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Freitag, 3. September 2010
Jugendkirche Wien 'vollendet' den Stephansdom PDF Drucken
Geschrieben von pierre roh   
Dienstag, 28. August 2007
Nordturm 1999/2000
Während des bevorstehenden Papstbesuches wird der fehlende Nordturm des Stephansdoms kurzzeitig aufgebaut - aus Licht. 20 Scheinwerfer werden zwischen dem 7. und 9. September nachts einen Lichtkegel in den Himmel werfen. Es gehe um "ein Zeichen der Spannung zwischen dem, was vollendet ist und dem, was unvollendet ist", so Dompfarrer Toni Faber bei einer Präsentation des Projekts.
 
Bläulich-weisses Licht wird an diesen drei Abenden in die Höhe strahlen und einen 137 Meter hohen Kegel über dem Nordturm bilden. Der Nordturm wird somit gleich hoch erscheinen wie der Südturm. Lichttechnik macht im Jahr 2007 sichtbar, was seinerzeit geplant war. Dompfarrer Anton Faber verspricht sich von der Installation neben der Faszination auch Nachdenklichkeit. Hier strecke sich eine junge Kirche gleichsam sehnsüchtig nach dem aus, "was wir Älteren nicht zusammengebracht haben, zugleich aber demütig annimmt, dass nicht alles möglich und machbar ist", so Faber.
 
Der Stephansdom ist nicht nur das Wahrzeichen von Wien, sondern auch das bedeutendste gotische Bauwerk in ganz Österreich. Der Bau des Doms erfolgte in mehreren Bauabschnitten und dauerte vom 12. bis ins angehende 16. Jahrhundert.

Rudolf IV. "der Stifter" hatte für seinen Dom zwei gleiche, hoch aufragende Türme in Auftrag gegeben. Doch während der bestehende Südturm mit 137 Metern Höhe als damals höchster Kirchturm der Christenheit 1433 fertiggestellt wurde, blieb der geplante Zwillingsturm ein 68 Meter hohes Rudiment. 1511 wurden die Arbeiten am Nordturm eingestellt, da Geld und Arbeitskraft in Zeiten der Glaubensspaltung und der aufziehenden Türkenkriege anderweitig benötigt wurden. Im Nordturm hängt auch die berühmte Pummerin, eine fast 22 Tonnen schwere und etwa drei Meter hohe Glocke.

Auf Initiative der Jugendkirche Wien wird der in Stein unvollendete Nordturm mit Lichttechnik vollendet. "Wir wollen anlässlich des Besuchs von Papst Benedikt XVI. ein weithin sichtbares Zeichen setzen, dass junge Menschen Orientierungshilfe suchen, bereit sind um Werte zu ringen und für sie einzutreten", so Gerhard Rehor, Obmann des Kuratoriums zur Förderung der Jugendkirche.
 
Mit der 'Lichtinstallation' wird die bekannteste Wiener Kirche zumindest kurzzeitig symmetrisch jeweils von Einbruch der Dunkelheit bis 1.00 Uhr nachts erstrahlen. "Der Lichtstrom entspricht 1.677 Halogenlampen zu je 100 Watt. Das Gesamtgewicht des Equipments, das auf den Nordturm gebracht wird, beträgt sechs Tonnen, wovon allein die Kabel eine Tonne wiegen", wie Florian Unterberger erklärt.  Wegen der großen Stromanschlussleistung müssen fünf einzelne Leitungen über eine 500 Jahre alte Wendeltreppe auf den Turm gelegt werden.

"Die Jugendkirche möchte damit ein sichtbares Zeichen setzen, dass sie bereit ist, ihren Beitrag für die Kirche heute zu leisten", erklärt Florian Unterberger, einer der Gründungsväter der Jugendkirche. Mit dieser Aktion an den drei Abenden des Papstbesuchs werde das gewohnte Bild des Wiener Wahrzeichens verändert, zugleich sollen aber auch "festgefahrene Sichtweisen der Menschen über 'die Kirche' in Frage gestellt werden", so Unterberger. "Sie möchte damit zeigen, dass sie bereit ist, ihren Beitrag für die Kirche heute zu leisten"
 
Für Dompfarrer Toni Faber die Organisation durch das Projekt Jugendkirche Wien ein schönes Zeichen der Jugend, dass sie an der Institution Kirche "weiterbauen" möchte: "Kirche ist immer Tradition und Erneuerung. Wenn der Beitrag ein Zeichen der jungen Generation ist, Kirche weiter aufzubauen, dann soll es uns allen sehr recht sein." Einen bleibenden Aufbau des Nordturmes in Stein strebt die Jugendkirche allerdings nicht an, unterstrich Florian Unterberger: "Es gibt Wichtigeres zu tun."

Die Lichtstrahlen kreuzen sich genau in der Höhe der Südturmspitze in 137 Meter Höhe und bieten unabhängig von der Wetterlage einen spektakulären Anblick. "Besonders gut wird die Lichtinstallation bei etwas diesigem Wetter zu sehen sein, wenn sich in der Feuchtigkeit der Luft die Lichtstrahlen sehr schön brechen", berichtet Unterberger.
 
Die Idee des Lichtturmes ist dabei nicht neu. Bereits zur Jahrtausendwende 1999/2000 war versucht worden, die Kathedrale mit Licht kurzzeitig zu vollenden. Diese Aktion habe sich jedoch als "Rohrkrepierer" erwiesen, bedauerte Dompfarrer Faber. Wegen Schneefalls und Nebels sei vom Turm nichts zu sehen gewesen. Diesmal stehen die Chancen besser: Mit Schneefall ist Anfang September wohl nicht zu rechnen.

In der Lichtinstallation drückt sich nach den Worten des Dompfarrers auch aus, dass die Kirche neben ihrer Traditionsverbundenheit immer auch Erneuerung zulassen müsse, gemäß dem lateinischen Wort "ecclesia semper reformanda": "Kirche muss sich einer ständigen Erneuerung unterwerfen, sonst ist sie nicht Kirche. Kirche, die nur versucht, Tradition zu bewahren, nicht offen ist für Neues und nicht die Türen aufstößt, ist keine Kirche Jesu Christi", unterstreicht Anton Faber.
 
Auch die Dauerbaustelle Südturm wird für den Papstbesuch ihr Aussehen verändern. Der Aufwand, extra für den Papstbesuch das Gerüst am der Turmspitze abzubauen, ist laut Dompfarrer Toni Faber zu gross. Die Kosten (26.000 €) für das Projekt 'Lichtinstallation werden überwiegend von der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien gedeckt.
 
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