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Freitag, 30. Juli 2010
Jugendkirche ... und Generation "Benefit"? PDF Drucken
Geschrieben von pierre roh   
Montag, 7. April 2008
Viele Optionen offen halten, pragmatisch und flexibel sein, andocken, wo es nützt: Jugendliche in Deutschland haben in der Regel eine pragmatische Lebensorientierung. Das ist ein Ergebnis der Sinus-Jugend-Studie, die der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und MISEREOR - das Entwicklungshilfswerk der katholischen Kirche in Auftrag gaben.

Die Untersuchung gibt differenzierte Einblicke in die Lebensstile Heranwachsender, über ihre Wertvorstellungen, Sehnsüchte, Zukunftsentwürfe, Einstellungen zu Gemeinschaft und Engagement. Erstmals zeigen die Sinus-Milieus die Haltung junger Menschen gegenüber Religion und Kirche. Die Sinus-Jugend-Studie ergibt, dass das Gros der Jugendlichen nach dem "Richtigen und Wahren" sucht.

Spiritualität ist demnach bei der Jugend angesagt. Die katholische Kirche und deren Organisationen erreichen mit ihrer Jugendarbeit ca. ein Drittel der jungen Milieus, hier vor allem die Traditionellen, die Bürgerlichen und die Post-Materiellen. Bei den von Sinus diagnostizierten zukünftigen Leitmilieus, den Performern und Experimentalisten, haben die katholischen Verbände und Kirche insgesamt nur sporadischen oder überhaupt keinen Kontakt.

Das erklärt die Studie unter anderem so: "Der Pragmatismus, die Technologie- und Medienaffinität und das insgesamt lustvolle wie verantwortungsbewusste Leben dieser Jugendlichen stellen Erwartungen an Kirche, die sie aus jugendlicher Sicht derzeit nicht erfüllt." Man finde in katholischen Jugendverbänden zwar Gemeinschaft und könne sich in Projekten engagieren - aber Sozialität findet man als Jugendlicher auch in anderen Sozialformen oder Organisationen.  Dazu kommt, dass "die meisten keine Vorstellung davon haben, was für sie Vorteile und Nutzen einer katholischen Jugendarbeit sein könnten."

BDKJ-Bundesvorsitzende Dirk Tänzler"Katholische Jugendarbeit ist immer im Wandel. Deshalb stellen wir uns den Herausforderungen gerne. Mit den Ergebnissen haben wir ein gutes Analyseinstrument, um zu schauen, wie wir in Zukunft auf weitere Milieus zugehen können. Damit setzen wir auch Impulse für die gesamte katholische Kirche in Deutschland", kommentiert der BDKJ-Bundesvorsitzende Dirk Tänzler.

Kirche ist für viele Jugendliche nicht mehr "in". So sehen Jugendkirchen für sich  die Aufgabe, positive Zugänge zu jungen Menschen zu ermöglichen und dadurch  daran mitzuwirken, Hemmnisse gegenüber einem negativ geprägten Bild von  Kirche bei jugendlichen Zielgruppen abzubauen: "Auch so kann Kirche sein".

Die "jungen Leute von heute"

Obwohl alle nach dem "Richtigen und Wahren" suchen, kommt die "Frohe  Botschaft" der Kirche bei Jugendlichen nicht immer an. Jugendkirchen können hier übersetzen. Es gilt  vor allem, jugendgerechte Sprachen und Methoden zu finden. Jugendkirche will Begegnung und Zugänge zum Evangelium und zur Person Jesu Christi schaffen.

Um diesem missionarischen  Auftrag gerecht zu werden, braucht es Freiräume zum Ausprobieren neuer Formen. Dabei darf es keine  Denkverbote geben. Die Ergebnisse werden als Impuls für die ganze Kirche dienen müssen. Die katholische Jugendkirchen verstehen sich dabei immer als Teil der christlichen Gemeinde und verbinden diese mit Jugendkulturen, und dabei geht es nicht nur  um Angebote für, sondern insbesondere mit der Jugend. Dabei ist zu beachten, dass Jugendliche sich eher projektgebunden und nicht mehr  dauerhaft  engagieren möchten.

Die Jugendkirchen entwickeln in der Regel eigene spezifische Mitmachangebote für Jugendliche und junge  Erwachsene in Form von  Workshops, Events, JuGodis u.a. Diese verfolgen das Ziel, Jugendliche an den Grundgedanken  christlicher Solidarität in der Einen Welt heranzuführen und sind bestrebt, mithilfe jugendadäquater Kommunikation in ihrer jugendkirchlichen Arbeit näher an die Lebenswelt, die Sehnsüchte, die Interessen Jugendlicher heranzukommen.

Die Jugendlichen selbst schaffen sich zwischenzeitlich ihre ureigenen Richtlinien innerhalb unserer materiellen, erfolgsorientierten Gesellschaft, die leider sehr oft nur  von einer Ellenbogenmentalität und überbordendem Egoismus geprägt scheint. Aber es gibt auch andere Tendenzen: Jugendliche, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen - für ihr Denken und Handeln, für sich und andere.

Wie die 16-jährige Katharina aus Bayern, die sich für die Jugendlichen ihrer Kirchengemeinde engagiert. Oder der 27-jährige Hip-Hop-Sänger Peter Pan aus Württemberg, der in Schulen, Krankenhäusern und Gefängnissen mit Menschen über Glauben und Werte diskutiert. Sind die "jungen Leute von heute" etwa nicht mehr das, was sie einmal waren?

Gerade in der Arbeitswelt ziehen immer mehr Menschen die Konsequenzen aus Erfahrungen, die sie mit rücksichtslosem Karrieredenken gemacht haben: Für den 24-jährigen Münchner BISS-Verkäufer Joker und die 27-jährige Finanzberaterin Elke aus Kronach nehmen Ehrlichkeit und Nächstenliebe heute einen höheren Stellenwert ein als das persönliche Weiterkommen.

Und auch der Wert von Familie und Partnerschaft hat sich für manche mittlerweile gewandelt. Für das junge Paar Petra und Tobias etwa stehen klassische Tugenden wie Treue und Ehrlichkeit an erster Stelle. Und "selbstverständlich" wollen sie heiraten und eine Familie gründen ...

Warum die Kirchen nicht einmal mehr ein Gros dieser Jugendlichen, die ja die Werte der christlichen Lehre augenfällig hochhalten, innerhalb der alten Kirchenstrukturen ansprechen, ist leider nur zu offensichtlich: Sie sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt.


Kritiker meinen, dass den bestehenden Kirchen die Jugend geraubt wird. Es ist tatsächlich so, wenn es einer traditionellen Kirche nicht gelingt, den Freiraum für ihre Jugend zu schaffen, dann suchen sich die Jugendlichen einen anderen Weg. Das geht selten ohne Spannungen ab. Hier ist es wichtig, dass sich die verschiedenen Generationen verstehen lernen. Wir von jukis.org wollen einen Beitrag zu diesem Dialog leisten!

Wir möchten hier Jungendkirchen und Gruppen die Möglichkeit geben, sich zu präsentieren und auf eure Aktionen aufmerksam zu machen (z.B. mit Hilfe des 'Bewegungsmelders' www.jukis.org/bewegungsmelder). Wenn du eine lebendige church in deiner Nähe kennst, lass es uns wissen - wir wollen am Puls bleiben. Wir wollen dich hier informieren was in der frommen Gemeinschaft der Jugendkirchen aber auch sonst so Nennenswertes abgeht.

Sinus-Downloads

1. Im BDKJ-Journal 2/2008 wurden die Studienergebnisse skizziert. Neben einem einführenden Artikel finden sich auch wichtige Grafiken und eine tabellarische Übersicht über die jugendlichen Milieus:

2. Prof. Dr. Dr. Michael N. Ebertz, selbst Mitglied im Beirat der Studie, hat für den BDKJ-Bundesverband eine Zusammenschau der jugendlichen Milieus in Bezug auf Politik, Bildung, Freizeit und Religion erarbeitet:

3. Eine „Reise durch die Milieus der Jungen Erwachsenen“, erschienen in der September/Oktober-Ausgabe 2008 des BDKJ-Journals, bietet einen humorvollen Überblick über die Lebenswelten der jungen Menschen im Alter von 20 bis 27 Jahren.

4. Milieugrafiken

 

 
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