Heute änderte sich der Veranstaltungsort. Anstatt in der JuKi Wuppertal gelangte man an den Tagungsort Kirchliche Hochschule Wuppertal. Hier wurde von 9:15 bis 12:30 Uhr eine Art "Austauschbörse" veranstaltet, bei der Teilnehmende aus Jugendkirchen und Jugendgemeinden ihre Konzepte und Arbeitsweisen, Situationen und Besonderheiten sowie praktische Aktivitäten und gelungene Projekte vorstellen konnten.

Daneben wurde die Gelegenheit geboten, Fragestellungen und Themen zur kollegialen Beratung anzusprechen, strittige Themenkomplexe zu reflektieren und diese durch intensives Zusammenspiel zu bearbeiten und einer befriedigenden Lösung näher zu bringen. Dadurch erhielten die anderen Teilnehmenden Ideen und Anregungen und bekamen so die Möglichkeit, ihre eigene Arbeit zu qualifizieren und somit den praktischen Ansatz in ihrer Jugendarbeit weiter zu entwickeln.
Diese Austauschbörse konnte nur gelingen, da sich einige teilnehmenden Jugendkirchen und Jugendgemeinden bereit erklärten, ihre anfänglichen Befindlichkeiten der Sache unterzuordnen und sich rückhaltlos einbrachten. Das bedeutete einige kleinere Vorarbeiten "daheim", die allerdings für manche als äusserst befruchtend angesehen werden konnten. Arbeiten und nicht verzagen: In Arbeitssitzungen wurden Themen debattiert und Lösungen gewälzt.
Die Themenbereiche umfassten Wirklichkeit und Sinn der jugendkirchlichen Arbeit ebenso, wie Freiheit und Gewissen, Liebe und Weisheit, Selbsttätigkeit in der Kirche und die Stärkung des Glaubens an die eigene Arbeit. (Jugend-) Kirche sollte sich im gesamten Leben widerspiegeln und den Sinn des Seins unter christlichen Aspekten hinterfragen.
Die Austauschbörse arbeitete mit drei unterschiedlichen Formen: 1. Poster-Session - Alle teilnehmenden Jugendkirchen und Jugendgemeinden und entsprechende Projektgruppen gestalteten ein "Poster" mit den Grundinformationen sowie den Problemstellungen ihrer Arbeit. Die Bögen wurden an Wänden und Pinwänden präsentiert. Davor mehrere Stühle, auf denen das Informationsmaterial, wie Flyer, Handzettel, Werbematerial, Konzepte usw. ausgelegt waren.
Die Poster-Session geriet letztendlich zu einer Ausstellung mit informativen Inputs und gab so der Kommunikation zwischen den Teilnehmenden des Symposiums eine ansprechende Grundlage, die neue Ideen, informellen Austausch und Problemlösungsversuche quasi zwangsläufig provozierte.
2. Präsentationskino - Hier wurde angeboten, vor dem Symposium eine PowerPointPräsentation (PPP) oder ein höchstens 20-minütiges Dokumentations- bzw. Informationsvideo über die eigene christliche Jugendarbeit anzumelden. In einem separaten Raum sollten diese "kinomässig“ nacheinander gezeigt werden. Eine PPP konnte selbstverständlich mit einem mündlichen Vortrag versehen werden.
3. Forum kollegiale Beratung - In Stuhlkreisen mit Flipcharts bestand die Möglichkeit, sich gegenseitig innerhalb eines halbstündigen Zeitrahmens zu beraten bzw. Projekte und Probleme miteinander zu besprechen und zu qualifizieren. Dafür konnten Themen und Fragestellungen im Vorfeld des Symposiums und während der Austauschbörse benannt werden.
Die Person, die ein Thema genannt hatte, führte innerhalb der vorgesehenen Zeit in das Thema ein. Die Teilnehmenden brachten ihre Meinungen, Informationen, Ansichten, Tipps und Gedanken in der Beratungsrunde zur Sprache. Eine Person dokumentierte die Hauptstichpunkte des Gesprächs am Flipchart, so dass die themenbringende Person anschliessend eine kleine Dokumentation in ihren Kirchenraum, ihre Juki mitnehmen konnte.
Es zeigte sich übrigens bei jedweder Gesprächskonstellation, dass Raum innerhalb der christlichen Jugendarbeit immer Lebens- und Lernraum darstellt. Die subjektiven Raumwahrnehmungen machen die Welt zu dem, was sie für das Individuum bedeutet. Damit erhält Infrastrukturarbeit in der Jugendkirche

stärkeres Gewicht, als bisher flächendeckend angenommen. Für viele Jugendliche geht es um die zentrale Fragestellung: Habe ich überhaupt Raum, in dem ich mich entfalten kann, in dem ich mir etwas aneignen kann?
Wem hier an diesem Vormittag auf der Austauschbörse zugehört wurde, der hatte das Gefühl, dass seine Gedanken und Gefühle wirklich zur Kenntnis genommen wurden. Richtiges Zuhören stellte nicht notwendigerweise Übereinstimmung dar. Es bedeutete einfach, den Versuch zu unternehmen, die Arbeit eines Anderen zu verstehen und dessen Ausführungen zu würdigen. Die Teilnehmer hatten nicht abgeschaltet, sondern ein aktives Feedback produziert.
Dieses drückte sich in Anteilnahme aus. Die Besucher der Austauschbörse generierten zu aktiven und mitdenkenden Zuhörern, die den verbalen Schlagabtausch nicht scheuten, eine Zusammenfassung des Gesagten oder der Fallbeispiele mit einem Hinweis auf eigenes Erleben, das ihren Worten und Taten zugrunde lag, lieferten. Probleme konnten so in einigen Fällen entschärft, neue Denkansätze geschaffen werden.
Nach einer kurzen Unterbrechung,
die viele für ein Feedback über das Gehörte nutzten, begann gegen 14:00 Uhr die erste Workshop-Phase. '
Jugendkirchen und Kirche' mit Prof. Dr. Günter Ruddat und Dr. Siri Fuhrmann konnte man für den Auftakt halten, schloss er doch nahtlos an die Anfangsreferate vom Sonntag an.
Daneben war auch Michael Freitag,
Referent für Theologie, Bildung und Jugendsoziologie der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e. V. (aej), mit dem Workshop '
Schwarzbrotspiritualität und die kleinen Transzendenzen' präsent. Was ist uns wirklich wichtig? Was erhält uns am Leben? Was nährt unseren Glauben? Dieses Elementare kann in den verschiedensten Lebensbereichen zu finden sein.

Der Workshop verstand sich als Anregung für eine Spurensuche, die die Teilnehmenden zu Neuentdeckungen führen, Anregungen geben sollte - um reflektieren zu können, was für Erfahrungen hinter den Worten stecken - was für eine geistliche Kraft. Jesus bietet eine Speise an, die - so sagt er - "ewiges Leben schenkt". Schwarzbrot-Spiritualität hiesse demnach: Es gibt geistige Nahrung, die ist handfest und kräftig und nicht unbedingt gleich beim ersten Biss gefällig, aber voller Verheissung.
Der Jugendpfarrer im Essener Weigle Haus, Rolf Zwick, widmete sich der Partizipation im Raum von Spiritualität von Jugendlichen. Unter dem Titel '
Top down - buttom up' sollte Wissen über den Zusammenhang zwischen dem beschreibbaren Verhalten des Heranwachsenden, den von ihm benutzten Interaktionsmöglichkeiten mit der Umwelt und die besondere Bedeutung von Raum im Kontext der spirituellen Zwiesprache vermitteln.
Jugendkirchen und Jugendgemeinden gelten nach wie vor als das Innovativste, was sich zur Stunde in kirchlicher Jugendarbeit tut. Mittlerweile sind die Projekte auch erprobt genug, um aus Erfahrungen lernen zu können. Es ist daher ein guter Zeitpunkt, die bisherige Praxis zu reflektieren und nach den Bedingungen für gutes Gelingen von Jugendkirchen zu fragen, wobei der Input an der Basis von entscheidenderBedeutung sein kann.
Mit '
Jugendkirche für Fortgeschrittene' versuchte Oliver Heck von der Katholischen Jugendkirche Tabgha in Oberhausen sowie Stadtreferent durch seine langjährige Erfahrung darzustellen, wie es mit Jugendkirche weitergehen könnte.
Die Jugendlichen aus dem Beraterteam von Tabgha seien stolz auf ihre Jugendkirche, freut sich Heck. Sie biete den jungen Leuten die Chance, in den wöchentlichen Jugendgottesdiensten lebendig ihren Glauben zu feiern. Das weiterzugeben hielt der Jugendreferent für geboten.
Die Jugendkirche wird übrigens im nächsten Jahr im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010 eine spirituelle Kulturtankstelle darstellen, verrtiet uns Heck voll freudiger Erwartung. Das bedeutet, dass die JuKi als ein Ort erkannt wird, an dem Jugendliche die Möglichkeit angeboten bekommen, vorbeizuschauen, an verschiedenen Aktionen teilzunehmen und eventuell dabei zudem ein wenig "auftanken" können.
"Die Kirche hat zu vielen Jugendlichen den Draht verloren, weil sie keine Antworten auf ihre Fragen gibt", so Dr. Hans Hobelsberger. Doch gerade diejenigen, die bisher mit Kirche nur wenig anfangen konnten, zeigten bisher in besonderen JuKi-Projekten ihre Kreativität. Dabei kämen sie mit religiösen Themen in Kontakt, die sie zum Nachdenken bringen würden (siehe hierzu →
Jugendkirche gewinnt an Sympathie sowie auch →
JUGENDKIRCHE Symposium TAG 3).
Die erst kürzlich geschehene Einweihung des jugendpastoralen Zentrums CRUX, das sich als "Flaggschiff der Jugendpastoral im Erzbistum Köln" verstehe, stellte für Stadtjugendseelsorger Pfarrer Dr. Dominik Meiering durchaus den Startschuss für eine 'Missionarische Jugendkirche', wie auch das Thema seines Referats lautete, dar. Davon ausgehend wurden Möglichkeiten und Perspektiven einer Jugendpastoral vorgestellt, die sich auf der einen Seite an festen kirchlichen Strukturen (sonntäglicher Gottesdienst, feststehende Angebote) anlehnt und zugleich begleitete Gestaltungsräume für Eigeninitiativen der jungen Menschen bietet.

"Wir reden seit Jahrzehnten immer wieder neu von der Wiederentdeckung des Religiösen und der Spiritualität. Im Hinblick auf das kirchliche Leben erscheint eine solche Diagnose eher fragwürdig: In Pfarreien und den katholischen Verbänden - wie ja auch in den Katholischen Studentenvereinen - haben wir keine wachsenden Mitgliedszahlen. Dennoch gibt es eine Suche nach zukunftsfähigen Lebensentwürfen, nach bleibenden Werten, nach stabilen Partnerschaften und ihren Grundlagen", so Meiering.
"Bevor junge Menschen sich in kirchlichen Organisationen engagieren, müssen sie zunächst einmal das kennenlernen, woraus die kirchlichen Organisationen leben: den Glauben. Und der Apostel Paulus fragt mit Recht: 'Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündigt?' Ich bin der festen Überzeugung, dass wir mehr über das reden müssen, mehr leben müssen, was uns in unseren kirchlichen Organisationen trägt: die gemeinsame Feier des Glaubens und die brüderliche Gemeinschaft", sagt Meiering, und: "Deutschland ist ein Missionsland. Es gibt viele junge Menschen, die nicht mehr wie selbstverständlich mit der Kirche und ihrer Verkündigung in Berührung kommen."
Während des Workshops wurden vorrangig die Erfahrungen aus der bisherigen Arbeit am CRUX und die Idee "Glauben und Leben teilen" präsentiert, die versucht, jungen Menschen aus den unterschiedlichsten kirchlichen und nicht-kirchlichen Milieus die Erfahrung eines gemeinschaftlichen Lebens zu ermöglichen: "Weniger Schulgottesdienste, ausfallender Religionsunterricht, weniger traditionelles volkskirchliches Milieu und weniger Bindung an Pfarreien oder Verbände haben zu einem neuen Heidentum geführt. Das Jugendpastorale Zentrum hat das Ziel, durch niedrigschwellige Angebote Jugendliche mit der Kirche in Berührung zu bringen." Auch, um eine Nachwuchssicherung zu gewährleisten.
"Die Zahl der Priester, die wir jetzt haben - und auch die, die nachfolgen - die ist zu gering. Da muss einiges mehr geschehen", stellte der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch am Freitag zum Abschluss der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda fest. Ihm zufolge will die Kirche daher verstärkt auf Werbung für das Priesteramt setzen: "Es geht doch darum, wirklich Berufungen zu wecken, sie zu entdecken, zu begleiten und zu ermutigen." Er sei zuversichtlich, dass das im Sommer begonnene 'Jahr des Priesters' helfe, Begeisterung in den christlichen Kirchen zu wecken.
Nach Ansicht der evangelischen Kirche ist die BRD wieder Missionsgebiet. Der "dramatische Rückgang" der Kirchenmitglieder in der ehemaligen DDR sei ebenso wenig ausgeglichen worden, wie eine "schleichende Erosion der Kirchlichkeit" in vielen Bereichen der Bundesrepublik, äusserte sich der Ratsvorsitzende der EKD, der Berliner Landesbischof Wolfgang Huber, in Kassel zur Eröffnung der EKD-"Zukunftswerkstatt 2009". Die Kirche richte die Frage "Wie werde ich Christ?" allzu oft nur an Menschen, die ohnehin schon Christ seien, kritisierte Huber und mahnte eindringlich ein Umdenken an.