Mit dem neuen Portal "evangelisch.de" ging die evangelische Kirche am Donnerstag online. Der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber spricht von einem "virtuellen Zuhause", das anlässlich der EKD-Zukunftswerkstatt in Kassel seine Türen öffnete. "Eine evangelische Sichtweise auf Deutschland und die Welt", kündigt die Leiterin von "evangelisch.de", Melanie Huber, an.
Darüber hinaus will "evangelisch.de" den Besuchern der Seite das Gefühl geben, sozial in einer Gemeinschaft aufgehoben zu sein. Das Portal biete hohen publizistischen Gehalt und eine Themenauswahl nahe am Menschen, glaubt der Direktor des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP), Jörg Bollmann. Themen, über die die Gesellschaft diskutiere, würden sich auch auf "evangelisch.de" wiederfinden, sagte er. Als aktuelles Beispiel nannte Bollmann die Debatte um die Jugendgewalt und die möglichen Auswirkungen von Computerspielen.
Das Angebot sei "kein Nachrichtenportal, aber nachrichtlich orientiert", erläutert Portalchefin Huber die journalistische Herangehensweise. Während der Bereich "Themen" aktuelle Nachrichten und Hintergründe aus evangelischer Sicht biete, verberge sich hinter "Kompass" der Servicebereich mit kirchlichen Informationen. Besonders wichtig aber ist den Machern das soziale Netzwerk des Portals im Bereich "Community":
Dort könnten die Nutzer die aktuellen Berichte des Portals aufgreifen und darüber diskutieren. "Ein permanentes Zusammenspiel zwischen Redaktion und Community", erhofft sich Tom Noeding, zuständig für die Betreuung des Onlinenetzwerks bei "evangelisch.de". So wie die Community auf aktuelle Themen und Beiträge eingehe, werde auch die Redaktion die Diskussionen beobachten und Debatten journalistisch aufgreifen. Ein typisches Thema für "evangelisch.de" sei auch die Bewahrung der Umwelt, sagte Bollmann. Daher werde auf dem Portal unter anderem auch über den Klimagipfel der Vereinten Nationen berichtet.

Arnd Brummer, Chefredakteur des evangelischen Magazins "chrismon", sagte, das Portal wolle "im grossen Meer der christlichen Angebote" eine Navigationshilfe bieten: "Wer im Netz unterwegs ist, muss die Kirche dort finden können." Christliche interessierte Menschen könnten neben "Positionen aus der Welt des Protestantismus" auch praktische Informationen finden, zum Beispiel zu der Frage, was ein Pate für sein Patenkind leisten soll. Brummer und seine Stellvertreterin Ursula Ott sind in Personalunion auch Chefredakteure von "evangelisch.de".
Nach Angaben von Direktor Bollmann arbeiten bei "evangelisch.de" im GEP insgesamt zehn feste Mitarbeiter, darunter fünf Redakteure. Das Portal entstehe in enger Vernetzung mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) und dem Magazin "chrismon", sagte er. Das Gemeinschaftswerk habe in diesem Jahr eine Million Euro in den Auf- und Ausbau von "evangelisch.de" investiert. Andere evangelische publizistische Angebote sollten durch das Portal weder kannibalisiert noch verdrängt werden. Mit vorhandenen Internetangeboten der 22 Landeskirchen sind Kooperationen bis hin zum Austausch von Inhalten geplant.
Brummer betonte, dass "evangelisch.de" ein "offenes, plurales evangelisches Portal" sei. Dort sollten sich alle Strömungen der evangelischen Kirche wiederfinden, auch die evangelikalen. Das Portal kooperiert nach Angaben der Betreiber unter anderem mit dem evangelikalen Nachrichtendienst idea und dem evangelikalen Portal jesus.de. "Bei uns tritt die Selbstdarstellung der Nutzer in den Hintergrund", sagt Melanie Huber. Anstelle der Zahl der Kontakte werden in den Mitgliederprofilen kleine Ohrensymbole dargestellt. An ihnen können andere Nutzer erkennen, ob das jeweilige Mitglied ein Ohr für die Sorgen und Nöte der anderen hat.
In den sogenannten Kreisen, die zu einzelnen Themen, aus aktuellen Anlässen oder zu Persönlichkeiten angelegt werden können, bestimmen die jeweiligen Moderatoren selbst, ob für jedermann offen oder in einem begrenzten Zirkel diskutiert wird. Eine weitere Besonderheit: In "Lebensbüchern" können Mitglieder Videos, Fotos und Texte zu privaten Feiern, Wendepunkten im Leben oder zum Gedenken an Angehörige anlegen.
Mit all diesen Funktionen will die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) vor allem Menschen zwischen 35 und 55 Jahren ansprechen, die bislang den sozialen Netzwerken im Internet eher distanzierter gegenüberstehen als Jüngere. Für Entwicklung und Betrieb von "evangelisch.de" zeichnet das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) verantwortlich.
Die neu aufgebaute Redaktion kooperiert unter anderem mit dem Magazin "chrismon" und dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, sagte in einem Grusswort, auf "evangelisch.de" werde die Wirklichkeit "aus evangelischer Perspektive beleuchtet". Das Portal wolle Menschen "Halt und Orientierung" bieten und werde eine Schlüsselrolle im Internetangebot der evangelischen Kirche einnehmen.
Interesse an dem neuartigen Angebot in der Fülle kirchlicher Internetseiten scheint vorhanden: Aus der im Juni vorgestellten Studie "Kirchliche Sinnangebote im Web 2.0" geht hervor, dass sich fast jedes zweite Mitglied eines Sozialnetzwerks dort auch über religiöse Themen austauscht. Pfarrer Klaus Douglass von der Andreasgemeinde im hessischen Niederhöchstadt, die "evangelisch.de" bereits im Test ausprobiert hat, kann das für seine Gemeinde bestätigen.
Viele Mitglieder seien bereits in anderen Communities aktiv, doch "evangelisch.de" biete die Möglichkeit, Diskussionen oder die Organisation von Gemeindearbeit zu bündeln. Und wie andere neue Medien könne auch das neue Portal eine "Sogwirkung" entfalten und so auch für diejenigen attraktiv werden, die bislang nicht in sozialen Netzwerken organisiert sind.
"Leselotse": Evangelisches Literaturportal im Internet
Unter
www.eliport.de findet man ein neues christliches Literaturportal im Internet. Das Angebot der evangelischen Büchereien sei ein "Leselotse" für Kids und Grufties und biete unter anderem Buch- und Hörbuchtipps. Zugleich wurde der seit 1952 in Göttingen ansässige Deutsche Verband Evangelischer Büchereien in "Evangelisches Literaturportal - Verband für Büchereiarbeit und Leseförderung" umbenannt.
Dieser Dachverband betreut die evangelischen öffentlichen Büchereien in Kirchengemeinden und Krankenhäusern in Deutschland. Über die Fachstellen und Landesverbände in zehn Landeskirchen und durch Einzelmitgliedschaften in sechs Landeskirchen werden etwa 1000 Büchereien betreut. Der Verband wird von einem ehrenamtlichen Vorstand geleitet, der die Arbeit der Geschäftsstelle in Göttingen begleitet und von der Mitgliederversammlung gewählt wird.
Für die über 6000 ehrenamtlich Mitarbeitenden wurde mit den Fachstellen ein differenziertes Aus- und Fortbildungsprogramm entwickelt. Für die Büchereiverwaltung, die Leseförderung und Veranstaltungsarbeit werden vielfältige Arbeitshilfen bereitgestellt: Leitfaden für die Verwaltung evangelischer Büchereien, Öffentlichkeitsarbeit der Bücherei und literarische Arbeitshilfen.
Bücher und andere Medien auswählen, beurteilen und sie für verschiedene Zielgruppen empfehlen ist der Schwerpunkt des Evangelischen Literaturportals. Mit diesem Literaturportal werden Buchtipps und Medienempfehlungen einem grösseren Nutzerkreis geöffnet.
Pfarrerinnen und Pfarrer erhalten mit dem monatlich erscheinenden Newsletter Gemeinde ein speziell auf den Bedarf der Gemeinde zugeschnittenes Angebot, das regelmässig interessante Literatur vorstellt, die nicht auf den Bestsellerstapeln der Buchkaufhäuser liegt.
Unter Buchsuche kann man auf dieser Homepage selbst aktiv werden und in einem Bücherpool von 10000 Titeln nach Medien suchen, die für eigene Veranstaltungen, für den Kindergarten, oder den Seniorenkreis und so weiter geeignet sind.
Der Verband vergibt jährlich den Evangelischen Buchpreis, der deutschsprachige Belletristik und Kinder- und Jugendliteratur auszeichnet. Vorschläge für diesen Leserpreis können nicht Verlage und Autoren, sondern Lesende aller Altergruppen passend zur Ausschreibung jährlich einreichen.