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Freitag, 3. September 2010
Keine Jugendkirche in China! PDF Drucken
Geschrieben von pierre roh   
Mittwoch, 19. März 2008
 
 
 
Die Situation der Christen in China ist vielen Menschen nicht bekannt. China kennen die meisten nur aus dem Fernsehen, von günstigen Waren aus dem Supermarkt und vielleicht noch durch die Olympischen Spiele 2008 in Peking. Dass in China Menschenrechte unterdrückt werden hat auch schon der ein oder andere gehört.
 
Wie konkret das allerdings aussieht und wie in China die Religionsfreiheit eingeschränkt und bei Verstössen mit dem Tode bestraft werden kann, ist nur den wenigsten bekannt - das soll sich ändern. Aus diesem Grund wurde hier mit Hilfe von Patrick Brückner's Thesenpapier, das er im April 2007 für den Religionsunterricht angefertigt hatte, dieser Text erstellt:

Schon in den Jahren vor der Machtergreifung der Kommunisten in China im Jahre 1949 waren viele westliche Missionare nach China gegangen, um dort die gute Botschaft verkündeten. Im Jahre 1900 waren es mehrere tausend, von denen mehrere Hundert im Boxeraufstand des selben Jahres ihr Leben lassen mussten.


Trotz dieser Ereignisse kamen immer neue Missionare aus dem Westen nach China, so dass ihre Zahl im Jahr 1949 schätzungsweise wieder auf 6000 angestiegen war. In dieser Zeit, zwischen 1900 und 1949 fingen Christen an, auch Schulen, Universitäten und Krankenhäuser zu gründen, um den Leuten neben der spirituellen Hilfestellung auch praktisch helfen zu können.

Man schätzt die Zahl der Christen im Jahr der Machtergreifung der Kommunisten auf 700.000 - im Verhältnis zur Gesamtbevölkerungszahl von 540 Mio. macht das einen Anteil von 0,13% - ein verschwindend geringer Anteil - und das hat sich auch heute nicht geändert, wie einer der bekanntesten Christen Chinas, Dr. Han, bestätigt: "Unsere Kirche ist eine sehr junge, kleine Kirche, aber wir werden immer grösser."

Eine Herausforderung besteht für Dr. Han darin, eine junge Generation von Führungspersönlichkeiten heranzubilden und neue Pastoren und Pastorinnen auszubilden.1949 betrug das Verhältnis von Geistlichen zu Gemeindegliedern 1:100, heute beträgt es 1:4000.

Als die Kommunistische Partei Chinas KPCh die Führung des Staates übernahm, war für sie klar, dass China nach kommunistischem Vorbild ein Staat ohne Religion sein sollte. Alle Religionen wurden abgeschafft, Kirchen und Tempel geschlossen und alle Missionare bis 1952 des Landes verwiesen.

Die Kirchen wurden zum grössten Teil zerstört oder umgebaut, Pastoren und ganze Gemeinden wurden verhaftet und zum Teil zu lebenslanger Haft in Arbeitslager geschickt. Ihre Häuser wurden von der Roten Garde immer wieder nach Beweisstücken für "ausländischen Imperialismus" - insbesondere nach christlichen Gegenständen und Schriften - durchsucht. Und alle Bücher, einschliesslich der Bibeln, deren sie habhaft werden konnten, wurden verbrannt.

Obwohl man es sich im Westen nicht vorstellen konnte, waren chinesische Gläubige weiterhin im Untergrund aktiv. Da man bis ins Todesjahr Mao Zedongs 1976 wenig über Land und Leute in China erfahren hatte, war es für viele eine Überraschung von einer Untergrundkirche in China zu hören. In geheimen "Gotteshäusern" trafen sich kleine Gruppen von Christen, um gemeinsame Gottesdienste abzuhalten.

Pfarrerin Gao Ying, Professorin am Theologischen Seminar in Nanjing und Mitglied des ÖRK-Zentralausschusses, bemerkt dazu: "Wir verdanken es der Kulturrevolution, dass wir in unserer Schwachheit Kraft fanden. Gott hat uns wirklich durch das Tal der Schatten des Todes geführt."


Ende der 70er Jahre erlaubte der neue Staatschef Deng Xiaoping die Wiedereröffnung der Kirchen unter Führung der “Drei Selbst Kirche bzw. 三自教会”, eine protestantische pro-staatliche Organisation, die den Kirchen unter strengen Auflagen das abhalten von Versammlungen ermöglichte. Allerdings musste jeder, um an diesen Versammlungen teilnehmen zu können sich registrieren lassen.

Eine Registratur bedeutete vollkommene Kontrolle des Staates über seine Bürger. Predigtexte musste vor den Gottesdiensten dem “Religious Affairs Bureau” vorgelegt und von ihm abgesegnet werden. Die meisten dieser Regelungen sind bis heute noch inkraft und erschweren die Arbeit der christlichen Kirchen in China.

Neben dieser Protestantischen Bewegung gibt es auch eine ähnliche Katholische Kirche unter Staatlicher Aufsicht, die ca. 5 Millionen Mitglieder hat. Die Katholische Kirche ist allerdings in China stärkerer Unterdrückung ausgesetzt als die protestantischen, da der Vatikan Taiwan als eigenes Land anerkannt hat.

Trotzem konnte die Katholische Kirche auch mit der Priesterweihe und Ausbildung beginnen. Eine offizielle Verbindung nach Rom, darf es aber wegen der Taiwan-Frage nicht geben. Der offiziellen Kirche in China gehören ca. 12 Mio. Menschen an.

Weiterhin gibt es in China noch heute die Untergrundkirche. Die Unterdrückung dieser unregistrierten Kirchen in China ist immer noch sehr stark und inzwischen werden auch bei Wiederholungstätern in Einzelfällen Todesstrafen verhängt. 

Der Grund dafür, dass diese Christen sich nicht der Staatskirche anschliessen wollen ist der Wunsch nach unabhängigkeit und alleiniger Ausrichtung am Evangelium und nicht am Staat. Ausserdem kritisieren sie, dass in der “Drei Selbst Kirche” die Partei vor Gott käme.

Diese “Hauskirchen”, wie sie auch genannt werden, da sie sich meist in Privaträumen von Gemeindemitgliedern treffen, sind zum ‘Teil im Untergrund gut ogranisiert, zum Teil aber auch von anderen Gruppen abgeschottet. Die Sinim-Gemeinschaft, eine Dachorganisation der Hauskirchen in China, schätzt die Zahl der Hauskirchenmitglieder auf 40 Mio. Menschen.
 

Die Summe der Christen in China heute variieren daher. Untere Schätzungen sprechen von 30 Mio., manche Quellen gehen aber auch von bis zu 100 Mio. Christen in China aus. Das hiesse, das trotz Not und Unterdrückung durch den Staat die Christliche Kirche in China nicht komplett unterbunden werden konnte, sondern sie im Gegenteil gewachsen ist. Der Anteil an Christen heute (ausgegangen von 1,3 Mrd Menschen Gesamtbevölkerung) ist damit von 0,13% auf einen Anteil zwischen 2,5% und 8% gestiegen.

Die Amity Foundation wurde 1985 von Christen eingerichtet, um in den Bereichen Gesundheitsversorgung, Bildungsarbeit und ländliche Entwicklung zu helfen und die soziale Not vor allem in ländlichen Gebieten zu lindern. Die Organisation engagiert sich derzeit in 31 der 32 chinesischen Provinzen und arbeitet mit einer grossen Zahl internationaler und lokaler Partner zusammen. 

In seiner Beschreibung der Amity Foundation unterstreicht Dr. Han diese breite Basis der Hilfeleistung und Zusammenarbeit. Er führt dafür zwei wichtige Gründe an: "Da wir eine Minderheit sind, benötigen wir, wenn wir etwas erreichen wollen, die Unterstützung der Gemeinschaft." Und er stellt ebenfalls fest, dass in der heutigen Welt "zu viel Konfrontation herrscht. Wir wollen zeigen, dass wir bei der Linderung menschlicher Not zusammenarbeiten können."

Obwohl im Vorstand auch Nichtchristen vertreten sind und sich auch die örtlichen Behörden häufig an der Durchführung von Projekten beteiligen, werden alle Projekte von Kirchen und christlichen Ortsgemeinden initiiert. Und eines der "erfolgreichsten" Projekte war die Wiedereinführung der Bibel in China.

Seit 1987 gibt es auch eine Staatliche Bibeldruckerei, die es der Staatskirche ermöglicht Bibeln an Gläubige zu verteilen. Das Verteilen von Bibeln oder Schriften an Nichtgläubige, also Evangelisieren, ist striktestens untersagt, das evangelisieren z.B. eines Minderjährigen (in China, wie in Deutschland auch: unter 18) kann mit bis zu 25 Jahren Gefängnis bestraft werden. Selbst Eltern dürfen ihre Kinder vor dem 18. Lebensjahr nicht mit in die Kirche nehmen oder mit ihnen über ihren Glauben zu reden, sonst droht ihnen gleichermaßen eine Gefängnisstrafe. Die “geschädigten” Kinder werden meist in staatlichen Erziehungsanstalten auf ein atheistisch-weltliches Denken geschult.

Heute veröffentlicht der Amity Verlag, ein gemeinsames Unternehmen des Weltbundes der Bibelgesellschaften (UBS) und der Amity Foundation, die Bibel in Chinesisch, Englisch, Braille und in mehreren Minderheitensprachen Chinas. 25 Millionen Exemplare sind seit Ende 1987 gedruckt worden. Der Verlag druckt auch Gesangbücher, Bibelstudien und Lehrmaterial sowie andere christliche Literatur. Die einzige "Einschränkung" besteht, laut Peter Dean, einem UBS-Verlagsberater, darin, dass die Bibel nicht in staatlichen Buchhandlungen verkauft werden darf. Aber die Bibel ist in privaten Buchhandlungen, in kirchlichen Buchhandlungen und Verlagen sowie über Vertriebszentren im Allgemeinen leicht erhältlich; statistisch könnte ca. jeder 100te Chinese eine Bibel besitzen.

Erst im Jahr 1999 wurde eine zweite Bibeldruckerei in China gebaut, die unter Internationaler Aufsicht läuft. In dieser Druckerei wird erstmals eine Bibel in Chinesischer Sprache gedruckt, auf deren Übersetzung die Chinesische Regierung keinen Einfluss genommen hat bzw. nehmen konnte, da die Finanzierung von Amerikanischen Kirchen getragen wurde. Dean weist darauf hin, dass es nicht nur kostengünstiger ist, Bibeln in China zu drucken, statt sie zu importieren, sondern dass dies auch wichtig für das Selbstverständnis der chinesischen Kirche ist.

"Die Menschen hier freuen sich, dass die Bibeln in China gedruckt werden", stellt er fest und fügt hinzu, dass legal gedruckte Bibeln, ganz praktisch gesehen, nicht eingezogen werden können. Er fügt auch noch hinzu, dass es eine Frage des Respekts ist. "Es ist wichtig, die geöffnete Tür auch zu nutzen und gegenseitiges Vertrauen zwischen Regierung und Kirche aufzubauen."

Hier stellt sich also die Situation ein, dass nicht einmal jeder Christ in China eine Bibel besitzen kann und die Regierung ist sich dieser Situation bewusst, verhindert aber mit allen Mitteln dass Bibeln an anderen Orten als der Patriotischen “Drei Selbst Kirche” verteilt werden, in der es z.B. jedem Gläubigen nur einmal gestattet ist eine Bibel zu kaufen - daher sind viele Hauskirchen oft trotz hoher Mitgliederzahlen nur mit einer einzigen Version der Bibel ausgestattet, teilweise sogar von Hand geschriebene Abschriften. Weiter ist die Auflage pro Jahr auf 3,5 Millionen Exemplare beschränkt - im Durchschnitt werden aber laut “Amity Press” nur 2,3 Millionen tatsächlich produziert.
 

Doch gibt es auch Fälle, in denen, speziell auf dem Land, unregistrierte Kirchen von den Behörden gedultet werden und speziell in strukturschwachen Regionen ist das Missionieren und bauen von christlichen Schulen, Krankenhäusern, Waisenhäusern und ähnlichem nicht nur möglich sondern auch erwünscht.

Eine pragmatische Erklärung wäre: "Laienprediger predigen oft mit Nachdruck, dass ein Christ Früchte tragen sollte. Ein guter Christ zeichnet sich dadurch aus, dass er Früchte trägt." Deshalb setzen sich Christen, häufig sind es Frauen, sehr hartnäckig dafür ein, dass Familienmitglieder und Freunde mit in die Kirche gehen. In ländlichen Gebieten, wo es keine angemessene oder erschwingliche ärztliche Versorgung gibt, kann Bekehrung zum Christentum auch als Reaktion auf die Heilung von Krankheit erfolgen.

Eines der grundlegenden Merkmale des chinesischen Kontextes besteht darin, dass das Christentum eine Minderheitsreligion in einem atheistischen Staat ist. Pfarrerin Gao spricht von den Erfahrungen, die sie während ihres Theologiestudiums im Westen gemacht hat, und weist darauf hin, dass es zwischen dem Westen und China grosse Unterschiede in der Art und Weise gibt, wie Menschen Christen werden.

Im Westen "erfährt ein Mensch von der Geburt bis zum Erwachsenenalter religiöse Unterweisung - durch Radio, Fernsehen, Zeitungen, Zeitschriften und Massenmedien. Liebe Gottes, Sündenfall des Menschen und Erlösung durch Jesus Christus sind Begriffe, die jedem vertraut sind." In China "findet die Evangelisationsarbeit der Kirche ... im Grossen und Ganzen nur in Kirchengebäuden statt." Angesichts dieser Realität gibt es für das Wachstum des Christentums in China nur eine Erklärung: "Es ist ein Wunder."

Aber solche Erklärungsversuche können nicht vergessen machen, mit welch ungeheurer Energie die christliche Gemeinschaft in den letzten zwanzig Jahren ihr Zeugnis und ihren Dienst ausgebreitet hat. "Am wichtigsten für uns Christen in China ist es", sagt Dr. Su, "dass wir versuchen, Salz und Licht in der Gesellschaft zu sein." 

 

Quellenverzeichnis:

DVD “十字架” von China Soul for Christ Foundation
Artikel “Volksrepublik China” von Wikipedia
Artikel “China” von der Überseeischen Missions-Gemeinschaft (ÜMG/OMF ist das Missionswerk Hudson Taylors)
Positionspapier “Die Wahrheit über China” von Open Doors
Artikel “China - Vom erleben der Kirche in China” von der kath. Mission der Deutschen Dominikaner

 

 
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