Am Aschermittwoch begann die Fastenzeit - eine Zeit des Verzichts, für viele auch die Zeit des Heilfastens. Es hält nicht nur fit, sondern kann auch bei einigen Krankheiten helfen, ist sich Heilfastenexperte Andreas Michalsen von den Kliniken Essen Mitte sicher: "Das Heilfasten kommt bei bestimmten Krankheiten zum Einsatz. Wissenschaftliche Studien haben eine gute Wirkung bei Rheuma gezeigt.

Patienten, die eine Woche fasten, haben in dem darauf folgenden Jahr weniger Beschwerden. Gute Ergebnisse lassen sich auch bei Bluthochdruck und Weichteilrheuma erzielen. Andere Studien haben gezeigt, dass Fasten auch Migräneanfälle reduzieren, wenn auch nicht heilen kann". Das Fasten als Naturheilverfahren und Mittel der inneren Reinigung ist schon seit Jahrtausenden bekannt, aber aus wissenschaftlicher Sicht auch umstritten, wie Jürgen Schrezenmeir in einer Studie über die Entstehung von ernährungsbedingten Krankheiten im Auftrag des Max-Rubner-Instituts einräumt: "Dass das Heilfasten Reinigungseffekte mit sich bringe, ist wissenschaftlich und medizinisch nicht abzusichern."

Fasten als therapeutisches Konzept entwickelten ca. 400 vor Christus griechische Ärzte um Hippokrates: "Wer wenig ist und trinkt, wird niemals durch Essen und Trinken krank", besagten die medizinischen Schriften jener Zeit und unterstreichen eine heute noch gängige Lehrmeinung, wie der Heidelberger Medizinhistoriker Prof. Philip Osten feststellt: "In der Medizin gilt eine ausgewogene Ernährung als Schutz vor Erkrankun- gen", und: "Dabei lagen Heilkunde und Kult eng beieinander", weiss Prof. Osten.
Bei den Römern gab es z.B. bestimmte Nahrungsvorschriften zum Schutz vor Dämonen. "Bohnen oder Ziegenfleisch waren tabu, da die bösen Geister auf den Menschen übergegangen wären", so Osten, und Michalsen fügt an: "Bereits vor 2'000 Jahren wussten die Menschen, dass der zeitweise Verzicht auf Nahrung gesundheitliche Vorteile hat - und das zu Zeiten, in denen Übergewicht noch keine Rolle spielte."

Auch in fast allen grossen Weltreligionen fasteten die Menschen als ein Mittel zur Reinigung von Körper, Geist und Seele. Jesus in der Wüste, die Moslems haben den Ramadan, die Juden Jom Kippur. "Die Christen haben sich mit ihren Fastenvorschriften am Judentum orientiert", erläutert der Theologe Peter Walter. Übertreiben sollte man es freilich nicht, wie der "Fastenexperte" und Drogist Wolfgang Woll mahnt: "Man weiss heute, dass Eiweisse im Körper angegriffen werden, nach etwa sechs Wochen, also 42 Tagen. Das wüde ich mal als absoluten Grenzwert sehen. Zehn Tage sind unbedenklich." "Die schweren Nebenwirkungen häufen sich ab sechs Wochen. Ab 100 Tagen können

Todesfälle auftreten", so Schrezenmeir.
Verzicht auf Ausschweifungen und der tägliche Besuch des Gottesdienstes waren einige der Anordnungen, die die Gläubigen zu befolgen hatten, und es sollte nach christlicher Tradition zwischen Aschermittwoch und Ostern auf Genussmittel wie Fleisch, Alkohol oder Süssigkeiten verzichtet werden. Manche Menschen entsagen beim "carne vale" (Lateinisch: "Fleisch, lebe wohl!") in der Tat nicht nur dem Fleisch: Sie verzichten eine Zeit lang gänzlich auf feste Nahrung. Prof. Jürgen Schretzmeir, Leiter des Instituts für Physiologie und Biochemie in Karlsruhe: "Totales Fasten ist ungeeignet, weil es schwere Nebenwirkungen mit sich bringen kann. Es führt zu einem Abbau von Funktionseiweissen und Muskelmasse, und das birgt mehr Risiken als dass es nützt."

Der Nahrungsverzicht wurde allerdings recht unterschiedlich festgelegt, wie Walter zu berichten weiss: "Das regelte meistens der Pfarrer als örtliche Autorität." Einer der wichtigsten Bestandteile sowohl des religiösen als auch des gesundheitlichen Fastens ist und bleibt ganz offenkundig aber die unbedingte Selbstkontrolle. Osten formuliert es so: "Die ursprüngliche Bedeutung von Fasten lautet fest sein und damit die Kaft im Kampf gegen den Teufel." Das war aber nicht allen gegönnt und ausgerechnet in den Klöstern wurde man recht erfinderisch. Dort sollten z.B. Schweine in den klösterlichen Teich getrieben worden sein, da "Wassertiere" nicht zu den untersagten Fastenspeisen gehörten.
Am bekanntesten dürfte die Geschichte von den "Herrgottsbescheisserlen" sein. Eine Quelle besagt, dass sie in Maulbronn erfunden worden seine, was ihnen auch den Namen Maultaschen einbrachte: Mit Hilfe der Teigtaschen sollte dem Herrgott während der Fastenzeit der Blick auf die Fleischfüllung verwehrt werden.

Die kirchlichen Regelungen sind heute wesentlich toleranter gefasst. Es geht dabei nicht nur darum, auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten, sondern auch das eigene Konsumverhalten überdenken. Fasten als Einstieg zur Umkehr: Auch auf einen angemessenen Umgang mit der Schöpfung und zugleich auf ein verantwortungsvolleres Leben soll verwiesen werden.
Mit der "Auszeit vom Essen" verbinden die meisten Gläubigen eine Phase der inneren Einkehr und Ruhe. "Das religiöse Fasten hat vor allem einen sozialen Aspekt", erklärt Walter, "denn wenn ich mich enthalte, kann ich die Not anderer teilen." Ein bewusster Frühjahrsputz tut Körper, Geist und Seele allemal gut und Umkehr und Neubeginn sind nicht nur zentrale Themen der religiösen Fastenzeit.
Einige wenige Grundregeln des Fastens- Schon ein paar Tage vor dem Fasten sollte auf Alkohol, Kaffee, schwarzen Tee und Zigaretten verzichtet beziehungsweise der Konsum stark eingeschränkt werden. Grosse und schwere "Henkersmahlzeiten" sind nicht empfehlenswert.
- Mindestens 2,5 Liter pro Tag trinken. Dazu eignen sich natriumarmes Mineralwasser und Tee ohne Kalorien, damit die reichlich anfallenden Säuren durch die Nieren entsorgt werden. Je nach Fastenform kommen Gemüsebrühe, Säfte oder Molke dazu. Nach einer Studie helfen täglich drei Tassen grüner Tee, das Körperfett zu reduzieren und die Produktion einer Substanz zu verhindern, die Hungergefühle auslöst.
- Honig versüsst ein wenig den Fastenstart. Maximal 500 Kilokalorien pro Tag können dem zuckerhungrigen Gehirn über die ersten schwierigen Tage helfen. Daneben gehören zum Beispiel Putenfleisch, das die Stimmung anregt und damit depressiven Verstimmungen vorbeugt, um das Fasten während der ersen Tage zu erleichtern, aber auch Fisch und Walnüsse, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind und damit die Gehirntätigkeit anregen sowie zugleich den Cholesterinspiegel senken.Den gleichen Effekt haben auch Frucht- oder Gemüsesäfte.
- Fasten sollte immer von einem Prozess der inneren Ruhe und Einkehr begleitet sein. Stress und Überforderungen schaden dagegen. Wer dauerhaft unter Stress steht, neigt dazu, dick zu werden. Der Grund: Unter Anspannung produziert der Körper verstärkt die Stoffe Kortisol und Insulin. In der Folge wächst der Appetit und damit die Wahrscheinlichkeit, dass man zu kalorien- und fettreichen Snacks greift.
- Durch das Fehlen fester Nahrung ist der körpereigene Stimulus zur Darmentleerung während des Fastens stark reduziert. Die Leber gibt jedoch auch jetzt mit der Galle Giftstoffe und Stoffwechselrückstände in den Darm ab, die entsorgt werden müssen. Bei Nichtausscheidung sind Magen-Darm-Beschwerden und Kopfschmerzen möglich. Wenn auch nicht viel in den Körper rein kommt, soll umso mehr raus. Abführende Salze helfen dabei. Auch eine intensive Körperpflege tut jetzt gut, denn durch den veränderten Stoffwechsel können unangenehme Körperausdünstungen und Mundgeruch entstehen.
- Genügend Bewegung mit ausreichenden Ruhephasen ist wichtig, um die Kraft der Muskeln zu erhalten. Körperliche Bewegung ist beim Fasten unerlässlich, da sie die Ausscheidungsorgane anregt und den Eiweissabbau bremst (vor allem den des Herzmuskels). Die gesteigerte Durchblutung hilft zudem gegen Frösteln und kalte Füsse, was beim Fasten häufig auftritt. Je nach individuellem Befinden sind daher täglich ausgedehnte Spaziergänge, Wanderungen, Schwimmen oder andere Ausdauersportarten ratsam. Sportliche Höchstleistungen sollten allerdings vermieden werden.


Unter Fasten versteht man eine geringere Energiezufuhr, als es der tägliche Energiebedarf erfordert - so entsteht eine negative Energiebilanz. Der Körper verbrennt mehr Kalorien, als er aufnimmt. An die eigentliche Fastenzeit schliessen sich die Aufbautage an. Dieser sanfte Kostaufbau umfasst üblicher- weise drei Tage, je nach Fastendauer auch länger. Es sollte nicht zu schnell wieder auf eine normale Ernährung umgestellt werden. Empfohlen werden u.a. kohlenhydrat- und ballast- stoffreiche Lebensmittel, also viel Gemüse, Rohkost und Salate.
Langsames, gründliches Kauen und weiterhin eine reichliche Flüssigkeitszufuhr sind wichtig.
Nach der Vorstellung der ersten gesamtdeutschen "Verzehrstudie" haben Experten fettleibige Menschen vor einer Diät oder übertriebenem Fasten gewarnt. Eine plötzliche und gravierende Umstellung führe meistens zu einer Gewichtszunahme, teilten die Mediziner der Deutschen Sportschule Köln mit. Übergewichtige sollten auf mehr Bewegung und auf eine abwechslungsreiche Ernährung setzen. Die Menschen müssen einfach gesünder essen, wird von medizinischer Seite empfohlen.
len. Das nennt man eine 'rigide' Steuerung. Solche Leute neigen dazu, lieber für kurze Zeit gar nichts, als dauerhaft weniger zu essen. Auf lange Sicht führt dies nicht zum Erhalt des gewünschten körpergewichts." Der Fastenexperte Woll sieht das ähnlich: "Für die schlanke Linie und das Gewicht würde ich das Fasten radikal ablehnen."