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Freitag, 30. Juli 2010
Jugendkirche und junge Tradition: Adventskalender PDF Drucken
Geschrieben von pierre roh   
Sonntag, 9. Dezember 2007
Seht auf und erhebt eure Häupter
weil sich eure Erlösung naht. (Lk 21, 28b)
Die vier Sonntage im Advent unterstreichen den doppelten Charakter des Wartens: Warten auf die Ankunft (lat. adventus) Jesu und Warten auf seine erhoffte Wiederkehr am Ende der Zeiten. Jeder Sonntag hat ein eigenes Gepräge und gestaltet so die weihnachtliche Vorgeschichte: 
2. Advent - Gott erlöst die Welt.
 
 
Am 2. Advent gedenken wir besonders des Tages, an dem Gott diese Welt erlösen wird.

Das Thema des 2. Sonntags im Advent wendet sich jetzt dem erlösenden Aspekt Gottes zu, nachdem am 1. Sonntag im Advent die Macht des Herrschers im Vordergrund stand. Der Erlöser wirkt auf vielerlei Weise - wiederum durch Macht, oder durch den Opfertod am Kreuz. Das Kommen wird aber auch als Erlösung von den Leiden dieser Welt angesehen, d.h. der Herr, wenn er kommt, wird endlich ein Ende machen mit der hiesigen Trübsal (Epistel).

Noch stehen wir in dieser Welt der Not und der Schuld, noch warten wir auf den Erlöser, der schon naht. In aller Trübsal unseres Lebens hören wir die Verheissungen, die uns mit Hoffnung erfüllen und deren Einlösung wir geduldig erwarten.

Die Entstehung des Adventskalenders

Der heute in der Adventszeit nicht mehr wegzudenkende Adventskalender entstand erst am Anfang dieses Jahrhunderts. Die eigentlichen Ursprünge lassen sich jedoch bis in das 19. Jahrhundert zurückverfolgen. Thomas Mann erwähnt in seinem Roman "Buddenbrooks", wie der kleine Hanno "das Nahen der unvergleichlichen Zeit" auf einem Abreisskalender verfolgt, den die Kinderfrau angefertigt hat.

Zunächst bestand die Funktion des Adventskalenders als Zählhilfe und Zeitmesser im Vordergrund. Die eigentlichen Ursprünge lassen sich bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen; der erste selbstgebastelte Adventskalender stammt vermutlich aus dem Jahr 1851. Die ersten Formen kommen aus dem protestantischen Umfeld. So wurde in religiösen Familien im Dezember 24 Bilder nach und nach an die Wand gehängt.

Eine einfache Variante: 24 an die Wand oder Türe gemalte Kreidestriche, von denen die Kinder täglich einen wegwischen durften (sog. Strichkalender). Oder es wurden Strohhalme in eine Krippe gelegt, für jeden Tag bis Heilig Abend. Weitere Formen sind die Weihnachtsuhr, oder aber eine Adventskerze die jeden Tag bis zur nächsten Markierung abgebrannt werden durfte.

Die wohl früheste Form eines selbstgebastelten Adventskalenders stammt wohl aus dem Jahre 1851. Das erste gedruckte Exemplar verdankt seine Existenz den Kindheitserlebnissen eines schwäbischen Pfarrersohnes aus Maulbronn - Gerhard Lang (1881 - 1974). Seine Mutter zeichnete 24 Kästchen auf einen Karton - auf jedes war ein "Wibele" genäht.

Als Teilhaber der lithographischen Anstalt Reichhold & Lang in München verzichtete Gerhard Lang auf die Gebäckstücke und verwendete stattdessen farbenprächtige Zeichnungen, die ausgeschnitten und auf einen Pappkarton geklebt werden konnten.

Um 1905 verliess dieser erste, wenn auch noch fensterlose Adventskalender, die Druckpresse. Damals sprach man noch von "Weihnachts-Kalender" oder "Münchener Weihnachts- Kalender".  Bis in die 1930er Jahre hinein genoss die lithografische Anstalt von Reichold & Lang in München den Ruf, die kunstreichsten und fantasievollsten Werke auf diesem Spezialgebiet herauszugeben.

Seit ca. 1920 erschienen die ersten Adventskalender mit Türchen zum Öffnen auf dem Markt, so wie wir sie heute kennen. Ebenso fertigte die badische Sankt Johannis Druckerei Anfang der 20er Jahre religiöse Adventskalender, deren geöffnete Fenster Bibel Verse anstatt Bilder zeigten.

Ende der 30er Jahre musste Gerhard Lang seinen Betrieb aufgeben. Im Dritten Reich rückten die "Vorweihnachtskalender" in den Hintergrund - zugunsten der "Wintersonnenwende" statt der Christnacht. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er etwa 30 verschiedene Motive herausgegeben.

Der 2. Weltkrieg setzte dem Höhenflug des Adventskalenders dann generell ein jähes Ende. Grund hierfür war die Knappheit des Papiers und das Verbot, Bildkalender herzustellen. Erst in der Nachkriegszeit konnte der Adventskalender wieder an seinem Erfolg anknüpfen.

Die heutige am meisten verbreitete Gestalt des konventionellen Adventskalenders geht vermutlich auf einen evangelischen Pfarrer zurück, der die Idee von Lang abgewandelt hat und hinter 24 Türchen Bilder mit Gestalten aus biblischen Geschichten versteckte.

Eine flächendeckende Popularität erhielt der Adventskalender ab den 1950er Jahren, als er zum Massenartikel und dementsprechend preisgünstig angeboten wurde. Als Motiv wurden hauptsächlich Szenen aus romantisch verschneiten Städtchen verwendet. Hinter dem grösser gestalteten Fenster des 24. Dezember verbarg sich meist eine Krippenszene. Ab 1958 gab es dann die ersten mit Schokolade gefüllten Kalender.

Hinter der Schokolade war aber immer noch ein Bild mit einem Motiv aus der Weihnachtsgeschichte verborgen, so dass der Bezug zur Weihnachtszeit gewahrt blieb. Aktuelle Kalender werden mehr und mehr zu Geschenkverpackungen.

Heute finden sich hinter den 24 Türchen eines typischen gekauften Produkts neben den Bildchen oftmals Schokoladenstücke in verschiedenen "weihnachtlichen" Formen und gar Spielzeug. Immer häufiger findet man selbstgebastelte Kalender mit 24 kleinen Geschenken, die auf verschiedene Weise verpackt sein können.

Seit wenigen Jahren wird ein neues Medium genutzt, um die ursprüngliche Funktion des Adventskalenders, das Abzählen der Tage, mit einer uralten Tradition, dem Erzählen von Geschichten nicht nur für Kinder, zu verbinden.

Es werden Hörbücher mit 24 Geschichten publiziert, damit der Zuhörer jeden Tag vom 1. Dezember bis Heiligabend eine Geschichte hören kann. Hier herrschen noch winterliche oder adventliche Motive und Inhalte vor. Bisweilen sind statt Geschichten auch Lieder zu hören.

Da Adventskalender mittlerweile weltweit vermarktet werden, müssen die Motive auch weltweit kompatibel sein, will sagen: verstanden werden. Statt dem Christkind, Nikolaus, Maria und Josef findet man so inzwischen auch Micky Maus, Gandalf,  Harry Potter oder jedwede in der Populärkultur vertretene Figur hinter den inzwischen 24 'Türchen' lauern. Ebenso existieren zwischenzeitlich unzählige Adventskalender im Internet, die sich in der Regel ganz marktorientiert an eine bestimmte Käuferschicht wenden.

In der Evangelischen Landeskirche in Württemberg entstand ausserdem im neuen Millenium der jährlich stattfindende "grösste Adventskalender der Welt": Hier öffnete jeden Tag im Advent eine andere Kirche in Württemberg ihre Türen zu einem adventlichen Aktionstag.
 
siehe auch:
 
 
 
 

 
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