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Freitag, 30. Juli 2010
Die Jugendkirche gratuliert PDF Drucken
Geschrieben von pierre roh   
Mittwoch, 28. Oktober 2009
Die Jugendkirche gratuliert der neuen EKD-VorsitzendenBischöfin Käßmann zur EKD-Ratsvorsitzenden gewählt
 
Hannovers Landesbischöfin Margot Käßmann ist neue Chefin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Das Kirchenparlament wählte die 51-Jährige heute am 28. Oktober 2009 in Ulm zur EKD-Ratsvorsitzenden. Damit repräsentiert erstmals eine Frau die knapp 25 Millionen Protestanten in Deutschland. Käßmann tritt die Nachfolge des Berliner Bischofs Wolfgang Huber (67) an, der mit Erreichen des Pensionsalters ausscheidet. Käßmann hat angekündigt, mit einer zeitgemäßen Kirche mehr Menschen für den Glauben gewinnen zu wollen.
 
Erstmals steht eine Frau an der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann wurde vor wenigen Stunden am Mittwoch, den 28. Oktober 2009, bei der Synodentagung in Ulm mit überwältigender Mehrheit zur neuen EKD-Ratsvorsitzenden gewählt. Die 51-Jährige folgt dem Berliner Bischof Wolfgang Huber, der mit 67 Jahren aus dem Amt scheidet. Käßmann sagte in ihrer Antrittsrede, die Sehnsucht vieler Menschen nach Glauben und Sinn könne in der Kirche eine Antwort finden.

Die hannoversche Landesbischöfin bekam 132 von 141 gültigen Stimmen und erreichte damit die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit deutlich - die Zustimmung lag bei knapp 93 Prozent. Fünf Stimmberechtigte votierten mit Nein, vier enthielten sich. Im Kirchenparlament gab es langen und herzlichen Applaus für Käßmann, die für den Vertrauensbeweis dankte. Zu ihrem Stellvertreter wurde der rheinische Präses Nikolaus Schneider (62) bestimmt. Am Dienstag hatte es bei der Wahl zum 15-köpfigen EKD-Rat eine Hängepartie gegeben. Ein Platz in dem kirchenleitenden Gremium bleibt vorläufig unbesetzt.

Von diesem klaren Votum wisse sie sich berufen und getragen, sagte Käßmann, die weiterhin in Hannover auch die größte deutsche Landeskirche mit rund drei Millionen Mitgliedern leiten wird. Die Theologin bekundete ihren Respekt vor der neuen Aufgabe als Spitzenrepräsentantin von 25 Millionen Protestanten in Deutschland. Ihr Vorgänger Huber habe in der sechsjährigen Amtszeit "enorme Maßstäbe gesetzt".
Erleichterung
Bischöfin Käßmann leitet seit 1999 die größte deutsche Landeskirche mit rund drei Millionen Mitgliedern. Margot Käßmann wurde am 3. Juni 1958 in Marburg an der Lahn geboren. Nach dem Theologiestudium folgte 1985 die Ordination zur Pfarrerin. Vier Jahre später wurde sie von Konrad Raiser in Bochum mit einer Arbeit über "Armut und Reichtum als Anfrage an die Einheit der Kirche" promoviert. 1994 bis 1999 war Käßmann Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages, ehe sie zur Bischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers gewählt wurde. Die Mutter von vier Töchtern ist seit einigen Jahren geschieden.

Als sich Margot Käßmann im Sommer 2007 scheiden ließ, war das für viele ein Schock. Sie müsse als Bischöfin zurücktreten, forderten die einen. Andere lobten dagegen ihre Aufrichtigkeit. Sie selber sagte damals: "Die von mir zu erwartende Vorbildfunktion sehe ich darin, wahrhaftig zu sein." Für sie ist die Ehe nach wie vor eine wichtige Institution. Aber sie weiß auch: "Menschen können scheitern, das habe ich sehr bitter erfahren müssen."

In der 64-jährigen Geschichte der EKD nahmen bisher zehn Männer den Ratsvorsitz ein. Nach der Wahl an die Spitze der Landeskirche vor zehn Jahren war Käßmann nach Maria Jepsen in Hamburg die zweite Frau im Bischofsamt einer deutschen Landeskirche. Zu den Herausforderungen zählte sie, den Reformprozess der EKD fortzuführen und dafür zu sorgen, dass "die Sehnsucht der Menschen nach Glauben und Sinn Antwort findet".

Von rückläufigen Finanzen und Mitgliederzahlen dürfe sich die Kirche nicht lähmen lassen. Ihr biblisches Leitmotiv sei: "Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet." Käßmann steht seit zehn Jahren als Landesbischöfin an der Spitze der mit knapp drei Millionen Mitgliedern größten deutschen Landeskirche.

Käßmann und SchneiderKäßmann war bereits als Favoritin in die am Sonntag eröffnete Synodentagung gegangen. Nach der Ratswahl am Dienstag, bei der sie mit Abstand das beste Ergebnis erzielt hatte, galt ihre Wahl zur Vorsitzenden als sicher. Zum Stellvertreter Käßmanns wurde der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider (62), gewählt. Damit wich die EKD von der Praxis vergangener Ratsperioden ab, wonach jeweils ein leitender Geistlicher aus den ostdeutschen Landeskirchen den zweiten Spitzenposten im EKD-Rat innehatte. Zuletzt war der Thüringer Altbischof Christoph Kähler stellvertretender Vorsitzender des EKD-Rates.

"Emma"-Herausgeberin und Buchautorin Alice Schwarzer: "Ich gratuliere der EKD zu der Entschlossenheit, mehr als 50 Jahre nach der Ordination der ersten Pfarrerinnen endlich nicht nur eine Frau, sondern diese Frau in ihr höchstes Amt gewählt zu haben." Die hannoversche Landesbischöfin werde "keine bequeme Vorsitzende, sondern eine fordernde sein". Käßmann werde die Kirche noch stärker als bisher auf den Weg der Geschlechtergerechtigkeit lenken. Der Rat der EKD wird am Abend mit einem Gottesdienst eingeführt werden.

Neben Käßmann und Schneider gehören dem künftigen EKD-Rat die Magdeburger Mathematikerin Elke Eisenschmidt (28), der badische Landesbischof Ulrich Fischer (60), sein bayerischer Amtsbruder Johannes Friedrich (61), der Vorsitzende des EKD-Finanzbeirats, Klaus Winterhoff (58), der reformierte Kirchenpräsident Jann Schmidt (61), der Hamburger Journalist Uwe Michelsen (61), die Deutsche-Bank-Direktorin Marlehn Thieme (52), die Berliner Architektin Gesine Weinmiller (46), der Dresdner Landesbischof Jochen Bohl (59), die Erzieherin Tabea Dölker (61) aus Holzgerlingen und der Generelsekretär der Vereinigten Evangelischen Mission, Fidon Mwombeki (49) sowie qua Amt Synodenpräsidentin Katrin Göring-Eckardt (43) an.


SWR Fernsehen Programmhinweis:

Mittwoch, 28.10.2009: Geänderten Titel beachten! 22.00(VPS 21.59) Südwest extra
Margot Käßmann - Deutschlands oberste Protestantin
 
Freitag, 30.10. 2009: Bericht von der EKD-Synode
Moderation: Andreas Malessa
 
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