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Freitag, 3. September 2010
Jugendkirche zum Martinstag PDF Drucken
Geschrieben von pierre roh   
Donnerstag, 8. November 2007

 
Das seit der Mitte des 7.Jhds. zu Ehren des Heiligen Martin auf den 11.November angesetzte Martinsfest (Martinus hiemalis) wird zur Zeit Karls des Grossen (768-814) zum allgemeinen Zinstag, an dem Kirchen und Klöster ihre Abgaben erhalten: Stier, Schwein, Gans, Huhn, Getreide, Wein etc. An diesem Tag wird der Martinswein von den Klöstern an die Bevölkerung ausgeschenkt.
 
Der 11. November ist auch deshalb ein besonderer Tag, weil mit ihm die 40 Tage der Advents-Fastenzeit beginnen. Der pompöse Beginn des Karnevals ist daher weniger aus der Zahlenkombination 11.11. zu erklären, als dass der Übergang zu einer Zeit des vorweihnachtlichen Fastens mit reichlich Essen und Ausgelassenheit gefeiert wird. Es muss ja schliesslich das verzehrt werden, was dem Fastengebot unterliegt.

Der Martinstag wurde in einen Zeitabschnitt gelegt, in der in vorchristlicher Zeit ein dem Wotan geweihtes Herbstdankfest gefeiert wurde. Das ist der Grund, warum sich in das Martinsfest viele heidnische Gebräuche mischen. Martini leitete den Winter mit seinen Laternenumzügen in der Dunkelheit ein.
 
Am Abend des 11. November geben die Kinder unter dem Läuten der Kirchenglocken dem Heiligen Martin das Geleit. Martinus reitet in römischer Offiziersuniform auf einem Schimmel voraus. Im Zuge werden auch Gänse im Käfig mitgeführt. Martinus teilt mit dem Schwert seinen Soldatenmantel und gibt die Hälfte dem frierenden Armen. Die Kinder beschenkt der Heilige Martin mit Brezeln, Waffeln, Äpfeln, Birnen, Pfefferkuchen, Nüssen.
 
Dieser in vorchristliche Zeit zurückgehende uralte Brauch der Herbstfeuer, auch Martinsfeuer genannt, ist ein Dank für die vollendete Ernte und zugleich eine Bitte für den Schutz der Wintersaat und der Herden. Martini ist demnach zugleich Auftakt zum Brauchtumsreigen der vorweihnachtlichen Zeit. Der Martinstag fällt noch in die Erntezeit, das bäuerliche Jahr wird abgeschlossen und die langen Abende des gemütlichen Beisammenseins beginnen.

Martini leitete den Winter ein

Mit dem Martinstag schliesst das bäuerliche Jahr. Im Dorf begann mit Beendigung der Feld- und Gartenarbeit eine ruhigere Zeit, der winterlichen Ruhezeit der Natur entsprechend. Die langen Abende wurden zu Arbeit und Geselligkeit genutzt. In den Spinnstuben wurde das Licht angezündet, wo es bis zum 2. Februar, Mariä Lichtmess, abends brennt.

Nach der Stallarbeit und dem Nachtessen fanden sich die Hausbewohner, dazu oft Nachbarn und Bekannte, zu kleineren Arbeiten in der warmen Stube zusammen. Es wurden Gerätschaften repariert, Strohbänder geflochten; einige putzten und schleissten Weide für Körbe, banden Besen, haspelten das Garn. Gleichzeitig verlasen Kinder Bohnen, Erbsen und Linsen oder drehten die Haspeln. Die Mädchen wurden ins Spinnen eingewiesen, was schon mit sechs, sieben Jahren geschah.

Der Martinstag war auch Termin für die Ablieferung der Pacht, daher der Spruch vom Martin als hartem Mann "für den, der nicht bezahlen kann." Die Martinsgans ist eine Form der Pachtzahlung. Da Gesinde entlassen und neues eingestellt wurde, ist die Gans auch ein Geschenk an ausscheidende Mägde und Knechte. So war der Martinstag einem heutigen Kündigungstermin vergleichbar.

Die Martinsgans


Eine bretonische Legende besagt, dass die Bewohner von Tours Martin als Nachfolger des gerade verstorbenen Bischofs auserwählt haben. Da er sich des Amtes für unwürdig hielt, versteckte er sich in einem Gänsestall. Doch durch das Geschnatter der Gänse wurde er verraten und man fand ihn.
 
Eine andere Erzählung weiss zu berichten, dass die Gänse einmal mit ihrem lauten Schnattern eine Predigt des heiligen Martin gestört haben. In beiden Fällen nahm Martin den Gänsen ihr lautes Geschnatter offenbar sehr übel, denn fortan finden sich Gänse jedes Jahr zu Martini als knusprige Braten auf dem Tisch wieder.
 
Allerdings dürfte es sich bei diesen Begründungen um reine Hirngespinste handeln, denn im November sind die Gänse seit Alters her reif zum Schlachten. Dass sie aber genau am 11. November in die Bratröhre wandern, hängt mit der besonderen Bedeutung des 11. Novembers zusammen. Mit ihm beginnen die 40 Tage vorweihnachtlicher Fastenzeit.

Darüber hinaus gibt es auch ganz rationale Erklärungen für den Gänsebraten zur Martinszeit. An diesem Tag ging das Pachtjahr zu Ende, die Zehnten mussten eingeliefert und Zinsen sowie Schuldgeld an die Grundherren bezahlt werden. Zur Zeit der Naturalwirtschaft gehörten auch Gänse zu den Abgaben. Ausserdem begann früher um Martini die Schlachtzeit, die mit üppigen Festessen verbunden war, bei denen gebratene Gänse aufgetischt wurden.

Der Martinsgans wird übrigens seit alters her besondere Heilkraft zugeschrieben. Ihr Fett soll gegen Gicht helfen und ihr Blut gegen Fieber. Als Wundermittel gegen Epilepsie gilt eine Feder vom linken Flügel; sie muss verbrannt, mit Wein vermengt und anschliessend getrunken werden.

Wenn Zwei versuchen, den V-förmigen Brustknochen der Gans zu zerbrechen, so geht dem ein Wunsch in Erfüllung, der das grössere Stück in Händen hält. Auch die Farbe dieses Knochens hat eine tiefere Bedeutung: ist er blass und weiss, so gibt es einen kargen, kalten Winter, hat er eine schöne rote Farbe, so gehen einem im Winter die Vorräte nicht aus.

Die Martinsminne

Dem neuen Wein wurde am Martinstag traditionell zugesprochen. Der erste Wein des Jahrgangs kam als Martinsminne bei der Festtafel, an der die Martinsgans Gaumenfreuden verhiess, auf den Tisch.
 
Da blieb es nicht aus, dass schliesslich der heilige Martin nicht nur der Schutzheilige der Armen, der Reiter und der Soldaten ist, sondern auch noch der Patron der Gastwirte und Trinker wurde; und es geschah, dass im Volksglauben Martin selbst zum Schluckspecht wurde.

Ein altes Trinklied unterstellt dem heiligen Martin gar, dass er seinen Mantel nicht aus Gründen der Wohltätigkeit teilte, sondern nur deshalb, weil er seine Zeche nicht bezahlen konnte.
 
Im Mittelalter nannte man die Trinkgelage zu Ehren des Heiligen "Martinsminne" und wer zu viel getrunken hatte, wurde als "Martinsmann" verspottet.

Der historische Martin
 
Martinus wird als Sohn eines römischen Offiziers im ungarischen Savaria/Szombathely ca. 335/338 geboren. Die Jugendjahre verbringt Martinus in Oberitalien, in Pavia, der Heimat des Vaters, wird dort erstmals mit dem Christentum konfrontiert und beugt sich widerwillig dem Willen des Vaters, im Alter von 15 Jahren in die römische Armee einzutreten.

Am Stadttor von Amiens/Civitas Ambianensium spielt die von Sulpcius Severus, einem Zeitgenossen und Biographen Martins, überlieferte Szene: "Mitten im Winter begegnet Martinus am Tor der Hauptstadt der Ambianer, Amiens, einem notdürftig bekleideten Armen. Dieser bittet die Vorübergehenden, sich seiner zu erbarmen. Es gehen aber alle an seinem Elend vorbei. Da zieht Martinus das Schwert, teilt seinen Soldatenmantel in zwei Teile, gibt den einen dem Armen und hüllt sich selbst in den anderen".

Martin konvertiert zum Christentum , lässt sich taufen. bleibt aber noch zwei Jahre in der römischen Armee. Als vor einem Kampfeinsatz Geldgeschenke zur Motivation der Soldaten verteilt werden, verweigert Martin die Annahme und bittet um Entlassung aus dem Heeresdienst.

Martin macht sich auf den Weg in das ungarische Pannonien zu seinen Eltern und Verwandten. Seine Mutter kann er für das Christentum gewinnen - der Vater bleibt bei seinem angestammten Glauben, und als Martin sich gegen den Arianismus wendet - Arius lehrt: Christus, der Sohn Gottes, ist dem Vater nicht gleich und nicht wesenseins - wird er aus seinem Geburtsland vertrieben. Aus dem gleichen Grunde lässt ihn der arianische Bischof Auxentius aus Mailand ausweisen. Martin zieht sich als Einsiedler auf die Insel Gallinaria bei Genua zurück.

Schliesslich geht er wieder nach Gallien und bezieht um 360 bei Pictavium bei Poitiers eine Zelle als Einsiedller. Er will die Bevölkerung Galliens zum Christentum bekehren. Sein Vorbild lockt Gleichgesinnte an. Es entsteht das Kloster Ligugé - das erste Kloster in Frankreich.

In dieser von Krieg und Verwüstung geprägten Zeit überzeugt der Mönch Martin durch Bedürfnislosigkeit und Frömmigkeit sowie durch seine seelsorgerische Tätigkeit und seinen absoluten Einsatz für Kranke und Arme. Auf seinen Missionsreisen befreit er das Landvolk vom Aberglauben. Er lässt heidnische Tempel durch Kirchen und Klöster ersetzen.

Beim einfachen Volk sehr beliebt, will die breite Volksmasse Martin 371 zu ihrem Bischof haben. Dieser lehnt entschieden ab. Es bedarf einer List, ihn zur Bischofswahl aus dem Kloster in die Stadt Tours zu locken. Ein Familienvater wird in das Kloster geschickt, um Martinus an das Krankenlager seiner Frau zu holen.

Als Martinus in die Stadt Tours gelangt, ist bereits eine grosse Menschenmenge versammelt. Auch aus den benachbarten Städten ist die Bevölkerung herbeigeeilt. Am 4. Juli 371 wählt das Volk in einer öffentlichen Abstimmung gegen die Stimmen aus dem Klerus Martin zum Bischof von Tours. Als Bischof bewohnt Martinus zunächst eine an die Kirche von Tours angebaute Zelle, bis er eine halbe Stunde Wegs vor den Mauern der Stadt Tours das Kloster Marmoutiers auf dem nördlichen Ufer der Loire gründet.

Hier versammelt Martin etwa 80 Mönche, die seinem Vorbilde nacheifern. Es gibt kein Eigentum. Aller Besitz ist Gemeingut. Niemand darf kaufen oder verkaufen. Die Jüngeren üben sich im Schreiben, die Älteren beten. Von Marmoutiers aus besorgt Martinus seine bischöflichen Funktionen am Dom in Tours. Von hier aus zieht er mit seinen Jüngern auf Missionsreisen durch das Land. Selbst am Kaiserhof in Trier schätzt man seinen Rat.

Während einer dieser Missionsreise stirbt Martinus um 397 in Candes (zwischen Tours und Angres). Die Bewohner von Candes wollen seinen Leichnam nicht herausgeben. Nur mit einer List und im Schutze der Nacht gelingt es den Freunden, Martinus von Candes nach Tours zu überführen, wo er am 11. November auf dem Friedhof vor den Toren der Stadt Tours mitten unter den Verstorbenen der Stadt beigesetzt wird. Im 5 Jahrhundert wird er Heilig gesprochen und zum Schutzheiligen des christlichen Frankenreiches erklärt. Als letzte Worte des Heiligen Martin von Tours wurde folgendes überliefert:

"Mein Herr, es ist ein harter Kampf, den wir in Deinem Dienste in diesem Dasein führen. Nun aber habe ich genug gestritten. Wenn Du aber gebietest, weiterhin für Deine Sache im Felde zu stehen, so soll die nachlassende Kraft des Alters kein Hindernis sein. Ich werde die Mission, die Du mir anvertraust, getreu erfüllen. Solange Du befiehlst, werde ich streiten. Und so willkommen dem Veteranen nach erfüllter Dienstzeit die Entlassung ist, so bleibt mein Geist doch Sieger über die Jahre, unnachgiebig gegenüber dem Alter."

Seit dem Anfang des 5.Jhds. pilgern Gläubige aus allen Gegenden nach Tours an das Grab des Patrons der Soldaten, Reisenden, Bedürftigen, Gefangenen, Bauern, Hirten, Gastwirte und Trunkenbolde, des Beschützers der Haustiere, des Betreuers der Kranken, besonders der Aussätzigen.

Martinskirchen

Als die Franken Gallien erobern - 486 besiegt Chlodwig die letzten römischen Truppen des Syagrius bei Soissons - übernehmen sie die Verehrung des Heiligen Martin von Tours. Der Frankenkönig Chlodwig lässt sich nach seinem Sieg in Reims taufen. Ein Mantel, der als der echte Mantel Martins gilt, wird im Frankenreich als kostbare Reliquie verehrt - nachweisbar seit dem letzten Viertel des 7. Jahrhunderts.

Überall wo die christliche Lehre verkündet wird, entstehen Martinskirchen. Charakteristisch für die frühen Martinskirchen ist ihre Lage, wie in Tours: vor den Toren der Stadt, vorzugsweise bei römischen Siedlungen, und am 11. November 1483 wird der tags zuvor geborene Sohn des Bergmanns Luther in Eisleben auf den Namen des Tagesheiligen getauft: Martin.

Weisheiten zum Martinstag
 
Ist es um Martini trüb, wird der Winter auch nicht lieb.
St. Martin ist ein harter Mann für den, der nicht bezahlen kann.
Auf Martini Sonnenschein, tritt ein kalter Winter ein.
Martinstag trüb, macht den Winter lind und lieb; ist er hell, macht er das Wetter zur Schell!
Wenn's Laub nicht vor Martini fällt, kommt 'ne große Winterkält'.
Ist um Martini der Baum schon kahl, macht der Winter keine Qual.
Schau in der Martininacht, was für Gesicht das Wetter macht. So wies ausschaut, glaubts fürwahr, bringts gutes oder schlechtes Jahr.
Der November bringt Nebel und Schnupfen und Husten, man muß sich fast zu Tode prusten.
 
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