballack & Co.) es leichter haben gegen sie anzukommen. Ein Ballack in seiner höchsten Form, wie zuletzt in Chelsea, würde im Mittelfeld für ausreichend Offensivkraft ausreichen um die Türken zu beschäftigen. Und Podolski sowie Klose (der sowieso in meinen Augen mit Poldi und natürlich Phillip Lahm einer der besten Deutschen ist) wird dann vorne alles 'einnicken'. Ein absoluter Klassiker !"
 
Solange Klose stürmt und Ballack köpft, spielen sozioökonomische Gruppen vordergründig fast keine Rolle, wie in den chrislichen Kirchen auch und in den Jugendkirchen sowieso. Selbst ethnische Missverständnisse verschwimmen im allgemeinen Freudentaumel, sogar gestern, als die Türkei auf Deutschland traf und ein hervorragendes Spiel trotz mannigfacher Ausfälle der Stammspieler lieferte. Joachim 'Jogi' Löw: "Wenn es bei ihnen einmal läuft, sind sie zu Aussergewöhnlichem fähig."
 
Fussball besetze mittlerweile auch Themen, die eigentlich religiös seien, so die Theologin Weyel. Unter anderem gehe es dabei um elementare Fragen, zum Beispiel nach Sieg und Niederlage, nach Moral oder nach Mannschaftsgeist. So könnten Fussball und Glauben die Menschen verbinden und Gemeinschaft stiften. Dass viele christliche Kirchengemeinden zur Fussball-Europameisterschaft "Public Viewing" veranstalten, findet sie deshalb gut. Kirche müsse sich "in der Mitte der Gesellschaft platzieren", ist die Professorin für Praktische Theologie an der Universität Tübingen überzeugt und Samuel Schmid bekräftigt: "Das Streben nach positiven Werten" verbinde die Kirche und den Fussball. Die Kirchen sollen auch während der Euro jede Chance nutzen, um bei den Menschen zu sein.

Die Zehn Gebote seien die Leitplanken für das Leben der Gläubigen. Die gleichen Werte, etwas anders formuliert, gälten auch in der Welt des Fussballs, ja des Sports überhaupt. "Beiden, dem Fussball und den Kirchen, ist leider eigen, dass diese Werte auch missachtet werden", so Samuel Schmid. Der Grat zwischen echtem Engagement und Fanatismus sei schmal, im Fussball, in den Kirchen und in der Gesellschaft. Ein positives Beispiel ist für den katholischen EM-Pfarrer Christoph Pelczar Deutschlands Stürmer-Star Lukas Podolski. Der taktvoll verhaltene Jubel des Deutschen bei den Toren gegen sein Heimatland Polen habe ihn schwer beeindruckt. "Ich bin persönlich stolz auf den Lukas Podolski." Dies sei der verbindende Geist, den eine EM haben sollte und den die Kirchen mit ihren Aktionen verbreiten wollten.

"Expect Emotions" ist das Motto dieser EM - "Erwarte Emotionen". Aber Gewalt dürfe man nicht zulassen. Und bisher ist die EM überraschend moderat über die Bühne gegangen. Tatsächlich kam es allein in Österreich bisher unter Mithilfe von 850 deutschen Polizisten zu 470 Festnahmen und 1400 Anzeigen. Das liegt im Rahmen. Egal ob Fairness, Vertrauen, Zusammenhalt, Umgang mit starken Gefühlswallungen oder Durchhaltevermögen - für den EM-Pfarrer Christoph Pelczar ist das Rasenfeld eine Miniaturversion der ganzen Welt. "Das sind Werte, die da vermittelt werden. Fussball ist keine Ersatzreligion, ergänzt sich aber perfekt mit dem Glauben."

Andreas Merkt, Professor für historische Theologie an der Universität Regensburg und erklärter Fussballfan, sprach dem Fussball gar "läuternden, pseudoreligiösen und zumindest christentumskompatiblen Charakter" zu. Auch für Christen eigne sich das "Kulturgut Fussball" zur Einübung ins Leben, versicherte der Theologe. So wie das Christentum - anders als die meisten anderen Religionen - dem menschlichen Körper eine besondere Würde zuweise, so könnten junge Menschen im Fussballspiel ein gesundes Verhältnis zum Körper entwickeln, "ohne jene Körperfeindlichkeit, wie sie sich im Berührungstabu genauso ausdrückt wie in jenen Misshandlungen des Körpers, wie sie die Regelwerke anderer Sportarten in Kauf nehmen".

Auch in der Fussballregel zum streng geächteten Revanche-Foul sieht Merkt ein Stück Bergpredigt aufflackern: "Zivilisation entsteht nur, wo die Gewalt nicht mit Gewalt erwidert wird." Fussball, so die These des Kirchenhistorikers, verkörpert demnach ein hohes Kulturgut, das besonderes kirchliches Wohlgefallen verdient, "weil es mehr noch als andere Arten von Sport und Spiel dem christlichen Menschenbild entspricht".

"Für viele Spieler ist ihr Glauben ihr letzter Halt und ihre letzte Motivation", weiss Pelczar. Besonders beim Elfmeter fühle sich der Fussballer verstärkt als Teil der Schöpfung und des Universums: "Nur Gott kann mir in diesem Moment helfen." Ein wirklich guter Fussballer muss seiner Meinung nach Körper, Geist und Seele vereinen. "Erst das macht ihn zum Star." Dass sich Ausgeglichenheit auch auf die Leistung auswirkt, ist für Pelczar klar. "Wer seine Seele zu Hause lässt und den Geist auf dem Weg ins Stadion verliert, hat auch körperlich keine Kraftquellen mehr." (siehe auch → Fussball und Glaube)

"Egal ob Sieger oder Verlierer, in der Kirche oder dem Glauben ist immer ein Platz für sie", sagt die evangelische Sprecherin von "Christen am Ball", Tanja Dietrich-Hübner. Kirche kann für die Protestantin bei einem Wettbewerb, in dem grosse Gefühle aufeinanderprallen, bei der Integration helfen. Ausserdem seien Gläubige ein Teil der Gesellschaft und wollten das bei dem Grossereignis auch zeigen. "Wir sind Teil der Gesellschaft und tragen Mitverantwortung für ein gutes Gelingen", betont der Linzer Bischofsvikar und Beauftragte der Bischofskonferenz für die Europameisterschaft, Wilhelm Vieböck im Hinblick auf ein friedliches Miteinander während der EM.

Das Antirassismusprogramm des europäischen Netzwerks "FARE - Football against Racism in Europe" setzt zur Prävention von Rassismus und Diskriminierung bei der EM auf TV-Spots, eine Strassenfussball-Tour und ein mehrsprachiges Fan-Magazine. Im sozialen Bereich betätigt sich unter anderem die Initiative "Fair Play. Viele Farben. Ein Spiel mit den "Fanbotschaften" , die heimischen und angereisten Fans als Treffpunkte und Informationsplattformen dienen. Stationäre Botschaften in den EM-Städten und mobile Konsulate sollen den Fans helfen, sich zurecht zu finden und die Gastgeberländer - nachhaltig - in guter Erinnerung zu behalten.

"Es geht im Sport nicht ohne Ethik und Moral." Extreme Auswüchse könnten auf diese Art hintangehalten werden, so Windtner. Es gebe "unwahrscheinlich viele Spitzenfussballer", die dem christlichen Glauben sehr stark verbunden seien. Miroslav Klose und Ivan Klasnic schlagen öfter mal ein Kreuz, Franck Ribéry betet vor jedem Spiel zu Allah, und Giovanni Trapattoni versprühte bei der WM 2002 Weihwasser auf dem Rasen: Sogar die grössten "Fussballgötter" huldigen in entscheidenden Momenten höheren Mächten.

 Selbst Papst Benedikt XVI. habe sich als Fussballanhänger zu erkennen gegeben. Trotzdem könne der Sport "keine Ersatzreligion sein, auch wenn er für viele Menschen zum Religionsersatz geworden scheint", betonte Bischof Tebartz-van Elst. Scheinbare Berührungspunkte zwischen den grossen Fussballgesten und kirchlichen Riten bedürften "doch auch einer kritischen Reflexion": Denn Fussballrituale beanspruchen, so der Bischof, keinen Transzendenzbezug, sie durchbrechen das Alltagsleben der Menschen höchstens für eine gewisse Zeit."

Eine "Ersatzreligion" sieht auch Vieböck im Fussball nicht, es gebe aber sicher "einzelne Glaubensleeren", die im Sport eine Alternative sehen. Man sei als Kirche gefordert, die Sehnsucht der Menschen auszufüllen, betonte der Bischofsvikar und auch der österreichische Sportminister Samuel Schmid ist überzeugt, dass Sport nicht zur Ersatzreligion hochstilisiert werden kann: " Das kann er gar nicht sein. Aber er ist für viele Menschen ein ganz wesentlicher Lebensinhalt. Mit seiner Mannschaft fiebert man mit, Tag für Tag, und am Wochenende pilgert man ins Stadion und hofft und betet für den Sieg. ... Der Dreiklang von Glaube-Liebe-Hoffnung hat etwas zutiefst Friedliches. Und das ist genau das, was sich 99,9 Prozent der Euro-08-Besucher wünschen: Ein friedliches Fussballfest."
 
Deutschland war bereit für eines der grössten deutsch-türkischen Volksfeste der Geschichte: In zahlreichen Städten wurden extra für das Halbfinale die Public-Viewing-Zonen ausgeweitet. Zahlreiche Politiker riefen die Fans zu einem friedlichen Fest im Sinne der deutsch-türkischen Freundschaft auf. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wohnen in Deutschland mehr als 2,1 Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln - und noch vor Anpfiff des Halbfinales war eines klar: Nicht nur in Deutschland waren gigantische deutsch-türkische Fussballfeste angesagt. Das "Mekka" für die Fussballfans lag gestern freilich mit geschätzten 100'000 angereisten Anhängern beider Lager in Basel, für die die SBB den öffentlichen Verkehr mit 242 Extrazüge aufstockte.
 
ANPFIFF 
 
Zum Halbfinal waren 39'374 Fussballbegeisterte sowie hochrangige Politiker aus Deutschland und der Türkei im St.-Jakob-Park in Basel zugegen. Sowohl der türkische Staatspräsident Abdullah Gül wie auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel haben das Spiel live im Stadion verfolgt. Dafür hatte die Kanzlerin ihren letzten politischen Tagestermin am Mittwoch extra auf 17:oo Uhr gelegt, damit sie anschliessend sofort ins Basler Stadion reisen konnte.

"Angie" ist Deutschlands bekanntester Fussball-Fan und die "Geheimwaffe". Nach dem schlechten Spiel gegen Kroatien schnappte sie sich Bastian Schweinsteiger nach seiner Roten Karte. "Oben auf der Tribüne hat sie mir den Tipp gegeben, dass ich mich beim nächsten Mal besser konzentrieren und noch mehr reinhängen soll", meinte Schweinsteiger.

Die Worte der "First Lady" scheinen auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Gegen Portugal drehte "Schweini" zur Verwunderung aller Experten auf, lieferte das beste Spiel seiner Karriere ab und führte das DFB-Team zum spielerisch glanzvollen 3:2-Sieg gegen Portugal ins gestrige Halbfinale, und auch gegen die Türkei schoss er den wichtigen Ausgleich zum 1:1.

Schon vor Anpfiff hatten die deutschen Fans ein Spruchband entrollt. Die Botschaft war eindeutig: "Wien ist das Ziel unserer Reise", und ob "Deutschland, Deutschland!" oder "En büyük Türkiye, baska büyük yok!" ("Die Türkei ist das Grösste, es gibt nichts grösseres") - ein Sprachgemisch tönte überall dort, wo sich Fans beider Länder für das Spiel warmsangen. Das DFB-Team war in den Anfangsminuten um die Kontrolle der Partie bemüht, agierte jedoch fahrig und äusserst ungenau. Ein Querschläger von Kazim, der Per Mertesacker im eigenen Strafraum alt aussehen liess, senkte sich unglücklich auf die Latte des Tores von Lehmann. Der Ball prallte Boral vor die Füsse, der ihn aus kurzer Distanz durch Lehmanns Beine über die Linie drückte (22.).

Der überraschende Ausgleich folgte auf dem Fuss: Lukas Podolski flankte von links, Schweinsteiger hielt aus sechs Metern den Fuss hin und bugsierte ihn mit dem Aussenrist unhaltbar für Rüstü ins rechte obere Eck (26.). Es gab neckische Sprechchöre wie "Ihr kriegt keinen Döner mehr" und mit zunehmender Dauer der Partie wurde die türische Mannschaft immer gefährlicher, wild entschlossen, die Schwächen auf den deutschen Seiten wie in der Innenverteidigung auszunutzen.

Das deutsche Spiel blieb zäh und ohne Ideen. Klose war es dann, der die deutschen Fans erlöste. Nach Linksflanke von Lahm stürmte Rüstü unmotiviert aus dem Tor, doch Klose war zuerst am Ball (79.). Sein Kopfball vom Elfmeterpunkt landete im leeren Tor. Doch Sabri erzielte in der 86. Minute den Ausgleich für die unberechenbarste Mannschaft des Turniers. Nach einer flachen Rechtsflanke liess Mertesacker ihn ziehen, Sabri bugsierte den Ball aus spitzem Winkel am unglücklich aussehenden Lehmann vorbei ins kurze Eck.

Dann kam der grosse Auftritt von Philipp Lahm. Ein schöner Doppelpass von Hitzlsperger ging genau in die Gasse und der Bayer netzte aus zehn Metern sicher und kraftvoll ein. Eine Woge der Begeisterung breitete sich in der Republik und bei den deutschen Zuschauern im St.-Jakob-Park aus. Auf Fanmeilen und Strassen, vor den Riesenleinwänden, in den Kneipen und in den JuKis, in denen man beim Public Viewing mitgefiebert hatte, feierten die Menschen das 3:2 von Ballack und Co. und so den vom Glück begünstigten Einzug der deutschen Elf in das Endspiel an diesem Sonntag in Wien, wo sie entweder auf Spanien oder das Überraschungsteam aus Russland trifft (Spanien gewann dann gegen Russland mit 3:0).
Das EM-Halbfinale am Mittwochabend hat nach Einschätzung des deutschen Auslandspfarrers in Istanbul die freundschaftlichen Beziehungen der Türken zu Deutschland gestärkt. Viele Veranstaltungen am Abend des Spiels hätten in der Türkei unter dem Motto "Freundschaft über alles" gestanden, freute sich der Pfarrer der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in Istanbul, Holger Nollmann.

Auch in der unmittelbaren Umgebung der deutschsprachigen Gemeinde habe das Spiel der friedlichen Nachbarschaft mehr hinzugefügt als genommen, berichtete der deutsche Theologe. Nach einem gemeinsamen Fussballabend hätten viele türkische Zuschauer den Deutschen gratuliert.

Auch in Deutschland feierten feierten Hunderttausende deutsche und türkische Fans nach dem Halbfinale gemeinsam - friedlich und ausgelassen. In Berlin feierten eine halbe Million Menschen, zu nennenswerten Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Türken kam es nicht. In Nordrhein-Westfalen verfolgten mehr als 450'00 Fans das Speil auf Grossbildleinwänden, allein 38'000 strömten in die Kölnarena. "So fair wie das Spiel war, so friedlich verhielten sich auch die deutschen und türkischen Fussballfans", lobte Innenminister Ingo Wolf.

Auf der Münchner Leopoldstrasse feierten 80'000 begeistert und in Hamburg waren es 42'000 Menschen, die das Spiel auf dem Fan-Fest verfolgten, darunter schätzungsweise 10'000 Türken. In Baden-Württemberg kamen laut dem zuständigen Innenministerium 340'000 ausgelassene Fussballanhänger zu Public-Viewings, 177 Autokorsos seien Rekord gewesen, und trotz der knappen Niederlage ihrer Mannschaft waren Türken vielerorts bei den obligatorischen Autokorsos samt Hupkonzert mit von der Partie.
 
Hier noch einige Artikel, die sich mit Fussball und Jugendkirche, Glaube, Toleranz und einem sportlichen Miteinander beschäftigen:
 
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