Das Thema "Jugendkirchen" lag und liegt in der Luft, was durch das grosse Interesse an diesem Symposium bestätigt wurde. Ob Jugendpatoral, Junge Kirche, Jugendgemeinde oder Jugendkiche - die christliche Jugendarbeit ist mehr als nur Verpackung. Sie ist der kulturelle Code eines Lebensgefühls, des sozialen Status und nicht selten ist sie mit einer bestimmten Jugend- und Musikkultur verbunden, je nach Region verschieden zwar, dennoch altersbedingt verknüpft.
Gottesdienste mit Popmusik und grellen Lichteffekten gehören für Kirchenferne zu den auffallendsten Elementen von JuKis. Bei diesen Eventgottesdiensten strömen oft hunderte junge Menschen in Kirchen, um die sie sonst eher einen weiten Bogen machen würden. Und das, obwohl die Definition des Begriffs Jugendkirche bzw. JuKi letztendlich als ungeklärt gelten darf und von einer Jugendkirchebewegung (JuKiBe) derzeit noch nicht die Rede sein kann, wie auch Dr. Hobelsberger feststellte, der anmahnt, den Begriff JuKi nicht endlos auszuweiten. "Die unterschiedlichen Konzepte sind stärker zu profilieren".
Seit knapp zehn Jahren

gibt es nun schon Jugendkirchen im deutschen Sprachraum. Doch welche Bedeutung haben sie für die Zukunft der christlichen Grosskirchen? "Wir haben lernen müssen, dass es den starren Begriff von Identität, die ein ganzes Leben umfasst, nicht mehr gibt. Er kann zusammengesetzt sein und sich verändern, das ist ja auch bei Erwachsenen so, durch neue Jobs und Umzüge bedingt. Man ist nicht mehr 'einmal vom Dorf, immer vom Dorf'. Jeder, der vom Dorf in die Großstadt kommt, kennt das Gefühl, plötzlich nicht mehr auf eine Rolle festgelegt zu sein."
Kirche wird durch das Einbinden von Jugendkulturen weniger Kampf und mehr Spass, weniger jugendliche Rebellion, mehr eigener persönlicher Ausdruck. Letztendlich geht es bei Jugendkirche darum, sich wohlzufühlen im "Geist des Herrn". Mit der Musik, mit den Klamotten, mit den Leuten. Es geht darum, sich ein religiöses Selbstbewusstsein aufzubauen. Kirchen spenden keine dauerhafte Identität mehr - aber sie leben, mischen sich, definieren sich neu innerhalb des sich verändernden Selbstverständnisses.
Interessierte und Mitarbeitende aus katholischen und evangelischen Jugendkirchen in Deutschland, Österreich und der Schweiz treffen sich ab heute zu einem Jugendkirche Symposium unter dem Motto "Institution Jugendkirche - Lebensräume und Formate". Die Veranstalter gehen mit dem Symposium neuen Wegen nach und möchten das vielseitige Phänomen JuKi auf seine gesellschaftliche Relevanz abtasten. Der Fokus richtet sich sowohl auf die Bedeutung von jugendlicher Subkulturen und deren kirchen-politisches Potential als auch ihrer sozialen Identität vor dem Hintergrund des veränderten Kommunikationsverhaltens Jugendlicher.
Es sollen differierende Dimensionen von Jugendkirche (JuKi) als Medium sozialer, spiritueller, moralischer sowie kirchlicher Zugehörigkeit beleuchtet werden. Das Symposium hatte in der evangelischen Jugendkirche in Wuppertal mit Grussworten von Weihbischof Dr. Heiner Koch, Erzdiözese Köln, begonnen, die der katholische Theologe Dr. Hans Hobelsberger (afj) stellvertretend überbrachte, wobei im Besonderen die Verstetigung der Jugendkirchen als auch diesbezüglich die Wichtigkeit der ökumenische Zusammenarbeit hervorgehoben wurde. Die Frage nach der Position der Jugendkirche im patoralen Bereich wurde ebenfalls gestellt und ob ihre Zugänge und Formate mit der bestehenden Jugendarbeit zusammenwirken, auch: "Gibt es denn theologische Grundlegungen?"
Ein Ziel des Symposiums

ist es, ein Forum für Lehr- und Lernprozesse innerhalb der Jugendkirche zu schaffen, weitere christliche Angebote zu entwickeln, die theologische Seite zu verdeutlichen sowie Netzwerke zu knüpfen. "Wir sind immer mehr an die Grenzen gestossen, personell und finanziell; aber auch an der Frage des Nutzens", erläuterte ein katholischer Theologe die teilweise Umwidmung der Gemeindekirchen in Jugendkirche.
Kirchliche Praxis zeigt sich in den Gottesdiensten und anderen Zugängen zum Glauben, in der Medienarbeit, der Mission, dem Ehrenamt und dem Wunsch nach Beteiligung in der Kirche. Weiter gearbeitet werden soll unter anderem an inhaltlichen Kriterien und Qualitätsstandards für den Begriff "Jugendkirchen" und den räumlichen und (pastoral-) pädagogischen Konzepten von Jugendkirchen.
Wer sich noch vor Jahren für eine Jugendkultur entschied, sei es Rock, Punk oder Hippie, legte sich fest fürs Leben - zumindest für die Jugend. Heute kann man sich fortwährend ändern: Die 13- bis 18-jährigen wechseln vier- bis sechsmal die Szene. Sie reden zwar gerne vom 'way of life', aber der Lebensweg dauert eher eine "Saison". Die Pluralität der JuKi-Zielgruppen, die sowohl innerhalb verschiedener Jugendkulturen als auch in der Kirche im Ganzen vorherrscht, darf demnach nicht zu einer Milieuverengung führen, sondern muss deren Erweiterung im Blick haben. Die vorfindbaren Jugendkirche- und Jugendgemeinde-Projekte besitzen demgemäss ihr ureigenes Profil.
Die neue Unstetigkeit
stellt für einen Grossteil der Jugend, neben dem "pubertären Aufbäumen" und dem "Suchen nach Eigenständigkeit", schlicht ein Zeichen grösserer Freiheit und Flexibilität dar. Die macht sich auch schon mal beim Beschaffen der nötigen spirituellen Bausteine bemerkbar. Das wurde auch im ersten Vortrag dieses Symposiums um 15:30 Uhr angedeutet. Prof. Dr. Günter Ruddat, seit 1. April 2009 Rektor der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel, referierte über "
Kirche in der Jugendkirche".
Dr. Ruddat stellte als wissenschaftlicher Prozessbegleiter des Netzwerkes Jugendkirche die Relevanz der Jugendgemeinden und Jugendkirchen in der Evangelischen Kirche anhand von "Sieben evangelische Fragen zum Weiterdenken" dar: 1. "Welche Kirche brauchen Jugendliche? (nicht: Welche Jugendliche brauchen Kirche?)" 2. "Wenn Theoligie von Kirche redet ... Wovon reden wir?" 3. "Welche Bilder teilen wir ... 'unterwegs in der Wüste'?" 4. "Kirche für uns, für andere, mit anderen ... oder was wollen wir eigentlich sehen, beurteilen, gestalten?" 5. "Eine ökumenische Kirche dr Ö-Kommune ... doppelte Präsenz nach innen und aussen?" 6. "Wieviel Spielraum haben wir ... und nehmen wir uns in der Kirche, zum Beispiel im Gottesdienst?" 7. "Wie geht es weiter? Wo fangen wir an? Vom Projekt zum Netzwerk - etwa von Württemberg über das Rheinland und Westfalen nach ... " Bedingt durch ihre Zielgruppe sind Jugendkirchen und Jugendgemeinden ein Weg unter vielen möglichen Wegen, die die Zukunft der Kirche Jesu Christi gestalten.
In seinem Hauptreferat hatte der evangelische Theologieprofessor die Anerkennung von Jugendkirchen als "legitimes Konzept" einer Jugendarbeit gefordert, die konsequent bei den Jugendlichen selbst ansetzt. Gemeinsam sei den verschiedenen Modellen von Jugendkirchen, dass sie ein spezifisches, jugendkulturell geprägtes Angebot für Jugendliche einer Region machen.
Solche Zentren könnten Gemeinden auch entlasten. Jugendkirchen sollten jedoch auf die Vernetzung mit anderen Angeboten der Jugendarbeit achten. Bei der Planung von Jugendkirchen sollten die Gemeindepfarrer am Ort frühestmöglich mit eingebunden werden, ihnen Möglichkeiten der Zusammenarbeit aufzeigen und Ängste vor einer Abwanderung der Jugendlichen zu nehmen.
In diesem Zusammenhang könnte das in Frankfurt gegründete 'Ökumenische Netzwerk Jugendkirchen' einen Beitrag dazu leisten, Ideen, Überlegungen und Erfahrungen auszutauschen, Vernetzungen zu ermöglichen und damit die unterschiedlichen Projekte stärken. Mitglieder des Ökumenischen Netzwerk Jugendkirchen trafen sich bereits um 13:30 Uhr, um das wieder aufzunehmen und zu forcieren, was sich bedauerlicherweise im Sande verlaufen hatte. Am Ende siegte jedoch die Einsicht, dass für eine effiziente Weiterführung dieses Netzwerkes momentan weder die personelle noch finanzielle Gegebenheit besteht: Es wurde vorübergehend ad acta gelegt.
Um 17:00 Uhr wurde dann das Thema "
Kirche in der Jugendkirche" nochmals in einem Vortrag von Dr. Siri Fuhrmann von der kath.-theol. Fakultät Mainz aufgenommen. Die promovierte Liturgiewissenschaftlerin und freie Referentin an der Jugendkirche Tabgha in Oberhausen 2007, legte ihr Augenmerk vor allem auf das liturgische Geschehen in der Gemeinde. Gestaltung heisst für sie in der Jugendkirche Partizipation. Hier sollten die

Jugendlichen in die Liturgie integriert werden und dem Ziel dienen, einen ansprechenden Jugendgottesdienst (JuGodi) zu feiern ohne aktionistisch zu sein.
Wenn das JuKi-Team nun überlegt, wie der sonntägliche Gottesdienst gestaltet werden soll, dann bedeutet das: Wie genau feiern wir den JuGodi? Wie und worüber soll die Predigt gehalten werden? Nur so können sich Jugendliche nicht nur "mal eben so", sondern auch spirituell mit der Gemeinde verbunden fühlen.
Frau Dr. Fuhrmannn betonte, dass Jugendkirchen Kundschafter seien, "mit dem Ziel, sich zu entwickeln". Sie geben der christlichen Botschaft ein neues Gesicht und möchten sich als verlässliche und dauerhafte Begleiter erweisen, auch wenn die Jugend keine lebenslange Bindung mit ihr eingehen wird: "Die Jugend zieht weiter, die Jugendkirche bleibt." Vor allem aber wäre es die Verpflichtung der Jugendkirchen, sich denen zuzuwenden, die nicht im kirchlichen Millieu beheimatet seien. Liturgie ist hierbei nicht Verbalisierung der katholischen Kirche, sondern Erschliessung jugendkultureller Ästhetik - immer mit dem Blick auf die Zielgruppe der Kirchenfernen.
Nach dem Ökumenischen Jugendgottesdienst 'Mixed Up' in der JuKi-Wuppertal um 19:00 Uhr, bei dem sich das JuGodi-Team der Frage stellte: Was sind denn eigentlich die Unterschiede zwischen den Katholiken und den Protestanten (siehe Video), mündete der erste sehr ansprechende Symposiumstag in einen 'Abend der Begegnung', an dem alte Bekanntschaften aufgefrischt und neue geknüpft werden konnten.