
Dort können sie Spiele entwickeln, die sie aus Rache an ihrem unabwendbarem Schicksal mit Gewalt und Sex spicken, um so die Jugendlichen dieser Welt in immer neue Sinnestäuschungen zu stürzen und ihren Charakter zu schwächen. Doch die Gläubigen dies und jenseits der grossen Wasser sind wachsam und gehen vehement dagegen an. Sie werden allerorts fündig und entlarven. Es wird die Bibel vorangehalten, wie einst gegen Dracula das mit Knoblauch umkränzte Kreuz.
Gewalt"Was empfehlen denn die Moralapostel statt der Spiele - die Bibel", wehrt sich der Brite Bruce Everiss, ein Pionier der Spielebranche seit den späten 70ern, verzweifelt, der sich fortwährenden Angriffen christlicher Tugendwächter ausgesetzt sieht. Anlass genug für ihn, dieses Buch einmal auf seine Gewalt und Verruchtheit hin zu durchforsten, also jene Insignien, die seine Spiele während seiner langen Laufbahn als Spieleentwickler auch immer wieder vorzuweisen hatten.
Und er fand einiges. Zwar hatte Everiss die englische King James Ausgabe zur Hand, allerdings sieht es auch in der Lutherbibel an besagten Stellen kaum anders aus: "Die Hure findet sich darin gleich 48 mal, Sodomisten tauchen in fünf Passagen auf , fünf Hurenböcke treiben ihr Unwesen, 133 mal wird gequält, 208 mal getötet und verstümmelt immerhin in 7 Varianten", versichert Everiss mit einem Lächeln, das ihn in die Nähe des Dunklen Lords rückt: "Vielleicht ist es langsam an der Zeit, das Messen mit zweierlei Mass endlich zu beenden."
Demgegenüber steht dennoch die zunehmende Gewaltverherrlichung in Video-Spielen und deren vermeintlicher Einfluss auf die Jugendlichen, deren Hemmschwelle zur Gewaltbereitschaft zu sinken scheint. Im Gegensatz zur Bibel vermitteln halt nun mal sogenannte 'Killer-Games' doch in seltensten Fällen einen moralisch-ethischen Unterbau, der Aggressivität durch eine soziale Ordnung kanalisiert. "Fernseher und Computer machen unsere Kinder dick, dumm und gewalttätig" lautet der zugespitzte Befund von Manfred Spitzer von der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm. Eine ganz entscheidende Tatsache jedoch ist: Es gibt in der Pixel-Welt kein Verzeihen - ist sie deshalb Gott los?
Verzeihen
Wer an Gott glaubt, dem fällt es einer neuen Studie zufolge leichter, seinen Mitmenschen zu verzeihen. Auch Anhänger nicht-religiöser spiritueller Konzepte wie New Age seien eher bereit, anderen Übeltaten nachzusehen, aber die traditionellen Religionen hätten insgesamt eine "stärkere Tendenz" zu Verzeihen und Vergeben, heisst es im Fachblatt "Australian Psychologist" der RMIT-Universität Melbourne.
Die Forscher hatten den Angaben zufolge etwa 500 Interviews geführt und jene von Christen, Juden und Muslimen mit denen von Konfessionslosen oder New-Age-Anhängern verglichen. Der an der Untersuchung beteiligte Wissenschaftler Adam Fox nannte das Ergebnis positiv in einer Welt, in der Religionen als Ursache von Gewalt erlebt würden.
"Wir sind uns alle bewusst, dass Religionen Konflikte verursachen können", betonte Fox. Da schmeckt einem das beste Butterbier nicht: "Aber es tut gut zu sehen, dass sie auch die Fähigkeit haben, Konflikte und Feindseligkeiten abzubauen." Damit wäre es erwiesen, dass Jugendliche, die in den Jugendkirchen engagiert sind, dazu beitragen könnten, Gewalt in ihrer näheren Umwelt durch tolerantes und humanes Auftreten zu verändern.
Zivilcourage
Muggels gibt es haufenweise, die den Zauber nicht spüren, der sie umgibt, ihn nicht begreifen können. Jene, die unachtsam an all der magischen Schönheit, die die ganze Natur ausmacht, vorübergehen. Wir leben in einer Welt, die prall gefüllt ist mit natürlicher Bewegung, Pracht, Sounds und Farben.
Nur achten wir in den seltensten Fällen darauf; und diese Unachtsamkeit ist eine der Hauptursachen, dass Mensch und Natur gefährdet sind, dass immer mehr Tiere aussterben, das Klima saurer und die Bäume kahler werden, die Psyche Schaden nimmt, Aggression anschwillt. Jeder ist befähigt, seinen inneren Voldemort zu bezwingen, der sich mit Sprüchen wie: "Ich bin mir selbst genug", und: "Nach mir die Sintflut", hervortut, stets unterschwellig aggressiv seinem sozialen Umfeld gegenüber und gewaltbereit.
Dabei orientiert sich eine grosse Anzahl Jugendlicher und junger Erwachsener einer neueren Umfrage zufolge viel stärker an ethisch-moralischen Werten als bisher vielfach angenommen wurde. Für die am Montag in Schwerte vorgestellte Studie "Lebensorientierung Jugendlicher" wurden im Auftrag der evangelischen und katholischen Kirche über 8000 Berufsschüler zwischen 15 und 25 Jahren befragt.
Der Autor der Studie, der Braunschweiger Sozialwissenschaftler Andreas Feige, stellte fest, dass die grösste Sehnsucht der Jugendlichen Beziehungssicherheit sei. Das zeige aber auch, dass sie in einer Welt gross werden, die ihnen Schwierigkeiten mache, ist die Schlussfolgerung des Sozialwissenschaftlers.

Die Zerbrechlichkeit von Beziehungen werde den Jugendlichen im Elternhaus vorgelebt. Bei den zukünftigen Erziehungszielen für eigene Kinder gaben laut der Studie 60 Prozent der Jugendlichen an, es sei mehr oder weniger wichtig, "dass mein Kind das Vertrauen lernt, von Gott geliebt und beschützt zu sein".
Generell sei ihr Verhalten in Familie, Freundschaft und Partnerschaft stark vom Gedanken an das Gewissen geprägt. Die wichtigste Aussage der Jugendlichen laute: "Der Schutz des Sozialen ist mir heilig und das Gewissen kontrolliert mich dabei", und somit haben Jugendliche und junge Erwachsene "ein feines Gespür für die Alltagsethik in ihrem Leben", erläuterte Feige.
Der Begriff der Sünde spiele für die meisten jungen Leute eine grosse Rolle, so nannten 82 Prozent der Befragten zwischen 15 und 25 Jahren Vertrauensbruch als eine Sünde. Die Jugendlichen verständen solche Fragestellungen jedoch nicht unbedingt als religiös. Die Weltanschauung der befragten Berufsschülern hätten oft eine religiöse Dimension, ohne dass die Jugendlichen dabei selbst an Kirche oder Religion dächten, so Feige.
Mit dieser Studie werden zugleich Umrisse dessen deutlich, was als verhaltensethische Spiegelungen der religiösen Dimension im Leben der gegenwärtigen Jungen Generation gelten kann. Der Leiter des Pädagogischen Instituts der Evangelischen Kirche von Westfalen, Hans-Martin Lübking, betonte, "die religiöse Dimension" spiele bei den Jugendlichen stets eine wichtige Rolle, auch wenn sie "nicht in religiösen Ausdrucksformen" zur Sprache komme. Die Untersuchung gibt nach seiner Einschätzung wichtige Hinweise dafür, wie mit Jugendlichen über ethische und religiöse Fragen gesprochen werden könne.
Muggels können nicht zaubern, aber bezaubern können sie allemal. Es wäre nicht das erste mal in der Geschichte, dass sich Menschen beherzt gegen die Widrigkeiten des Lebens auflehnen. Ich würde mir wünschen, wenn durch pazifistisches Denken weniger Aggressivität im Umfeld Jugendlicher vorherrschen würde, weniger Gewalt an sich. Bedauerlicherweise fehlt es in der heutigen Zeit zunehmend an adäquaten Vorbildern.
Mit "Koch'schen-Strengere-Gesetze-müssen-her-Genöle" ist da halt kein Blumentopf zu gewinnen, im Gegenteil. Das ist doch genau das Verhalten, das eigentlich bekämpft werden sollte: Aggressives Argumentieren und wenn das nichts hilft, schlägt eben die Gewalt zu - in Form von Kriminalisieren, Wegsperren.