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Freitag, 30. Juli 2010
JUGENDKIRCHE pierre sein FILMTIPp 10-07 PDF Drucken
Geschrieben von pierre roh   
Donnerstag, 18. Oktober 2007
 
 

 
Hallam Foe - This is My Story (Grossbritannien 2007)

Regie: David Mackenzie.
Buch: Ed Whitmore, David Mackenzie.
Darsteller: Jamie Bell, Sophia Myles,
Ciarán Hinds, Claire Forlani.
96 Minuten. FSK: k. A.


Manche sehen die Welt mit anderen Augen. Andere sehen sie durch ein Fernglas... Hallam Foe hat ein ungewöhnliches Hobby: Er schleicht sich in das Leben anderer, beobachtet ihren Alltag, sieht ihre kleinen Geheimnisse und grossen Sehnsüchte - und kennt sie so oft besser als sie sich selbst. Dabei bleibt er stets passiver Zuschauer - das eigene Leben zieht regelrecht an ihm vorbei.

Nach dem Tod seiner Mutter isoliert sich der 17-jährige Hallam Foe von der Aussenwelt und verbringt die meiste Zeit in seinem Baumhaus. Nachdem ihn seine Stiefmutter Verity von zu Hause vertreibt, flieht er nach Edinburgh.

Erst als er über den Dächern von Edinburgh die Liebe entdeckt, beginnt er das Leben mit anderen Augen zu betrachten - und lernt, auch sein eigenes in die Hand zu nehmen. Der Film stellt eine verträumt skurrile Liebesgeschichte dar - über Seh(n)süchte für den Teenager in jedem von uns und eine grossartige Liebeserklärung an die Stadt Edinburgh. Cool, hip, humorvoll und berührend mit einem chartverdächtigen Britpop-Soundtrack.

HALLAM FOE - THIS IS MY STORY basiert auf dem gleichnamigen Roman von Peter Jinks, der in Deutschland 2003 mit dem Titel "Über roten Dächern" erschienen ist. Jinks ist ein alter Freund von Regisseur David Mackenzie und Produzentin Gillian Berrie. Mackenzie und Berrie realisieren mit ihrer gemeinsamen Produktionsfirma Sigma Films seit über 10 Jahren Filmprojekte und waren von Anfang an vom filmischen Potential des Stoffes begeistert: "Als ich den vollendeten Roman schliesslich las, war ich beeindruckt, wie er den Leser in die Gedankenwelt dieses aufgewühlten Jungen mitnimmt", sagt Mackenzie.

"Es war wie eine kaputteVersion von "Der Fänger im Roggen", eine Geschichte, die etwas über unser nach visuellen Eindrücken gierendes 21. Jahrhundert auszusagen schien. Man muss die Kids ja fast schon verkorksen, damit sie diesem ganzen Celebrity-Müll entkommen, der ihr Leben durchdringt und der ihnen traurigerweise auch noch beibringt, wie man sich angeblich benimmt."

Hallam Foe - neugieriger Beobachter und Spinner, dem die Welt gehört. Hallam Foe betrachtet lieber das Leben der Anderen, als sich mit seinem eigenen auseinanderzusetzen. Er lebt ganz in seiner Welt, hält sich das richtige Leben da draussen lieber auf Abstand - und meint, es "von oben" am besten zu überblicken.

Dazu Mackenzie: "Der Voyeurismus, den man beim Fernsehen konsumieren kann, interessiert ihn nicht, lieber beobachtet er die Menschen um ihn herum selbst. Dabei hat er sich soweit in sich zurückgezogen, dass er fast schon so etwas wie ein Wilder geworden ist."
 
Hamburger Lektionen (Deutschland 2006)

Regie und Buch: Romuald Karmakar.
Mit: Manfred Zapatka.
133 Minuten. FSK: ohne Altersbeschränkung, ff.


Ende der 90er Jahre wurde Mohammed Fazazi Imam der Al-Quds-Moschee in Hamburg. Im Januar 2000, in den letzten Tagen des Fastenmonats Ramadan, hielt Fazazi im Gebetsraum der Moschee mehrere „Lektionen“, bei denen die Anwesenden Fragen zu verschiedenen Aspekten des Lebens stellen konnten. Diese Sitzungen wurden von einer unbekannten Person auf Video aufgenommen und in der Buchhandlung der Moschee, aber auch in Buchhandlungen außerhalb vertrieben.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington wurde bekannt, dass drei der vier Selbstmordpiloten, aber auch andere Personen, die der so genannten Hamburger Gruppe zugerechnet werden, regelmäßig die Al-Quds-Moschee besucht haben und in engem Kontakt zu Fazazi standen.

Auf der Grundlage des Videos rekonstruieren die Hamburger Lektionen den vollständigen Wortlaut zweier Sitzungen vom Januar 2000 und geben damit die Möglichkeit, die Binnenlogik eines Denkers und Predigers kennen zu lernen, der die salafistische Variante des Islam lehrt. Ihrzufolge haben allein der Prophet und seine Gefährten sowie die drei folgenden Generationen der Muslime gläubig und rein genug gelebt.        

Nach den Anschlägen in Casablanca im Mai 2003 wurde Fazazi verdächtigt, die vierzehn Selbstmordattentäter „inspiriert“ zu haben. Einen Monat später wird er vor einem marokkanischen Gericht als „Theoretiker“ der Gruppierung „Salafyia Jihadia“ der „Anstiftung zum Mord und Teilnahme an der Planung terroristischer Akte“ beschuldigt und zu 30 Jahren Haft verurteilt. In Deutschland ist gegen ihn nie ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.

Hamburger Lektionen ist nach Himmler-Projekt, seinem Film über die dreieinhalbstündige Rede Heinrich Himmlers bei der SS-Gruppenführertagung in Posen im Oktober 1943, Romuald Karmakars zweite Arbeit, die sich durch die Rekonkretisierung eines Dokuments mit radikalen Strukturen unserer Zeit beschäftigt.

Schauspieler Manfred Zapatka liest in dem ungewöhnlichen und aufschlussreichen Film zwei Lektionen des islamistischen Hasspredigers Mohammed Fazazi. Die nüchterne Inszenierung der Lesung lässt die paradoxe Rationalität dieser Predigten zum Vorschein treten und ermöglicht spannende Einsichten in die Funktionsweisen des Fundamentalismus.

Hamburger Lektionen wurde nach der Uraufführung auf der Berlinale 2006 und der internationalen Premiere auf dem IFF Vancouver auf zahlreiche Festivals eingeladen, z.B. nach Rotterdam, Mar del Plata, Locarno, zur Viennale, Copenhague Dox und Cinéma du Réel in Paris. Bei der Filmwoche Duisburg 2006 erhielt der Film den 3sat-Preis als bester deutschsprachiger Dokumentarfilm.
 
SHAUN das Schaf - Abspecken mit SHAUN (Grossbritannien 2007)
Richard Goleszowski
56 Min., FSK: o.A., empfohlen ab 5 Jahre


Das pfiffige Schaf Shaun lebt mit seiner Herde auf einem beschaulichen englischen Bauernhof. Doch das Leben dort ist alles andere als eintönig. So gilt es etwa, dem pummeligen Schaf Shirley bei einer Diät zu helfen, einen Drachen aus einer Baumkrone zu entwirren, Äpfel gegen die gierigen Schweine zu verteidigen oder warmes Wasser zu beschaffen, damit die Schafherde beim verordneten Badegang nicht friert. Der musikbegeisterte Wachhund Bitzer erweist sich dabei als treuer Verbündeter der Schafherde, auch wenn er immer dafür sorgen muss, dass Shaun mit seinen Ideen nicht allzu viel Turbulenzen verursacht.

Shauns erster Auftritt in der oscarprämierten Plastilinanimation "Wallace und Gromit unter Schafen" erfreute sich so grosser Beliebtheit, dass das Aardman-Studio dem wolligen Nebendarsteller eine eigene Serie widmete. Acht der geplanten 40 Episoden liegen nun auf DVD vor und erzählen ihre Geschichten gänzlich ohne Dialoge.

Wie der Hund Gromit verständigen sich Shaun und die anderen Tiere des Bauernhofs ausschliesslich über ihre Mimik und Gestik, und selbst der Bauer und die selten auftretenden anderen Menschen sprechen kein Wort. Durch die kurze Laufzeit der einzelnen Folgen - jede dauert ungefähr sieben Minuten - und den überschaubaren geschlossenen Handlungsrahmen eignen sich die Kurzfilme für Zuschauer jeden Alters.

Während der gewitzte Hauptdarsteller, der für jedes Problem eine Lösung findet, die charmanten Figuren und die aberwitzigen Slapstickszenen vor allem Kids ansprechen, bieten zahlreiche Anspielungen und Details auch für Jugendliche beste Unterhaltung.

Während einige vor allem von den leicht nachvollziehbaren Geschichten und den Figuren gefesselt werden, kommt für Filmbegeisterte noch ein besonderer Reiz hinzu: Wimmelt es in Shaun das Schaf doch geradezu von Anspielungen auf Klassiker der Filmgeschichte wie Rocky, Matrix oder Star Wars.

Die DVD enthält die folgenden Episoden:

1. Abspecken mit Shaun: Das pummelige Schaf Shirley hat so viel zugenommen, dass es nicht mehr durch die Stalltür passt. Kein Problem für Shaun: Er entwickelt ein rigoroses Trimmdich-Programm, in dessen Verlauf Shirley schliesslich sogar fliegen lernt...

2. Der Drachen: Ein vom Wind abgetriebener Drachen landet in einem Baum auf der Schafweide. Natürlich würde die Herde ihn gerne steigen lassen - also riskiert der wagemutige Shaun Kopf und Kragen, um den Drachen aus dem Geäst zu befreien...

3. Bitzer ist verliebt: Bitzer flirtet mit der Hündin eines Camper-Pärchens und vernachlässigt dabei seine Pflichten als Hütehund. Das rächt sich bald: Die wild gewordene Schafherde verwüstet das Bauernhaus. Jetzt kann nur noch Shaun helfen!

4. Badetag: Die Schafe meutern, weil sie in eiskaltem Wasser baden sollen. "Null Null Schaf" Shaun begibt sich auf eine riskante Spezialmission, um heisses Wasser aus dem Bauernhaus zu besorgen...

5. Die Apfelernte: Im Schweinepferch wächst ein Apfelbaum, dessen Äste über den Zaun der Schafweide hängen. Als die Schafe versuchen, ein paar der prächtigen, reifen Früchte zu pflücken, leistet die gierige Schweinebande erbitterten Widerstand.

6. Das kleine Horrorschaf: Lämmchen Timmy schleicht sich spät nachts ins Bauernhaus, um sich heimlich einen Horrorfilm anzusehen. Shaun folgt ihm und versetzt bei seiner Rettungsaktion den nichts ahnenden Bauern in Angst und Schrecken...

7. Das Stillleben: Der Bauer versucht sich als Künstler und stellt eine Staffelei samt Ölfarbe auf die Weide. Das interessiert auch die Schafe. Als der Bauer Pause macht, leben sie ihre ganz eigenen Vorstellungen von "grosser Kunst" aus...

8. Pizzaservice: Ein verführerischer Duft weht über die Weide - der Bauer lässt sich gerade eine Pizza schmecken. Weil die Schafe auch gern etwas Abwechslung auf dem Speiseplan hätten, begeben sie sich als Menschen verkleidet in die örtliche Pizzeria...

9. DVD-Extras: Titelsong zum Mitsingen 
 
Mama Massai - Sister Angelika und die verlorenen Krieger (Deutschland 2007)

Dokumentarfilm von Johannes Rosenstein
Sprache: Deutsch, Englisch
Laufzeit: ca. 68 Minuten


Angelika Wohlenberg lebt ohne festen Wohnsitz, ohne sauberes Wasser und andere Annehmlichkeiten, die für uns völlig normal sind und trotzdem möchte sie nicht tauschen. Seit 23 Jahren teilt sie das Leben der Massai in der Steppe in Nordtansania, wird von ihnen geliebt und verehrt.

Dass es sie einmal in die Massaisteppe Tansanias verschlagen würde, damit hat Angelika Wohlenberg, Diakonin aus Flensburg, nicht gerechnet. Unweit der Serengeti erfüllte sich für Schwester Angelika ein Kindheitstraum. Schon als Achtjährige stand nämlich für sie fest: Ich gehe in die Mission. Sie kam, in der tiefsten Überzeugung, dass Gott sie hierher geschickt habe und sie hier ihre Berufung hätte - bereits ihr Grossvater war als Missionar in Indien tätig.

Ihre Berufung besteht hier vor allem darin, den Massai zu helfen, auch medizinisch. Der deutsche Verein "Hilfe für die Massai" trägt die Arbeit von Angelika Wohlenberg. In die abgelegenen Gebiete ihrer Schützlinge gelangt die Hebamme und Krankenschwester nur mit dem Flugzeug. "Mobile Klinik" nennt Schwester Angelika ihre Einsätze in diesen trockenen Gegenden.

Die Massai leben als Hirten und Nomaden eng mit ihren Ziegen und Rindern zusammen. Eine Folge davon sind häufig Augenkrankheiten, die zur Erblindung führen können. Fliegen übertragen den Erreger, schmerzhafte Entzündungen unter dem Augenlid sind die Folge, leicht mit Antibiotika behandelbar. Dafür muss Schwester Angelika regelmässig die Kranken besuchen. Besonders Kinder leiden unter dem so genannten Trachom. Neben der Behandlung muss Angelika auch Gesundheitserziehung zur Vorsorge betreiben.

"Sister Haraka", die Schnelle, wird Schwester Angelika respektvoll von den Massai genannt. Doch der 51-Jährigen geht es neben der medizinischen Behandlung auch darum, die Seelen der Massai zu erreichen. Beides ist für sie eine Einheit: "Es ist ganz wichtig, dass nicht nur mein Körper in Ordnung ist, sondern auch die Seele sollte ausgeglichen sein und ich sollte Frieden haben, Freude und Lebensmut. Für mich gehört das unbedingt zusammen."

Längst sind die Massai für Schwester Angelika zur Familie geworden. Aber diese Familie steht vor grossen Umbrüchen. Der Tourismus hat das Nomadenvolk aus den fruchtbaren Gebieten vertreiben. Viele der einst so stolzen Massaikrieger müssen Arbeit in den Städten suchen, meist chancenlos. Die Hirten sind Analphabeten, stehen heute am Rande der Gesellschaft. Schwester Angelikas Mission im 21. Jahrhundert: Bildung und Glauben in die Steppe zu tragen, den Massai eine neue Perspektive zu vermitteln.

Die Pfarrerstochter ist so auch Mittlerin zwischen Tradition und Moderne. Sie hat die Geschichte der Massai auch zu ihrer gemacht. Wenn die Massai Probleme haben, so Angelika, dann leide sie mit, wenn Kinder sterben, dann weine sie mit und bei Festern feiere sie eben mit. Adoptiert wurde sie von einem Massaikrieger mit 14 Frauen und 53 Kindern, schon vor 20 Jahren. Anerkennung und Vertrauen jedoch musste sie sich Schritt für Schritt erarbeiten.

Sieben Jahre lang habe es gedauert, bis die Massai sie akzeptiert hätten, erzählt Angelika. Vermutlich, weil sie bereit gewesen sei, gemeinsam mit den Massai zu leben, erst im Zelt, später in einem Steinhaus. Dass sie Ziegenfleisch mag und nichts gegen viele Menschen hat, hat ihr wohl ganz nebenbei auch geholfen.

Die Kinder liegen Schwester Angelika besonders am Herzen. Deshalb hat sie eine englischsprachige Schule in der Steppe gebaut und viele Eltern davon überzeugt, ihre Kinder dorthin zu schicken, gerade auch Mädchen. Denn Massaifrauen gelten normalerweise als Eigentum der Männer, mehr nicht.

Schwester Angelika hat vor allem gelernt, sich auf das afrikanische Tempo einzulassen, um hier überhaupt etwas bewegen zu können. Meistens geht es nur mühsam in kleinen Schritten voran und manchmal überhaupt nicht. Doch das ist für sie nicht das Entscheidende.

Nach 23 Jahren in der Steppe liebt Angelika ganz besonders das gute Verhältnis der Menschen hier zueinander. Und die Weite der Landschaft spricht ihr aus der Seele. Einmal im Jahr besucht sie Deutschland, aber in Ostafrika hat sie ihre Heimat und ihren Lebenssinn gefunden, als Stimme für die Massai.

"Über einen Monat hat ein Kamerateam der Münchener Filmhochschule - unter anderem im Auftrag des ZDF - Angelika Wohlenberg in Tansania und in Deutschland begleitet. So entstand die exklusiv für den Brunnen Verlag produzierte Dokumentation über Angelika Wohlenberg, auch bekannt als "Mama Massai". Sehen und hören Sie, wie und warum eine Deutsche seit über 20 Jahren unter den Massai in Afrikas Steppen lebt. ", so der Hänssler-Verlag über diese DVD.

Seit 1997 wird ihre Arbeit von dem eigens gegründeten Verein "Hilfe für die Massai" getragen. Ihr Einsatzgebiet ist die Gegend rund um Malambo im Ngorongoro-Distrikt. Über ihr Leben liegt bereits ein Buch vor: "Mama Massai - die wilde Heilige der Steppe".

Mehrere Wochen begleitete Hanna Schott Frau Wohlenberg bei ihrer Arbeit im Frühjahr 2005 und recherchierte über ihr Wirken unter den Massai. Seit über 23 Jahren arbeitet Angelika bei den Massai in Nordtansania - bis 1996 im Auftrag der Nordelbischen Mission.

"Die Massai lieben und verehren sie wie eine Heilige. Mit viel Mut, Humor, Einfühlungsvermögen und einem grossen Glauben hilft sie ihnen, Veränderungen zu wagen und doch Massai zu bleiben - Menschen mit einer unverwechselbaren Kultur."

Hanna Schott:
Mama Masssai - Angelika Wohlenberg. Die wilde Heilige der Steppe
Brunnen-Verlag, Oktober 2006, ISBN: 3765519383

Hilfe für die Massai e.V. Tansania

Angelika Wohlenberg
Jutta Roedig
P.O. Box 1396
Arusha, Tanzania
Tel.: 00255 . 27 250 19 26
eMail: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

Hilfe für die Massai e.V. Deutschland

Theodor Wohlenberg
Toft 13
D-24996 Sterup
Tel.: 04637 . 96 37 87
eMail: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
iNet: http://www.massai.org
 
 
 
 
 
Kommunale Kinos im Bundesverband kommunale Filmarbeit bilden ein Netzwerk der Filmkultur, das den Genres Spielfilm, Kurzfilm und Dokumentarfilm den gleichen Stellenwert beimisst. Programmreihen mit historischen Filmen, zu Länderschwer- punkten, zu Regisseuren und Schauspielern zeigen Verbindungen und Entwicklungen über den einzelnen Film hinaus auf.
 
 
13. Bundesweiter Aktionstag der Kommunalen Kinos unter der Schirmherrschaft des Publizisten und Politikers Daniel Cohn-Bendit: "Film und Revolte".
 
 
Grusswort des Schirmherrn Daniel Cohn-Bendit:

"Als die Bitte an mich herangetragen wurde, die Schirmherrschaft über den 13. Bundesweiten Aktionstag der Kommunalen Kinos zu übernehmen, habe ich ohne Zögern sofort zugesagt, denn diese Kinos sind etwas Besonderes. Ihr Wert und ihre Wichtigkeit sind kaum zu überschätzen. Sie ragen mit ihrem Programm aus der uniformen Masse der grossen Kinoketten und schaffen eine Plattform für aussergewöhnliche, kreative Menschen und ihre Arbeit. Dieser Aktionstag verschafft ihnen die Geltung, die sie verdienen, und revoltiert entsprechend seinem Titel "Film und Revolte" gegen die Gleichförmigkeit. Und so freue ich mich und blicke erwartungsvoll mit Ihnen auf viele bevorstehende aufschlussreiche Stunden."
 
Aus Anlass des Beginns der (Studenten-) Revolte vor 40 Jahren widmet sich der 13. Bundesweite Aktionstag der Kommunalen Kinos rund um den 31. Oktober 2007 dem Thema "Film und Revolte". Am 2. Juni 1967 wurde der Student Benno Ohnesorg im Verlauf gewaltsamer Auseinandersetzungen von studentischen Demonstranten und Polizei während des Schahbesuchs in Berlin erschossen.

Dieses Ereignis bildete sowohl eine Zäsur in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland als auch in der Filmgeschichte der BRD, denn zum ersten Mal waren auf der Strasse auch Kameras dabei, die nicht die öffentich gebilligte Sicht der Dinge abbildeten. Studenten der neu gegründeten Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) filmten unter den Demonstranten und Roman Brodmans "Der Polizeistaatsbesuch - Beobachtungen unter deutschen Gastgebern" aus der kritischen SDR-Reihe "Zeichen der Zeit" schrieb Fernsehgeschichte, weil er als erster Fernsehbeitrag Verständnis für den Protest aufbrachte.

Fortan wurde Film zum Kampfmittel, und es entstanden diverse "Flugblattfilme" nach französischem und sowjetischem Vorbild, die sich zwischen Dokumentation und Agitation bewegten. Es kam zur Besetzung der DFFB, in deren Folge mehrere Studenten relegiert wurden - unter anderem auch Harun Farocki, Hartmut Bitomsky und das spätere RAF-Mitglied Holger Meins.

Auch zahlreiche Frauen griffen Ende der 1960er zur Kamera, absolvierten eine Filmausbildung und drehten politische Filme mit feministischen Positionen. Zu den bedeutendsten Regisseurinnen dieser Neuen Frauenbewegung zählt Helke Sander, die bereits vor ihrem DFFB-Studium (1966-69) Filme für das finnische Fernsehen realisiert hatte.

Das Programm des Aktionstages beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Themas und zeigt wichtige Filme aus der Zeit sowie spätere Produktionen, die sich den Revoltejahren widmen oder ihrem Geist verpflichtet fühlen. So sind neben Brodmanns "Der Polizeistaatsbesuch" Helga Reidemeisters "Aufrecht gehen. Rudi Dutschke - Spuren" sowie das Gemeinschaftsprojekt "Deutschland im Herbst" von Alexander Kluge, Volker Schlöndorff, Edgar Reitz u.v.m. zu sehen.

Ebenfalls im Programm finden sich Peter Zadeks 68er-Klassiker "Ich bin ein Elefant, Madame" über eine Bremer Schülerrevolte sowie Gerd Conradts biografische Collage "Starbuck Holger Meins", die den Werdegang des ehemaligen Kommilitonen nachzeichnet.

Gemäss dem Anspruch der Kommunalen Kinos stellen darüber hinaus neue Produktionen aktuelle Bezüge her: In Achero Mañas Spielfilm "Das November Manifest" (Spanien 2003) fingieren junge spanische Theaterrebellen ein ETA-Attentat und Niels Arden Oplevs "Der Traum" (Dänemark/Grossbritannien 2006) erzählt die Geschichte eines gegen die Tyrannei des Rektors aufbegehrenden Schülers. Zu Michael Busses "die story: Gipfelstürmer - Die blutigen Tage von Genua" (D 2002) sowie zu weiteren Filmen sind die Filmemacher, Zeitzeugen oder Referentinnen und Referenten zu Gast.

So leisten die Kommunalen Kinos einen wichtigen Beitrag zur historischen Aufarbeitung des Themas und beweisen sich mit ihrem sorgfältig kuratierten Aktionstag erneut als engagierte Kenner der historischen und aktuellen Filmkunst. Insgesamt beteiligen sich mehr 40 Kinos an dem Aktionstag.
 
 
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