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Wenn es um die Einführung des digitalen Kinos geht, hinkt Deutschland im europäischen Vergleich hinterher. Während der Anteil der Kinosäle mit digitalen Projektoren hierzulande nur 4% beträgt, liegt der Schnitt in Europa bei 7,5 %. Das geht aus einer kürzlich veröffentlichten Studie der italienischen Kino-Organisation Media Salles hervor, die den Stand der Digitalisierung zum Stichtag 30. Juni 2009 ermittelte.
Bereits in den fünfziger Jahren gab es erste Versuche, den 3D-Film in den Kinos zu etablieren. Allerdings scheiterte das Vorhaben an der mässigen Qualität, den etwas albern wirkenden 3D-Brillen und der Überanstrengung der Augen, die bei vielen Kinobesuchern für Kopfschmerzen sorgte. Mit der neuen digitalen Technik soll alles besser werden, versprechen die Filmstudios. Hollywoodproduzent Jeffrey Katzenberg erwartet für das 3D-Kino eine ganz grosse Zukunft: "Demnächst wird man überall seine individuellen 3D-Brillen kaufen können und sie wie selbstverständlich mit ins Kino mitnehmen. Es wird ein Lifestyle-Produkt, auf das die Industrie einsteigen wird." Ob er damit Recht behält, entscheidet am Ende wieder einmal die Akzeptanz der Kinobesucher. Erste digitale 3D-Filme wie "Polarexpress", "Beowulf", "Triff die Robinsons", "U2-3D" und jetzt "Avatar" zeigten sich bereits an den Kinokassen erfolgreich. George Lucas und Peter Jackson haben nun angekündigt, ihre Kassenschlager "Star Wars" und "Der Herr der Ringe" noch einmal in 3D zu überarbeiten. Damit der Filmfan von alldem etwas mitbekommt, muss die Digitalisierung in Deutschland aber erst einmal voranschreiten. In Deutschland ist die Entwicklung erst in geringern Ausmaß in den Kinosälen angekommen, im Ausland läuft die Umstellung bereits großflächig. Die deutschen Multiplexketten bieten DCI-Projektion bisher nur an ihren besten Standorten an (ca. 4%), vor allem um 3D-Filme zeigen zu können. In Russland hingegen sind bereits neun Prozent aller Filmtheatersäle digitalisiert, in Frankreich elf und in Großbritannien zwölf Prozent. Um die 20 Prozent pendelt die Digitalisierungsquote in Österreich, Belgien, Bulgarien und Rumänien. Den Spitzenplatz belegt der Kleinstaat Luxemburg mit 85 Prozent. Das gute Abschneiden kleinerer Länder erklärt sich dadurch, dass dort schon eine Umstellung weniger Multiplexkinos den Durchschnittswert in die Höhe treibt. Hauptgrund für die Zurückhaltung der deutschen Kinobetreiber ist die stockende Debatte über Finanzierungsmodelle und den angestrebten Beitrag der öffentlichen Hand, auf den vor allem die Betreiber kleinerer Kinos wegen der hohen Anschaffungskosten von bis zu 100 000 Euro pro Saal angewiesen sind. Doch in den vergangenen Monaten hat sich etwas getan: Registrierte Media Salles Ende Juni erst 208 digitalisierte Kinosäle in Deutschland, so schätzt der Branchenverband HDF Kino die Zahl nun auf mindestens 700. Ein wesentlicher Investitionsschub ging dabei von den großen deutschen Kinoketten aus. Vor allem angesichts lukrativer 3D-Filme wie "Ice Age 3", "Avatar - Aufbruch nach Pandora" und weiterer 3D-Titel im neuen Jahr rangen sie sich dazu durch, nicht nur zu digitalisieren, sondern gleich 3D-Anlagen zu installieren. So stattete das Unternehmen UCI Kinowelt binnen weniger Wochen in 17 Filmtheatern zumindest einen Saal mit 3D-Technik aus. Die Kinokette Cinestar kündigte im September an, bis zum Jahresende 36 Säle auf 3D umzurüsten. "Man muss mitschwimmen auf dieser Welle", sagte Cinestar-Chef Oliver Fock der "Financial Times Deutschland". Inzwischen schätzt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des HDF Kino, Andreas Kramer, die Zahl der 3D-fähigen Kinosäle bundesweit auf bis zu 350. Ein Vorteil der 3D-Technik: Kinos können dafür einen Preisaufschlag verlangen. Die meisten Kinogänger sind bereit, den zu zahlen, denn sie bekommen "ein neues Seherlebnis, das sie fasziniert und das kein anderes Medium bieten kann", wie Kramer sagt. Die höheren Umsätze bei 3D-Vorführungen helfen, die Investitionen schneller zu refinanzieren als bei einer normalen Digitalisierung. Für die sind Kinogänger kaum bereit, höhere Ticketpreise zu zahlen, weil sie meist keinen Unterschied zum analogen 35mm-Film erkennen. Eine Schlüsselrolle für die Einführung der 3D-Technik und damit auch für die Digitalisierung spielt das Weltraumepos "Avatar - Aufbruch nach Pandora" von James Cameron ("Titanic"), das mit bahnbrechenden technischen Innovationen aufwartet. Weltweit ist die 237 Millionen US-Dollar teure Produktion auf 17 163 Leinwänden angelaufen, knapp ein Drittel davon mit 3D-Projektion. Das Besondere an diesem Film ist, dass er im Unterschied zu den bisherigen stereoskopischen Filmen von Anfang an für die dritte Dimension konzipiert worden ist. Das eröffnet eine neue Dimension und wird 3D weit nach vorne bringen. Camerons Film stellt sich nicht nur in technischer Hinsicht als "Initialzündung" dar, sondern im Hinblick auf das Denken und Machen von Filmen: "Wer künftig dreidimensionale Filme dreht, kommt an ´Avatar´ nicht mehr vorbei", ist die einhellige Meinung der Filmschaffenden. Cameron: "Wenn "Avatar" ein Erfolg wird, führt er sicher dazu, dass 3D zu einem ganz gebräuchlichen Werkzeug von Filmemachern wird. Und zwar nicht nur in Animationsfilmen für Kinder, sondern im Erwachsenenkino. Als ein Mittel, dramatische Geschichten zu erzählen." "Avatar - Aufbruch nach Pandora", die teuerste Produktion der Filmgeschichte, schlägt alle Rekorde: Nach nur 17 Spieltagen hat der Science-Fiction-Film mehr als eine Milliarde Dollar (698 €) in die Kinokassen gespült, wie Chad Hartigan von der Gesellschaft Exhibitor Relations heute in Los Angeles mitteilte. Auch in der BRD ist der Film Spitzenreiter der Kinocharts. "Noch nie hat ein Film so schnell die Milliarden-Dollar-Grenze erreicht." Der Film zählt bei der diesjährigen Oscar-Verleihung zu den Favoriten. Angesichts der Euphorie, die "Avatar" in Kinokreisen hervorgerufen hat, melden sich aber auch schon die ersten Unken. Denn in absehbarer Zeit wird nur ein kleiner Teil der Kinofilme in 3D gedreht und gezeigt werden können. Wenn in jedem größeren Filmtheater ein Saal 3D-Filme spiele, reiche das, wird prognostiziert. AVATAR Aufbruch nach Pandora USA 2009 - Kinostart Deutschland: 17.12.2009 Regie: James Cameron - Drehbuch: James Cameron "Vieles von dem, was wir machen wollten, hatte noch nie jemand vor uns gewagt", äussert sich James Cameron in Bezug auf seinen neusten Film selbstbewusst. Der gebürtige Kanadier hat seit zwölf Jahren nicht mehr auf dem Regiestuhl eines abendfüllenden Kinoprojektes gesessen und tritt jetzt mit dem neuesten "teuersten Film aller Zeiten" an: dem 3D-Abenteuer-Epos "Avatar", der schon jetzt technisch und visuell als bahnbrechend gilt. "Das Hauptziel bei "Avatar" war es von Anfang an, die technologische Entwicklung des Kinos möglichst weit voranzutreiben. Schon bevor ich "Titanic" drehte, hatte ich über "Avatar" nachgedacht, doch die Zeit war noch nicht reif", behauptet Cameron, "auch nach "Titanic" nicht ." "Als er jetzt nach zwölfjähriger Pause diese 3D-Kamera in der Hand hielt, die er selbst entwickelt hat, musste man sie ihm am Ende des Drehtags regelrecht aus der Hand reissen. Es machte ihm so viel Spass, sich in der Welt aufzuhalten, die er komplett kreiert hat, von jeder Pflanzen bis hin zu allen Lebewesen. Er war so selig wie ein Kind im Süßigkeitenladen", erinnert sich Weaver. "Wir haben vor etwa sieben Jahren 3-D-Kameras entwickelt, sie aber erst mal in Dokumentarfilmen ausprobiert", erzählt Cameron. "Es gab damals auch noch kaum Kinos, die Filme in 3D vorführen konnten. Ich musste also warten, mich in Geduld üben. Doch es ist nicht meine Art, rumzusitzen und Däumchen zu drehen. So habe ich die 3-D-Kameras immer mehr verfeinert und gleichzeitig sehr genau verfolgt, wie meine Kollegen die visuellen Effekte weiterentwickelten. Nach den "Herr der Ringe"-Filmen und nach "King Kong" dachte ich mir: Jetzt rückt "Avatar" in den Bereich des Möglichen." "Es ist möglich, mit Hilfe des Computers Gesichter zu erschaffen, die es mit dem menschlichen Gesicht an Feinheit der mimischen Regungen aufnehmen können. Aber die Tatsache, dass wir gleich mehrere computeranimierte Hauptfiguren hatten sowie Hunderte von Nebenfiguren, die alle individuelle Gesichter brauchten, und alles in 3D - das stellte das Team vor eine ungeheure Aufgabe. Ich glaube aber, wir haben für den Film den richtigen Zeitpunkt erwischt", ist Cameron überzeugt und Sigourney Weaver: "Ich habe erst mal einen Schreck bekommen, weil mein Avatar mir so ähnlich sah. ... Einige 3D-Szenen ziehen das Publikum aus ihrem Sessel in der ersten Reihe quasi mitten in das Filmgeschehen hinein. Ich bin davon überzeugt, dass dieser Film so maßgebend sein wird wie damals die Einführung des Farbfilms – zumal die 3D-Technik nicht mehr kostet. Auf lange Sicht wird sie Einzug in alle Filme halten, auf jeden Fall bei Grossproduktionen." Bekannt wurde James Cameron als Autor, Produzent und Regisseur der "Terminator"-Reihe. Er drehte zudem 1986 "Alien 2" mit Sigourney Weaver und den Blockbuster "Titanic", der 1998 sagenhafte elf Oscars gewann. Seither verantwortet Cameron vor allem Dokumentationen sowie die Fernsehserie "Dark Angel". Avatare sind Ersatzlebewesen von drei Meter Größe mit blauer Haut, die von Menschen gesteuert werden. In dem epischen Fantasy-Abenteuer "Avatar - Aufbruch nach Pandora" nimmt uns Star-Regisseur James Cameron mit in eine faszinierende neue Welt jenseits der Grenzen unserer Vorstellungskraft. Gemeinsam mit Jake Sully taucht der Zuschauer in eine fesselnde Story ein und geht auf eine Reise voller Gefahren und Entdeckungen. "Jeder Regisseur erschafft seine eigene Welt", so Cameron. "Wir haben nicht eine einzige echte Pflanze benutzt! Viele Leute glaubten, dass wir in Neuseeland gedreht haben, weil es dort Regenwald gibt. Klar waren wir im Regenwald - zwischendurch, zur Erholung. Gedreht haben wir im Studio. Sicher liegt eine gewisse Ironie darin, dass wir die Natur in "Avatar" feiern, indem wir eine ganz und gar künstliche Natur am Computer erschaffen. Wir erweisen der Natur unseren Respekt, indem wir uns Tausende von Stunden lang an zig Computern quälen, um Pflanzen und Tiere zu erschaffen, die möglichst echt und lebendig wirken." Vor Jahren wurde Jake Sully schwer verwundet und ist seitdem von der Hüfte abwärts gelähmt. Als ihm für ein Projekt das Angebot unterbreitet wird, zum weit entfernten Pandora zu reisen, willigt er schnell ein, um seinem für ihn sinnlos gewordenen Leben zu entkommen. Denn dort erwarten ihn unvorstellbar schöne und farbenreiche Landschaften aus üppigen Regenwäldern mit fantastischen Pflanzen und Tieren - manche wunderschön, andere furchterregend. Doch Pandora ist nicht unbewohnt: Die Na'vis sind die Ureinwohner des Planeten und leben im Einklang mit der Natur, die sie umgibt. Pandora ist reich an dem für den Menschen sehr wertvollen Rohstoff Unobtainium. Da der Mensch in der Atmosphäre Pandoras nicht existieren kann, wurde ein wissenschaftliches Projekt initiiert, bei dem genetisch manipulierte Hybride aus menschlicher und Na'vi DNA erschaffen wurden: die so genannten Avatare. Ein Avatar wird von einem Menschen mental gesteuert, indem das menschliche Gehirn und die Gefühlsrezeptoren über eine spezielle Technologie mit dem Avatar-Körper verbunden sind. Leiterin des Projekts ist die Wissenschaftlerin Dr. Grace Augustine, die Jake zunächst skeptisch gegenüber tritt. Während Jakes Erkundigungen auf Pandora trifft er die junge und schöne Na'vi Frau Neytiri, die ihn sofort fasziniert. Durch sie lernt er nach und nach das Leben und die Kultur der Na'vis kennen. Doch je mehr Zeit Jake mit den Na'vis verbringt, desto mehr gerät er in einen Konflikt, mit sich selbst und mit seiner Außenwelt. Er muss sich entscheiden, auf wessen Seite er steht - in einem Kampf, der über das Schicksal einer ganzen Welt entscheidet. Weaver: "Für mich ist "Avatar" in erster Linie ein Abenteuerfilm. Das Genre des Science-Fiction stellt der Film ja völlig auf den Kopf, denn hier sind die Menschen die Monster und die Aliens die noblen Kreaturen. Die Geschichte selbst fand ich wunderbar altmodisch, dieses epische Drama eines jungen Mannes, der erwachsen wird, sich verliebt und etwas entdeckt, wofür er kämpfen will. Dabei ist die Technologie, mit der gefilmt wurde, so modern, dass ich viele Abläufe gar nicht mehr kapiert habe. Für mich war das Drehen selbst schon Science-Fiction genug." DAS KABINETT DES DR. PARNASSUS Frankreich, Kanada 2009 - Kinostart Deutschland: 07.01.2010 Regie: Terry Gilliam - Drehbuch: Terry Gilliam, Charles McKeown Regisseur Terry Gilliam bringt mit "Das Kabinett des Dr. Parnassus" eine Geschichte über die Macht und die Magie des Geschichtenerzählens auf die Leinwand. Nicht für jeden mag er vielleicht ein Name sein, jedoch war er zum Beispiel ein Teil der erfolgreichen, britischen Comedy-Gruppe "Monty Python“, die mit Filmen wie "Die Ritter der Kokosnuss“ oder "Das Leben des Brian“ weltweit Erfolge feiern konnte. Seit Anfang der 80er Jahre arbeitet Terry Gilliam fast nur noch an eigenen Projekten. So entstanden bis heute Filme wie "Time Bandits", "Brazil", "12 Monkeys“ mit Bruce Willis oder der "Der König der Fischer“ mit Robin Williams und Jeff Bridges. Er war sogar der Wunschkandidat von Joanne K. Rowling für "Harry Potter“, doch wie bei "Der goldene Kompass“, waren die Produzenten jeweils gegen diesen Regievorschlag. Bereits 2005 arbeitete er schon mit Heah Ledger im Film "Brothers Grimm“ zusammen. "Das Kabinett des Parnassus“ sollte sie dann noch einmal zusammenführen. Im Dezember 2007 begannen in London die Dreharbeiten, nach Heath Ledgers überraschenden Tod im Januar 2008 musste die Produktion unterbrochen werden. Die Dreharbeiten mit ihm waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen. Tom Waits: "Ich hatte gerade in London gedreht. Heath wollte eine Woche in New York verbringen, seine Familie besuchen, und dann nach Vancouver kommen, dort wollten wir weitermachen. In New York ist er gestorben." Die Fertigstellung des Films wurde erst im März 2008 möglich. Zuvor dachten alle Beteiligten, der Film sei mit Ledger gestorben, jedoch ist Terry ein echter Schausteller, wie Waits feststellen konnte: "Er sagt sich, wenn das Schicksal dir Zitronen gibt, mach Limonade draus. So hat er Heath’ Rolle aufgespalten und Johnny Depp, Colin Farrell und Jude Law in den Film gebracht. Was er aus der Situation machte, ist wahrscheinlich noch besser, als es ohne diese Tragödie geworden wäre." Erzählt wird von der kleinen Theatergruppe des Dr. Parnassus (Christopher Plummer), die ihrem Publikum ein wahres Füllhorn von Illusionen bietet: Ein Gang durch den magischen Spiegel in ihrem alten Jahrmarktskarren und alle Träume wer den Wirklichkeit. Durch einen Pakt mit dem Teufel (Tom Waits) in Gestalt von Mr. Nick hat Dr. Parnassus zwar viele Vorzüge in seinem mehr als 1000-jährigen Leben, dafür steht die Seele seiner erstgeborenen Tochter Valentina (Lily Cole), wenn sie sechzehn Jahre alt ist, auf dem Spiel. Nun, da dieser Tag näher rückt und Valentina sich in den charmanten Außenseiter Tony verliebt hat, versucht Dr. Parnassus verzweifelt, seine Tochter vor diesem Schicksal zu bewahren. Aber es gibt noch eine Möglichkeit, dies zu verhindern. Die Theatertruppe um Dr. Parnassus macht sich deshalb zu einer aufregenden Reise gegen die Zeit auf - in eine surreale und berauschende Welt voller Wunder und Verlockungen. Mit überbordendem Einfallsreichtum zündet der verspielt geniale Gilliam ein Fantasy-Feuerwerk: Von surrealen Riesenquallen über Mönche auf fliegenden Teppichen bis hin zu unendlichen Himmelsleitern. Ein grandioser Kinotrip. Beim Casting hat Terry Gilliam eigentlich alles richtig gemacht. Heath Ledger zeigt in diesem Film nochmals, wie talentiert und wie schmerzlich doch sein Verlust war, befand er sich doch gerade auf den Höhepunkten seiner viel zu kurzen Karriere. Christopher Plummer und Tom Waits, um deren faustisches Duell sich eigentlich der ganze Film dreht, bleiben im Hintergrund, aber präsent und jede Szene mit ihnen treibt die Handlung voran. Eine Entdeckung ist Lily Cole, die die weibliche Hauptrolle übernommen hat, wer hätte gedacht, dass eine Darstellerin, die eher durch ihr Model-Dasein bekannt ist, den Film fast zum großen Teil alleine mit Heath Ledger trägt. Man kann sich eigentlich nicht vorstellen, wie der Film ohne Johnny Depp, Colin Farrell und Jude Law ausgesehen hätte, da sich die Handlungsstränge mit ihnen nahtlos in die Haupthandlung einfügen. Dabei sollten vor allem aber Johnny Depp Fans nicht zu viel erwarten, da sein Auftritt sich auf ein paar wenige Minuten beschränkt.
Am Rande: Laut der Klatsch-Webseite "Ain’t It Cool News" soll Tom Waits eine Rolle im neuen Peter Jackson Streifen "Der Hobbit" angeboten worden sein. Allerdings ist die Sache wohl noch nicht in trockenen Tüchern. Eine gut unterrichtete Quelle verriet der Seite: "So gern ich auch bestätigen würde, dass er fest dabei ist. Aber mir wurde gesagt, dass er einfach einer ist, über den die Produzenten diskutieren – allem Anschein nach sehr ernsthaft." MITTERNACHTSZIRKUS USA 2009 - Kinostart Deutschland: 07.01.2010 Regie: Paul Weitz - Drehbuch: Paul Weitz, Brian Helgeland - Buch: Darren Shan "Mitternachtszirkus" unter der Regie von Paul Weitz beruht auf einer Buchserie von Vampirgeschichten des Schriftstellers Darren Shan, der sich im Gegensatz zu manchen anderen Buchautoren wohlweislich aus dem Gestaltungsprozess des Films heraushielt: "Ich denke, es kann ziemlich störend sein, wenn Autoren sich für Filmadaptionen engagieren. So habe ich mich darauf konzentriert, meine Bücher zu schreiben – statt meine Zeit damit zu verbringen, nach Hollywood rüber zu fliegen, wo der Film gemacht wurde." Selbstsicher hatte man sich dazu entschieden, die Auflösung der Handlung nach 109 Minuten abzubrechen, um den geneigten Kinogänger in Teil II zu locken. Der 70 Millionenproduktion stehen bisher allerdings lediglich 14 Millionen Dollar Einnahmen gegenüber. Dennoch: In erster Linie ist "Mitternachtszirkus" unterhaltsam, bunt, komisch und ist nicht nur ein weiterer Vampirfilm, sondern erzählt vielmehr die Geschichte einer Freundschaft - geht damit einen Schritt weiter als viele ähnliche Filme des Genres. "Der Kinofilm basiert auf den ersten drei Büchern meiner Darren-Shan-Vampirsaga. Er unterscheidet sich dennoch ziemlich von den Romanen, aber er wahrt die dunkle, abgefahrene Atmosphäre", so Shan. "Die Regie führte Paul Weitz, und die Darsteller sind John C Reilly, Salma Hayek, Willem Dafoe, Michael Cerveris und eine ganze Reihe anderer toller Schauspieler." Selbst die kleineren Rollen wurden mit bekannten Gesichtern aus dem Kino oder aus TV-Serien besetzt. Darren wird vom Newcomer Josh Massoglia verkörpert und sein Freund Steve von Josh Hutcherson. Die Bücher finden an keinem bestimmten Ort statt, aber der Film spielt in Amerika. Es ist ein kurioser Streifen, mit einer irren Ausstattung, gedreht in einem einzigartigen Stil. "Mitternachtszirkus - Willkommen in der Welt der Vampire" taucht ein in die geheimen Welten nächtlicher Kreaturen und bizarrer Wesen. Ein fantastisches Abenteuer mit Biss und eine packende Saga über ungewöhnliche Freundschaften, gefährliche Prophezeiungen und Erwachsenwerden mit Blutgier. Gemeinsam mit seinem besten Freund Steve besucht der 14jährige Darren (Chris Massoglia) den kuriosen "Mitternachtszirkus" und trifft auf den Spinnenbeschwörer Larten Crepsley (John C. Reilly), der in Wahrheit ein echter Vampir ist. Crepsley verwandelt Darren zur Hälfte in einen untoten Blutsauger, der damit zu einem unfreiwilligen Neuzugang in der grotesken Gemeinschaft umherziehender Artisten des Sonderbaren wird, die vom Schlangenjungen über den Wolfsmenschen und dem riesigen Marktschreier (Ken Watanabe) bis zur bärtigen Lady (Salma Hayek) reicht. Mit seinen neugewonnenen Vampirkräften erkundet Darren ab sofort die ungeahnte Welt der Dunkelheit und sorgt aus Versehen dafür, dass ein 200 Jahre alter Waffenstillstand zwischen zwei feindlichen Vampirfamilien gebrochen wird. Inmitten eines tödlichen Vampirkrieges muss er nun ums Überleben und um den Rest Menschlichkeit in ihm kämpfen. "Ich hatte keine Ahnung, was kommen würde, als ich mich das erste Mal hinsetzte, um mir den Film anzuschauen", gesteht der Autor Darren Shan und fährt freimütig fort: "Um ganz ehrlich zu sein, ich erwartete nicht, dass er mir gefallen würde! Aber zu meiner Überraschung fand ich ihn viel toller, als gedacht. Mittlerweile habe ich ihn schon drei Mal gesehen, und jedes Mal genieße ich es mehr. Jetzt fiebere ich der DVD entgegen, weil ich weiß, dass sie weit mehr Material gedreht haben, als sie für den Kinofilm verwenden konnten. Das gilt besonders für die Gruselgestalten aus dem Cirque du Freak. Also: Es ist ein rasanter, fesselnder Streifen voller Action und mit vielen spannenden Einstellungen. Ja klar, er ist anders als die Bücher, aber superunterhaltsam auf seine eigene Weise. Genau so, wie jede gute Buchverfilmung sein sollte." Darren Shan: Mitternachtszirkus 1 enthält die ersten drei Abenteuer: Der Mitternachtszirkus
- Die Freunde der Nacht -
Die dunkle Stadt Mitternachtszirkus 2 enthält die Abenteuer 4 bis 6: Der Berg der Vampire -
Die Prüfung der Finsternis
- Der Fürst der Vampire DOLPO TULKU BRD 2009 - Kinostart Deutschland: 07.01.2010 Regie: Martin Hoffmann - Drehbuch: Daniela Hartmann, Martin Hoffmann Tibetische Religionsgelehrte sind sanft und bescheiden – so das gängige Bild. Dass jemand wie Dolpo Tulku mit Laptop und Handy hantiert, Gläubige aus Colaflaschen segnet und die Vorzüge des städtischen Lebens zu schätzen weiß, erstaunt so manchen im voll besetzten Filmhaus. Das Dolpo im Nordwesten Nepals an der Grenze zu Tibet gehört zu den abgeschiedensten Gegenden der Welt. Umgeben von den Gebirgsketten des Himalaya hat sich im DOLPO eine archaische buddhistische Kultur erhalten: Ohne Elektrizität, ohne moderne Kommunikationsmittel und ohne chinesische oder indische Assimilation ist es heute weit tibetischer als Tibet selbst. In großartigen Bildern, die Ehrfurcht vor der majestätischen Natur erwecken, berichtet Regisseur Martin Hoffmann über die Region Dolpo, die zwar zu Nepal gehört, aber kulturell, sprachlich und religiös tibetisch geprägt ist. An diesem abgelegenen Ende der Welt, eingeschlossen von gewaltigen Gebirgsketten, sind die Menschen tief gläubig, der tibetanische Buddhismus lebt. Sherap Sangpo war ein gewöhnlicher Hirtenjunge im Dolpo. Als 10-Jähriger - nach einer Begegnung mit dem Dalai Lama - beschließt er, Mönch zu werden. Er geht in ein Kloster nach Kathmandu. Dort verändert sich sein Leben dramatisch: Er wird als Reinkarnation eines hochstehenden Lamas, eines Dolpo Tulku erkannt und für 16 Jahre zur Ausbildung ins Exil nach Südindien geschickt. Trotz hartem Klosteralltag ist es für ihn eine glückliche Zeit. Heute doziert er dort selbst - führt ein nahezu weltliches und auf den ersten Blick auch westliches Leben mit Laptop und Mobiltelefon. Aber er ist berufen: Er muss zurück, als Dolpo Tulku in der fremd gewordene Heimat den zutiefst religiösen Menschen als Oberhaupt vorstehen. Der Dokumentarfilm begleitet ihn bei seiner dort sehnlichst erwarteten Rückkehr. Es dauert Wochen: das Dolpo ist ausschließlich zu Fuß erreichbar, mehrere über 5.000 Meter hohe Pässe müssen überwunden werden. Es wird ein Triumphzug. Dolpo Tulku ist überwältigt von der Zuneigung und dem Respekt, mit dem ihm die Menschen begegnen. Es wird von ihm erwartet, hier in der extremen Höhe und Kargheit sowie der im Winter extremen Kälte den Bewohnern nicht nur spirituell zur Seite zu stehen. Das DOLPO braucht Schulen, Krankenhäuser, Altersheime. Das Erstaunliche: Der junge Mönch – er ist 27 – stellt sich seiner Verantwortung nicht nur mit großem Ernst und voller Hingabe, er spricht auch offen über seine Zweifel, ob er den hohen Erwartungen gerecht werden kann. So authentische Einblicke sind selten. Und so folgt die Kamera Dolpo Tulku auf seinem wochenlangen Fußweg zurück in seine Heimat, während er darüber nachdenkt, dass ihm – im Unterschied zu Politikern – Zuneigung und Vertrauen entgegen gebracht werden, dass er seinen Titel nicht ablegen kann, selbst wenn er wollte, und dass ein Tulku stets moralisches Vorbild sein muss. Innere Konflikte werden greifbar. Derweil überwindet er mit seinen Begleitern über 5000 Meter hohe Pässe, segnet Gläubige, trifft seine Eltern wieder und führt religiöse Rituale durch. Seine Angst schwindet, der Respekt und die überwältigende Liebe der Menschen erwärmen sein Herz. Aber er hat auch lange in Städten gelebt und es einfacher gehabt hat als die Landsleute in der kargen Gebirgsgegend ohne jeden Komfort. Nun ist sein Wunsch, dass es im Dolpo vorwärts gehen soll. Darum betont er schon im Film, dass er Krankenhäuser und Schulen bauen will. Und darum bittet er als erstes um Spenden, als er nach der Vorführung spricht. Manch ein westlicher Buddhist, der vor allem an der östlichen Spiritualität interessiert ist, mag das ungewöhnlich finden. Aber Dolpo Tulku ist praktisch veranlagt und äußerst sympathisch. Er steht dazu, dass er im harten Winter die unwirtlichen Berge verlässt. Schließlich nutzt er diese Zeit weise: Er unterrichtet, wirbt für sein Land, sammelt Gelder für ein besseres Leben der Menschen dort. Und Lebensmittel, die Gläubige den Mönchen schenken, werden prinzipiell gesegnet, egal ob es sich um Wasser oder Cola handelt. Da ist der moderne Heilige Mann wieder ganz traditionell. Eine packende Reise zwischen Zukunft und Vergangenheit, moderiert von Reimund Kern aus Happurg, der als Bergführer bei den Dreharbeiten dabei war und Mitbegründer der Dolpo-Hilfe ist. FRIENDSHIP BRD 2010 - Kinostart Deutschland: 14.01.2010 Regie: Markus Goller - Drehbuch: Oliver Ziegenbalg Produzent Tom Zickler ("Keinohrhasen") reiste 1989 noch vor dem Fall der Mauer mit seinem Freund Veit – dem Arbeiter- und Bauernstaat den Rücken zugekehrt – mit 55 Dollar in der Tasche und alten Super-8-Projektoren im Gepäck von Thüringen aus in die USA. Das Ziel: New York – San Francisco. Als sie in den USA ankamen, kannten sie niemanden. Es sei dort "alles passiert, was passieren kann". "50 Prozent des Filmes ist wahr und es sind genau die Dinge, von denen man einfach nicht glauben kann, dass sie wahr und nicht erfunden sind", so der Produzent.
Regisseur Markus Goller ("Mask under mask") faszinierte vor allem die kurz nach Mauerfall aufeinander treffende Komik und Tragik, verkörpert von Figuren, die sich mit sehr viel Charme in ihrem Umfeld bewegen. Auch reizte ihn der Aspekt, einen Film größtenteils in Amerika zu drehen, frei nach dem Motto "East meets West": Eine Geschichte über Freiheit, mit politischen und geschichtlichen Dimensionen - und das zum 20. Wendejubiläum.
Was nach einem Vorwand für hemmungs- und geschmackslose Nostalgie klingt, ist ein sympathischer Roadmovie, mit Culture Clash-Szenen, die so ähnlich auch Wessis passieren könnten: Als 1989 in Berlin die Mauer fällt, ist die ganze Stadt eine wilde Party. David Hasselhoff trällert "I've been looking for Freedom" und auch Veit (Friedrich Mücke) hat Grund zur Freude, denn mit seinem Begrüßungsgeld will er zum westlichsten Punkt der Welt: nach San Francisco!
Sein Kumpel Tom (Matthias Schweighöfer) ahnt ein gigantisches Freiheits-Erlebnis und schließt sich der Abenteuer-Reise an, der kurz nach dem Mauerfall einfach nur auf Abenteuer aus ist und nebenbei vielleicht ein paar seiner sehr speziellen Super-8-Filme unter die Leute bringen will. Schon bei der Zollabfertigung stellen die beiden dann fest, dass ein fröhliches "Friendship!" außerhalb der DDR nicht als Gruss funktioniert. Aber immerhin haben sie vorsorglich praktische Englischfloskeln dabei, wie beispielsweise "Ich bin ein einsamer Kommunist auf der Suche nach Liebe".
Veits Vater ist zu DDR-Zeiten in die Staaten ausgewandert. Der Beweis: Ein Bündel Postkarten vom Vater, jeweils an Veits Geburtstag in einem San Franciscoer Postamt abgestempelt. Veit möchte seinen Vater in drei Wochen (an seinem Geburtstag) in jenem Postamt überraschen, schließlich hat er ihn seit seinem zwölften Lebensjahr nicht mehr gesehen!
Bis dahin ist es ein weiter Weg: Das Geld reicht nur bis ins Twin-Tower-New York und um dort zu überleben, müssen sich die beiden Freunde viel einfallen lassen. Der Zuschauer hat hierbei viel zu lachen, denn die beiden beherrschen nur das Wort "Friendship!" und landen als zur DDR-Hymne "Auferstanden aus Ruinen" strippende "Leningrader Hengste" in Amerikas Gay-Clubs.
Den schnellen Dollar verdienen sie sich außerdem als Underground-Heimatfilmer und Mauersteinfälscher, ganz nach dem Motto: Mach dir jeden Tag ein kleines Geschenk und die Welt schenkt dir noch was oben drauf! Da der Regisseur Michael Goller seit Jahren in Los Angeles lebt und arbeitet, halten sich peinliche Ami-Klischees dann auch in Grenzen.
"Friendship!" funktioniert vor allem dank seiner authentischen USA-Snap Shots, dem naiv-optimistischen Flair der Figuren (und damit vielleicht sogar der Nachwendezeit) und der unangestrengten Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern – die proklamierte Freundschaft nimmt man ihnen schon mit der ersten Szene ab. Lacher non-stop sollte man allerdings nicht erwarten.
"Dass jemand seinen Vater sucht, der über die Mauer abgehauen ist, ist eine ganz spezifische Ost-Geschichte", so Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg ("Berlin – 1. Mai"). "Was aber mit 23-jährigen passiert, die in einem fremden Land ganz auf sich alleine gestellt sind und die Gedanken ‘Freiheit’, ‘etwas Neues erleben’, ‘ein Abenteuer erleben’ nicht nur denken, sondern wirklich erleben: das ist universell!"
Wie schon bei "Good Bye Lenin!" versprechen Plakat, Titel und Trailer in dieser Hinsicht viel zu falsch viel zu viel. Apropos: Der Anfang erinnert mit seinem ironischen Voice-Over, kombiniert mit Archivaufnahmen, schon sehr an Wolfgang Beckers Klassiker. Und dass Mauerfallbilder zum Jubiläum überall zur Genüge abgetakelt werden, sollte eigentlich auch klar sein. Herausgekommen ist hier dennoch eine deutsche Komödie, die keine Klamotte ist, die abgesehen davon auch mit sonnigen Winterbildern und rosiger "Everything is possible"-Attitüde überzeugt.
VORSTADTKROKODILE 2
BRD 2010 - Kinostart Deutschland: 21.01.2010 Regie: Christian Ditter - Drehbuch: Christian Ditter, Neil Ennever - Buch: Max von der Grün
Nach guten Kritiken, einem soliden Kassenerfolg (knapp 650.000 Besucher) und diversen Preisen (Weißer Elefant und Kindertiger) für das Original dürfen die "Vorstadtkrokodile" nun ihr zweites Leinwandabenteuer bestehen. Dabei kann Regisseur und Autor Christian Ditter, der schon für Teil 1 verantwortlich zeichnete, auf seine Stammbesetzung (erwachsene Nebendarsteller inklusive) bauen. Zudem muss er sich nicht lange mit dem Vorstellen der inzwischen bekannten Hauptfiguren aufhalten, sondern kann sofort in seine temporeiche Story eintauchen.
Sommer, Ferien, die erste zaghafte Liebe und ein neues cooles Banden-Hauptquartier - das Leben der Vorstadtkrokodile könnte so schön sein, wenn es nicht zu seltsamen Zwischenfällen in der Firma von Ollis (Manuel Steitz) und Marias (Leonie Tepe) Eltern kommen würde. Die Firma steht kurz vor der Pleite und den Eltern droht der Verlust des Arbeitsplatzes und der Wohnung. Das würde auch das Aus der "Vorstadtkrokodile" bedeuten.
Wenn Olli und Maria in eine andere Stadt ziehen müssen, gibt es auch für Hannes (Nick Romeo Reimann), Kai (Fabian Halbig), Jorgo (Javidan Imani), Frank (David Hürthen) und Peter (Robin Walter) keine Bande mehr! Klar, dass die Vorstadtkrokodile alles daran setzen, die zwielichtigen Machenschaften aufzudecken. Fabian Halbig: "Es ist spannend, lustig und behandelt auch das Thema mit dem Behinderten. Das finde ich voll cool, denn es gibt nicht viele Filme, wo auch ein Behinderter im Rollstuhl mitspielt. Außerdem ist immer mal wieder ein Lacher drin, wo man es nicht erwartet. Echt ne coole Geschichte!"
Mit waghalsigen Verfolgungsjagden, riskanten Beschattungsaktionen und wenn es sein muss auch mit einer Stylingberatung von Kais nerviger Cousine Jenny (Ella Maria Gollmer), um den Undercovereinsatz im coolsten Club der Stadt durchzuführen. Weil der Soundtrack richtig rockt, die Dialoge authentisch klingen und die meisten Gags zünden, können es die zweiten Vorstadtkrokodile mit ihren Vorgängern absolut aufnehmen: Mit vollem Karacho und der nötigen Ruhrgebiets-Bodenhaftung rasen die Vorstadtkrokodile - vorzugsweise auf dem Fahrrad oder im getunten Rollstuhl - durch das nächste Abenteuer!
SHERLOCK HOLMES
USA 2009 - Kinostart Deutschland: 28.01.2010 Regie: Guy Ritchie - Drehbuch: Michael Robert Johnson, Anthony Peckham, Simon Kinberg -Buch: Lionel Wigram, Michael Robert Johnson, Arthur Conan Doyle
Über den Plot des neuen Films des "Snatch" und "RocknRolla" Regisseurs hüllte sich bis zu Premiere ein Mantel des Schweigens. Einen neuen Widersacher namens Lord Blackwood solle es geben, der mit mystischen Vorgängen zu tun hat, eine Femme Fatale namens Irene Adler (gespielt von Rachel McAdams) macht dem Meisterdetektiv zu schaffen und das Verhältnis zwischen Watson und Holmes soll gehörig auf den Kopf gestellt werden. Sherlock Holmes wird laut Robert Downey Jr. als Bohémien eingeführt, der bei aller Brillanz auch immer etwas schräg wirkt, gleichzeitig deduktiv arbeitet, aber nötigenfalls auch zuschlagen kann. Guy Ritchie geht bewusst in eine neue Richtung mit seiner Neuinterpretation, um die Last der immer gleichen Darstellungsweisen abzuschütteln und einen Holmes für eine neue Generation zu präsentieren.
Für den britischen Regisseur Guy Ritchie (41) war aber die Beziehung zwischen Sherlock Holmes und seinem treuen Partner Dr. Watson alles andere als homoerotisch, wie immer wieder behauptet wird. "Das ist einfach die Art, wie Männer miteinander umgehen, wenn sie sich sehr nah sind", sagte Madonnas Ex-Mann. Holmes-Darsteller Robert Downey Jr. (44) ergänzte: "Intellektuelle picken sich gern diesen Subtext heraus und behaupten, die beiden hätten miteinander geschlafen oder es zumindest am liebsten getan." Scherzend sagte er: "Ein Typ am Set bat uns, ihm wenigstens eine heterosexuelle Einstellung zu geben", und Jude Law bei der Premiere: "Der einzige Mensch, in den ich verliebt bin, ist Robert Downey."
Die Erwartungen der Zuschauer ist durch eine lange Tradition von Holmes-Verfilmungen geprägt, deren Formelhaftigkeit im Prinzip aus den Basil Rathbone Filmen der 30er Jahre entspringt. Seinen Ruf erwarb sich Sherlock Holmes (Robert Downey Jr.) dadurch, dass er selbst die kniffligsten Kriminalfälle löst. Mit seinem unerschütterlichen Partner Dr. John Watson (Jude Law) kommt der berühmte "beratende Detektiv" flüchtigen Verbrechern auf die Spur, indem er sich auf seine unschlagbare Beobachtungsgabe ebenso verlässt, wie auf seine erstaunlichen Schlussfolgerungen und die Kraft seiner Fäuste.
Derzeit braut sich über London allerdings ein Sturm zusammen, der selbst Holmes gefährlich werden könnte ... Doch genau solche Herausforderungen sind ganz nach seinem Geschmack. Nach einer Serie brutaler Ritualmorde gelingt es Holmes und Watson im letzten Moment, ein weiteres Opfer zu retten und den Mörder zu stellen: Es ist Lord Blackwood, der keinerlei Reue zeigt. Obwohl Blackwoods Hinrichtungstermin immer näher rückt, terrorisiert er seine Mitgefangenen und Wärter damit, dass er offenbar mit übernatürlichen Mächten im Bunde steht.
Blackwood warnt Holmes und behauptet, dass der Tod ihm nichts anhaben kann, ja, dass der Tod am Galgen sogar zu seinem Plan gehört. Und tatsächlich sieht es so aus, als ob Blackwood mit seinem Versprechen Recht behält: Seine augenscheinliche Auferstehung versetzt London in Panik und stellt Scotland Yard vor ein Rätsel. Doch damit, so Holmes, "hat das Spiel erst begonnen".
Holmes und Watson versuchen Blackwoods tödliches Komplott zu vereiteln und geraten dabei ins Reich der schwarzen Magie und verblüffender technischer Apparate - oft hilft nur die Logik, um sich in diesem Labyrinth des Verbrechens zu behaupten ... aber auch der eine oder andere rechte Haken erweist sich als durchaus nützlich.
Ritchie ("Stürmische Liebe", "Bube, Dame, König, Gras") lobte Downey Jr. als die perfekte Holmes-Besetzung. Das Wichtigste an einem Film sei das Casting, sagte er. Downey Jr. betonte, ihm sei es nicht schwer gefallen, als US-Amerikaner einen Engländer zu spielen: "Ich fühle mich wie ein ehrenwerter Brite." Vor zwanzig Jahren habe er das britische Essen gehasst und sich auf der Insel nicht besonders wohl gefühlt. Heute sei das anders. In Guy Ritchies Version des Meisterdetektivs entfernen sich sowohl Robert Downey Jr. als Holmes als auch Jude Law als Dr. Watson von den angestammten, filmischen Darstellungen.
Gerade Laws Watson nähert sich dabei weitaus mehr der Buchvorlage als gewohnt, denn in dem neuen Film wird der Kriegsveteran und Doktor endlich einmal nicht als ein vertrottelter, dicklicher Stichwortgeber präsentiert. Die kanadische Schauspielerin Rachel McAdams (33), die in ihrer Rolle als Irene Adler eine stürmische Beziehung mit dem Meisterdetektiv führt, fühlte sich als eine der wenigen Frauen am Set sehr wohl: "Sie haben mich definitiv wie eine Lady behandelt." Downey Jr. erzählte eine andere Version: "Leicht haben wir es ihr nicht gemacht: Wir gaben ihr Waffen in die Hand und änderten dann die Choreographie." Am 28. Januar 2010 wird die Detektei in der Bakerstreet im Kino ihre Pforten öffnen. WOLKIG MIT AUSSICHT AUF FLEISCHBÄLLCHEN
USA 2009 - Kinostart Deutschland: 28.01.2010 Regie: Phil Lord, Chris Miller - Drehbuch: Phil Lord, Chris Miller - Buch: Judi Barrett, Ron Barrett
Ob Oben, Ice Age 3 oder Monsters Vs. Aliens. Die animierten Filmhits stammen auch in diesem Jahr wie gewohnt aus den Häusern Pixar, BlueSky und Dreamworks. In die Phalanx der drei etablierten Animations-Studios möchte nun endlich auch die 2002 gegründete Firma Sony Animation vordringen. Bisher wollte es mit dem Durchbruch der 100-Millionen-Einspiel-Schallmauer nämlich noch nicht so recht klappen. Während das Debüt Jagdfieber vor drei Jahren in den USA immerhin die Kosten deckte, floppte das Nachfolgewerk Könige der Wellen.
Nach dem Motto "Aller guten Dinge sind drei" gelang Sony mit ihrer ersten 3D-Produktion "Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen" endlich ein Kassenschlager. Die Sprecher passen nicht nur in der Originalfassung perfekt auf die jeweiligen Charaktere. Die deutsche Synchronisation setzt dieses Mal nämlich nicht auf die bei Animationsfilmen oft übliche B-Prominenz, sondern auf professionelle Synchronsprecher, die meist auch die deutschen Stammstimmen des jeweiligen US-Pendants sind. Zudem lagen Dialogbuch und Dialogregie in den Händen von Axel Malzacher, einem der besten auf diesem Gebiet und unter anderem für seine Arbeiten bei Ratatouille, Syriana und der TV-Serie "Scrubs - Die Anfänger" ausgezeichnet.
Ausschlaggebend für den Erfolg sind eben doch die richtigen Animations-Zutaten: eine kurze Lauflänge, ein populäres Kinderbuch als Vorlage, glänzend ausgewählte, typgerechte Sprecher, zwei enthusiastische, unverbrauchte Regisseure (Phil Lord, Chris Miller) und eine Prämisse, die Kinderaugen zum Strahlen bringt: Wie wäre es, wenn es plötzlich Essen vom Himmel regnet?
Flint Lockwood ist ein leidenschaftlicher Tüftler, aber bislang waren all seine bizarren Erfindungen totale Flops: Mit angriffslustigen Rattenvögeln, gedankenlesenden Affen, Haarentferner und Aufsprühschuhen punktet er weder bei den Mitschülern noch bei seinem knorrigen Vater Tim. Nur Mutter Fran bestärkte Flint in seinem Erfindergeist. Als sie stirbt, igelt er sich immer mehr in seine Technikwelt ein und träumt vom großen Durchbruch.
Flint ist nach wie vor wild entschlossen, etwas zu entwickeln, das die Menschen glücklich macht. Sein neuester Einfall, eine Maschine, die Wasser in Essen verwandeln soll, zerstört versehentlich den Rathausplatz und schießt hoch in die Wolken davon. Doch plötzlich geschieht ganz unerwartet etwas wirklich Spektakuläres: Es regnet Cheeseburger! Flints Maschine funktioniert tatsächlich!
Das kulinarische Wetter ist auf Anhieb bei allen Einwohnern von Schlaraffenfels ein Riesenerfolg und Flint wird zum neuen Star der Stadt. Auch die junge TV-Reporterin Sam Sparks ist extra in die Stadt gekommen, um über das "großartigste Wetterphänomen der Geschichte” zu berichten und freundet sich mit Flint an. Sein Leben scheint endlich perfekt.
Doch als die Menschen gierig immer mehr Essen fordern, gerät die überlastete Maschine plötzlich außer Kontrolle: Sie entfesselt Spaghetti-Tornados und produziert gigantische Fleischbällchen. Die Stadt ist in Gefahr, unter Bergen von Eiscreme begraben zu werden. Flint und Sam müssen all ihren Mut und Einfallsreichtum zusammennehmen, um die Maschine zu stoppen.
Die wunderbare Idee von einer Welt, in der das eigene Lieblingsessen einfach vom Himmel fällt, ist nicht neu. Sie beruht auf Judi und Ron Barretts Kinderbuchklassiker "Cloudy With A Chance Of Meatballs", der 1978 zum ersten Mal publiziert wurde. Der Animationsstil der Verfilmung von Phil Lord und Chris Miller ("Clone High") hat nur noch wenig mit den originalen Zeichnungen von Ron Barrett gemein.
Die Kinodebütanten entschieden sich in ihrer 3D-Vision für eine eigene, knallbunte Darstellungsweise. Auch inhaltlich haben sie die nur 32 Seiten starke Vorlage deutlich ausgeschmückt. Es wurde ein verrückter Komödienspaß und stürmte in Amerika auf Anhieb Platz 1 der Kinocharts. "Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen" macht aus einer einzigen Storyidee erstaunlich viel und bietet temporeiche Unterhaltung auf höchstem Animationsniveau - und die Moral von der Geschicht': Mit Essen spielt man nicht! Filme, die niemand bemerkt hat... die durch das Raster gefallen sind... der Onanie des Egos anheimgefallen... oder schlicht nur für die Filmschaffenden selbst von Interesse...Die 5.Staffel des "Festivals des gescheiterten Films" geht an den Start. Es werden wieder Regisseure/Schauspieler/Produzenten in den einzelnen Städten Rede und Antwort stehen. Es gehört Mut und eine gewisse menschliche Reife dazu, sich im gesellschaftlich verachteten Kontext des Scheitern zu stellen; und dennoch: Gescheiterte Filme haben nichts mit schlechter Qualität zu tun. Vielmehr noch: Je höher der Anspruch desto tiefer Fall - desto wahrscheinlicher das Scheitern. Ein Anspruch übrigens, den die Filmschaffenden in einer manirierten pseudointellektuellen Geste für sich selbst in Anspruch nehmen: Je mehr am Kinopublikum vorbeiproduziert wurde, desto grösser der vermeintliche Anspruch (an was auch immer!). In Zeiten der globalisierten Medienstandardisierung liegt es nahe, dass gerade der ungewöhnliche und individuelle Pseudo-Anspruch bereits in den Vorinstanzen der Filmselektierer ausgemustert wird - und das in vielen Fällen durchaus zu Recht, wie man in den Spätprogrammen von Arte und 3sat in beständiger Regelmässigkeit feststellen kann. Die Geschichte hat allerdings dennoch gezeigt: Innovative, mutige und ungewöhnliche Kräfte, die ihrer Zeit voraus waren, scheiterten zwangsläufig. Risiko lohnt sich! Wenn unter dem ganzen Zelluloid eine Minute beständiger Filmeindruck entsteht, hat sich die Mühe bereits gelohnt. Stürmt die Theater! Stationen:
Berlin 04.01-10.01.10 Babylon Mitte Leipzig 08.01.10 UT Connewitz Frankfurt 22.01-23.01.10 Orfeos Erben Köln 24.01.10 Kölner Filmhaus Hannover 30.01.10 Medienhaus Bremen 5.2.-6.2. Kino46 Hamburg 08.02. - 10.2.10 Filmraum
Rückfragen: Christian Wachter, Tel. 0664 8146 357,
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