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Freitag, 3. September 2010
Jugendkirche wird benötigt PDF Drucken
Geschrieben von pierre roh   
Donnerstag, 10. Dezember 2009
Jugendkirche Ausstellung noch bis 17.12.Die katholische Kirche sollte sich offener und zeitgemäßer präsentieren, meint Theresa Kalantzis. "Kirche als Lebensraum erfahren" - diesen Grundsatz erfüllt die Jugendkirche Wien wieder einmal mit ihrer bereits traditionellen Advent-Ausstellung. Dieses Jahr konnten sich erstmals Jugendliche direkt am Entstehen der Ausstellung beteiligen: seit September lief ein Kreativ-Wettbewerb, der SchülerInnen aufforderte, ihre Gedanken, Ideen und Vorstellungen zum Thema "Mensch werden" in Gemälden, Fotos oder Videos auszudrücken. Die sehenswerten Werke der Jugendlichen werden jetzt in der Jugendkirche gemeinsam mit Exponaten etablierter KünstlerInnen präsentiert, die thematisch mit den Werken der Nachwuchs-KünstlerInnen in Dialog treten.

"Bei dem Wettbewerb begegnen sich auf höchst spannende Weise professionelle Kunst und jugendliche Kreativität. Wir finden daher: Anschauen lohnt sich", so Jürgen Maier, Vorsitzender der Katholischen Jugend Wien. Die rund 40 Werke der Jugendlichen werden in der Jugendkirche Wien gemeinsam mit Exponaten etablierter Künstlerinnen und Künstler präsentiert. Dabei treten die Arbeiten der Künstler thematisch mit den Arbeiten der Jugendlichen in einen Dialog.

Eine Fachjury und alle Besucher der Ausstellung bewerten die Wettbewerbsbeiträge der Schüler. Die Preisverleihung erfolgt am Sonntag, 13. Dezember 2009, um 17.00 Uhr. Auf die Gewinner warten interessante Preise: Der oder die Gewinnerin kann mit der ganzen Schulklasse die Film-Projekttage der Firma Freiraum erleben.
 
Öffnungszeiten der Ausstellung bis zum 17. Dezember:
Dienstag und Donnerstag von 18.00 bis 21.00 Uhr, Mittwoch von 14.00 bis 16.00 Uhr und am Sonntag nach den come2stay-Gottesdiensten von 20.00 bis 21.00 Uhr. Gruppen und Schulklassen werden gebeten, Besuchstermine zu vereinbaren.
Hier ein Interview mit der Mitinitiatorin der Ausstellung, Theresa Kalantzis, geführt von Sofia Khomenko.

Kalantzis: Ich wurde am 18. 02. 1981 in Wien geboren und wuchs im "Mundl"-Bezirk Favoriten auf, im "Schoße" der Pfarre Zur Hl. Dreifaltigkeit in der Alxingergasse (also nicht weit von der Herzgasse entfernt, für alle Mundl-Fans). Mit 12 verschlug es mich (mit meiner Familie natürlich ;)) weiter in den Süden (Wien 23), wo ich in der Pfarre Inzersdorf St. Nikolaus meine Tätigkeit als Junschargruppenleiterin im Jahre 1996 aufnahm (mittlerweile nicht mehr aktiv).

Seitdem konnte ich viel Erfahrung im Bereich Kinder- und Jugendarbeit sammeln, unter anderem durch mein Studium (Germanistik/P.P.P.-Lehramt) und meine Tätigkeit als Spielpädagogin und Soziale Kompetenz-Trainerin. Dem Süden (nicht nur dem wienerischen) blieb ich weiterhin sehr verbunden, seit April 2007 konkret durch die Heirat mit einem Griechen. Seit Jänner 2008 bin ich in der Jugendkirche als Projektleiterin tätig und fühle mich ausgesprochen wohl hier :)

Khomenko: Die katholische Kirche verliert immer mehr Mitglieder. Woran könnte das liegen?

Kalantzis: Ich glaube, der Punkt ist, dass viele einfach nicht wissen: was bringt es mir eigentlich gläubig zu sein?
Viele haben ein Bild von einer sehr verstaubten, nicht aufgeschlossenen Kirche. Dabei ist es in vielen Gemeinden gar nicht so. Wenn man hingeht und sich die Gemeinden anschaut, merkt man: Kirche kann auch anders sein.
Projektleiterin der Jugendkirche Wien, Theresa Kalantzis
Khomenko: Sollte die Kirche modern sein?

Kalantzis: Ich wünsche mir schon, dass die katholische Kirche sich zeitgemäßer und offener präsentiert. Sie sollte zeigen, dass sie eine Kirche ist, wo man hinkommen kann, egal, wie man ist, ob man jetzt sehr gläubig ist und sich gut auskennt, man etwas beitragen will oder eben auch nicht. Jede und jeder muss das Gefühl haben: hier kann ich hinkommen, hier bin ich willkommen, hier werde ich aufgenommen, auch wenn ich nicht jeden Sonntag zur Messe komme.

Khomenko: Glaubst du, es würden mehr junge Menschen in die Kirche kommen, wenn sie zeitgemäßer wäre?

Kalantzis: Ja. Ich glaube, dass die Kirche sich für viele junge Menschen zu wenig mit aktuellen Thematiken auseinander setzt. Dass sie zuviel von sich weg hält und sagt: „Wir beschäftigen uns nicht damit. Das könnte uns ja in eine Krise stürzen, wenn wir jetzt eine Aussage darüber machen.“ Ich wünsche mir eine mutigere Kirche.

Khomenko: Sollte sich die Kirche mehr in gesellschaftliche Thematiken einmischen?

Kalantzis: Ja, in gesellschaftliche und politische Themen, die Menschen beschäftigen, sei es Arbeitslosigkeit, die Wirtschaftskrise, Sexualität. Wenn man sieht, die Kirche scheut sich nicht davor, sich damit auseinander zu setzen, dann bekommt sie auch einen anderen Stellenwert. Für mich persönlich sind der Glaube und die Zugehörigkeit zu einer Kirche wichtig. Man muss transportieren, dass es sinnvoll und bereichernd sein kann, einer Kirche anzugehören und seinen Glauben zu leben.

Khomenko: Worin unterscheidet sich die Jugendkirche von anderen Kirchen?

Kalantzis: Die Jugendkirche lässt sich speziell auf die Bedürfnisse Jugendlicher ein, versucht, ihre Lebensweisen und ihr Lebensumfeld zu integrieren. Zum Beispiel sind unsere Sonntagsgottesdienste am Abend und nicht in der Früh. Wir haben eine eigene Band, die aktuelle Musik spielt. Wichtig ist uns Thematiken aufzugreifen, die junge Menschen betreffen, sie beschäftigen. Die Grundlage ist das Evangelium, aber wir versuchen es so in Worte zu fassen, dass jeder es auf sein eigenes Leben beziehen kann.

Khomenko: Gibt es eigentlich Menschen, die nichts mit Kirche zu tun hatten, und durch die Jugendkirche zum Glauben gefunden haben?

Kalantzis: Heuer will sich ein 16-jähriger Jugendlicher firmen lassen, der vorher nicht wirklich etwas mit Kirche zu tun hatte. Einige von unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern hatten vorher große Schwierigkeiten mit der Kirche. Durch Bekannte sind sie zu uns gekommen und sind jetzt sehr engagiert. Das zeigt schon, dass so etwas wie die Jugendkirche benötigt wird.

Khomenko: Wie wichtig ist der Glaube allgemein noch in der heutigen Zeit?

Kalantzis: Er ist wichtig. Der Glaube und vor allem auch die Gemeinschaft sind etwas, das einem Halt gibt und einen stärker macht. Es ist wichtig, eine Gemeinschaft zu haben, von der man sagen kann: sie nimmt mich so an, wie ich bin und sie fängt mich auf, wenn ich grad nicht weiter weiß.

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