Als "Hoffnungszeichen" bezeichnet er die vielfältigen Initiativen von Kirchengemeinden und Verbänden, um Kindern im Vorschulalter zu helfen, etwa durch Frühstücksangebote und Hausaufgabenhilfen sowie den nordrhein-westfälischen Fonds "Kein Kind ohne Mahlzeit". Er unterstützt Forderungen nach einer Kinderarmutskonferenz und einem kostenlosen Schulessen.
Betont wird, dass Jugendliche ein deutliches Interesse an religiösen Werten und auch an Kirche haben. Die Landessynode teilt die Einschätzung, dass sich gottesdienstliche Praxis und Konfirmandenunterricht in Sprache, Inhalt und religiösem Handeln auch daran orientieren müssen, dass Jugendliche sie verstehen und auch erreicht werden. So heißt es in dem Beschluss.
Gleichzeitig unterstreicht sie die Dringlichkeit, Wege zu Jugendlichen zu finden, die von kirchlicher Jugendarbeit nicht erreicht werden. Angesichts der Ausweitung virtueller Welten sieht die Landesssynode zudem einen erhöhten Bedarf an Kinder- und Medienschutz.
Um diese Jugendlichen nicht zu verlieren, greifen die ersten klammen Kirchenkreise zu Pool-Lösungen: Mehrere Kirchengemeinden finanzieren einen Jugendleiter gemeinsam. Ein anderer Weg sind die 23 Jugendkirchen-Projekte der Rheinischen Landeskirche. Hier bekommen Jugendliche alle erdenkbaren Freiheiten, Gottesdienste in ihrer eigenen Sprache, Musik und Spiritualität zu feiern - natürlich mit seelsorglicher Begleitung.
Simone Mechels: "Die wissenschaftliche Begleitung dieser Projekte zeigt auch, dass es eine wichtige Bewegung innerhalb unserer Kirchen ist, die, glaube ich jedenfalls, nicht einfach eine Eintagsfliege ist." Der Vorsitzende der Evangelischen Jugend im Rheinland, Thomas Weckbecker, verweist in diesem Zusammenhang auch auf das veränderte Freizeitverhalten Jugendlicher.
So fänden Angebote der evangelischen Jugendarbeit häufig am Nachmittag statt. Ganztagsschulen nähmen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zur Teilnahme. Dazu komme, dass unter den etwa 15'000 Ehrenamtlichen in der evangelischen Jugendarbeit im Rheinland ebenfalls viele Schülerinnen und Schüler seien, die ihr Ehrenamt somit nicht mehr ausüben könnten.
Der Jugendbericht verweist auf die 15. SHELL-Studie "Jugend 2006", in der 69 Prozent aller Jugendlichen der Aussage zustimmen: "Ich finde es gut, dass es die Kirche gibt". Ein großer Vertrauensvorschuss, denn die Hälfte dieser Jugendlichen bezeichnet sich als explizit nicht gläubig. Zugleich aber sagen 68 Prozent der Befragten: "Die Kirche muss sich ändern, wenn sie eine Zukunft haben will".
Die kirchliche Jugendarbeit spielt in dieser Polarität eine außerordentlich bedeutsame Rolle: Eine bundesweite Studie über die Evangelische Jugend (2008) weist aus, dass mehr als zehn Prozent aller Jugendlichen von den Angeboten der Evangelischen Jugend erreicht werden – so der Jugendbericht. Befragt wurden mehr als 11.000 Jugendliche zwischen zehn und 20 Jahren. Außerdem sind in der Evangelischen Jugend diejenigen vertreten, die Kirche mitgestalten wollen.

Vor diesem Hintergrund zeigt sich die Landessynode besorgt um die Zukunft der Hauptberuflichkeit in der Jugendarbeit und bittet alle Gemeinden, zur Sicherung evangelischer Jugendarbeit sowohl das Instrument der Gesamtkonzeption gemeindlicher Aufgaben als auch die Bildung von Personalpools auf Kirchenkreisebene zu nutzen. In den Jugendkirchen sieht sie eine Chance und einen ermutigenden Weg, den Dialog mit den Generationen weiterzuführen.
Im Netzwerk "Jugendkirche der Evangelischen Kirche im Rheinland", so der Jugendbericht, arbeiten zurzeit 23 Projekte an gemeinsamen Fragen von jugendgemäßer Spiritualität, Partizipation und Qualifizierung von Ehrenamtlichen und ihrem Verhältnis zu den Ortsgemeinden.
Diese guten Beispiele sind für die Zukunft - und für die Gegenwart - von Kirche von höchster Bedeutung. Denn der Jugendbericht stellt fest, dass "der schleichende Abbau an Vielfalt und Qualität kirchlicher Jugendarbeit durch Reduzierung von Fachpersonal" voranschreitet. "Der Rückgang der Hauptamtlichen-Stellen um die Hälfte im Zeitraum von 1997 bis 2007, das ist dramatisch", sagte dazu Christian Weyer, Superintendent des Kirchenkreises Saar-West, bei der Aussprache im Plenum: "Das war mir in dem Ausmaß nicht bewusst und ist alarmierend", und "wenn wir sagen: 'Jugend ist unsere Zukunft’, müssen wir auch in diese Zukunft investieren".
Auch der Superintendent des Kirchenkreises An der Agger, Jürgen Knabe (Gummersbach), äusserte seine Besorgnis: Für den Pfarrdienst und die kirchlichen Gebäude gebe es feste Vorgaben, wieviel Geld investiert werden soll. Der dritte Bereich - die Mitarbeiterschaft - werde "zwischen diesen beiden Blöcken aufgerieben". Man solle überprüfen, wieviel Geld für Gebäude ausgegeben werde und wieviel in "die lebendige Arbeit an unserer jungen Generation" investiert wird.
Die Landessynode befürchtet, dass bei zurückgehenden professionellen Ressourcen auch ein Rückgang des Ehrenamts droht, da notwendige kontinuierliche Begleitung nicht mehr gewährleistet werden kann - eine Befürchtung, die die Landessynode in ihrer "Anlage zur Beschlussvorlage" noch einmal besonders betont.

"Durch den Ausbau des Ganztagssystems und die Verkürzung der Gymnasialzeit nimmt Schule einen immer größeren Platz im Zeitkontingent Jugendlicher ein. Den Vorzügen des Ganztags, besonders im Blick auf mehr Bildungsgerechtigkeit, steht die Sorge entgegen, dass Schule als Lebensraum zu wenig Zeit für außerschulische Angebote wie die der Jugendarbeit zulässt", heißt es in der Anlage, die den Jugendbericht auf Seite 6 in dem Abschnitt "Herausforderungen für die schulische Bildung" ergänzt.
Entsprechend gering ist die junge Generation in den Presbyterien, den Leitungsgremien der Gemeinden, und damit auch auf synodaler und landeskirchlicher Ebene in Leitungsgremien vertreten. Im Jahr 2008 waren von 2,9 Millionen Gemeindegliedern im Rheinland 879.315 Menschen 0 bis 29 Jahre jung. Von 8.551 Presbyterinnen und Presbytern waren lediglich 336 zwischen 18 und 29 Jahre jung - also "deutlich unterrepräsentiert", so die Feststellung im Jugendbericht.
In dem Synodenbeschluss wird die Kirchenleitung gebeten, in Kooperation mit der Evangelischen Jugend im Rheinland engagierte Jugendliche in kirchliches Leitungshandeln einzubinden. Presbyterien und Kreissynodalvorstände sollen vergleichbar verfahren. Möglichkeiten für die Umsetzung gibt es in der rheinischen Kirche - immerhin: Andere Landeskirchen haben keine Stimmrechte für Jugendliche in Leitungsgremien und auch keinen Gaststatus für Vertreter der jungen Generation in der Landessynode.