Die Wahlbeteiligung ist im Sinkflug. Wenn zur Kommunalwahl nicht einmal mehr die Hälfte der wahlberechtigten Bürger an die Urnen geht, ist das erschreckend und kann nicht weiterhin lapidar als 'Wahlmüdigkeit' tituliert werde, sondern ist eigentlich nichts anderes als ein Misstrauensvotum an die Politiker. Die Bundesbürger sind es leid sich tagtäglich aufs neue mit Halbwahrheiten abspeisen zu lassen, wobei die jetzigen Politiker-Aussagen aufgrund der anstehenden Bundestagswahl sich an Dreistigkeit zu überbieten suchen.
Wenn Jugendliche erleben, dass ihre Eltern sich nicht für die Wahlen interessieren, da es den Politikern nur noch um Machterhalt zu gehen scheint, woher soll das Interesse an demokratischer Mitbestimmung kommen, wenn sie irgendwann selbst an die Urne schreiten dürfen? Wer selbst gewählt hat, fiebert am Wahlabend mit. Man gehört irgendwie dazu. Zu den Gewinnern oder zu den Verlierern. In jedem Fall ist man an Wahltagen ein aktiver Teil einer lebendigen Demokratie und deshalb unterstützt die Jugendkirche diese Aktion.
Auch Leverkusen ist mit dabei, zwei Wahlbüros beteiligen sich an der Kampagne, einmal in der Opladener Jugendkirche, Kölner Straße 42, das am Freitag von 10 bis 18 Uhr geöffnet ist, sowie in Schlebusch im Pfarrsaal St. Albertus Magnus, Humperdinckstraße, von 14 bis 18 Uhr. Die U18-Wahl in Leverkusen wird in Kooperation mit der Jugendkirche, dem Bund der Deutschen katholischen Jugend Leverkusen, dem Dachverband der katholischen Jugendverbände Leverkusen sowie dem Jugendausschuss und der Jugendleiterrunde der Kirchengemeinde St. Albertus Magnus ausgerichtet.
In einigen Bundesländern können Jugendliche bei Kommunalwahlen zwar schon ab 16 wählen, doch für eine Teilnahme an der Bundestagswahl ist ein Mindestalter von 18 Jahren vorgeschrieben. Anders bei U18: Diese Initiative ermöglicht es seit einigen Jahren auch Kindern und Jugendlichen, zu einer eigenen Bundestagswahl zu gehen. Neun Tage vor der "echten" Wahl sind deutschlandweit alle Menschen unter 18 Jahren aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Der Wahltag ist aber nur der Höhepunkt einer langfristigen,

inhaltlichen Auseinandersetzung mit Politik. Denn in den Wochen und Monaten zuvor können Kinder und Jugendliche in vielen spannenden Projekten erfahren, wie Demokratie funktioniert und was politisches Engagement bedeutet.
Im Vorfeld der Wahl setzen sich junge Menschen unter anderem mit den Programmen der Parteien sowie den Wahlversprechen der Politiker/-innen auseinander, zum Beispiel im Rahmen von Jugendparlamenten, in Jugendgruppen oder bei Schulprojekttagen. Hier haben sie eine Plattform für aktuelle politische Diskussionen über Klimaschutz, Bildungspolitik, Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche vor Ort oder andere Themen, die sie interessieren. "Wir möchten damit den Wählerinnen und Wählern von Morgen einen Zugang zu Politik und Mitbestimmung ermöglichen", so Tobias Kunkemöller, ehrenamtlicher Mitarbeiter der KjG Region Köln und Organisator eines der Wahllokale.
Aber es wird nicht nur geredet, sondern auch etwas getan. Oft knüpfen die Jugendlichen mit eigenen Aktionen an die in Schulen, Jugendclubs und anderen Organisationen veranstalteten Workshops und Projekte an. Sie starten Spendensammel- und Hilfsaktionen für Bedürftige aus aller Welt oder machen sich für den Umweltschutz vor Ort stark. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. In der heissen Vorwahlphase finden auch Begegnungen mit Lokal-, Landes- und Bundespolitiker/-innen statt. Bei diesen Treffen stellen sich die gewählten Vertreter/-innen den kritischen Fragen der Kinder und Jugendlichen.
Diese selbst geplanten und gemeinschaftlich durchgeführten Aktionen begeistern die jungen Menschen. Und genau darum geht es den Initiatoren von U18. Marcus Lehmann, der Gründungsvater des Projekts: "Wir haben U18 1996 in Berlin ins Leben gerufen, weil wir zeigen wollten, dass sich auch Kinder und Jugendliche für Politik interessieren. Aus der ursprünglich regionalen Initiative ist inzwischen die grösste politische Bildungskampagne für Menschen unter 18 in Deutschland geworden, die von den führenden Kinder- und Jugendorganisationen Deutschlands unterstützt wird.“
Neben der Bekanntmachung der U18-Wahl sind die Wahllokale der Schlüssel zum Erfolg. Wahllokale können zum Beispiel in Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen, Schulen, Schulclubs etc. eingerichtet und über die Website www.u18.org angemeldet werden. Auf der Website ist auch zu sehen, wie viele Wahllokale es schon gibt und wo sie sich befinden. Es ist bereits Tradition, dass jedes Wahllokal seine Wahlurne selbst herstellt, auf

der U18-Website präsentiert und von den anderen Teilnehmer/-innen bewerten lässt.
Ausserdem müssen Wahllokale kurz vor der Wahl Stimmzettel herunterladen (
siehe unten), in der gewünschten Anzahl kopieren sowie eine Wahlkabine und Kugelschreiber bereitstellen. Politische Bildungsarbeit im Vorfeld der Wahl ist erwünscht, jedoch keine Bedingung. Wahllokale können sich von den U18-Koordinierungsstellen beraten lassen, zudem stehen didaktische Materialien sowie Vorlagen für die Öffentlichkeitsarbeit auf der U18-Website zur Verfügung.
Angefangen hat alles in Berlin: Vor 13 Jahren wurde hier die erste kleine U18-Wahl durchgeführt. Inzwischen unterstützen die grössten Kinder- und Jugendorganisationen Deutschlands die parteipolitisch unabhängige Initiative. Zu den Organisatoren von U18 gehören inzwischen u.a. der Deutsche Bundesjugendring, das Deutsche Kinderhilfswerk und die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. Sie und viele weitere haben sich zum Netzwerk U18 zusammengeschlossen. "Es ist ungerecht, dass die Bundestagswahl ab 18 ist", so Kunkemöller, "daher setzen wir uns als Kinder- und Jugendverband für Strukturen ein, die Mitbestimmung und Mitentscheidung für Kinder und Jugendliche ermöglicht."
U18 konnte zudem die Kinderkommission des Deutschen Bundestages als Schirmherrin gewinnen. Zahlreiche Politiker/-innen, wie z. B. Dr. Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, und Brigitte Zypries, Bundesministerin der Justiz, unterstützen die Initiative mit Grußworten, Aufrufen zur Teilnahme an der U18-Wahl und persönlichen Auftritten im Rahmen von U18-Veranstaltungen.
Schon zum Start der U18-Kampagne werden durch das Netzwerk U18 über sechs Millionen organisierte Kinder und Jugendliche direkt angesprochen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen der Organisatoren an die Wahlbeteiligung 2009. Schätzungen gehen von 200.000 bis 500.000 Stimmabgaben aus. Natürlich wünschen sich die Organisatoren von U18 eine möglichst hohe Wahlbeteiligung.
Das eigentliche Ziel aber ist es, möglichst viele Kinder und Jugendliche dauerhaft für Politik zu begeistern. Inzwischen gibt es nahezu 1000 Wahllokale und es werden täglich mehr. Wahllokale können übrigens noch bis zum 17. September 2009 angemeldet werden (Hier geht's zum Download der Infobroschüre zum Thema Bundestags- undU18-Wahl).
Am 17. Juli hat der Bundeswahlausschuss 29 Vereinigungen als Parteien zur Bundestagswahl zugelassen. 27 Parteien treten mit Landeslisten zur Wahl des 17. Deutschen Bundestages an. Die Anzahl der Landeslisten in den einzelnen Bundesländern variiert zwischen 9 und 19, daher gibt es auch bei U18 für jedes Bundesland den entsprechenden Stimmzettel.
Anfragen aus Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein:
Anfragen aus Berlin und aus Bundesländern, die keine eigene Koordinierungsstelle haben: