"Sinkende Kinder- und sinkende Erstkommunionskinderzahlen - Zwischen Kirche und Jugend passt etwas nicht", stellt Reinhart Fritz fest und fügt hinzu: "Diese Entwicklung hat in den vergangenen 30 bis 40 Jahren begonnen. Wenn die Eltern schon kein Interesse an der Kirche haben, dann haben auch die Kinder kein Interesse." Eine Jugendkirche mit Taizé-Elementen als Angebot von Jugendlichen und jungen Erwachsenen für Jugendliche und junge Erwachsene startet am Wochenende in Ellwangen und soll diesem Trend entgegenwirken.
"Kommen die Jugendlichen nicht in die Kirche, sollte die Kirche zu den Jugendlichen kommen. Es braucht unterschiedliche Angebote für die unterschiedlichen Jugendlichen. Das umzusetzen ist nicht immer einfach, aber die Jugend ist die Kirche der Zukunft", sagt Reinhart Fritz. Beispiele für diesen Ansätze gibt es bereits, wie das Projekt Jugendkirche oder Internetportale, die die Sprache der jungen Menschen sprechen. "Wir können es nicht allen Jugendlichen recht machen, aber vielleicht ein paar rechter." Und die Jugendkirche in der Marienkirche versucht genau dies.

"Die Jugendlichen hier sind noch offen für religiöse Themen und für Kirche", freut sich Dekanatsjugendseelsorger Pater Jens Bartsch über das "Riesenengagement" der Jugendlichen in und um Ellwangen: "Die sind mit Begeisterung dabei, das ist einfach toll." Die Jugendkirche sei aber in der ganzen Diözese gerade ein ganz wichtiges Thema, auch andere Dekanate seien am Überlegen, ob und wie eine Jugendkirche umgesetzt werden kann.
"Die Erfahrungen in Schwäbisch Gmünd und in Ravensburg haben gezeigt, dass für junge Leute die Eucharistie etwas sehr Wichtiges ist", unterstreicht Dekanatsjugendpfarrer Pater Jens Bartsch. So sei bisher angedacht, einmal im Monat, an einem Sonntagabend, in der Marienkirche Eucharistie zu feiern. Der Geistliche hofft, dass viele Jugendliche kommen und mitarbeiten: "Ich wünsche mir, dass es ein Raum wird, wo die Jugendlichen sich wohlfühlen und gemeinsam ihren Glauben erleben und feiern."
Für eine Jugendkirche muss man natürlich erst ein Mal wissen, wie die jungen Leute "ticken", welche Werte ihnen wichtig sind, welche Sehnsüchte und Zukunftswünsche sie haben und was sie vom Leben und von der Kirche erwarten. Doch das ist nicht so einfach wie man denkt. Jugend ist schließlich nicht gleich Jugend.
Es gibt junge Menschen, die bürgerliche oder traditionelle Werte pflegen. Es gibt aber auch Jugendliche, denen Konsum und materielle Dinge wichtig sind, und es gibt junge Menschen, die einfach ihren Spaß haben wollen. Dass sich die bürgerlichen und traditionellen Jugendlichen eher in der Kirche engagieren ist nachvollziehbar, doch die Kirche möchte mit ihrer Jugendarbeit alle Jugendliche ansprechen und deshalb muss sie neue Wege gehen.
"Es ist ganz klar: Das eine Konzept Jugendkirche gibt es nicht", sagt Jens Bartsch, der in Ellwangen für die Jugendkirche zuständig ist: "Das ist in jedem Dekanat ganz unterschiedlich, in einer Großstadt sind es ganz andere Elemente als auf dem Land." Ellwangen sei eher ländlich geprägt. Aber: "Jugendliche brauchen Räume, die für ihr ästhetisches Empfinden gestaltet sind, wo sie sich wohlfühlen, wo sie mitwirken und sich einbringen können."

Und junge Leute aus Ellwangen und dem Umland haben sich und ihre Vorstellungen bereits eingebracht, bei einem halben Dutzend an Vorbereitungstreffen. "Die Marienkirche in der Ellwanger Innenstadt wird so umgestaltet, dass wir dort Jugendgottesdienste feiern können", fährt Bartsch fort. "Damit die Eröfuung am Jugendsonntag steigen kann, gibt es noch einiges vorzubereiten."
Die Jugendkirche soll eine Kirche der Jugend werden. Deshalb seien junge Ideen gefragt, wie der Jugendpfarrer immer wieder betont. So gibt es mittlerweile ein Team von zwölf bis 15 Jugendlichen aus den Ellwanger Gemeinden, aus Jagstzell, Neuler und Rainau, das den Gottesdienst am Sonntagabend mit vorbereitet hat und mitgestaltet. Aus dieser Gruppe hat sich eine eigene Band gegründet.
Die Jugendlichen haben aber nicht nur die Musik für den Gottesdienst ausgesucht, sondern auch das Thema. "Es geht um Gemeinschaft, um Begeisterung", verrät Pater Jens Bartsch: "Das war den Jugendlichen halt wichtig. Wir wollen über Beleuchtung Atmosphäre schaffen." Vorbild für die Ellwanger Jugendkirche soll nicht die "Urjugendkirche" in Oberhausen sein, sondern das Ravensburger Modell, da das ländlich geprägte Ravensburg von der Struktur her am ehesten mit Ellwangen vergleichbar ist.
Die Initiative ging von der Kirchengemeinde Sankt Vitus aus. "Es war ein Wunsch des Kirchengemeinderats, von Pfarrer Michael Windisch und von mir", sagt der zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats von Sankt Vitus, Paul Feil: "Die Jugendkirche sowie die Verstärkung und Intensivierung der Jugendarbeit sind von uns schon länger im Gespräch." In diesem Zusammenhang verweist Feil auf die Überlegungen für die Nutzung der Marienkirche, die in den letzten Jahren für viel Geld eine Notsicherung erfahren hat.
"Die Marienkirche wird die Jugendkirche sein, ein Angebot für die Seelsorgeeinheit Ellwangen und darüber hinaus für die angrenzenden Gemeinden und Dekanate. Im Zentrum wird die Eucharistie stehen, mit modernen Elementen wie moderner Beleuchtung, Kerzenlicht, Tüchern und Musik." Es sollen aber auch Wortgottesdienste und Meditationen stattfinden. "Die Jugendlichen sollen wieder Geschmack an Glauben und Kirche finden und sich in ihren eigenen Kirchengemeinden einbringen", so die Erwartungshaltung von Pfarrer Michael Windisch, der gemeinsam mit Vikar Jens Brodbeck und Diözesanjugendseelsorger Wolfgang Keßler Windisch bei dem Gottesdienst am Christkönigssonntag, 22. November, um 18 Uhr, mit dabei sein wird.