Einen Bibelspruch fängt die Landesbischöfin der hannoverschen Landeskirche auf: "Jage der Gerechtigkeit nach!", und fügt hinzu: "Wir Christen sind eine Mannschaft, jagen jedoch nicht dem Ball, sondern unserer christlichen Überzeugung von einer gerechteren Welt nach."
und Weihnachten ohne Festessen, Familie, Weihnachtslieder und Christbaum ist einer Umfrage zufolge für die Mehrheit der Deutschen undenkbar. Die meisten feiern gerade ihr Weihnachtsfest am liebsten ganz traditionell, allen voran die Jugendlichen. Also nichts mit Events, Discofeeling und Geblödel. Das ergab eine Studie der Quelle Gmbh in Fürth. Für die repräsentative Studie hat die Innofact AG im Auftrag von Quelle 1 014 Personen zwischen 14 und 65 Jahren online befragt.
Gerade die jüngeren Generationen setzen den Angaben zufolge auf Familie, Besinnlichkeit und Harmonie. So feiern knapp 80 Prozent der Deutschen unter 40 Jahren im Kreise ihrer Familien. Nur jeder Zehnte dieser Altersgruppe lässt den Abend noch in der Disco ausklingen. Fast 90 Prozent von ihnen verbinden wie selbstverständlich ihre Familie mit Weihnachten. Bei den 60- bis 65-Jährigen sind dies dagegen nur 74,4 Prozent.
Das Comeback traditioneller Werte

spiegelt sich den Angaben zufolge auch im Festhalten an weihnachtlichen Bräuchen und Christschmuck wider. Weihnachtsbaum, Lichterketten und Dekoartikel dürfen in fast keinem Haushalt fehlen. Ein festlich geschmückter Christbaum gehört für 80,5 Prozent der Deutschen unbedingt zu Weihnachten dazu. Für 77,7 Prozent gelingt ein perfektes Fest darüber hinaus nur mit einem weihnachtlich dekorierten Heim.
Nur ein Drittel der Deutschen verbindet das Fest auch mit einem Kirchenbesuch. "Mich bedrückt, dass junge Menschen die Antworten auf ihre religiösen Fragen nicht bei der Kirche suchen", formuliert Bischöfin Margot Käßmann ihre Bedenken. Es gebe "wunderbare lebensbejahende Antworten im Glauben", auch wenn die Kirche institutionell "manchmal zäh" sei.
Angesichts der Abkehr vieler Jugendlicher von der Kirche und der auf Kommerz ausgerichteten Denkstrukturen, ist das reflexiv erstaunlich, wenn auch nicht überraschend, denn sehr viel wichtiger sind den Befragten Besuche von Familienangehörigen (74,2 Prozent) sowie ein gemeinsames Festessen am Heiligabend (83,3 Prozent).
Auch in der Familie Käßmann ist das nicht viel anders; zumindest an Heiligabend unterscheidet sich da nicht viel von jenen, die an diesen Feiertagen einem Beruf nachgehen müssen: "Heiligabend ist es bei uns wie in jeder Pfarrersfamilie, ich halte zwei Gottesdienste, da ist dann schon die Familie dabei, die kochen dann zu Hause und wenn ich nach dem zweiten Gottesdienst nach Hause komme, dann ist das Essen schon fertig!"
Weihnachten geht in Deutschland folglich durch den Magen - und das nicht nur an Heiligabend selbst. Mehr als die Hälfte aller Deutschen stimmt sich bereits in der Vorweihnachtszeit mit Lebkuchen auf die Festtage ein.
Bei den Weihnachtsvorbereitungen sind die Frauen den Männern zeitlich voraus: Fast jede zweite Frau beginnt damit bereits im November. so auch Margot Käßmann: "Erst einmal: Die eigenen Wünsche haben mir meine Töchter gemailt. Ich hab´ das dieses Jahr hinbekommen, alles per Internet zu machen ... das ist super ... ich habe überhaupt keinen Weihnachtsstress gehabt ..." Die Männer sind dagegen weihnachtliche Spätzünder. Sie beschäftigen sich zum Grossteil erst im Dezember mit dem Weihnachtsfest.
Auch bei den Weihnachtsgeschenken unterscheiden sich Männer und Frauen. Während 33,7 Prozent der Frauen ihre Liebsten gerne mit selbst gestalteten Geschenken verwöhnen, schwören die Männer bei der Geschenk-Auswahl auf Technik- und Elektrogeräte (43,9 Prozent).
Die Männer erweisen sich auch als wahre Bastelmuffel. So gibt mehr als jeder vierte Mann an, ein Einpack-Service würde ihm den Geschenke-Kauf wesentlich erleichtern. Beim Weihnachtsbudget liegen Männer und Frauen dagegen wieder nah beieinander: 41,2 Prozent der Deutschen geben zwischen 100 und 250 Euro aus. Während die 40- bis 64-Jährigen in diesem Jahr tendenziell eher genauso viel oder weniger für Geschenke ausgeben wollen, setzen die Jüngeren eher ein höheres Budget an.
Was man der Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes entgegenhalten kann, beschreibt nachfolgend die hannoversche Landesbischöfin Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann:
"Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit ... der Heil und Leben mit sich bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt" - mit diesem Gesangbuchlied wird in fast allen evangelischen Gemeinden die Adventszeit eingeläutet. Von Jauchzen und Freude ist viel die Rede in den Advents- und Weihnachtsliedern. Auch in den Bergen von Reklame, die mich dieser Tage erreichen, ist von der "Zeit der Freude" die Rede.
Die Kaufhäuser bieten seit Wochen "Weihnachtsspecials", im Internet werden mir wunderbare Geschenkideen um die Ohren gehauen bis hin zur Partnersuche: "Weihnachten zu zweit" - das muss dann aber schnell gehen mit der Liebe. Wenn ich eine Teekanne bei Tchibo oder einen Bilderrahmen bei Fielmann kaufe, dann werden mir weihnachtliche Gefühle versprochen. Es gibt wunderbare Bilder von wunderschönen Menschen, die sich anscheinend alle ganz wunderbar liebhaben.
Aber die Realität ist eine andere. Jedes siebte Kind in Deutschland ist von Sozialhilfe abhängig, da wird das nichts mit dem gemütlichen Weihnachtsshopping. Bald jeder zehnte Haushalt ist überschuldet, da treiben die Versandhausangebote: "Heute kaufen, morgen bezahlen" noch tiefer in die Katastrophe.
Und der muffelige Hans, der wird Heiligabend nicht zum liebenden Familienvater, die schwierige pubertierende Tochter wird nicht zum Rauschgoldengel und die Ehekrise lässt sich mit noch so vielen Leuchtkerzen am Haus nicht überblenden.
Genau deshalb ist es so wichtig, Weihnachten von all dem Kitsch und Kommerz zu befreien! Die Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium erzählt ja gar nicht von einer heilen Welt voller Kitsch und Glamour. Es war bestimmt nicht lustig, unverheiratet schwanger zu werden. Eine Geburt in einem Stall stelle ich mir wenig romantisch vor. Die Hirten auf dem Felde gehörten definitiv nicht zu den erfolgreichen Managern ihrer Tage.
Lukas zeigt uns Menschen auf der Suche nach ihrem Lebenssinn. Auf jeden Fall Menschen, die offen sind für Gottes gute Nachricht für sie. Dabei ist die Geburt dieses Kindes ja nur so eine besondere Geburt vom Ende her. Etwas mehr als 30 Jahre später wird dieser Junge sterben am Kreuz, den Tod eines Verbrechers. Zwei Tage später begreifen die, die ihn geliebt haben: dieser Tod ist nicht das Ende. Es ist ein Anfang. Der Tod behält nicht das letzte Wort. Gott hält uns in diesem Leben, im Leiden und Sterben und darüber hinaus.
Von dieser Perspektive her erkennen wir, dass jene Geburt eine besondere war, deshalb erzählen Lukas und Matthäus davon. Erst wenn wir all das vor Augen haben, wird Weihnachten zu einem so besonderen Fest. Uns ist ein Kind geboren, ja dir und mir, das etwas weiss vom Leiden in der Welt, von all der Lieblosigkeit, von der Angst vor Krankheit und Tod.
Wir müssen Weihnachten gar nicht so tun, als gäbe es das nicht, wir müssen auch unsere Enttäuschungen nicht vorprogrammieren durch Hochglanzbroschüren, die doch gar nicht der Realität entsprechen. Weihnachten ist der Trost der ganzen Welt, weil sie nicht verloren ist. Ihr ist ein Kind geboren, das sie heil werden lässt, weil es all die Schuld, all das Versagen aufnimmt und den Tod in Leben verwandelt.
Wer das sieht, kann froh feiern, die Rituale aufnehmen und in ihnen Rhythmus und Tiefe finden. In der Adventszeit bereiten wir uns vor. Die Engel, mit denen geschmückt wird, sie erinnern an den Engel, der Maria die Geburt des besonderen Kindes erklärte und den Hirten diese Geburt verkündete. Die Lichter, die wir nach und nach entzünden, sie sollen uns ja nicht grell blenden, sondern tröstend daran erinnern, dass Jesus gesagt hat: "Ich bin das Licht der Welt."
Wir bleiben nicht im Dunkel des Todes, sondern werden auferstehen in das Licht der Ewigkeit Gottes. Die Sterne erinnern an den Stern, der den Weisen den Weg nach Bethlehem zeigte. Wir schenken anderen, weil wir so dankbar sind, dass uns geschenkt wurde. Unsere Advents- und Weihnachtstraditionen haben eine tiefe Bedeutung, die unseren Lebenssinn betrifft. Sie bewusst wahrzunehmen, die alten Geschichten weiterzuerzählen, die Lieder zu singen, Rituale zu pflegen, Stille zu halten - das wird uns bereichern, unserem Leben Orientierung geben, unsere Freude, aber auch unseren Kummer aufnehmen.
Er denke an die Jungen und Mädchen, die in einem übersatten Konsumklima aufwachsen: "Sie verlieren die Hoffnung, weil sie oft Waisenkinder wahrer Liebe sind, die das Leben mit Bedeutung und Freude erfüllt", sagte Benedikt. Seine Ansprache platzte mitten in den vorweihnachtlichen Einkaufstrubel.