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Freitag, 30. Juli 2010
JUGENDKIRCHE pierre sein FILMTIPp: 06-08 PDF Drucken
Geschrieben von pierre roh   
Montag, 16. Juni 2008

Mein Bruder ist ein Einzelkind
Frankreich/Italien 2007; R.: Daniele Luchetti

Der Regisseur und Autor Daniele Luchetti ist in seiner Heimat Italien kein Unbekannter. Der 47-jährige Römer, cineastisch ein Nachfahre des grossen Ettore Scola, hält es mit Tschechow, wonach eine Erzählung nie direkt politisch sein, aber von Menschen erzählen solle, die sich politisch verhalten. Aus dem Dunstkreis des bekanntesten italienischen Regisseurs, dem Politfilmer Nanni Moretti (Der Italiener) heraustretend, dreht er seit 1988 erfolgreich Spielfilme, die aber bisher fast nie den Weg in die deutschen Kinos fanden. Nur "Der Taschenträger" lief 1992 in einigen Lichtspielhäusern.

Sein neuestes Werk, inspiriert von dem autobiografisch geprägten Roman "Il Fasciocommunista" von Antonio Pennacchi, mit dem klangvollen, aus dem Refrain eines in Italien extrem populären Volksliedes entstammenden Titel "Mein Bruder ist ein Einzelkind" bekommt nun nach einem ungemein grossen Publikumserfolg in der Heimat und als Abräumer bei den italienischen Filmpreisen durch den kleinen Verleih Koolfilm (u.a. Leergut, Das Haus aus Sand und Nebel) die Chance, deutsche Zuschauer für Luchettis Schaffen zu begeistern.

Von Marco Bellocchio, früher eine Galionsfigur des italienischen politischen Kinos, habe er gelernt, sagt Luchetti und spielt auf dessen Film "Buongiorno, notte" an, der von der Entführung und Ermordung Aldo Moros, des damaligen Chefs der Democrazia Cristiana, handelt: "Man kann einen Film zu historischen Ereignissen von einem gänzlich freien Standpunkt aus machen, ohne Zwang, die Geschichte rekonstruieren zu müssen."

Latina, Anfang der 60er Jahre. Das einst von Mussolini 1932 aus dem Boden gestampften Stadt in den früheren Pontischen Sümpfen südlich von Rom, ist alles andere als schön. Vor allem die Wohnungen zerfallen immer mehr und die von der Stadtverwaltung versprochenen Neubauten, für deren Errichtung von jedem Gehaltsscheck etwas abgezogen wird, lassen auf sich warten. Doch die Familie Benassi, die in einer der Bruchbuden wohnt, hat ganz andere Probleme.

Während Tochter Violetta (Alba Rohrwacher) eine vielversprechende Musikerin werden könnte und der älteste Sohn Manrico (Riccardo Scamarcio) mit seinem Charme jeden becirct, macht der jüngste Sohn Accio (erst: Vittorio Emanuele Propizio, später: Elio Germano) seinen Eltern (Massimo Popolizio, Angela Finocchiaro) Kummer. Nach zahlreichen Prügeleien und dem verpassten Spitznamen "Ekel" ist er mittlerweile auf einer Priesterschule gelandet, wo es ihn auch nicht lange hält. Am einen Tag noch fundamental in seinem Glauben, zweifelt er am nächsten die Regeln an und wird nach einer Prügelei rausgeschmissen.

Auch zu Hause geht er gleich mal wieder in Opposition zur Familie und versteht es sich herzhaft zu streiten. Während sein Bruder Manrico sich bei den Kommunisten engagiert, folgt Accio kurzerhand seinem väterlichen Freund Mario (Luca Zingaretti) in die Partei der Faschisten. Jahre später stehen sich die Brüder so immer wieder bei Demonstrationen gegenüber. Während Arbeiter Manrico seine Kollegen aufwiegelt und zum Streik und der Zerstörung des Kapitals aufruft, skandiert der intelligente Accio vor den Werkstoren die "Duce"-Rufe.

Zusätzliche Spannung bringt die hübsche Francesca (Diane Fleri) in die Beziehung. Manricos neue Freundin wird auch zu einer wichtigen Bezugsperson von Accio, der es liebt, sich mit der Kommunistin in endlosen politischen Streitgesprächen zu fetzen, sie aber gerne noch mehr lieben würde. Jahre ziehen ins Land, man verliert sich immer wieder aus den Augen und trifft sich wieder. Und während Accio immer mehr die Fehlgeleitetheit seiner politischen "Freunde" erkennt, wird Bruder Manrico in seiner politischen Anschauung zunehmend radikaler.

Die beiden Brüder reissen uns mit durch ein im Grunde lose gestricktes und dennoch fesselndes Drehbuch der Koryphäen Stefano Rulli und Sandro Petraglia, denen wir Höhepunkte des italienischen Films etwa von Bellocchio, Gianni Amelio und Francesco Rosi verdanken, auch "Il portaborse", mit dem Daniele Luchetti 1991 international bekannt geworden ist. Und jenes sechsstündige, ungleich ambitioniertere Panorama von 37 Jahren italienischer Geschichte, auch im Leben zweier Brüder, "La meglio gioventù" (2003). Hier, in "Mio fratello è figlio unico", ist das Politische augenzwinkernd ernsthaft an Liebe und Triebe delegiert, generell ans "Menschliche", haarscharf auch nur ans Menschelnde. Dies aber mit Esprit.
 
Speed Racer
USA 2008, R.: Andy und Larry Wachowski

Da "Speed Racer" ein Film der Brüder Wachowski ist, jenem Duo also, das mit seiner "Matrix"-Trilogie seinerzeit für maximale Aufregung in den Film-Seminarien rund um die Welt gesorgt hatte, sucht der Zuschauer schnell mal nach tiefen Bedeutungsebenen hinter den betont oberflächlich gehaltenen Comicbildern (Vorlage war japanische Zeichentrickserie "Speed Racer").

Denn mit dem digitalen Farbeimer geklotzt und nicht gekleckert haben Andy und Larry Wachowski bei ihrem neusten Film. Etwas farblos wirkt dagegen die Geschichte, in der ein aufrechter Rennfahrer einer geheimen Prüfstelle hilft, die dunklen Machenschaften mächtiger Grand-Prix-Organisatoren aufzudecken.

Der kleine Speed Racer träumt in der Schulbank davon, es seinem grossen Bruder Rex Racer (Scott Porter) gleichzutun und im schnittigen Rennwagen über die Grand-Prix-Pisten zu brettern. Doch vorerst bleibts ein Traum, denn Pops Racer (John Goodman) und Mom Racer (Susan Sarandon) betreiben zwar einen familiären Rennstall, konzentrieren sich aber auf Rex, der auf der Rennbahn kaum zu stoppen ist.

Es folgt ein Zerwürfnis zwischen Pops und Rex, das den erfolgreichen Grand-Prix-Piloten aus den Schoss der Familie treibt. Wenig später ist Rex bei einer brutalen Rally zu Tode gekommen. Speed (Emile Hirsch) trägt schwer am Schicksal des Bruders. Nur langsam gelingt es ihm, aus dessen Schatten zu treten. Doch dann saust er über die Pisten des internationalen Grand-Prix-Zirkus und sorgt mit seinen Siegen dafür, dass Pops Racers handgefertigte Boliden weiterhin unabhängig fahren können.

Sein Talent weckt bei der Konkurrenz Begehrlichkeiten. Zum Beispiel beim Chef von Royalton Industries (Roger Allam), der mit seinem Geld, seinen Technikern und seinen Fahrern die Wettkämpfe dominiert. Als Speed eine Traumofferte von Royalton ausschlägt, macht er sich damit den mächtigsten Mann des Rennzirkus zum Feind.

Die Gegner zeigen dem Meisterfahrer, wie rücksichtslos sie ihre wirtschaftlichen Interessen durchsetzen. Der setzt nun alles daran, Speed am Weiterfahren zu hindern, um damit die unabhängigen Racers zu ruinieren. Doch da hat er sich gewaltig verrechnet.

Zuerst gegen den Willen seines Vaters, später aber mit der Unterstützung der ganzen Familie, Freundin Trixie (Christina Ricci), dem geheimnisvollen Racer X (Matthew Fox) sowie dem Schimpansen Chim-Chim, beteiligt sich Speed an jener Rally, die schon seinem Bruder Rex zum Verhängnis wurde. Dem Gewinner winkt die direkte Qualifizierung für den galaktischsten Grand Prix aller Zeiten, und so beginnt jenes Rennen, das alles verändern wird.

Autofreaks werden sich ob der Präsentation ihrer Lieblinge die Augen reiben. Statt nach Benzin und Reifengummi riecht dieser Film aber eher nach Babypuder und Gummibärchen. "Speed Racer" ist der x-te Aufguss jener zeitlosen Geschichte vom beherzten Draufgänger, der mit der Familie im Rücken, den bösen Buben trotzt, oder wahlweise: vom sauberen Sportsmann, der sich gegen das geballte Kapital durchsetzt, oder wieder einmal: David gegen Goliath.

Christina Ricci über ihre Rolle in Speed Racer: "Ich mag sie, weil sie zugleich burschikos und süss und total patent ist." Dass sie jetzt auf dem Weg in die A-Liste ist, sieht sie ironisch gelassen. Es bedeutet Freiheit für sie: "Ich habe sieben Tattoos und muss sie bei Castings immer verstecken, weil Regisseure das nicht gern sehen. Wenn ich superberühmt bin, mach ich mir ein riesiges auf den Oberarm. Dann interessiert es keinen mehr!"

Christina gehörte einst, als Kinderstar, zur schrägen "Addams Family". Aber sie hat danach den Weg zur erwachsenen Schauspielerin souverän gepackt - spätestens seit ihrer Leistung in Ang Lees beeindruckendem Film "Eissturm". Trotz all ihrer Veränderungen: Christina Ricci bleibt die Maid fürs Schräge. Welcher Hollywood-Star würde sonst ein Mädchen mit Schweinsnase spielen?

Penelope
USA 2006, R.: Mark Palansky

Christina macht genau das in der skurrilen Tragikomödie "Penelope", die jetzt in unsere Kino kommt. Weil ein Fluch auf der Familie lastet und die Tochter deshalb wie Miss Piggy aussieht, wird sie von der Aussenwelt abgeschirmt. Klar, das ist ein Märchenfilm für Teenies, aber in Zeiten, in denen sich jede Hinterhof-Trulla die Nase richten lässt, zeigt Christina den verunsicherten Mädchen dieser Welt, wie man sich selbst so liebt, wie man ist. "Eine sehr schöne Geschichte", glaubt sie, "es geht um Anderssein, Intoleranz, Schönheitswahn." Und sie muss es ja wissen.

Den Schweinsrüssel perfekt in ihrem Gesicht zu "verankern", dauerte jeweils eine halbe Stunde: "Um nicht das Risiko einzugehen, ihn zu verlieren, durfte ich ab diesem Moment kein Wort mehr privat reden. Das war eine harte Strafe. Wo ich doch einwandfrei zur Spezies 'Plaudertasche' gehöre."

Wer glaubt, dass Christina Ricci mit Schweinsnase ein entstelltes Monster ist, vor dem die Männer voller Entsetzen reissaus nehmen, der glaubt auch, dass der Nikolaus der verkleidete Osterhase ist. Man kann über Ricci sagen, was man will, aber so leicht lässt sich diese Schauspielerin nicht hässlich schminken. Christina ist selbst mit Maske so offensichtlich gutaussehend, dass es die ganze grundlegende Idee des Films kaputt macht. Männer rennen schreiend weg, weil Penelope angeblich so hässlich ist, aber das Bild passt einfach nicht dazu.

Auf der adeligen Familie Wilhern lastet ein alter Fluch, der der einzigen Tochter Penelope (Christina Ricci) das Gesicht eines Schweins beschert. Ihre Familie hat zwar genug Geld für eine Schönheitsoperation, doch die würde nichts nutzen. Um den Fluch aufheben zu können muss Penelope einen blaublütigen Verehrer finden, der bereit ist, sie zu heiraten.

Dummerweise erlitten alle bisherigen Anwärter bei ihrem Anblick eine sofortige Panikattacke. Die erzeugte Komik schwankt dabei zwischen einer Handvoll gelungenen Gags, einigen Passagen, die durchaus schmunzeln machen, und einigen Szenen, die leider all zu oft ins Alberne abrutschen.

Und dann eines Tages taucht Max (James McAvoy, u.a. zu sehen in der König von Narnia) auf und bleibt erschreckend unerschrocken. Allerdings arbeitet Max für einen Reporter, der schon seit Jahren ein Foto von Penelope ergattern will. Trotz seines ursprünglichen Auftrages scheint Max jedoch Gefallen an Penelope zu finden …

Das vollkommen überflüssige Voice Over der Hauptfigur doppelt häufig das Gezeigte, erklärt das wenige Unerklärte und drischt Groschenroman-Phrasen wie "Ich spürte, wie mein Herz in tausend Stücke zersprang." Na? Wie geht's aus? Jeder darf dreimal raten.
 
Insel der Abenteuer
USA 2008, R.: Mark Levin & Jennifer Flacket

Nim (Abigail Breslin) und ihr Vater Jack (Gerard Butler), einem Meeresbiologe, leben mit ihren exotischen Tierfreunden alleine auf einer kleinen idyllischen Insel mitten im weiten blauen Ozean. Nims Mutter hatte gerade einem Wal in den Mund geschaut, als dieser von einem Kreuzfahrtschiff erschreckt wurde und sie verschluckte.

Das selbstbewusste 11-jährige Mädchen hat eine Menge Freunde: Fred, den Leguan, Selkie, eine furzende Seelöwin, und Chica, die Riesenschildkröte und liest, während Jack im Wasser nach unentdeckten Einzeller-Arten sucht, leidenschaftlich gerne Bücher, vor allem schwärmt sie von den Abenteurern ihres hartgesottenen Helden Alex Rover.

Als Jack einen zweitägigen Ausflug unternimmt, taucht das Kreuzfahrtschiff wieder auf, um die unberührte Insel als Touristenparadies zu missbrauchen. Gerade in dieser angespannten Situation nimmt Nim durch Zufall eMail-Kontakt mit dem Abenteurer Alex Rover auf, dem Helden ihrer Lieblingsbücher, und bittet 'ihn' um Hilfe.

Und das wirbelt ihr Leben gründlich durcheinander! Denn der "echte" Alex Rover ist eine Frau (Jodie Foster), die Autorin der Bücher, die Abenteuer noch nicht mal aus der Ferne erlebte und von Phobien geplagt zurückgezogen in San Francisco wohnt. Als er/sie erfährt, dass Vater Jack auf See verschollen scheint, überwindet sie ihre Ängste und macht sich auf ans andere Ende der Welt, wo die kleine Nim derweil versucht, die bösen Touristen zu verscheuchen.

Oscarpreisträgerin Jodie Foster ("Anna und der König", "Flightplan"), Starnachwuchs Abigail Breslin ("Little Miss Sunshine", "Vielleicht, vielleicht auch nicht") und Gerard Butler ("300", "P.S. I love You") spielen die Hauptrollen in diesem Film, der nach Wendy Orrs Kinderbuch "Wie versteckt man eine Insel?" gedreht wurde. Der Film besteht im Grunde aus einem 90minütigen ersten Akt, denn kurz nachdem Rover wieder auf der Insel gelandet ist, läuft der Abspann. Nim’s Voiceover deutet weitere Geschichten an ...
 
Ein einziger Augenblick
USA 2007, R.: Terry George

Professor Ethan Learner (Joaquin Phoenix) hat vor kurzem seinen Sohn verloren. Nun steht er vor einer Gruppe Studenten, die über die Leiden innerhalb des islamischen Kulturkreises diskutieren. Für einen Moment dringt die Weltpolitik ein in einen Film, der ansonsten hermetisch abgeriegelt zu sein scheint von allem, was ausserhalb der unmittelbaren Lebenswelt seiner Protagonisten vor sich geht. Und auch in dieser Szene verschwindet der politische Diskurs alsbald in der Grossaufnahme Ethans: Die Stimmen der Studenten verlieren sich im Hintergrund, zurück bleibt die zerquälte Subjektivität des bärtigen Akademikers. Genauer gesagt: Zurück bleibt der Darsteller Joaquin Phoenix, der dieser Subjektivität seinen Körper leiht.

Unter der Egide von Hotel Ruanda-Regisseur Terry George spielen drei absolute Topstars in der Verfilmung eines Bestsellers von John Burnham Schwarz ("Eine Sekunde nur"), die sich zuerst über das Schauspiel seiner beiden Hauptdarsteller definiert. Und Schauspiel heisst in diesem Fall in erster Linie Leiden.

Eine einzige Sekunde der Unachtsamkeit verändert das Leben zweier Familien schlagartig: Anwalt Dwight Arno (Mark Ruffalo) ist mit seinem Sohn Lucas (Eddie Alderson) auf dem Heimweg von einem Baseball-Spiel der Boston Red Sox. Dabei übersieht er auf einer dunklen Waldstrasse den zehnjährigen Josh Leaner (Sean Curley). Der Junge ist mit seinen Eltern Ethan (Joaquin Phoenix) und Grace (Jennifer Connelly) sowie seiner Schwester Emma (Elle Fanning) unterwegs.

Die Familie macht Rast an einer Tankstelle, wo Josh seine gerade gefangenen Glühwürmchen am Wegesrand in die Freiheit entlässt. Dwight erfasst den Jungen mit seinem Wagen und fährt ihn zu Tode. Geschockt flieht er nach kurzer Überlegung vom Tatort. Der frisch geschiedene Dwight hat panische Angst davor, seinen Sohn gar nicht mehr sehen zu dürfen, falls er als Folge des Unfalls verurteilt würde.

Während Grace versucht, ihrer Trauer Herr zu werden, verändert sich College-Professor Ethan von Rachegelüsten getrieben zusehends. Er will nicht ruhen, bevor der "Mörder" seine gerechte Strafe erfahren hat. Die Polizei ist dabei keine allzu grosse Hilfe, die Ermittlungen kommen nur schleppend voran. Deshalb nehmen sich die Learners einen Anwalt, der in ihrem Namen bei den Behörden Druck machen soll: Dwight Arno.

"Ein einziger Augenblick", in den USA zwar ursprünglich einmal Oscar-Anwärter, dann aber an den Kinokassen katastrophal gefloppt (122'000 $ Einspielergebnis, was ihn aus der Oscar-Wertung katapultierte - wobei man hier vor Augen geführt bekommt, was eine künstlerische Beurteilung des Oscars wert ist), stellt so etwas wie ein Ostküsten-Qualitätskino-Gegenentwurf zur blutrünstigen Death-Wish-Reihe (1974-1994 dar). Dabei vermeidet es der Regisseur, den Zuschauer trotz der eigentlich eindeutigen Ausgangslage zu manipulieren.

Nicht nur, dass George die Schicksale von Ethan und Dwight gleichberechtigt verfolgt, die Sympathien verschieben sich mit der Zeit sogar, weil der trauernde Vater, der seinen Sohn auf tragische Weise verloren hat, langsam aber sicher schwer aus der Spur läuft, während auf der anderen Seite der mit schweren Gewissenkonflikten belastete Fluchtfahrer zur Besinnung kommt - was einen Showdown der persönlichen Konfrontation unvermeidlich macht.

Die Wege der Figuren führen doch auffallend oft zueinander, vereinen sie gar zu einer Art ungewollten Schicksalsgemeinschaft. Die nebenher laufende Thrillerebene (die Polizeisuche nach dem Flüchtigen Dwight) wird ebenso untergeordnet wie alles andere.

Das geschieht eindringlich, oft beklemmend und bedrückend, geht an die Substanz, weil beide Seiten ihr schwere Bürde zu tragen haben. Trotz des Storykonzentrats bleiben die Handlungen und Motive der Charaktere dennoch authentisch. Wen der kontrollierte emotionale Exzess des Hollywood-Schauspielerkinos begeistert, wird mit "Ein einziger Augenblick" zufrieden sein.
 
 
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