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Freitag, 3. September 2010
Jugendkirche in Hamburg auf der Zielgeraden PDF Drucken
Geschrieben von pierre roh   
Mittwoch, 27. Februar 2008
Hamburgs erste Jugendkirche ist ein wegweisendes, allerdings auch fast 290'000 Euro teures Projekt, das in anderen Bundesländern bereits unter ähnlichen Bedingungen erfolgreich funktioniert. Denn nichts ist wichtiger für eine intakte Gesellschaft, als jungen Menschen die Grundlagen und Werte des Glaubens zu vermitteln. Kinder und Jugendliche sind Zukunft und sollten in der Gegenwart nicht vernachlässigt werden,
sei es temporär noch pekunär.

Gebete im Gotteshaus zwischen dröhnenden Rock-Klängen und bunten Lichtspielen? Das mag befremdlich klingen, aber der Versuch wurde zum wiederholten Male mit durchschlagendem Erfolg gewagt: Diesmal in Hamburg. Nach mehr als 40 Jahren erhält die Bugenhagenkirche Groß Flottbek, Tochterkirche der Groß Flottbeker Kirche, eine neue Aufgabe: Sie wird zur ersten Jugendkirche in Hamburg, finanziert von den vier fusionierten Nachbarkirchenkreisen Blankenese, Altona, Niendof und Pinneberg. Die vier Kirchenkreise beschreiten damit einen alternativen Weg, um einen Gotteshausverkauf zu umgehen.

Er sei froh, dass die Fusion zur Stärkung von Arbeitsbereichen genutzt werde, sagte Blankeneses Propst Schomerus, und: "Eine neue Jugendkirche ist toll. Aber es ist für mich auch immer spürbar, dass der Abschied von diesem Haus für die alte Gemeinde ein ganz wichtiges Thema ist." Amtskollege Gorski hofft, dass die Jugendkirche auch Jugendliche aus schwierigen Familienverhältnissen erreicht, die sonst mit kirchlichen Angeboten wenig anfangen können. Propst Melzer pflichtet dem bei und betont, er sei "sehr stolz, dass die Synoden hier noch mal richtig Geld angefasst haben".

Der Weg zu Hamburgs erster Jugendkirche war lang. Schon im Jahr 2000 gab es Planungen. Doch erst mit dem Zusammenschluss der Kirchenkreise Altona, Blankenese, Niendorf und Pinneberg zum Grosskirchenkreis Hamburg-West/Südholstein konnte das Grossprojekt Jugendkirche finanziell ermöglicht werden. Ein junges Team um den Jugendpastor Robert Zeidler plante daraufhin eine Kirche ohne fixierte Bänke, mit einer professionellen Musik- und Lichtanlage, ohne Kirchenvorstand und mit Aktionen wie Kunstworkshop, Musical, Jugendgottesdienst oder Filmabend.

Zukünftige JugendkircheDie Jugendkirche könnte eine intensivere Verbindung schaffen zwischen dem christlichem Glauben und der Lebenswelt Jugendlicher, den Teenagern einen Zugang zur Kirche eröffnen, der nicht mit der Konfirmation endet. "Kommen kann natürlich jeder, wir machen keine Alterskontrolle am Eingang", erklärte Robert Zeidler. "Entscheiden tun aber nur die Jugendlichen." Die Jugendlichen sind von dieser Idee begeistert, allen voran das 13-köpfige Organisationsteam, das sich aus Schülern und Studenten aus ganz Hamburg zusammensetzt. "Endlich haben wir einen Raum, in dem wir unsere eigenen Ideen verwirklichen können", sagt Lea Sievers (17), Schülerin aus Osdorf.

Dass sie diese Aufgabe durchaus im Bewusstsein der grossen Verantwortung in die Hand nehmen, ist spürbar. Die jugendlichen Organisatoren, die mit grossem Eifer an der Entwicklung von Plänen für ihre neue Kirche arbeiten, haben es sich zum Ziel gemacht, auch andere Jugendliche zwischen zwölf und 27 Jahren für die Religion zu begeistern. "Wir wollen keine langweiligen Gebete. Auch wenn Gebete dabei sind, wird das verdammt cool", sagt Organisator Michael Sahlmann aus Rotherbaum; "ausserdem hoffen wir, dass die kirchliche Jugendarbeit wieder ein Stück weit 'sexy' wird."

"Einen Brückenschlag von der Lebenswelt Jugendlicher zur Welt des Glaubens wolle man versuchen, so Zeidler. "Wir werden Gottesdienste und Andachten mit besonderen Formen ebenso anbieten wie Konzerte, Ausstellungen oder Theater. Jugendkirche kann heissen, dass die Kirche wochenlang zum Paradiesgarten wird mit Hängematten, Palmen, Planschbecken und alkoholfreier Bar." Im Klartext: Den Jugendlichen bei der Identitätssuche wieder Religion näherbringen und verständlich in einer zeitgemässen Form und jugendkulturellen Umgebung den Glauben darlegen, sollte vorrangiges Ziel sein.

Wichtig sind dazu aufgeschlossene Geistliche, die den Heranwachsenden zur Seite stehen. Biblische Psalmen als Rap oder eine Rockband vor dem Altar seien Mittel, die Zielgruppe zu erreichen. Mit Aktionen könne man den Glauben zum Erlebnis machen. Zeidler: "Eine Idee ist zum Beispiel, mit 15 bis 20 Tonnen Sand und Palmen die Kirche in eine Wüstenlandschaft zu verwandeln, um die Wanderung durch die Wüste zu thematisieren."

Wenn Jugendliche selbst die Kirche mit christlichem Leben füllen, sie "cool" finden, identifizieren sie sich mit ihr und ihrer Gemeinde. "Ich finde es spannend auszuprobieren, was passiert, wenn wir wirklich einfach machen, was wir uns von Kirche wünschen", sagt Leena. Und Gerhard, ebenfalls vom ersten Tag an dabei, sieht in dem auf sieben Jahre angelegten Projekt die Chance, Jugendliche dauerhaft, also auch über den Konfirmandenunterricht hinaus, zu binden: "Es ist schön, weil hier wirklich etwas von unten entsteht." Das ist gerade in Zeiten, da Kirchen über knappe Kassen und Austritte von Mitgliedern klagen, begrüssenswert. In Zeiten fallender Zahlen junger Kirchengänger hat das Projekt auch klare missionarische Hintergründe: "Indem wir etwa mit Schulen kooperieren, möchten wir Kindern und Jugendlichen die Religion schmackhaft machen", betont Zeidler.

Im April sollen die Umbauarbeiten abgeschlossen sein. Statt harter Holzbänke gibt es dann bequeme Stühle und Sofas, an der Decke werden grosse Träger für Licht- und Tonanlagen montiert, und im Foyer der Bugenhagenkirche entsteht ein Bistro mit einer Küchenzeile. Und das Wichtigste: Das Sagen haben hier nur die Jugendlichen, aber "die Jugendkirche ersetzt nicht die evangelische Jugendarbeit der Ortsgemeinden, die vom Jugendpfarramt betreut wird. Sie ist gedacht als eine zusätzliche 'Tankstelle' für junge Menschen", stellt Zeidler ausdrücklich fest.

Der komplette Altarraum mit dem grossen Bronzekreuz, der Kanzel oder dem Taufbecken bleibt erhalten, denn natürlich ist die Jugendkirche in erster Linie ein Gotteshaus, in dem es auch Taufen und Hochzeiten geben wird. "Sicherlich hat alles, was wir machen, mit Religion zu tun. Was wir veranstalten, findet in der Kirche statt. Ob Liebe, Konflikte oder Sucht, alle Themen sind religiös", sagt Robert Zeidler, Jugendpfarrer der Gemeinde.

Mit dröhnenden Bässen und den bunten Lichtern der Scheinwerfer-Anlage beginnt ein neues Kapitel der Bugenhagenkirche in Groß-Flottbek. Jetzt steht auch der genaue Eröffnungstermin fest. Am 18. April 2008 wird die Jugendkirche mit einem grossen Gottesdienst eingeweiht. Auch die Bischöfin des Hamburger Sprengels, Maria Jepsen, wird zu diesem Anlass anwesend sein.

Neben dem Gottesdienst mit der Einführung des Pastors an der Jugendkirche haben wir für die Zeit nach dem feierlichen Anlass eine Feier zum Anlass eingeplant. Ein Konzert der Band “Neue Farben” aus Hamburg wird den ersten Tag zum rocken bringen.

Am 19. April zeigt die Jugendkirche dann schon gleich, dass es nicht nur um Gottesdienste und Andachten geht. Mit der Premiere des Theaterstücks “Wilder Panther, Keks!” wird das Programm fortgeführt, um dann am 20. April mit einem neuaufgelegten “In Search of God”-Jugendgottesdienst das Eröffnungswochenende abzurunden.

Bereits am Karfreitag. dem 21. März 2008, findet in der Kirche der Passionsrock als eine Art "Jugendkirchen-Preview" statt. Die Kirche, noch unter dem alten Namen Bugenhagenkirche, soll bis dahin zumindest mit den grundlegenden Dingen soweit ausgestattet sein, dass ein Eindruck der Jugendkirche mit all ihren Möglichkeiten entstehen kann.

Technik wird wenig bis gar nicht zum Einsatz kommen, allerdings nicht, weil sie nicht da sein wird, sondern weil der Passionsrock eine Andacht ist, die sich mit dem Sterben Jesu beschäftigt. Abwechselnd mit Instrumentalstücken soll dabei die Passionsgeschichte gelesen werden.

Zum Thema: Hamburg bekommt Jugendkirche
 
Jugendkirche Groß-Flottbek
Ort: Bugenhagenkirche
Bei der Flottbeker Mühle 28
22607 Hamburg
Info: Pastor Robert Zeidler
tel. 0 40 / 80 05 00 38
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