Die 18-köpfige Jury, in der neben Kirchenvertretern, Architekten und Jugendlichen auch der städtische Baureferent Wolfgang Baumann sass, hat sich aus sieben Entwürfen nach einer langen zwölf-stündigen Beratung für den Vorschlag des Nürnberger Architekten

Roland Nörpel entschieden. Der Umbauvorschlag Nörpels hebe sich von denen der sechs Mitbewerber durch geringere Eingriffe in die Bausubstanz ab, begründete der Vorsitzende des Preisgerichts, Professor Hartmut Niederwöhrmeier, das Jury-Urteil.
Herzstück des ausgewählten Konzepts ist ein langgezogener rohrförmiger Neubau, der parallel zum bestehenden Kirchenbau zwischen diesem und dem freistehenden Turm installiert wird. Darin sollen der Foyerbereich sowie ein einladendes Jugendcafé Platz finden.
Mit diesem Kunstgriff haben Nörpel und sein Team eine der zentralen Vorgaben des Wettbewerbs erfüllt, ohne kostenintensive Umbauten an der 1963 eingeweihten Kirche

vornehmen zu müssen: Ein transparenter Eingangsbereich, der Hemmschwellen abbaut und die Jugendlichen zum Eintreten einlädt.
Ein weiterer Vorteil dieses Entwurfs ist, dass der Zugang zum Sakralbau vom Gehsteig zurückgesetzt wird. Dadurch sollen vor und nach den geplanten Jugend-Veranstaltungen wie Musicals oder Konzerten die bis zu 300 Teilnehmer den Passanten nicht in die Quere kommen.
Durch den Beibehalt der Sakraleinrichtung und die nur geringfügigen Eingriffe im Innenbereich, sei die herkömmliche Nutzung der Räumlichkeiten durch die St.-Lukas-Gemeinde ebenfalls sichergestellt, betont Dekanatsjugendpfarrer Thomas Kaffenberger. Er hofft, dass der Kirchenvorstand von St.Lukas und der Landeskirchenrat

in München noch vor der Sommerpause ihre notwendige Zustimmung zu dem Entwurf geben.
Denn der 1,5 Millionen Euro teure Umbau soll im Herbst dieses Jahres starten. An einer eventuellen Beteiligung der Jugendlichen an den Bauarbeiten und konkreten Vorhaben nach der anvisierten Eröffnung der Jugendkirche an Ostern 2009 werde bereits gearbeitet, sagte Tobias Fritsche, der das Projekt Jugendkirche als Pfarrer betreut und leitet. Mit dem Nürnberger Pilotprojekt will die Landeskirche Jugendliche auf neue Weise ansprechen. Junge Leute zwischen 15 und 29 Jahren sollen mit experimentellen Gottesdienstformen, Theateraufführungen und Rockkonzerten einen mitgestalteten und eigenen Erfahrungsraum bekommen.
Das Jugendkirchen-Team wird nun am 7. Mai den Siegerentwurf beurteilen und diskutieren. Es sind alle 3D-Modelle, auch die, die den Zuschlag leider nicht erhielten, ausgestellt. "Der nächste Meilenstein auf unserem Weg zu einer Jugendkirche in Nürnberg ist gelegt. Wir haben einen Entwurf für den Umbau gefunden", freute sich das gesamte JuKi-Team, und "jetzt bist du mit deiner Kreativität gefragt, damit aus diesem Entwurf eine Jugendkirche nach deinen Vorstellungen wird. Also komm vorbei zum

Teamtreff am 7. Mai um 18 Uhr."
Vor der endgültigen Auftragsvergabe, die noch vor der Sommerpause erfolgen soll, ist allerdings noch die Zustimmung des Kirchenvorstandes von St.Lukas und des Münchner Landeskirchenrates zu den Bauplänen erforderlich.
Alle Architektenentwürfe sind bis 8. Mai im Eckstein, Burgstrasse 1-3, zu sehen (9 bis 18 Uhr). Vom 13. bis 16. und vom 19. bis 21. Mai werden die Modelle in der Lukas-Kirche am Leipziger Platz ausgestellt (je 9-15 Uhr).
Mit dem Nürnberger Pilotprojekt will die Landeskirche Jugendliche auf neue Weise ansprechen. Ziel ist die Entwicklung von jugendgemässen Formen der Spiritualität. Der Nürnberger Dekanatsjugendpfarrer Thomas Kaffenberger sieht in der Jugendkirche eine Antwort auf den massiven Abbruch von Glaubenstraditionen: "Wenn wir jetzt nicht in neue Ideen investieren, geht uns die junge Generation verloren."