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Freitag, 3. September 2010
'Carne Vale' in der Jugendkirche PDF Drucken
Geschrieben von pierre roh   
Dienstag, 5. Februar 2008
 
KAMPF ZWISCHEN KARNEVAL UND FASTEN" Am Aschermittwoch ist alles vorbei", singt die Christenheit in Deutschland noch un- beschwert. Von wegen: Da beginnt sie erst, die Fastenzeit und wird die nächsten Tage das Leben der Gläubigen bestimmen.
Pieter Brueghel, 1559 (Kunsthistorisches Museum Wien)Bis Ostern dauert die Fastenzeit des Christentums und wird als österliche  Bußzeit verstanden. "Man fastet, um irdische Begierden zu überwinden als Vorbereitung für das Osterfest", erklärt der Freiburger Theologieprofessor Peter Walter. Dem Italienischen "carne vale", was "Fleisch lebe wohl" bedeutet, entstammt vermutlich die Bezeichnung "Karneval". Das Wort "Fastnacht" ist im Deutschen seit dem 12. Jahrhundert bekannt, und der Termin liegt nicht zufällig kurz vor der Fastenzeit:
 
 
In deutschsprachigen Ländern beginnt die Karnevalszeit traditionell am Dreikönigstag und hat ihren Höhepunkt in der eigentlichen Fastnachtswoche vom "schmutzigen Donnerstag" bzw. der "Weiberfastnacht" bis zum Rosenmontag und Fastnachtsdienstag. Heidnisch-germanisch sei das Narrentreiben, sagen die einen, während die anderen behaupten, es handle sich um einen christlichen Brauch.

Karneval und Fastnacht haben zu einem nicht unerheblichen Teil zumindest ihre heutigen Wurzeln in der christlichen Religion - auf jeden Fall hat sie sich das alte Brauchtum schon frühzeitig angeeignet. Dieses auf den ersten Blick zutiefst weltliche Spektakel ist seit dem Mittelalter fest mit der christlichen Religion verwoben: Bereits im Mittelalter feierte man in den Klöstern eifrig und ausgelassen Fastnacht, wie die Chroniken zu berichten wissen.

Der Karneval findet vornehmlich in katholischen Gegenden statt. Dies hängt sicher in erster Linie mit der Fastenzeit zusammen. Mit der Reformation im 16. Jahrhundert verschwand in den überwiegend evangelischen Gemeinden mit dem Aschermittwoch auch die Fastnacht. Erst im ausgehenden 20. Jahrhundert wurde sie in vielen evangelischen Städten wieder eingeführt.
 
In der Zeit vor den Fastentagen verabschiedet man sich von diesseitigen Gelüsten, indem man sich ihnen noch einmal intensiv widmet. Das volkstümliche Treiben hat enge Verbindung mit der christlichen Bußpraxis: Es ist eine "längere Zeit gesteigerten Lebensgenusses" vor der Fastenzeit. Der Dienstag wird vielfach auch "Fastnacht" genannt - die Nacht vor dem Fasten.

CARNE VALE

Ursprünglich aus dem Lateinischen carnem levare (Fleisch wegnehmen) stammend wurde der Name volkssprachlich abgeschliffen und vereinfachend aus dem italienischen carne vale (Fleisch, leb wohl) abgeleitet. Am christianisierten Karneval schlemmte man noch einmal so richtig, bevor die fleischlose Fastenzeit begann.

Es sollte damit bewusst eine "Zeit des Fleisches", eine ganz an diesseitiger Lust orientierte Zeit, voranstellt werden vor die "Zeit des Geistes" - die Zeit, wenn die Kirche den Passionsweg durch Leid und Tod zur Auferstehung an Ostern geht.

"Fastnacht" wiederum bezeichnete ursprünglich den Dienstag vor Aschermittwoch und bezog sich auf die Nacht vor der Fastenzeit. Von dieser engen Bindung des Karnevals an die katholische Fastenzeit rührt auch die Tatsache her, dass bei den Protestanten erst in jüngster Zeit eine Karnevalstradition einsetzte, als die unmittelbare Verbindung 'Feiern vor dem Fasten' im allgemeinen Bewusstsein zu verblassen begann.

NARRETEI

Sozialpsychologisch hat der Karneval für viele Menschen eine Ventilfunktion für durch Alltagszwänge und gesellschaftliche Mechanismen unterdrückte Bedürfnisse. Dies bedeutete einen gesellschaftlich und auch kirchlich akzeptierten Freiraum zur Ausgelassenheit, Fröhlichkeit und überschäumender Lebensfreude, auch zu "Völlerei und Üppigkeit".

Innerhalb dieses Freiraumes zur "Narretei" werden gesellschaftliche Regeln und Konventionen ausser Kraft gesetzt oder die weltliche oder kirchliche Herrschaft wird kurzzeitig (zumindest vordergründig)ausser Kraft gesetzt. In mittelalterlicher Traditionen scheute man sich auch nicht, für diese Zeit "Pseudopäpste" einzusetzen, kirchliche Rituale zu parodieren und kirchliche Hierarchien "auf den Kopf zu stellen".

Neben dieser politischen Funktion wird Karneval heute vornehmlich assoziiert mit rauschenden Festen und Partys, grossen Umzügen.Ein ausgesprochener Reiz des Karnevals liegt, nicht nur für Jugendliche, im Maskieren und Verkleiden mit seiner Kreativität und dem damit verbundenen Rollen- und Identitätswechsel auf Zeit.
Es gibt inzwischen angesichts der von Jahr zu Jahr wachsenden vielgestaltigen Exzesse in der Fastnachtszeit einen Umschwung im Denken vieler Narren, die sich ihren Willen und ihre Freude an sinngemässer Narretei nicht verderben lassen wollen. Vielerorts sieht man in diesen Tagen bereits den "Aufstand der anständigen Brauchtumspfleger". Karneval ist mehr als nur eine Loveparade in der kalten Jahreszeit: Die grossen Narrenzünfte sehen Fastnachtstreiben als gelebtes Brauchtum. Sie beginnen sich gegen die Entwicklung zu wehren, wonach Fastnachtsveranstaltungen zu reinen "Events ohne Hintergrund" zu verkommen drohen.
 
Paul Teike, Chef des "Verbandes Oberrheinischer Narrenzünfte (VON): "Die Fastnacht ist kein grosses Gelage mit Eventcharakter." Die Fastnacht bekomme dadurch ein falsches Bild. So sei es z.B. keine Seltenheit mehr, dass die traditionellen Narrenkleider von Zuschauern beschädigt würden. Jugendliche, die mit Schnapsflaschen am Rande er Umzüge stehen und sich hemmungslos betrinken, würden den Grundgedanken der Fastnacht eindeutig nicht verstehen. 
 
"Wir haben die Gefahr lange vor der Politik erkannt und bereits vor sechs Jahren gemerkt, dass wir was tun müssen", sagt Teike. Seither seien Alcopops bei den Zünften untersagt und zudem gäbe es Jugendleiter, die sich mit dem Thema befassen. "Die meisten Zünfte arbeiten vor Ort mit Streetworkern und der Polizei zusammen."
 
Kritisch werden auch aus kirchlicher Sicht eine Zunahme von Saufexzessen und Regelverletzungen gesehen. Auch die zu Karnevalszeiten angeblich steigende Promiskuität, sexuelle Freizügigkeit und Beziehungsverletzungen sowie das Ausbrechen aus Konventionen und deren gesellschaftliche und sogar kirchliche Akzeptanz ("am Aschermittwoch kann man ja - bei den Katholiken - beichten gehen") werden negativ bewertet. Einige Jugendkirchen bieten deshalb alternative Faschingsfreizeiten an, die zwar die Elemente des Feierns, des Verkleidens und Maskierens übernehmen, aber bewusst christliche Gegenakzente zu Alkohol, Sex und anderen Abschweifungen von moralisch-ethischen Grundsätzen aufzeigen.

CARNEM LEVARE

Karneval, in manchen Gegenden Deutschlands auch Fas(t)nacht, Fasnet oder Fasching, ist die Zeit vor der Askese. Mit dem Aschermittwoch beginnt die vorösterliche Fastenzeit, während der traditionell das Verzehren von Fleischprodukten und sogar von aus Milch gewonnenen Speisen untersagt war. Ebenso galten natürlich meist auch Alkoholika und andere Genussmittel als untersagt. In diesem Verzicht steckt ein tiefer religiöser, geistlicher Sinn: Fasten hilft zur Reinigung des Körpers. Es dient der Konzentration auf andere Lebensdimensionen als vordergründige Genüsse.

In der christlichen Gemeinde ist die Fastenzeit insbesondere die Vorbereitung auf intensive Christuserfahrungen in der Passions- und Osterzeit. Gleichzeitig bedeutet das persönliche "Erleiden" des Verzichtes und der Askese in der Passionszeit die Möglichkeit, ein wenig des Leidens Christi in dessen Passion "mitzuerleben" und ihm nachzuspüren.

Nur wenige Christinnen und Christen in unserem Kulturkreis unterziehen sich noch dem Fasten als einer geistlichen Übung im engeren Sinn. Allerdings bieten viele "geistliche Lebenszentren" zumindest in der Karwoche Tage der Konzentration verbunden mit Fasten und Gebetsübungen an, die von Menschen jeglichen Alters, darunter vielen Jugendlichen, genutzt werden.

Die Idee des Fastens hat gegenwärtig in anderer Form eine grosse Breitenwirkung durch die Fastenaktion der Evangelischen Kirche "Sieben Wochen ohne" entwickelt. Rund zwei Millionen Menschen nehmen derzeit an dieser Aktion teil, indem sie auf liebgewordene Gewohnheiten und Genüsse wie Alkohol, Süssigkeiten Fernsehen oder anderes verzichten. Diese Aktion beinhaltet neben ihrem religiösen Sinn auch starke politische und gesundheitliche Elemente und Selbstbestimmungssinn: "Ich kann auch ohne".
 
Die Fastenzeit beginnt 
Morgen beginnt die Fastenzeit. Da kommt sie gerade recht, seit 20 Jahren nun die zweite, aber die erste gesamtdeutsche "Verzehrstudie".  Der Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) hat sie jetzt präsentiert und demnach sind zwei Drittel  aller  Männer  und die Hälfte aller Frauen zwischen 14 und 80 Jahren in der BRD übergewichtig, 20 % sogar geradezu fettleibig und damit äusserst gefährdet für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetis.
 
Gleichwohl wollen die allermeisten diese Gefahr für die Gesundheit, die von falschen Essgewohnheiten herrührt sowie von zu wenig Bewegung ausgeht, nicht wahrhaben oder ignorieren sie einfach. Die Bürger hätten mehr Angst vor "abstrakten Gefahren" wie Hormonrückstände oder verdorbene Lebensmittel als vor den "konkreten Gefährdungen", die von zu viel und zu einseitiger und zu fettiger Nahrung ausgingen, reklamiert Seehofer. "Jeder Gammelfleischskandal führt zu mehr Diskussionen als gesunde Ernährung."
 
Es ist eigentlich ganz leicht, weiss Seehofer, denn beim Einkaufen von Lebensmitteln müsse man nur ein paar wenige Grundregeln befolgen, dann würde man fast zwangsläufig alles richtig machen. Regel Nummer Eins: "Alles, was auf dem Acker wächst, ist gesund", und Regel Nummer Zwei: "Kaufen sie niemals hungrig ein." Das eine helfe, gesunde Agrarprodukte zu erwerben, das Zweite verhindere, sich mit zu grossen Portionen einzudecken. Ob Seehofer jemals selbst einkaufen geht?

Seehofers Wunsch jedenfalls dürfte sich zumindest für Regel zwei erfüllen. Aufgrund der enorm angestiegenen Preise für Grundnahrungsmittel kaufen die Leute weniger ein. Mehr bewegen dürften sie sich in nicht all zu ferner Zukunft auch: Es lohnt sich wieder, Preisvergleiche anzustellen und auch einen weiteren Weg für günstigere Waren in Kauf zu nehmen - zu Fuss versteht sich; dafür sprechen schon die sich stetig erhöhenden Benzinpreise.

Es war allerdings noch nie so einfach, sich gesund und gleichzeitig so abwechslungsreich zu ernähren. Selbst der kleinste Lebensmittelladen führt de facto das ganze Jahr über frisches Obst und Gemüse, darüber hinaus noch eine erklekliche Auswahl an gesunden Nahrungsmitteln. Doch was landet letztendlich im Einkaufskorb? Fertiggerichte, Pizza und Pommes, Schokoriegel, Kartoffelchips und Süsswaren - Schweinsbraten, Bier und Cola nicht zu vergessen.
Horst Seehofer
Die Folgen sind fatal und nicht mehr wegzudiskutieren, zu übersehen schon gar nicht. Die Esskultur liegt sicher nicht an den höheren Preisen für gesunde Lebensmittel. Fettmacher sind nicht günstiger als z.B. ein Salat. Es ist das Bewusstsein, das vielen Menschen beim Essen und Trinken fehlt, und da eine grosse Zahl der Deutschen sich falsch ernährt, werden sie immer gewichtiger und als Folgeerscheinung kranker. Herzerkrankungen, Atembeschwerden und Diabetis sind zur Volkskrankheit geworden - mit steigender Tendenz. Hier schlummert eine Zeitbombe, obwohl sich zwei Drittel der Deutschen auf dem Laufenden halten.
 
So verfolgen sie nach eigenen Angaben die Informationen aus den Medien und studieren eifrigst die Verpackungs- angaben. Nahezu jeder Dritte schluckt Vitamine, Mineralstoffe und andere Nahrungsergänzungsmittel. Allerdings sind nur 8% in der Lage, ihren eigenen Kalorienbedarf realistisch einzuschätzen und ab wann man als dick gilt unterliegt in der Regel einer schwammigen Subjektivität.
 
Nach den Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung gilt als übergewichtig, wer einen sogenannten Body-Mass-Index von 25 bis 30 hat. Der Wert wird aus dem Körpergewicht geteilt durch das Quadrat der Körpergrösse ermittelt. Na und? Gefragt ist die Politik an einer ganz anderen Stelle, nicht an durch langwierige wissenschaftlich verbrämte und kostenzehrende Fachkonferenzen geschliffenen Erkenntnisse, die dann in Referaten die in Kompromissen festgelegten Relativitäten der Öffentlichkeit als der Weisheit letzter Schluss kundtun - wie auch z.B. augenfällig der IQ. Wer will die Intelligenz objektiv messen, wenn sie von Wesen erstellt wurde, die qualitativ beurteilt werden sollen - und sei es nach Gewicht?

Nach der Befragung von 20'000 Bundesbürgern durch das Karlsruher Max-Rubner-Institut - die ehemalige Bundesforschungsanstalt für Ernährung - stellt sich heraus, dass in den letzten zehn Jahren der Anteil übergewichtiger junger Erwachsener deutlich anstieg, während der Anteil der Fettleibigen über 30 Jahren sank, wobei noch zu berücksichtigen ist, dass 10% der 17-jährigen Mädchen an Untergewicht leiden. Sieht man unter diesem Aspekt übrigens eine Bundestagsdebatte, kommt man doch tatsächlich ins Grübeln.
 
Dabei sei besonders auffällig, dass 70% der Personen mit Hauptschulabschluss dick seien, so Seehofer. Das seien doppelt so viele Bundesbürger wie die mit Abitur oder Fachhochschulreife. Da hilft nur eins, Herr Minister: Bildung. Statt künftigen Generationen die Folgekosten für eh schon desaströses Gesundheitswesen aufzubürden, wäre eine personelle und qualitative Aufrüstung der Schulen überfällig. Aber dafür fehlen die Mittel und wie durch die Pisa-Studien hinlänglich bekannt, hapert es in Sachen Bildung in den Klassenzimmern in grossem Umfang.
 
Da sehe ich uneingeschränkten Nachholbedarf: Die Bildungsminister sollten alles tun, damit Chancengerechtigkeit ohne 'Wenn und Aber' zustande kommt. Sie müssen dringlichst dafür sorgen, dass alle Heranwachsenden, ungeachtet ihrer Herkunft, Zugang zu Bildung und Qualifikation erhalten. Dann erledigt sich aller Wahrscheinlichkeit nach das Problem der falschen Ernährung fast von selbst.

Auch unterschätzten die meisten Deutschen das Gesundheitsrisiko durch falsche Ernährung. Um die Bundesbürger zu ermutigen, gesunde und abwechslungsreiche Lebensmittel zu konsumieren, setzt Seehofer nicht auf eine "Olympiade der Verbote und Paragraphen", sondern auf Aufklärung und Information. Die Ergebnisse der Verzehrstudie sollen als Grundlage für den geplanten "Nationalen Aktionsplan Ernährung" von Bund, Ländern und Gemeinden dienen. "Es geht um eine Verhaltensänderung", so Seehofer. Er wolle die Bürger motivieren, ihre Lebensweise zu ändern.
 
Sag mir, was du isst, und ich sage dir, wer du bist!
 
Der Blick in die Einkaufstüte verrät anscheinend mehr denn je das Bildungsniveau der westlichen Welt. Ganz der weltmännische Polititker, mit Blick auf die heimische Front, fordert Seehofer nun eine bessere Kennzeichnungspflicht von Lebensmitteln, die sowieso bereits, auch gegen Widerstand aus Deutschland, von dem EU-Gesundheitsminister Markos Kyprianou mittels eines Verordnungsentwurfes der Europäische Kommission in Brüssel vorgelegt worden war. Nichts gegen mehr Information: Wie viel Zucker und Kalorien stecken in den bevorzugten Nahrungsmitteln Cornflakes, Cola, Hamburger und Co.?

Wer sich wirklich schlau zwischen den Einkaufsregalen machen möchte, hat da so seine Schwierigkeiten. Oftmals sind die Informationen nahezu nicht lesbar, wenn überhaupt. Sind sie evtl. tatsächlich vorhanden, haben sie sich aus versteckter Scham hinter dem Verpackungsfalz verborgen. Jetzt soll sich nach langem Gerangel alles schlagartig ändern. Kyprianou erklärte: "Die Etikettierung von Lebensmitteln kann die Kaufentscheidungen der Verbraucher enorm beeinflussen. Unübersichtliche, überfrachtete oder irreführende Etiketten können dem Verbraucher mehr schaden als nutzen. Mit unserem heutigen Vorschlag wollen wir dafür sorgen, dass die wesentlichen Informationen in klarer und lesbarer Form aus der Etikettierung hervorgehen, so dass die EU-Bürger in der Lage sind, sich für eine ausgewogene Ernährung zu entscheiden."

Der Verordnungsentwurf zielt auf eine Modernisierung und Verbesserung des EU-Rechts im Bereich der Lebensmittelkennzeichnung ab, so dass die Verbraucher die wesentlichen Informationen, die sie benötigen, in lesbarer und verständlicher Form erhalten und bewusste Kaufentscheidungen treffen können. Brüssel will die Hersteller nötigen, bei nahezu allen verarbeiteten Lebensmitteln auf der Vorderseite gut sichtbar genaue Angaben zu Kalorien, Fett sowie gesättigten Fettsäuren, Zucker, Salz und Kohlehydraten zu machen. Diese sind in der Regel auf je 100 Milliliter bzw. Gramm zu beziehen. Daneben soll der Hersteller ausweisen, wie viel Prozent Fett usw. in der empfohlenen Tagesmenge enthalten sind.

In welcher Form Hersteller die Nährwertangaben aufführen, bleibt dem Erzeugerland vorerst weitgehend selbst überlassen, sofern das EU-Recht dadurch nicht untergraben wird. Nicht nur der Verbraucher, sondern auch die Industrie dürfte ebenfalls von der neuen Regelung profitieren, die einen klareren, stärker harmonisierten Rechtsrahmen für die Kennzeichnung von Lebensmitteln und gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Wirtschaftsteilnehmer schafft. EU-Gesundheitsminister Kyprianou sieht den umstrittenen Kennzeichnungsvorschlag als Teil seines Kampfes gegen zunehmende Übergewichtigkeit, wie er ausdrücklich betont.

In den EU-Staaten leiden nach groben Schätzungen fast 2 Millionen der Heranwachsenden unter teils erheblichem Übergewicht und jedes Jahr kommen 400'000 hinzu - sozusagen frisch auf den Tisch. Aber wie bemerkte ein namhafter Publizist doch so treffend: "Nicht wir machen die Erfahrung, sondern die Erfahrung macht uns", und die Stimme von Pumuckel fügt als Hans Clarin hinzu: "Moderne Märchen beginnen nicht mit 'es war einmal', sondern mit 'es wird einmal sein'."

Fortsetzung→Jugendkirche macht Frühjahrsputz: Das Fasten
 

 
 

 
 
 
 
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