"Das alles ist im übrigen eine gut christliche Haltung. Jeder von uns sollte das auch an den Tag legen", forderte die evangelische Landesbischöfin, die am 3. Juni ihren 50. Geburtstag feierte - wir gratulieren. "Und wenn wir diese Lebenslust ausstrahlten, das würde viel ausmachen", ist sie überzeugt. "Die Freude am Glauben und an der kirchlichen Gemeinschaft ist ein Stück verloren gegangen", ist sich auch der Freiburger Erzbischof und Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz Zollitsch sicher, und "wir haben es teilweise verlernt das, was uns im Glauben bewegt und trägt, anderen mitzuteilen."
Der Katholikentag könne Impulse geben, den Glauben neu zu entdecken und intensiver zu leben, und Bischöfin Käßmann meint, dass der Katholikentag in Osnabrück ein guter Anlass sei, Frohsinn zu zeigen, was sie mit dem katholischen Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz in ökumenischer Eintracht beim Eröffnungsgottesdienst überzeugend demonstrierte. 
Es sei ein gutes Zeichen, so Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, dass neben dem Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, die lutherische hannoversche Bischöfin Margot Käßmann sitze.
Osnabrück zeigte, dass die angebliche ökumenische "Eiszeit" nicht dominieren muss. Die Hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann und Kardinal Karl Lehmann warben für den "Kairos", für die Gunst der Stunde, beharrlich an der ökumenischen Sache weiterzuarbeiten.
Der Bischof von Mainz, Kardinal Karl Lehmann, hielt eine wichtige Grundsatzrede unter der Überschrift "Auf dem Weg in die Weite. Perspektiven für die Ökumene im 21. Jahrhundert". Der Vorsitzende der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz, der auch Vorsitzender des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen ist, regte an, die bisherige Sichtweise auf die Reformation als "Morgenröte einer neuen Zeit" durch andere thematische Schwerpunkte grundlegend zu ergänzen.
Und auch Zollitschs spontan gesprochenen Worte über das in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbesserte Verhältnis zu den Juden wird noch oft zitiert werden: "Es wird keine Wende der Wende geben. Der Weg geht nach vorne. Dafür stehe ich hier." Im Verhältnis zur evangelischen Kirche herrscht dagegen zwei Jahre vor dem Ökumenischen Kirchentag in München weitgehend Stagnation.
"Gewisse Anspannungen" seien nicht zu leugnen, stellte Margot Käßmann fest. In der Ökumene hakt es derzeit vor allem auf der Ebene der Amtskirchen. Das ökumenische Miteinander auf Gemeindeebene sei oft leichter als auf höheren Ebenen, räumte die Landesbischöfin ein. In den Gemeinden sei das gegenseitige Lernen längst im Gange
und stelle ein Geben und Nehmen dar, das aufeinander neugierig mache.
Als innovative Vorreiter einer weitreichenden Ökumene auf christlicher Ebene lassen sich beispielhaft die Jugendkirchen anführen: Welche funktionierende Juki ist in der Praxis nicht schon längst ökumenisch, auch wenn sie sich dessen nicht offiziell bewusst sein darf? ♥siehe auch: ... ökumenische JuKis?♥
Nachdem von offizieller Seite Defizite und gravierende Versäumnisse in der Ökumene eingeräumt wurden, tauchte die Frage auf, wie sich christliche Jugend in Zukunft innerhalb einer christlichen Glaubens- gemeinde gestalten könnte.
Willi Schönauer, Projektberater und Coach zahlreicher erfolgreicher JuKis, auf Anfrage hierzu: "Ein Weg könnte sein, Jugendkirchen zu Kompetenzzentren und Zukunfts-Labors auszubauen und dort neue Formen auszuprobieren und erfolgreiche Konzepte planmässig weiterzugeben.
Studien sagen übereinstimmend: Mehr zielgruppenspezifische Angebote. Wenn man Jugendliche direkt mehr nach ihren Wünschen fragen würde, und zwar alle Jugendlichen queerbeet und nicht nur die bereits kirchlich angebundenen, würde man vermutlich bald gute Ideen bekommen.
Jugendliche sind eingeladen, die Angebote zu nutzen, unabhängig von ihrer Konfession. Es wird eine grosse Offenheit praktiziert, die konfessionellen Unterschiede werden zwar nicht verschwiegen, aber auch nicht intensiv thematisiert und kommen eher am Rande vor.
Jugendkirche ist stark am "Zielkunden" ausgerichtet, oftmals nach dem Motto: von Jugendlichen für Jugendliche. Gleichzeitig soll Jugendkirche häufig niedrigschwelliges Angebot für bisher nicht erreichte Jugendliche sein. Daher verfolgen sehr viele Jugendkirchen in ganz unterschiedlicher konfessioneller Trägerschaft einen offenen, ökumenischen Ansatz, da Jugendliche häufig kein Interesse und wenig Verständnis für konfessionelle Trennung haben.
Es gibt aber auch einige wenige Jugendkirchen, die ein konfessionelles Profil fördern, hierbei aber überwiegend bereits konfessionell vorgeprägte Jugendliche erreichen. Wenn in Jugendkirche "etwas los ist" wollen Jugendliche auch ihre Freunde mitbringen können, unabhängig von deren Konfession. Viel wichtiger ist die Frage, wie Glaube auch im Alltag gelebt werden kann und wie sich Gottesbeziehung in jugendgerechter Form herstellen lässt."
Als politische Botschaft des Katholikentags wünschte sich die Bischöfin Käßmann zudem, ein Signal gegen Kinderarmut zu setzen. Die Politiker müssten zum Handeln gedrängt werden. Lehrmittelfreiheit, Schulstartergeld und Gratis-Schulspeisung müssten unbedingt zusätzlich zum monatlichen "Hartz IV"-Satz von 208 Euro pro Kind kommen.
"Es ist unerträglich, dass in einer Schule die einen warmes Mittagessen haben und die anderen nicht. Kinder können doch nicht zusehen müssen, wie die anderen vor gefüllten Tellern sitzen", ereiferte sich die Mutter, die Christin, die Bischöfin und der Mensch Margot Käßmann. Hier sollten die Kirchengemeinden unbürokratisch helfen.
Der Geldmangel von Eltern wirke sich zunehmend auf die Entwicklung ihrer Kinder aus, die sich ungesund ernährten, einen hohen Medienkonsum und nur mangelhafte Ausbildungschancen hätten und mehr und mehr in isolierten Wohnvierteln unter sich blieben. Die Landesbischöfin forderte Kommunen und Verbände auf, gemeinsam gegen Kinderarmut anzutreten. Die Überwindung dieses Missstandes liege nicht nur in kirchlichem, sondern auch in gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Interesse.
Schon bei der Einschulung würden die sozialen Unterschiede zwischen den Schülern deutlich. "Die einen kommen in neuen Nike-Turnschuhen, die anderen in alten Gummistiefeln“, sagte die Landesbischöfin. Die Erstausstattung eines Schülers kostet heute 633,40 Euro, ein Betrag den sich arbeitslose Eltern ohne Zuschüsse nicht leisten können. Um Abhilfe zu schaffen, soll die Aktion "Schulranzen für alle“ ins Leben gerufen werden.
Die Landesbischöfin bestritt fünf Auftritte beim Katholikentag. So leitete sie den Ökumenischen Gottesdienst am Freitag im Osnabrücker Dom, auf dem besondere Aufmerksamkeit lag und den sie mit dem Hamburger Erzbischof Werner Thissen zelebrierte und ausserdem beteiligte sie sich anschliessend am Podium "Wir sind Klima - Ein himmlischer Rastplatz für Mutige und Zögernde, Fragende und Suchende, Träumende und Wissende" in der Schlosswallhalle. Desweiteren war sie an einigen biblischen Impulsen mittragend.