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Freitag, 3. September 2010
RELIGIONSMONITOR BESTÄTIGT JUGENDKIRCHE PDF Drucken
Geschrieben von pierre roh   
Montag, 17. Dezember 2007
In der deutschen Bevölkerung sind Glauben und Religiosität noch weit stärker verbreitet, als dies zumeist vermutet wird, ist das Ergebnis des Religionsmonitor der Bertelsmannstiftung. Religion spielt in der Generation der unter 30-Jährigen generell für die meisten im Vergleich zu anderen Lebensbereichen wie Partnerschaft, Arbeitswelt oder Politik zwar augenscheinlich eine untergeordnete Rolle, allerdings kann auch unter den jugendlichen Deutschen nur jeder Dritte eindeutig zu den nichtreligiösen Zeitgenossen gerechnet werden.
 
52 % der Jugendlichen Erwachsenen sind dagegen klar religiöse Menschen und weitere 14 % sogar hochreligiös. Dies bekräftigt eindeutig die Errichtung von Jugendkirchen als Ort missionarischer Jugendarbeit und Spiritualität. 

Lediglich 28 % der Jugendlichen weisen in ihrer persönlichen Identität keinerlei religiöse Dimensionen auf. Auch im zeitlichen Trend kann keine anhaltende Säkularisierung breiter Bevölkerungsschichten festgestellt werden. Von einer Renaissance der Religion lässt sich offenbar trotz mancher Massenspektakel um den Papst nicht sprechen.

Die Jugendlichen sind deutlich weniger religiös als die Älteren, heisst es. Gleichzeitig wird gesagt, dass die 18-30-Jährigen fast genauso religiös wie ihre Eltern seien. Aus den Daten könne "eindeutig gefolgert werden, dass es in Deutschland in Fragen der Religion und des Glaubens keinen massiven Traditionsbruch zwischen Eltern und Kindern gibt. Im Gegenteil ist die jüngste Generation in manchen Aspekten viel engagierter und weniger skeptisch als die älteren Gläubigen."

Hohe Religiosität scheint darüber hinaus eine grosse zivilgesellschaftliche Ressource zu sein. Befragt, ob sie ein unbezahltes Ehrenamt ausüben, erklären dies 19 % der Nichtreligiösen und 26 % der durchschnittlich Religiösen. Von den hochreligiösen Menschen widmet sich mit 43 % nahezu jeder Zweite einer freiwilligen, unbezahlten Aufgabe.

Gleichzeitig herrscht in Deutschland eine sehr bunte Vielfalt an religiösen Einstellungen, Bindungen und Identitäten, die auch zwischen Geschlechtern, Altersgruppen und der geographischen Herkunft grosse Unterschiede aufweist.

Als eine der wesentlichsten Erkenntnisse folgert Dr. Martin Rieger, Projektleiter der Bertelsmann Stiftung: "Wir können ein langfristiges Aussterben der Religion in Deutschland, wie es immer wieder behauptet wird, definitiv nicht bestätigen. Aber ob es umgekehrt auch eine Renaissance des Glaubens z.B. in der Jugend gibt, können wir ebenfalls nicht sagen. Das wird erst eine Wiederholung des Religionsmonitors zeigen. Fest steht, es gibt eine grosse Stabilität des religiösen Bewusstseins in breiten Bevölkerungsschichten, das aber sehr vielfältig ist."

Bei der Zustimmung zu christlichen Glaubenssätzen erreicht die junge Generation sogar Spitzenwerte: 41 % der 18- bis 29-Jährigen glauben an Gott und ein Weiterleben nach dem Tod. Dies sind mehr als in jeder anderen Altersstufe. Von den über 60-Jährigen gehen 18 % mindestens einmal pro Woche in den Gottesdienst, aber nur jeder fünfte von ihnen hält sich selbst für religiös. Mehr als jeder Dritte (37 %) glaubt, dass es kein Leben nach dem Tod gibt.

Das Fazit der gross angelegten Studie mit dem "innovativen Ansatz", wie gerne immer wieder betont wird, ist eigentlich ziemlich dürftig, zumal auch nicht problematisiert wird, ob nicht bestimmte Gruppen von Menschen aufgrund ihrer Einstellung eher bestimmte Antworten geben. Aber erst einmal scheint es nach der Umfrage in Deutschland so zu bleiben, wie es war:

Wir können ein langfristiges Aussterben der Religion in Deutschland, wie es immer wieder behauptet wird, definitiv nicht bestätigen. Aber ob es umgekehrt auch eine Renaissance des Glaubens z.B. in der Jugend gibt, können wir ebenfalls nicht sagen. Das wird erst eine Wiederholung des Religionsmonitors zeigen. Fest steht, es gibt eine grosse Stabilität des religiösen Bewusstseins in breiten Bevölkerungsschichten, das aber sehr vielfältig ist, so Rieger.

Auf der Webseite "Religionsmonitor" können sich ab Dienstagabend 18.00 Uhr auch alle Internetnutzer selbst anhand der 100 Fragen auf ihre Religiosität oder ihren Atheismus testen und dabei ihre (anonymen) Daten abliefern. Der Religionsmonitor ist ein neues, interdisziplinäres und interreligiöses Projekt der Bertelsmann Stiftung. Anhand von über 100 Befragungsitems wurden dazu in einem ersten Schritt im Sommer dieses Jahres über 21.000 Personen in 20 Ländern befragt.
 
Untersucht wurden insgesamt sechs Kerndimensionen von Religion und Glauben wie religiöse Überzeugungen, Alltagserfahrungen, öffentliche und private Praxis oder die allgemeine Alltagsrelevanz von Religion. Darüber hinaus werden die Ergebnisse in einem Zentralitätsindex verdichtet mit einer Zuordnung nach Hochreligiösen, Religiösen und Nichtreligiösen.
 
ISBN 978-3-579-06465-9Aus dem gewonnenen Datenmaterial können umfangreiche Befunde über die Bedeutung von Religiosität für die Individuen und ihre Lebensbereiche gewonnen und Aussagen über gesellschaftliche Dynamiken getroffen werden. Zudem enthalten die Ergebnisse wichtige Informationen über die verschiedenen Religionen. Der Religionsmonitor dient dabei u.a. dem Ziel, durch wissenschaftliche Erkenntnisse den Dialog zwischen den Religionen nachhaltig zu unterstützen.

Man kann sich nun individuell, regional, national, geschlechtsspezifisch oder wie auch immer vergleichen und findet sich in einem Ranking. So ist die Welt für Bertelsmann in Ordnung. Möglicherweise aber nicht ganz zweckfrei, hofft zumindest Paul M. Zulehner, Professor für Pastoraltheologie in Wien, in seiner "wissenschaftlichen Interpretation".

In religiös-weltanschaulicher Hinsicht erweisen sich die untersuchten Kulturen als instabil einerseits, als bunt und in produktiver Bewegung andererseits. Der Ausgang der laufenden Entwicklung ist offen. Das Ergebnis aber ist zunehmend gestaltbar: Auch ein Auto lässt sich dann am ehesten lenken, wenn es in Bewegung ist.

Das Wiener Institut für Praktische Theologie der Katholisch-Theologischen Fakultät, an dem Zulehner tätig ist, möchte schliesslich, wie es dort heisst, "die Zeichen der Zeit erkennen und verstehen, um Gesellschaft und Kirche im Sinne der Geschichte Gottes mit den Menschen getragen von der Reich-Gottes-Vision mitzugestalten".
 
 
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