Haupt Menu
Home
News & Infos
Archiv
Suchen
JuKi Links
Bewegungsmelder
Jukis
Über uns
Disclaimer
Fun Zone
Flash eCards
Games & Fun
Home
Freitag, 3. September 2010
Erzbischof Robert Zollitsch in Sandweier PDF Drucken
Geschrieben von pierre roh   
Sonntag, 24. Februar 2008
Der Freiburger Erzbischof und neue Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, war heute in der Autobahnkirche Baden-Baden/Sandweier in der Veranstaltungsreihe Theologisch-politischer Dialog  der Katholischen Region Mittlerer Oberrhein/Pforzheim - Bildungszentrum Karlsruhe - Akademikerverband in der Erzdizöse Freiburg zu Gast. In seinen Ausführungen zeigte er sich besorgt darüber, dass der politische Nachwuchs in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten immer weniger aus der kirchlich geprägten Jugendarbeit hervorgegangen sei.

Bereits vor einigen Tagen, bei einem Besuch der 'Thomas-Morus-Realschule' in Östringen, machte er deutlich, dass eine "Ist mir doch egal"-Mentalität für die Jugend nicht ausreichend sein könne. Dabei erinnerte er die Schüler an den Namensgeber ihrer Schule, der als "Heiliger des Gewissens" gelte.

Die Lebensweise des englischen Staatsmannes Thomas Morus sei auch für die Jugendlichen von heute noch zeitgemäss: "Morus war vielseitig interessiert. Für ihn war Bildung nicht nur wegen seines Berufs wichtig, sondern diente ihm auch zur Orientierung im Leben", dozierte Zollitsch. "Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass es sich lohnt, die Dinge anzupacken." Der heutige Auftritt in der Autobahnkirche mutete fast wie eine Fortsetzung seiner Rede vor den Realschülern an.
 
Der Besuch begann gegen 9.30 Uhr mit einer heiligen Messe, deren musikalische Gestaltung der Kirchenchor St. Franziskus Karlsruhe unter der Leitung von Volker Mann oblag. Der Vorsteher der Kirche von Freiburg hatte das Angebot, mit den politisch und gesellschaftlich Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen, gerne angenommen.
 
Nach seiner Wahl zum Vorsitztenden der deutschen Bischofskonferenz war die Teilnahme von Erzbischof Zollitsch natürlich von besonderem Interesse und wohl nicht zuletzt dafür verantwortlich, dass die Autobahnkirche restlos überfüllt war. Er ging vor allem in seiner Predigt auf das Verhältnis von Politik und Kirche ein. Seine Ausführungen setzten jedoch nicht nur Geduld voraus, sondern auch einiges an intellektuellem Interesse.

"Was soll ich mit diesem Volk anfangen? Es fehlt nur wenig, und sie steinigen mich." Ganz so schwierig wie Mose - in der ersten Lesung des dritten Fastensonntags wurde es kundgetan - haben es Politiker und gesellschaftlich Verantwortliche hierzulande im Allgemeinen dann doch nicht. Dennoch tut sich die Politik heute nicht leicht im Gestrüpp der Interessen, ethisch-moralischen Gesichtspunkten, Parteikonsens - und Volkes Wille.

Unter dem Motto "Mitten drin - und doch anders" stellte Zollitsch die These auf, die Kirche könne und dürfe sich nicht aus der Politik heraushalten und müsse auch in diesem Punkt Verantwortung übernehmen. Als Politiker zu leben könne eine "sehr profilierte" Form der Nachfolge Jesu sein, sagte er heute in Baden-Baden. Diese Art des Engagements werde in den nächsten Jahren in Deutschland und in Europa immer wichtiger. In der Politik seien eigenständige, starke Persönlich- keiten gefragt, die "Ethos, Klugheit, Taktik und Wahrhaftigkeit verbinden können". Mehr Christen, die sich einmischen in Politik und Gesellschaft wünchte sich der neu gewählte Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz.

Er zeige sich besorgt darüber, dass der politische Nachwuchs in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten immer weniger aus der kirchlich geprägten Jugendarbeit hervorgegangen sei: "Mich macht nachdenklich, dass der Mut und die Bereitschaft, die Wirklichkeit zu gestalten und zu prägen, nachgelassen hat" formulierte der Freiburger Erzbischof in seiner Predigt vor Politikern und Juristen. "Mir bereitet es Sorgen, dass in den letzten Jahrzehnten der politische Nachwuchs unseres Landes immer weniger aus der kirchlich geprägten Jugendarbeit hervorgegangen ist", stand im Redemanuskript. Zollitsch hält dies für eine Fehlentwicklung. Für ihn ist die Aufgabe, den Verzweifelten Trost zu spenden und den Schwachen zu helfen, nur die eine Seite der Seelsorge.

Es gebe so etwas wie eine "fromme Versuchung", sich "aus allem herauszuhalten", aus Angst dem eigenen Glauben nicht gerecht werden zu können. Zollitsch betonte jedoch: "Wir brauchen den Mut als Gestalter zu leben". Denn Politiker müssten mitunter einsame Entscheidungen fällen. "Sagen wir es ganz deutlich: Mut, Eigenverantwortung und Tatkraft sind mitunter jene christlichen Tugenden, auf die es gerade heute in unserer gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation ankommt." Der Mut und die Bereitschaft, die Wirklichkeit so wie sie nun einmal ist, zu gestalten und zu prägen, habe nachgelassen. "Politik, gerade auch Kommunalpolitik, ist oft genug ein mühsames Geschäft und braucht den langen Atem und die Fähigkeit zum Kompromiss."

Auch für eine weltweite Geltung der Menschenrechte hat sich Erzbischof Robert Zollitsch beim Theologisch-Politischen Dialog eingesetzt, ohne dass deswegen Werte einer einzelnen Kultur - etwa des Christentums - über andere Kulturen - etwa den Islam - absolut gesetzt würden. Den Islam lud er ein, seinerseits eine Art Aufklärung durchzumachen, wie das Christentum dies getan habe. Zollitsch prangerte nicht nur verschiedenste Formen von Menschenrechts- verletzungen heute an und nahm zu den bekannten aktuellen Konfliktfeldern Stellung (Kruzifixurteil des Bundesverfassungsgerichts von 1995, dem Recht auf Leben vom Krieg als Mittel der Politik bis zur Todesstrafe, von der Abtreibung zum Embryonenschutz, von der Patienten- verfügung bis zur Euthanasie).

Der Freiburger Erzbischof sprach auch selbstkritisch von der "Bekehrung der Kirche zu den Menschenrechten". Er bekannte sich zu einem positiven Bild von der europäischen Aufklärung, die "mit der Propagierung der Menschenrechte Entscheidendes und Bleibendes" geleistet habe. "Als Christen müssen wir den Mut haben, so etwas zu sein wie ein Fachmann für das Grundsätzliche", forderte Zollitsch.

Sein Gesprächsbeitrag war nicht weniger als eine eingehende Würdigung der theologisch wie philosophisch komplexen Thematik von Menschenwürde, Menschenrechten und Naturrechtsdenken. Zollitsch wurde vor knapp zwei Wochen von der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe zum Nachfolger von Kardinal Karl Lehmann als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz gewählt. Seit 2003 ist er Erzbischof von Freiburg.
 
Autobahnkirchen dienen zum Auftanken der Seele

Die 32 Autobahnkirchen in Deutschland sind einer Studie zufolge für die meisten Besucher "Durchreise- Inseln", auf denen sie seelisch auftanken können. Rund die Hälfte der Befragten haben einen in der Regel zehnminütigen Stopp vorher geplant, viele Besucher kommen aber auch spontan, geht aus einer Untersuchung hervor.

Für die Studie waren 2007 mehr als 400 Besucher von Autobahnkirchen befragt worden. Die Mehrheit der Besucher sei mit der Kirche stark verbunden, glaube an einen Gott als persönliches Gegenüber und beziehe den Lebenssinn aus dem Glauben, so die Autoren. Dennoch könnten die Autobahnkirchen nicht als "missionarische Vorposten" bezeichnet werden. Besucher sind eher männlich als weiblich, eher verheiratet als alleinstehend und eher katholisch als evangelisch.

1958 wurde die erste Kirche an der A 8 München- Stuttgart an der Ausfahrt Adelsried gebaut. Ein Augsburger Fabrikant hatte nach einem tödlichen Verkehrsunfall eines Familienmitglieds das Grundstück gestiftet und den Rohbau finanziert. Von den heute 32 Kirchen sind 15 in evangelischer, elf in ökumenischer und sechs in katholischer Trägerschaft. Die Akademie der Versicherer Bruderhilfe-Pax- Familienfürsorge gibt ein aktuelles Verzeichnis heraus und organisiert jährlich einen Tag der Autobahnkirchen.
 
< zurück   weiter >

www.jukis.org
Online
Aktuell 28 Gäste online
Besucher
Besucher: 1315333
 
 
 
 
© http://www.jukis.org, Joomla