Halloween, das Ende der 90er Jahre aus den USA nach Deutschland gekommene Gruselfest, bekommt zunehmend kirchlichen Gegenwind. Mit Aktionen und Faltblättern wollen Landes- und einige Jugendkirchen sowie christliche Werke Alternativen zu dem heidnischen Spektakel aufzeigen, denn am 31. Oktober wird auch aus kirchlicher Sicht einiges geboten: Der Reformationstag, der Wolfgangstag (Festtag des heiligen Wolfgang) und dann steht Allerheiligen vor der Tür. Und schon nach rund 360 Jahren rahabilitierte Papst Johannes Paul II. am 31.10.1992 (öffentlich am 2. November) Galileo Galilei und betonte, dass es eine Pflicht der Theologen sei, "sich regelmässig über die wissenschaftlichen Ergebnisse zu informieren, um eventuell zu prüfen, ob sie diese in ihrer Reflexion berücksichtigen oder ihre Lehre anders formulieren müssen". Dann gibt es da noch das 'heidnische' Samhain, den Weltspartag und eben auch das aus kirchlicher Sicht zumindest umstrittene Halloween.
Der Reformationstag, der in mehreren Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag ist, erinnert an den Thesenanschlag von Martin Luther und damit an die Gründung der protestantischen Kirche. Katholiken begehen ab Miternacht zudem "Allerheiligen". Im Laufe der Zeit überschattete "Halloween" (die "Nacht der Hexen" vom 31. Oktober zum 1. November) jedoch immer mehr die Bedeutung dieses Tages in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit.
Den Kirchen ist schon deshalb der Halloween-Spuk nicht so recht. Sie befürchten, dass Halloween die christlichen Feste blass aussehen lässt. Für den Einzelhandel ist Halloween nach Weihnachten und Ostern zum drittwichtigsten Geschäft geworden: Die Devise heisst 'Spass und Kommerz.'
Heute liegt Halloween voll im Trend. Ob im privaten Freundeskreis bei der Kürbiscremesuppe; in der Grossraumdisco mit Gruseldekor oder ganz einfach auf den Strassen und in den Kneipen, Halloween-Partys boomen und ziehen jedes Jahr mehr Menschen in ihren Bann. Der "neo-heidnische Brauch" des "Halloween" verdrängt zunehmend den "Reformationstag" und den darauf folgenden katholischen Feiertag "Allerheiligen".
Im Mittelpunkt der Halloween-Partys stehen Hexen, Geister und Dämonen. Die Teilnehmer verkleiden sich meist als Vampire und Gespenster, wobei ihr Schmuck von Totenkopfmasken bis zur blutüberströmten Axt reicht. Seit einigen Jahren schwärmen verkleidete Kinder aus, um unter dem Motto "Süsses oder Saures" an Haustüren Bonbons zu erbeuten.
Historisches (ohne Gewähr)
Das Allerheiligenfest am 1. November hat sich angeblichlich von Rom aus verbreitet. Am gleichen Termin wie Allerheiligen wurde zuvor aber bereits das alte keltische Fest Samhain gefeiert. Daher glauben einige, dass Halloween auf irisches oder gar keltisches Brauchtum zurückgeht; einiges deutet tatsächlich darauf hin, dass Halloween eine Mischung aus dem keltisch-heidnischen Samhain-Fest und dem christlichen Allerheiligen ist. Diese Herleitung ist jedoch umstritten.
Das irische Wort "Samhain", abgeleitet vom altirischen "Samain", "Samuin" oder "Samfuin", bezieht sich auf den 1. November ("lathe na samna" - "Tag des Samhain") und auf das Fest und die königliche Versammlung, die an diesem Tag ("oenaig na samna" - Samhain Nacht") im mittelalterlichen Irland stattfanden. Seit einigen Jahren steht es vermehrt in Konkurrenz zum Reformationstag am selben Tag und verdrängt, durch die vermehrte Kommerzialisierung und die Nähe der Termine, das traditionellere Martinssingen und Martinisingen am 10. und 11. November.
Dass Halloween auf Samhain, ein altes Totenfest keltischer Druiden, zurückgehe, wird auch in der 1996 erschienenen Grolier Enzyklopädie behauptet, die als eine der wissenschaftlichsten CD-Enzyklopädien angesehen wird. Einige Keltologen wenden dazu ein: Heute sind die Namen von ungefähr 350 keltischen Gottheiten bekannt. Ein "Saman" gehört nicht dazu.
Dr. Christoph Ohly, Privatdozent für Kanonisches Recht Ludwig-Maximilians-Universität in München: "Zunächst sagt der Name selbst etwas darüber aus. "Halloween" ist die Kurzform des englischen Begriffs "All Hallows Eve": "hallow" bedeutet "Heiliger" und "eve" steht für "evening", also "Abend beziehungsweise "Vorabend". Der Name bezeichnet also ein Fest, das am Vorabend zu Allerheiligen (1. November) mit der einbrechenden Dunkelheit begann.
In seinem Mittelpunkt stand im England des Mittelalters die Vorstellung, die Verstorbenen würden zwischen Allerheiligen und Allerseelen (2. November) aus dem Fegefeuer in die Häuser ihrer Verwandten zurückkehren. Damit wollten sie die Lebenden daran erinnern, Fürbitte für sie zu halten und sie im Gebet nicht zu vergessen."
Die Reformation steht bei den Lutheranern im Vordergrund
Die evangelischen Kirchen begehen am 31. Oktober den Reformationstag in Erinnerung daran, dass Martin Luther (1483-1546) vor 490 Jahren 95 Thesen zur Reform der Kirche veröffentlichte. Das Amt für Öffentlichkeitsdienst der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Hamburg schlägt vor, den um Süssigkeiten bittenden Kindern "Lutherbonbons" zu geben.
Auf dem Einwickelpapier ist die Internetadresse www.lutherbonbon.de abgedruckt, die die Kinder auf eine Internetseite mit Informationen, Spielen und Ideen rund um das Leben von Martin Luther leitet. Ausserdem hat das Amt ein Minibuch herausgegeben, das Kindern im Grundschulalter erklärt, wie es zur Reformation kam. Mit dieser Aktion sollen die Halloween-Gespenster auf humorvolle Weise vertrieben werden, heisst es in einer Pressemitteilung. 970.000 Stück sind es in diesem Jahr - Lutherbonbons, nicht Gespenster.
Auch die evangelistische "Aktion: In jedes Haus" rät, den verkleideten Kindern nicht nur Süssigkeiten zu geben. Sie hat ein Faltblatt "Halloween – der Abend vor Allerheiligen" entwickelt, das über Hintergründe und Gefahren des ursprünglichen Totenkultes informiert. Das Fest sei vor mehr als 2.000 Jahren bei den Kelten entstanden, die sich durch Verkleidungen vor den Seelen umherirrender Toter schützen wollten. Dabei seien Getreide- und bisweilen auch Menschenopfer dargebracht worden, heisst es in der AJH-Schrift. Ähnliche Traktate gibt es bei der Stiftung Marburger Medien (Marburg). Sie vertreibt ausserdem eine Halloween-Kindertüte, in die man Bonbons, eine DVD über Jesus oder ein Informationsblatt legen kann.
In Württemberg führt das Evangelische Jugendwerk am 31. Oktober wieder die landesweite Churchnight (Kirchennacht) durch. Im vergangenen Jahr fanden etwa 200 Veranstaltungen zu Glaube, Kirche und Reformation statt. Das Spektrum reichte von Gottesdiensten über Konzerte, Filmvorführungen und Luther-Nächten in Kirchen bis zu Dorfspielen und Fackelwanderungen. In diesem Jahr werden sich mehr als 250 Gemeinden beteiligen, teilt das Jugendwerk mit. Auch Gemeinden in Thüringen und Sachsen-Anhalt haben sich der Aktion angeschlossen.
Für Katholiken ist dieser Tag der Vorabend zu Allerheiligen
Die Nachtliturgie greift eine uralte katholische Tradition der Matutinfeiern zu Allerheiligen auf. Zu nächtlicher Stunde beginnt das Allerheiligenfest mit einem Lichtritus (Lucernar) und einem Weihrauchritus. Besonderer Bestandteil ist die feierliche Allerheiligenlitanei. Im Dunkel der Nacht empfängt der Mensch ein Licht der Hoffnung: Das beispielhafte Leben der Heiligen ist Vorbild, dass der Weg der frohen Botschaft vom angebrochenen Reich Gottes nicht nur möglich ist, sondern auch zu einem Leben in Fülle führt. So richtet das Alleiheiligenfest den Blick auf das Ziel des Menschen, die Vollendung in Gott, ohne die existentielle Vergänglichkeit zu leugnen.
Das christliche Allerheiligenfest geht bis ins 4. Jahrhundert zurück. Der heutige Festtermin 1.11. wurde zuerst in England und Irland (im 8. Jahrhundert) begangen und setzte sich im 9. Jahrhundert gesamtkirchlich durch. Gerade im anglo-irischen Bereich konnte sich das keltische Samhain-Brauchtum mit dem christlichen Fest verbinden (s.o.). Das alte keltische Samhain wurde zum Vorabend zu Allerheiligen: Die Katholische Citykirche Wuppertal nimmt diesen bis ins 9. Jahrhundert zurückgehenden Brauch des All Hallow´s Eve, der Nachtliturgie zu Allerheiligen wieder auf.
Die Katholiken lassen sich auch dieses Jahr wieder einiges einfallen, um dem "Halloween"-Spuk in den Tagen von Allerheiligen und Allerseelen etwas entgegenzusetzen. In Verona sollen z.B. - zumindest wünscht sich das der Verband "Sentinelle del Mattino", eine italienischen Bewegung für Jugend-Evangelisierung - Heiligenbilder die Fassade jeder Kirche schmücken. Die "Schönheit der Heiligen" ist als Gegenakzent zum Toben der Fratzen und Masken gedacht. Name der Aktion: "HOLYween".
Ob Halloween gefährlich ist?
Darüber lässt sich streiten. Bedenklich ist allerdings, dass viele hierzulande Halloween feiern, ohne sich im Geringsten des Ursprungs bewusst zu sein. Einige wünschen sich, dass der Name "Halloween" auf ein mächtiges und furchteinflössendes Schattenwesen aus längst vergangenen Nächten in grauer Vorzeit zurückgeht. Das wäre ein gutes Argument gegen dieses Fest, und in der Tat: Nach einem deutlich spürbaren Halloween-Boom in den vergangenen Jahren registriert der Kulturwissenschaftler Werner Mezger ein sinkendes Interesse an dem aus den USA nach Europa reimportierten Brauch. Halloween sei auf dem absteigenden Ast, sagt der Freiburger Volkskundler. Die Sache ist aber nicht so einfach.
Auf einer Esoterikseite ist zu lesen: "Samhain ist das keltische Totenfest, das seine Entsprechung im christlichen Allerheiligen findet. An diesem Tag stirbt der Sonnengott und die Mondgöttin übernimmt die alleinige Herrschaft über die Erde. Die ursprüngliche Bedeutung von Samhain: Dieses Fest war dem keltischen Todesgott geweiht, dem Gott Saman." Haben wir damit dieses "Schattenwesen" gefunden?
Darüber streitet man sich auch unter Esoterikern: "Ich bin Druidin des grössten und ältesten Ordens in England und möchte etwas zu Samhain klarstellen. Samhain wird deshalb gefeiert, weil das keltische Jahr zu Ende geht. Es gibt keinen Todesgott, der die Menschen holt, ... das Fest Samhain ist heute eine Rückschau auf das Jahr und die Bitte um ein neues, gutes Jahr. Samhain leitet sich von 'sam-fuin' ab und das heisst Sommer-Ende".
Halloween zum christlichen Brauch machen?
Eine irische Sage erzählt die Geschichte von Jack O´ Latern: Jack war durch eine List aus der Hölle entkommen, als er aber in den Himmel kam, war die Tür dort für ihn verschlossen. Jack war verdammt, ewig zwischen Hölle und Himmel zu wandern. Er war unterwegs mit einer Kerze in einer ausgehöhlten Rübe. Daher kommt der Brauch, Fratzen-Kürbisse auszuschneiden und zu beleuchten.
Das Licht in einem ausgehöhlten Kürbis, der von einer Kerze erleuchtet wird, könne auch als Symbol für Christus stehen, regt der Landesbischof Jürgen Johannesdotter an, und "es ist schön, wenn dahinter eine Botschaft steht, die mit Christus und Licht der Welt und Nächstenliebe zu tun hat. Nur Erschrecken ist mir zu wenig", so der evangelische Theologe.
Johannesdotter wies darauf hin, dass Halloween ursprünglich auf den christlichen Feiertag Allerheiligen am 1. November bezogen war. In seiner heutigen Form habe der Brauch aber seine historische Substanz verloren: "Von der heidnisch-christlichen Wurzel ist nur noch das Heidnische übrig geblieben, ohne dass man es als Heidnisches erkennt." Der Brauch komme heute einem Event-Bedürfnis entgegen, transportiere aber keine Botschaft.
Laut Johannesdotter war es in der Geschichte immer üblich, Bräuche umzudeuten. In Zuge der christlichen Heidenmission seien heidnische Bräuche christlich neu interpretiert worden. Wenn der Brauch wieder einen christlichen Inhalt habe, könne Halloween ins kirchliche Leben einbezogen werden. Die Jugendkirchen
überspringen überraschenderweise oftmals diesen Termin, da sie davon ausgehen, dass sich sowieso keine Jugendlichen einfinden werden; dennoch reagieren vereinzelt JuKis mit unterschiedlichen Events, um den Heranwachsenden die Bedeutung im christlichen Kontext zu verdeutlichen. So wird es in einigen katholischen Gemeinden die Nacht der Lichter geben und in den evangelischen Kirchen Baden-Württembergs findet wieder die ChurchNight statt; z.B. in der Jugendkirche auf dem Waldhof in Mannheim.
In der Jugendkirche St. Franziskus in Bonn öffnet der "klang-spiel-raum" einen Spalt weit die grosse Tür zu anderen Musikstilen und Musikkulturen - er bietet sozusagen Spielraum für Klangspiel. Ausgehend von der Grundidee einer intuitiv, improvisierten Musik, werden neben solistischen Konzerten auch immer wieder spannende Dialoge zwischen unterschiedlichsten Musikern aus unterschiedlichsten Kulturräumen stattfinden.
Die Jugendkirche Wien beginnt mit einem besonderen come2stay-Gottesdienst um 18:00 und wechselt dann in die neue BlueBox zum gemütlichen Teil gutem Essen & Trinken und viel Zeit zum ausgiebigen Plaudern mit Open End. Das sind nur einige wenige Beispiele für die Aktivitäten am 31. Oktober auf den 1. November, wobei eines nicht unerwähnt bleiben sollte, damit einem bewusst wird, welche Auswüchse die Dinge nehmen können:
Mit "Luther-Brot", "Tetzel-Talern" und "herzhaften Käsefüßen" wirbt ein Bäcker im niedersächsischen Müden an der Örtze für den kirchlichen Reformationstag am 31. Oktober. Der Bäckermeister Michael Hoffmann biete bereits im zweiten Jahr Gebäck-Kreationen an, die von Ereignissen im Leben des Reformators Martin Luther (1483-1546) inspiriert seien, sagte der Müdener evangelische Pastor Christian Berndt am Dienstag: "Das ist süße und herzhafte Erwachsenenbildung." Die Aktion in Müden gehört zu den Projekten, mit denen die evangelische Kirche den Reformationstag in der Region verstärkt in den Blick rücken will. Aha - das ist also kein Kommerz.
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat ein Internetportal gestartet, auf dem der Besucher nach Gottesdiensten zum Reformationstag suchen kann. Ausserdem finden sich auf der Seite Hintergrundinformationen zur Reformation und zur Person Martin Luthers.
Die neue Internetseite der EKD ermöglicht unter der Adresse www.reformationstag.de erstmalig eine gezielte Suche nach Gottesdiensten und Veranstaltungen zu diesem Ereignis.
"Der Reformationstag erinnert uns an Martin Luther, der gewissermassen zu einem Wegweiser in die Freiheit geworden ist", so der thüringische Landesbischof und stellvertretende EKD-Ratsvorsitzende Christoph Kähler in einem Grusswort zu diesem Internetangebot. "Er selbst kam auch aus einer Gefangenschaft. Er wollte für sich den Zugang zu Gott erzwingen. Er wollte Gott mit seinen Leistungen überzeugen. Und doch stellte er nur immer wieder fest, dass er damit nicht glücklicher, nicht sicherer wurde. Erst als er erfuhr und begriff: Die Zuwendung und Liebe Gottes lässt sich nicht verdienen, musste er sich nicht mehr quälen." Neben der Gottesdienstsuche, bei der man eine Postleitzahl, einen Ortsnamen oder eine Einrichtung eingeben kann, gibt es Grusskarten zur Reformation, ein "Luther-Quiz" sowie Luthers 95 Thesen zum Nachlesen. Auch die Frage, was Halloween und der Reformationstag gemeinsam haben, wird hier beantwortet.