Advent ist die Zeit des Wartens und der Vorbereitung auf die Ankunft des Gottessohnes Jesus Christus. Das Warten ist ein zentraler Aspekt dieser rund vierwöchigen Zeit im Dezember.
Zum einen wartet man auf den Gedächtnistag (Weihnachten), bei dem man sich an das erste Kommen Jesu in seiner Geburt erinnert. Zum anderen wartet man darauf, dass Jesus das zweite Mal erscheint, am Ende der Tage, zum Jüngsten Gericht. Nach diesem Verständnis sollen Buße, Fasten, Gebete und gute Werke in dieser Zeit im Mittelpunkt stehen.
Die Entstehung des AdventskranzesUm die bösen Geister zu vertreiben, band man in vorchristlicher Zeit Tannengrün oder Stroh zu Kränzen zusammen. Man umwand diese mit roten und goldenen Bändern und hing sie an die Türen.

Der Theologe Johann Hinrich Wichern (1808 - 1881) gab obdachlosen Kindern und Jugendlichen im "Rauhen Haus", ein von ihm 1833 eingerichtetes Hamburger Waisenhaus, neben der lebenswichtigen Versorgung die Möglichkeit, einen Beruf zu erlernen.
Die Sitte des Adventskranzes geht auf Johann Hinrich Wichern zurück, den Gründer des "Rauhen Hauses" in Hamburg. Er hat im Dezember 1838 seinen Zöglingen an jedem Tag des Advents eine Kerze entzündet und sie auf einen Holzkranz gesteckt. Zu Weihnachten erhellte dieser Lichterkranz feierlich den Saal.
Kerzenandachten und Singstunden im Rauhen Haus waren stimmungsvoll begleitet von unzähligen flackernden Lichtern. 1839 liess Wichern im Betsaal einen Leuchter aufhängen - aus einem alten Wagenrad gefertigt: 28 Kerzen kamen darauf: 24 rote für die Wochentage und vier weiße für die Adventsonntage. Jeden Tag vom 1. Advent bis zum Heiligen Abend entzündete Bruder Hansen (so ist es in Wicherns Tagebuch festgehalten) eine weitere Kerze.
Das hölzerne Rad wurde einige Jahre später (vermutlich 1860) mit Tannengrün umwunden. Im gleichen Jahr führte Wichern den Adventskranz im Waisenhaus Berlin - Tegel ein.
Wicherns Idee verbreitete sich langsam in Norddeutschland. Die maximal 28 Kerzen verringerten sich auf vier. Das Kerzenlicht ist Symbol für Christus, das Licht der Welt. In den darauf folgenden Jahren wurden die Wände des Saals mit grünen Zweigen geschmückt, bis man 1860 auch den Holzreifen mit Tannenreisig umwand.

Damit war der Adventskranz geboren. Dieser Brauch hielt zunächst in evangelischen Familien Einzug, 1925 hing in Köln zum ersten Mal ein Adventskranz in einer katholischen Kirche. Der Brauch verbreitete sich inzwischen weltweit.
Kränze mit vier Kerzen wurden aus dieser Idee im Rauhen Haus in Hamburg zu einer festen Tradition, insbesondere im deutschsprachigen Raum, auch wenn die Zahl der Kerzen auf die sonntäglichen reduziert wurde und diese dann wiederum nicht immer weiss blieben. Der Kranz mit den vier Kerzen gehört zur Vorweihnachtszeit wie die Weihnachtsbäckerei, der Besuch der Weihnachtsmärkte und die kleinen und grossen Geheimnisse vor dem Fest.
Heute zünden wir die erste Kerze des Adventskranzes an. Das Wort "Advent" stammt vom lateinischen "adventus", was Ankunft bedeutet. Die Vorbereitung auf die Geburt des Messias.
Das ursprüngliche kirchliche Ansinnen des Papstes Gregor, symbolisch in den vier Wochen auf die Erlösung zu weisen, wurde durch die Mischung mit altgermanischen Bräuchen verändert. Aus dem Adventsmonat wurde die Buß- und Fastenzeit.