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Freitag, 30. Juli 2010
JUGENDKIRCHE pierre sein FILMTIPp 02-08 PDF Drucken
Geschrieben von pierre roh   
Freitag, 22. Februar 2008
 
  
Die 58. Berlinale sollte gross werden und hatte dazu alle Hoffnungen auf ihrer Seite, streikten doch die Drehbuchautoren vortrefflichst mit der Unterstützung der Schauspieler. Der Golden Globe war also schon mal kein Schaulaufen für die Stars - und was wären wohl Stars ohne das Blitzlichtgewitter und das Schrille der Fans? Aber man staune, nicht die Hollywoodgrössen zogen die Massen an, sondern fünf Engländer  brachten des Volkes Stimme zum Kreischen: The Rolling Stones.

We're the Stones! Wo ist der Rest der Welt?Martin Scorseses Dokumentarfilm "Shine a Light" über zwei Konzerte im New Yorker Beacon Theatre der 'dienstältesten Rockband der Welt' lief mit grossem Getöse zum Auftakt und der Berlinale-Chef Dieter Kosslick konnte gut gelaunt dem weiteren Ablauf entgegen sehen. "We aren't too old to ..." wird er sich wohl gedacht haben.

Die Stones als Anheizer eines Filmfestivals war ja schon Hollywood-like. "Ich habe versucht, so nahe wie möglich an die Live-Atmsophäre heranzukommen", nuschelte Scorsese als Erklärung für seine doch recht antiquierte Regieführung, während Keith Richards es in seiner gewohnt souveränen Art auf den Punkt brachte: "Wir haben möglicherweise etwas zum Sound beigetragen." Pompös die Show, mässig der Film (ab 4. April in den Kinos, aber wohl eher was fürs Heimkino der hartgesottenen Fans).

patti smith at her bestUnd das war erst ein kleiner Vorgeschmack auf das, was die Musikwelt an Filmen an den zehn Fesivaltagen noch zu bieten hatte. Da war U2 zumindest mit einer neu erprobten 3-D-Technik innovativer und die Punk-Ikone Patti Smith um ein vielfaches vitaler, als die beiden vorgenannten Grufti-Gruppen zusammen. Patti hatte auch einen filmischen Doku-Beitrag im Gepäck, den sie "Dream of Life" betitelte. Unerfüllte Sehnsüchte? Was auch immer: Die am Ende der offiziellen Pressekonferenz des Filmes vorgetragene Hommage an den britischen Dichter William Blake, nur mit akustischer Gitarre begleitet, hatte Gänsehautcharakter: 'My Blakean Years'.

Und auch noch eine Regiearbeit eines weiteren Popelchens: Madonna. Nein, nicht bei Patti. Es ist ihr eigener und vielfacher Versuch, in der Filmwelt mitreden zu wollen. "Es geht in dem Film um das Durchsetzen des eigenen Weges", erklärt das als Kassengift, zumindest an den Kinokassen, verschrieene 50-jährige Idol der Teens und Twens beiderlei Geschlechts. "Fith and Wisdom" (Schmutz und Weisheit - mal sehen, was für Verballhornungen dann auf dem deutschen Filmplakat zu lesen sein werden). Erstaunlicherweise kam ein gut gelaunter Episodenreigen dabei heraus, putzig anzusehen, gar an manchen Stellen recht kurzweilig - der Ironie wegen (die Frage bleibt natürlich, ob diese beabsichtigt war).

Über 400 Filme wurden dann auf der Berlinale gezeigt. Dass die Preisverleihung nicht unbedingt den Publikumsgeschmack treffen konnte, sollte es diesen überhaupt geben, blieb von vornherein zu erwarten, als sich Altmeister Constantin Costa-Gavras in der Jury anscheinend einen nicht wieder gut zu machenden Einfluss erfocht.
 
Sally Hawkins, die in der Komödie "Happy Go Lucky" eine äussert sympathische 30jährige Londonerin spielt, wurde mit dem Silbernen Bären für die beste Darstellerin ausgezeichnet. Die Hauptpreise allerdings gingen an pseudoambitionierte Filme mit als politisch definierten Tagesschau-Themen - und das auch noch in vielen Fällen reisserisch und am Kern des Themas vorbei.

Wobei wir bei dem Selbigen wären, dem Thema eben: Eine Pierre-gewohnte Filmkritik kann es diesen Monat nicht geben, da ich mich bemüssigt sehe, auf ein Festival einzugehen, dessen Programm auf dem Papier durchaus eindrucksvoll aussah. Und das Auftaktwochenende liess sich gut an. "There will be blood" mit Festivalgast Ben Kingsley wirkte wie ein Versprechen - immerhin Oscar nominiert. Eine Woche später dann doch eine nicht zu verhehlende Betroffenheit der Festivalbesucher, obwohl die Starparade so opulent wie nie in Berlin herniederkam.

Allerdings war das Gepäck wohl vorher geplündert worden; denn was sich darin befand, konnte man, vorausgesetzt man hatte einen gewissen Wohlwollensbonus eingeplant, als (häufig) mittelmässige Kino-Konfektionsware titulieren. Der Streik der Drehbuchautoren konnte punktgenau vor der Oscar-Verleihung beigelegt werden, so dass sich die
publikumswirksamen Leinwandepen wohl jungfräulich dem allseits beliebten Oscar Berlinale-Chef im Lock'n'Loll-Wahnhingeben, ergo gleich gar nicht dem Bären huldigen wollten. Wo stand doch gleich nochmal geschrieben: "Ihr sollt keine Götter neben mir haben!"

Wie dem auch sei. Die Dramaturgie, Publikumsmagneten auf zehn Tage wohldosiert zu verteilen, war jedenfalls augenfällig erfolgreicher, als der Anspruch, mit der Berlinale auch politische Auseinandersetzungen aufzuklären und gegebenenfalls zu befruchten. Beides konnte von vornherein nur zum Scheitern verurteilt sein.
 
Aufrüttelnde Themen garantieren noch keine guten Filme, und Polizeiwillkür, Kindersoldaten, Folter, Drogenkriminalität, kriegs- und sexgeile Neurosen sind durch die Tagespresse bereits so hinlänglich bekannt, dass ein Betroffenheitsfaktor bereits beginnt auszufallen. Die neuesten Nachrichten sind stündlich für Interessierte abzurufen und dem Gros geht das eh "nichts an".

Gute Filme waren auf diesem Festival Mangelware, zumindest die, die sich mit Themen beschäftigt hätten, die auch dich und mich interessieren könnten. So bleibt uns also nur, darauf zu hoffen, dass die Auswahlgremien es wieder schaffen, an Filmen Freude zu empfinden. Eine Dokumentation über das Spiel eines Berliner Damenfussballteams in Teheran gegen ein iranisches Frauenteam macht ja wohl nicht den grossen Wert eines Festivals aus, auch wenn es nur als Kosslicksche-Nebenreihe eine Leinwand blockierte.

Film - und das darf man bei aller Kritik nicht übersehen - hat wie kaum ein anderes Mittel der Gegenwart (trotz Computer) die Möglichkeit, manipulativ zu wirken. Es handelt sich dabei um eine Kunstform (im besten Sinne), in der fremde Welten vorgestellt und Vorurteile mit einer erstaunlichen Breitenwirkung unterlaufen werden können. Meinungen können positioniert und erklärt werden. Die Berlinale hat allerdings dem lustigen Lurch klar gemacht, dass es sich ja wohl eher um ein zweitrangiges Spektakel mit fragwürdigem Ausgang handelte. Amüsiert haben allenfalls die bemühten Erklärungsversuche, weshalb man denn nun das Bärchen wohl verliehen habe - und das  nicht mal auf der Höhe der Zeit in weiss.


Die PreisträgerInnen

Den Goldenen Bären nahm der brasilianische Regisseur José Padhila in Empfang. In seinem Thriller "Tropa De Elite" lässt er den Chef einer Polizei-Sondereinheit, die in Rio De Janeiro gegen Drogendealer in der Favela kämpft, von einem Alltag erzählen, in dem das gezielte Erschiessen von Tatverdächtigen Normalität ist. Die Realität zu spiegeln und damit zu verändern war das Arbeitsziel des diesjährigen Berlinale-Gewinners. Der Film ist als Mischung von Doku-Fiction und Action-Thriller nicht unumstritten, aber er gibt dem ernsten Thema auch eine hohe internationale Aufmerksamkeit, die bisher durch Reportagen und andere Medienberichte nicht erreicht werden konnte, obwohl diese Aktion forciert wurde, als der Papst verkündete, dass er die Slums bei seinem Bradsilienbesuch betreten wolle, um sich ein realistisches Bild zu verschaffen. Wieviele Menschenleben, wieviel Leid und Hoffnungen - der Papst zog es dann vor, mit dem Hubschrauber über den Elendsvierteln zu kreisen und huldvoll zu winken. Kameragerecht mit einem verzeihlichen Lächeln auf den Lippen. Vom Vatikan keine Stellungnahme.

Eine Neuerung der diesjährigen Berlinale war es, im Wettbewerb einen Dokumentarfilm vorzustellen, nachdem sich dieses Genre in den anderen Sektionen einen immer grösseren Raum eroberte und vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. Für den Wettbewerb 2008 wurde "Standard Operating Procedure" von Errol Morris ausgewählt, der die Folterungen im US-Gefängnis Abu Ghuraib im Irak thematisiert. Anhand der schockierenden Fotoaufnahmen, die 2003 an die Öffentlichkeit drangen, rekonstruiert der Oscar-prämierte Regisseur den Skandal um die US-Army und die irakischen Inhaftierten nach. Der Dokumentarfilm wurde mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet.

Die Jury-Entscheidung steht im leichten Kontrast zu der Ankündigung von Dieter Kosslick, dass es keine politische Berlinale werden sollte. Die Mehrzahl der Filme im Wettbewerb erzählte von den kleinen und grossen Dramen, die sich weltweit im Mikrokosmos Familie abspielen. Im Mittelpunkt standen oft Kinder und Jugendliche, die sich in schwierigen Situationen zurechtfinden müssen.

In "Restless" (Israel, Deutschland, Kanada, Frankreich, Belgien, 2007), unter der Regie von Amos Kollek, ist es der gerade erwachsen gewordene Sohn (Ran Denker als Tzach), der nach einem Fehlschuss auf ein arabisches Kind während seines Militärdienstes und dem Krebstod der Mutter in eine Amos Kollek auf dem roten Teppich - im Hintergrund Ran DankerIdentitätskrise gerät. Von Tel Aviv reist er nach New York, wo er seinen Vater (Moshe Ivgy als Moshe) aufsucht, der Israel vor Jahrzehnten verliess, um in der amerikanischen Metropole seine Vergangenheit zu vergessen. Regisseur Amos Kollek, einer der weltweit renommiertesten Independent-Filmmacher und Sohn des langjährigen Bürgermeisters von Jerusalem Teddy Kollek, war bereits 2002 im Berlinale-Wettbewerb vertreten, damals mit seinem Spielfilm „Bridget“. "Restless" erhielt den Preis der Gilde deutscher Filmkunsttheater.

Tilda Swinton zeigte sich in "Julia" (Regie: Erick Zonca) in einer für sie sehr ungewöhnlichen Rolle: Sie spielt eine labile und impulsive Alkoholikerin, die eine Kindesentführung als scheinbaren Ausweg aus ihrer finanziellen Misere ansieht. Leider schwächelt das Drehbuch und der über zweistündige Film geriet Tilda Swinton zeigt sich in schnell in die negative Kritik. Die dunklen Charakterseiten von Julia durch mexikanische Bösewichte zu übertrumpfen, war sicherlich angesichts der realen Grenzkonflikte keine besonders gute Lösung. Im Panorama fand sich ein Thriller, der dieses Thema differenzierter angeht: "Sleep Dealer" von Alex Rivera, der mit dem Amnesty International Filmpreis ausgezeichnet wurde.

Zwei Frauen, die eigentlich genau wissen, was sie vom Leben wollen, begegnen sich in "Black Ice" ("Musta Jää") von Petri Kotwica. Eine Ärztin und eine Taekwondo-Trainerin geraten in eine Lebenskrise, als der Ehemann der Einen zum Geliebten der Anderen wird. Ohne es zu wissen, wird die Geliebte zur Freundin der Ehefrau. Fast vergisst die Ärztin ihr Ziel, die Jüngere nur auszuspionieren, so sehr fühlt sie sich intuitiv hingezogen zum Lebensstil der Anderen.

Eine Frau, die Publikum wie Presse vom ersten Moment ihres Erscheinen auf der Berlinale-Palast-Leinwand verzauberte, ist Sally Hawkins. Als Poppy, eine 30jährige britische Lehrerin, behält sie in jeder Situation ihren Humor und reagiert dennoch im Sally Hawkins goes luckyrichtigen Moment ernst und lebensklug. Die Komödie von Mike Leigh setzt ganz auf das Charisma des lebenslustigen Hauptcharakters.
 
Poppy´s Abenteuer ereignen sich in einem Alltag, der aus ganz normalen Dingen besteht: Party mit Freundinnen, Unterricht mit den Kindern, die Betreuung eines Problemschülers, die Beendigung des Single-Daseins. Anders als Bridget Jones tänzelt Poppy mit einer ansteckenden Leichtigkeit und Fröhlichkeit durch die Höhen und Tiefen eines jeden Tages und begeistert ihre Umgebung durch ihren ideenreichen Wortwitz. Bis auf den Fahrlehrer, der mit seiner pessimistischen Weltsicht Poppy fast aus dem Takt bringt, aber auch hier findet sie letztlich die richtigen Worte.
 
Der diesjährige Bären-Favorit von einigen PressevertreterInnen gelangte zwar nicht ganz an die Spitze, aber einer der Silbernen Bären für die beste Darstellerin liess Sally Hawkins zur Freude aller noch einmal die Bühne des Berlinale-Palast betreten.

Neben den Filmen, die oft in nachdenklicher Stimmung die ZuschauerInnen ins Treiben rund um den Potsdamer Platz entlassen, begleiteten viele grosse Namen die 58. Berlinale. Für Glamour und Fan-Aufläufe war reichlich gesorgt. Dieses Jahr rückten die Sektionen neben den Wettbewerb dadurch mehr in die Schlagzeilen: Madonna lief über den Roten Teppich, der zum ZooPalast - Kino führte, denn ihr Regiedebüt wurde im Panorama gezeigt. Madonna als Persönlichkeit und weltgrösster Popstar war Magnet genug, um für Riesengerangel um Kinos, Roten Teppich und Pressekonferenzsaal zu sorgen.

Scarlett Johansson und Natalie PortmanWundervolle SchauspielerInnen und MusikerInnen sorgten für viele schöne Momente, die nicht nur den Fans lange in Erinnerung bleiben werden. Patti Smith bewies ihren nie vergehenden Rock-Esprit. Penelope Cruz beeindruckte mit ihrem Charme, der im Zusammenspiel mit Ben Kingsley ganz besonders wirkte. Kurz vor dem grossen Finale übertrafen sich Natalie Portman und Scarlett Johansson gegenseitig bei ihren Live-Demonstrationen von Good Girl - Bad Girl - Polaritäten. Auf der Leinwand spielen sie zwei Schwestern, die in "The Other Boleyn Girl" ("Die Schwester der Königin") um die Gunst von Heinrich dem VIII. rangeln. Eher leichte Kinokost, aber gut umgesetzt und sehenswert allein wegen der Idee, das Historien-Melodram aus der Perspektive der Frauencharaktere zu erzählen. Der Film lief ausser Konkurrenz im Wettbewerb.

Im mittelalterlichen Setting verkörpert Scarlett Johansson das Good Girl. In der Realität zeigte sie sich wie gewohnt mit einer bestechenden Mischung aus Cleverness und Sex-Appeal. Ein Trip in den Musik-Business ist geplant: Mit der Veröffentlichung ihrer CD mit Tom Waits-Coverversionen ist in naher Zukunft zu rechnen.

Im Wettbewerb waren übrigens nur zwei Regisseurinnen vertreten: Isabel Coixet ("Elegy") und Doris Dörrie ("Kirschblüten - Hanami"). In den Sektionen Panorama und Generation waren sie wesentlich öfter präsent:

Die jüngste Regisseurin der Berlinale, die 19jährige Hana Makhmalbaf, bewies nicht nur durch ihr Alter ihr aussergewöhnliches Talent. Ihr Film "Budha Collapsed Out Of Shame" ("Buddah zerfiel vor Scham") lief in der "Generation Kplus". An einem historisch bedeutungsvollen Drehort setzte sie mit Kinder-LaiendarstellerInnen die Geschichte von dem sechsjährigen Mädchen Bakthay um, das unbedingt die Schule besuchen will, aber mit etlichen Hindernissen konfrontiert wird. Im Tal von Bamian in Afghanistan trifft sie auf kriegsspielende Jungen. Am selben Ort wurde 2001 eine Buddha Statue von den Taliban zerstört. Im grausamen Spiel der Kinder spiegelt sich die Sinnlosigkeit und Härte der Gewalt unter Erwachsenen.

Der Film wirkt tief nach. Gleich zwei Preise erhielt die Regisseurin: Den Gläsernen Bären der Generation-Kinder-Jury und den Friedensfilmpreis, der von der "Initiative Friedensfilmpreis" in Verbindung mit den "Ärzten zur Verhütung des Atomkriegs" (IPPNW) und der Heinrich-Böll-Stiftung gestiftet wird.

Die Jugend-Jury der Generation 14plus prämierte "The Black Ballon" von Elissa Down. Die Australierin erzählt eine fiktive Geschichte über eine Familie mit zwei Söhnen im Teenager-Alter, von denen einer vom Autismus und Tourette-Syndrom betroffen ist.

Die Beteiligung am Panorama-Publikumspreis, der vom Stadtmagazin tip und Radio Eins vergeben wird, war dieses Jahr wieder enorm. Mehr als 20.000 Stimmen erhielt der Gewinner-Film "Lemon Tree". Der israelische Regisseur Eran Riklis, der schon mit "Die syrische Braut" die Grenzkonflikte zu einem bewegenden Spielfilm verarbeitete, liess einen grossen Garten mit uralten Zitronenbäumen Eras Rikliszum Ausgangspunkt für einen Streitfall zwischen einer jüdischen und einer palästinensischen Familie werden.

Als der israelische Verteidigungsminister eine Villa am Gaza-Streifen bezieht, wird der Zitronenhain der Witwe Salma (Hiam Abass) zum Sicherheitsrisiko. Die stolze Frau setzt sich gegen die Anordnung, ihre Bäume zu fällen, zur Wehr. Unterstützt von einem jungen Anwalt leitet sie ein Gerichtsverfahren ein. Gleichzeitig entwickelt sich eine fast wortlose Beziehung zwischen der palästinensischen Frau und ihrer israelischen Nachbarin. Die Ehefrau des Ministers bekommt allmählich einen ganz neuen Blick auf die Bewohnerin des Gaza-Streifen und setzt sich zum Ärgernis ihres Ehemannes für sie ein.

Der TEDDY wird auch dieses Jahr eventuell bis auf die Philippinen reisen, denn prämiert wurde der aussergewöhnliche Spielfilm "The Amazing Truth About Queen Raquela" von Olaf de Fleur Johannesson. Der Isländer konstruierte eine Mischung aus Fiktion und Doku über eine philippinische Transsexuelle, die davon träumt, nach Europa zu fliegen. Da sie extrem charmant und eloquent ist, gelingt ihr dies auch, aber nicht alles dort entspricht ihren Vorstellungen.

Die Jury begründete die Entscheidung mit der Fähigkeit des Regisseur "Ethnizität, Gender und Armut auf unterhaltsame Weise anzusprechen und gleichzeitig mit den Zuschauererwartungen an die filmische Form zu spielen".

Als bester Dokumentarfilm wurde "Football Under Cover" gekürt, der sich nicht direkt mit schwul-lesbischen Themen beschäftigt, sondern die Reise einer Kreuzberger Frauen-Fussballmannschaft zu einem Freundschaftsspiel mit der iranischen National-Frauenmannschaft begleitet.

"Die diesjährigen Dokumentationen haben die Herzen der TEDDY Jury im Sturm erobert. Viele der Dokumentarfilme verpacken schwierige Themen, die zum Nachdenken anregen, auf wirkungsvolle und zugängliche Art. Dem Gewinnerfilm gelingt es sehr filmisch und unglaublich fesselnd, auf subtile und humorvolle Weise die Geschlechterrollen im Sport in islamischen Gesellschaften zu zeigen."
 
Die Femina-Jury verlieh den Preis der deutschen Filmarbeiterinnen an Maria Gruber für die Ausstattung in "Revanche" (Regie: Götz Spielmann). "Die Genauigkeit der Ausstattung von Maria Gruber hat die Jury überzeugt. Ihre Räume machen in subtiler Weise den Charakter der Figuren sichtbar, dienen also der Geschichte und verschmelzen mit den Kostümen zu einem Ganzen. Die Ausstattung ist besonders, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Sie ist gleichzeitig überraschend und wahrhaftig und verzichtet auf Klischees. So entstehen Orte, die in Erinnerung bleiben."

Auf der Wohltätigkeitsgala "Cinema for Peace", die jedes Jahr parallel zur Berlinale stattfindet, wurde der Comicfilm "Persepolis" ausgezeichnet.
 
OscarvorbereitungWir freuen uns auf die 59. Berlinale im Jahr 2009 und das vielseitige Spektrum an Filmen in allen Sektionen, besonders auch auf die Auswahl, die sich einmal heiteren Themen zuwenden könnte; und während in Berlin die Aufräumarbeiten so gut wie abgeschlossen sind, rüstet sich Hollywood zur Oscar Verleihung, die dieses Wochenende stattfinden wird. Davon dann bei 'Jugendkirche Pierre sein Filmtip(p) 03-08'.

Mehr Infos findet ihr unter
www.berlinale.de


 
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