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Freitag, 3. September 2010
These 96 - Fussball MIT der Jugendkirche PDF Drucken
Geschrieben von pierre roh   
Dienstag, 24. Juni 2008
Jesus sagt: Ihr seid das Licht der Welt. Lasst euer Licht leuchten, damit die anderen Leute im Stadion und auf dem Fussballplatz eure guten Absichten sehen (sehr frei nach Matthäus 5,14+16). Wie dem auch sei - auf jeden Fall hat ein angehender Diakon einen vielleicht für manche ungewöhnlichen Verein gegründet: 

"These 96", Hannovers ersten christlichen Fanclub. 50 Mitglieder stehen schon auf der Vereinsliste, unter ihnen auch ein fussballbegeisterter Pastor.

Im Alter von neun Jahren hat es ihn gepackt. Damals war der heute auf die 30 zugehende Religionspädagoge André Lang mit seinem Vater zu einem der ersten Besuche im Fussball-Stadion von Hannover 96. "Es war ein 0:0 gegen den 1. FC Saarbrücken vor 3.500 Zuschauern bei Nieselregen" erinnert er sich. Das Match wurde für ihn zum Urerlebnis: "Ich glaube, es gibt kaum einen anderen, der in einem so tristen Spiel zum Fan wurde." Jetzt hat er den ersten christlichen 96-Fanclub gegründet. Die meisten Mitglieder sind zwischen 16 und 30 Jahre alt und treffen sich regelmässig in der Jugendkirche in der Nordstadt.

Irgendwann stellten sie fest, dass sie nicht nur das Interesse an der evangelischen Jugendarbeit teilen, sondern auch die Leidenschaft für Fussball. "Fanclubs werden oft aus einer spontanen Laune heraus gegründet, und unser Hintergrund ist eben die Jugendkirche", sagt Lang. In der Nordkurve der AWD-Arena hissen sie jetzt ihre grün-schwarze Fahne mit dem grossen christlichen Fisch-Symbol, wenn sie ihren Lieblingsverein Hannover 96 anfeuern.

Und in einem sind sich alle Vereinsmit- glieder und die fussballbegeisterten JuKis einig: "In erster Linie sind wir alle Fussballfans. Unsere Primärinteressen sind dabei unterschiedlich. Die einen spielen lieber selber Fussball und gehen nur selten ins Stadion, die anderen sind bei fast jedem Heimspiel anzutreffen, fahren gerne auch mal zu Auswärtsspielen und sind Mitglied bei den unterschiedlichen bestehenden Fanclubs. Wir wollen alle ansprechen, die auf unterschiedlicher Weise unsere Ansätze unterstützen."

Die Zahl 96, die an die Vereinsgründung im Jahr 1896 erinnert, hat sich für die evangelischen Fussball-Fans als recht ausbaufähig erwiesen: Sie fügten zu Martin Luthers 95 Thesen, die er am 31.10.1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg genagelt haben soll, einfach ihre "These 96" hinzu.

Für Luther war es theologisch wichtiger, sein Vergehen vor sich und Gott einzugestehen (Busse) als sich von seinen Sünden freizukaufen.'These 96' kann daher je nach Betonung des Namens zwei Bedeutungen haben:
  • 1. Liegt die Betonung auf '96' so steht der Fanclubname für all die kritischen Anmerkungen, die nicht durch Martin Luther an der Schlosskirche zu Wittenberg angeprangert wurden. So hat sich Martin Luther beispielsweise in der Schrift "Von der Freiheit des Christenmenschen" explizit für den Dienst und der Liebe am den Mitmenschen ausgesprochen – unabhängig vom Glauben. Dies soll in dem von uns abgestrebten sozialen Engagement umgesetzt werden.
  • 2. Liegt die Betonung auf 'These' wird weniger der Inhalt sondern vielmehr die reformatorischen Folgen hervorgehoben. Durch das Engagement Luthers hat sich viel in der Welt verändert. Das meiste dürfte im Rückblick positiv zu bewerten sein. Auch wir als Fussballfans wünschen uns oftmals Veränderungen (eine Reformation) und die Rückbesinnung auf das Wesentliche im Fussball. Gerade die weiter voranschreitende Kommerzialisierung, die oftmals zu Lasten des Ursprungvereines und der Fans gehen, stört viele Fans. Diesbezüglich wollen wir uns im Rahmen unserer Möglichkeit bei Projekten der Fanszene mit engagieren.
 
Mit dem Brückenschlag zwischen Kirche und Fussball folgt der Fanclub einer Entwicklung in anderen Städten. In Köln drücken die katholischen Fans von "tora et labora" ihrem 1. FC die Daumen, in Stuttgart die pietistischen "CVJM Buaben" dem VfB. In Hamburg jubelt die "Totale Offensive" in Hamburg, Berlin, Offenbach und Dresden sowie in Wolfsburg der Club "In christ united" für den VfL ist es nun der achte christliche Fanclub in Deutschland (wir berichteten →JuKi gegen Gewalt in Stadien).

Die Fans fiebern aber nicht nur mit - sie kicken auch selbst. Die Fanclubs in Hannover - insgesamt "rund 96", wie sie selbst sagen - haben eine eigene Fan-Liga gegründet, die Himmel und Hölle in Bewegung setzt: Hier kämpft "These 96" gegen die "Red devils" oder die "Wet onions" - und ist aktuell Tabellenführer. "Das schafft Respekt", schmunzelt André Lang.

Oberstes Gebot für die christlichen Fan-Kicker: "Wir wollen durch Fairness glänzen", betont Club-Mitglied Paul Derabin. Für ihn und seine Freunde steht "These 96" aber auch für soziales Engagement. So schwebt ihnen vor, Kinder im Stadion zu betreuen. "Live dabei zu sein ist ein Event, das durch das Fernsehen nicht zu ersetzen ist", sagt Lang. Durch Verhandlungen mit Hannover 96 will der Club vergünstigte Karten für die Jungen und Mädchen besorgen. Und zur Not soll ein Zuschuss aus der Kirchen-Kasse helfen: "Es darf nicht daran scheitern, dass sie es sich nicht leisten können."
 
Hier eine kleine DVD-Auswahl, die den Fussballfan begeistern könnten - und nicht nur den:
 
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