Für die Aufsichtsbehörde bleibe ein ungutes Gefühl, wenn man wisse, es beobachte einen jemand - wenn auch nur kurz im Schutz der Dunkelheit. "Denn nicht jeder, der ein Kino besucht, möchte ausschliesslich oder vorrangig dem Filmgenuss frönen, gleichwohl ist nicht jedes ungute Gefühl, das durch Dritte erzeugt wird, rechtlich relevant", hiess es weiter.
Disney und Universal ist bislang kein Pirat ins Netz gegangen. Warner musste nach eigenen Angaben "eine Handvoll Übertretungen feststellen. Die Überwachung der ordentlichen Kinovorstellungen jedoch liegt im Verantwortungsbereich des jeweiligen Kinobetreibers", so ein Firmensprecher. Man greift teilweise zu immer drastischeren Maßnahmen. Bis zur Leibesvisitation ist es nicht mehr weit, wie die jüngsten Entwicklungen zeigten.
Gerade was den Umgang mit Daten Jugendlicher angehe, die einen Großteil des Lichtspiel-Publikums ausmachen (siehe Potter, Twilight, Herr der Ringe u.a.), gebe es besorgniserregende Entwicklungen. Das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt ermittelt gegen die "Nachtsichtspione", ob die Zuschauer über die Beobachtung genügend aufgeklärt und ob Daten gespeichert wurden. "Wenn wir einen Verstoß feststellen, droht dem Verleiher eine Geldbuße, die sich nach der Schwere des Falls richtet", sagte Vizepräsident Peter Kuras. "Wir nehmen diesen Fall sehr ernst."
WELTSTADT BRD 2008 - Kinostart Deutschland: 05.11.2009
Regie: Christian Klandt - Drehbuch: Christian Klandt

In der Nacht zum 16. Juni 2004 überfielen zwei Jugendliche in einer malerischen Kleinstadt in Brandenburg einen schlafenden Obdachlosen. Als sie bemerkten, dass er keine Wertsachen bei sich trug, schlugen sie ihn und steckten ihn anschließend in Brand. Schockiert von den Ereignissen verarbeitete der Regisseur das Geschehene in einem sozialkritischen Drama.
Er zeigt in seinem Spielfilmdebüt 24 Stunden aus dem Leben von fünf brandenburgischen Kleinstädtern, deren aufgestauter Frust sich am Ende in einer grausamen Gewalttat entlädt. Dabei vermied Klandt den direkten Kontakt zu den verurteilten Tätern, um die emotionale Distanz zu wahren. Beruhend auf dieser wahren Begebenheit erzählt 'Weltstadt' die Geschichte der Täter, aber auch der Bewohner dieser Stadt - beginnend 24 Stunden vor der Tat.
'Weltstadt' ist die Geschichte von Till und Karsten: Till (Florian Bartholomäi), der seine Malerlehre aufgibt und keine Ahnung hat, was er mit seinem Leben anfangen will. Sein Freund Karsten (Gerdy Zint), der die Schule nie beendet hat und Sozialstunden in einem Obdachlosenheim ableisten muss. Respekt verschafft er sich regelmäßig durch Gewalt. Ihre Resignation, ihr Frust und ihre Aggression werden sich in dieser Nacht gegen den Obdachlosen im Park richten.
'Weltstadt' ist auch die Geschichte von Steffi (Karoline Schuch), Tills Freundin, von Heinrich (Hendrick Arnst), der seine Imbissbude aufgeben muss, und von Günter (Justus Carrière), Tills Vater und Polizist der Stadt. Alle sind an einem Punkt in ihrem Leben angelangt, an dem sich etwas verändern muss oder wird. Es sind Menschen, die miteinander leben, die einander beeinflussen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Es sind Geschichten, die jeden Tag überall in Deutschland passieren. Doch niemand beachtet sie.
'Weltstadt' zeigt eine Momentaufnahme unserer heutigen Gesellschaft - eine Gesellschaft, die von finanziellen und sozialen Nöten geprägt ist, in der die Menschen durch Arbeitslosigkeit, Zukunftsangst und Perspektivlosigkeit allzu oft das Träumen vernachlässigen, eine Gesellschaft, in der Verrohung, Resignation und Frust eine aggressive Jugendsubkultur hervorbringen. Der Film beleuchtet eine Seite unseres Lebens in Deutschland, die gern übersehen wird und über die in den Medien nur in reißerischen Schlagzeilen und mit aufgesetzter Verachtung berichtet wird.
'Weltstadt' ist ein Film der beschreibt, ohne zu verurteilen, der versucht, den Ausbruch der Gewalt nicht verständlich aber verstehbar zu machen, der sich trotz aller Konflikte traut, das Lachen und die Poesie im Alltag einer brandenburgischen Kleinstadt zu zeigen.
Regisseur Christian Klandt ist, wie sein Kameramann René Gorski, in der Stadt aufgewachsen, in der die Tat geschah. Die Geschichte hat eine gefährliche Banalität. Die alltägliche Banalität ist oberflächlich gesehen einfach nur "Unfug". Dann aber, in Hinblick auf das Geschehen, ist die Gefahr, das Unheil, das hinter diesem scheinbar harmlosen Unfug schlummert, die unterschwellige Gewaltbereitschaft. Noch ist sie nicht sichtbar.
Diese Mosaiksteinchen, die alle unabhängig voneinander harmlos erscheinen aber zusammengesetzt plötzlich ein bitterböses Bild ergeben. "'Weltstadt'" lief auf Festivals rund um den Globus und erhielt mehrere Auszeichnungen.
DER BESUCHER Finnland/Estland/Deutschland 2008 - Kinostart Deutschland: 05.11.2009
Regie: J.-P. Valkeapää - Drehbuch: J.-P. Valkeapää, Jan Forsström

In den Weiten der finnischen Wälder ist es sehr still. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebt hier ein zehnjähriger Junge (Vitali Bobrov) mit seiner jungen Mutter (Emilia Ikäheimo) auf einem kleinen Hof inmitten der unberührten Natur. In außergewöhnlichen Kameraeinstellungen mit ausgeklügeltem Bildaufbau und extremen Unschärfen führen sie den Zuschauer in die Vorstellungswelt des stummen Jungen.
Der gewalttätige Vater (Jorma Tommila) des sprachgestörten Kindes sitzt an einem weit entlegenen Ort im Gefängnis. Doch welchen Verbrechens er sich schuldig gemacht hat, das bleibt bis zum Ende des Films im Dunkeln. Einen allzu sympathischen oder gar liebevollen Eindruck macht der Vater offenbar nicht. Wie selbstverständlich setzen Assoziationen, Mutmaßungen und Gedankenketten ein, die versuchen, das Gesehene zu entschlüsseln, ihm Sinn zu verleihen und die Fragmente zu ergänzen.
Eines Tages bekommen Mutter und Sohn Besuch. Ein Fremder (Pavel Liska) mit einer Schusswunde erscheint in der Einsiedelei und überbringt eine Nachricht des Vaters und Ehemanns. Ist dieser vielleicht ein Komplize, der fliehen konnte, während der Vater geschnappt wurde und ins Gefängnis musste?
Jedenfalls warnt jener seinen Sohn eindringlich vor dem Besucher. Und als der Junge den Eindringling eines Morgens bei seiner Mutter im Bett vorfindet, verdichten sich die unguten Gefühle - sowohl beim Zuschauer wie auch bei dem Jungen. Und dann bewahrheiten sich die Befürchtungen.
"'Der Besucher'" ist der erste Kinofilm des jungen finnischen Nachwuchsregisseurs Jukka-Pekka Valkeapää. Der im südfinnischen Porvoo geborene Filmemacher gilt als Multitalent und was der Regisseur in seinem Debütfilm 'Der Besucher' / Muukalainen vorführt, verlässt trotz großer Schweigsamkeit die vertrauten Gefilde des gewohnten Kinoerlebnisses und nimmt den Zuschauer mit auf eine ungleich düsterere Reise ins Unbekannte. Und es dauert wahrlich lange, bis in diesem Film zum ersten Mal gesprochen wird - eine viertel Stunde Schweigsamkeit.
SEELENVÖGEL BRD 2009 - Kinostart Deutschland: 05.11.2009
Regie: Thomas Riedelsheimer - Drehbuch: Thomas Riedelsheimer

Thomas Riedelsheimer hat seine Protagonisten über zweieinhalb Jahre begleitet. Daraus entstand ein sehr persönlicher und bewegender Einblick in die Kinder, die ihren Tod immer in greifbarere Nähe spüren. "ich hatte durchaus zweifel und angst. zweifel darüber, dass ich mir als filmemacher anmaße, etwas über so eine situation auszusagen. zweifel darüber, ob man überhaupt so ein Thema als film behandeln kann, soll und darf. und angst vor der Reaktion der eltern, die mich so großartig unterstützt haben. angst etwas zu produzieren, in dem sie sich und ihr Kind überhaupt nicht wiederfinden. es war wie ein spagat, denn es war allen klar, dass der film letzlich mein Blick auf die Kinder sein würde. "
Pauline, Richard und Lenni haben ein ähnliches Schicksal: Sie leiden an Leukämie. Die 15-jährige Pauline kämpft seit ihrem 9. Lebensjahr gegen die heimtückische Krankheit. Keine Therapie hat nachhaltig geholfen, immer wieder kamen die bösartigen Zellen in ihr Blut zurück. Dennoch hat sie ihren Lebensmut nicht verloren, sie will Schauspielerin werden und hat Qi Gong für sich entdeckt.
Der 10-jährige Richard spielt eigentlich am liebsten Fußball. Doch jetzt muss er sich einer qualvollen Stammzellentherapie unterziehen. Abgeschirmt von der Außenwelt muss er Tag für Tag auf seine Blutwerte warten, die Eltern bekommt er nur noch mit Mundschutz zu sehen. Der 6-jährige Lenni ist ein kleiner Sonnenschein. Dennoch hat auch er bereits viele schmerzhafte Behandlungen hinter sich.
Zu gerne möchte er noch die Geburt seines Brüderchens erleben, auch wenn die Ärzte ihm keine allzu gute Überlebenschance geben. Die Familien der drei Kinder haben sich bereits mit dem Tod auseinander gesetzt, doch der unbändige Lebenswille ihrer Kinder lässt sich trotz der Daueraufenthalten nicht bezwingen.
Unaufdringlich lässt der Dokumentarfilmemacher die Kinder selbst sprechen. Sie haben ihren Frieden mit ihrem Schicksal gemacht, ohne den Kampf und die Hoffnung aufgegeben zu haben. "ich habe versucht, nichts zu forcieren und meine eigene unsicherheit zu formulieren. vor allem die unsicherheit, ob es gelingen würde, einen film zu machen, wie ich ihn mir vorgestellt habe - mehr über das leben als über den Tod", versucht dcr4 DokuFilmer seine Arbeitsweise zu verdeutlichen.
Pauline äußert ihre Gedanken direkt oder in Form von Tagebuchaufzeichnungen, beim kleinen Lenni sind es mehr die Eltern und seine Schwester, die sich mit dem Sterben auseinandersetzen. Ein Film über totkranke Kinder ist schwere Kost, doch in "'Seelenvögel'" geht es weniger um die traurige Tatsache, als vielmehr um die Art und Weise der Kinder, damit umzugehen. Man sieht die Kinder in vielen Situationen als Vorbild und bewundert den Lebensmut, der in ihnen steckt. Riedelsheimer hat versucht, "die Kreativität der Kinder mit einzubeziehen und nicht mit einer vorgefertigen idee anzukommen."
Der Tod verliert seinen Schrecken, wenn man ihn als Teil des Lebens sieht und sich intensiv darauf vorbereiten kann. Daraus kann man viel lernen. Der Regisseur "hatte auch oft das gefühl: 'das wird nichts.' allerdings nicht, weil ich an der einzigartigkeit und großartigkeit meiner Protagonisten gezweifelt hätte, sondern an meinen fähigkeiten, daraus einen film zu machen, der meinen ansprüchen und den ansprüchen der Beteiligten genügen würde. wenn ich am ende das gefühl gehabt hätte, der film sei nur belastend, hätte ich ihn nicht veröffentlicht. das hätte nicht meiner erfahrung entsprochen, denn es war nicht nur belastend."
MITGEFÜHL, WEISHEIT UND HUMOR BRD 2009 - Kinostart Deutschland: 12. November 2009
Regie: Boris Penth - Drehbuch: Janine Schulz & Boris Penth

Sogyal Rinpoche gilt im Westen neben dem Dalai Lama als einer der wichtigsten Lehrer des Tibetischen Buddhismus. Er ist Gründer der weltweiten Organisation RIGPA und Autor des millionenfach verbreiteten Werks „Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben“. Geboren in einer wohlhabenden Familie, die den Buddhismus seit Generationen förderte, kam er als Kind in das Kloster seines späteren Meisters Jamyang Khyentse, einem der angesehensten Lehrer seiner Zeit. Dieser erkannte ihn als Reinkarnation von Tertön Sogyal an, einem Lehrer des 13. Dalai Lamas.
Gemeinsam mit Regisseur Boris Penth begibt sich Sogyal Rinpoche an die Orte seiner Kindheit und erinnert sich an die Stationen seines Lebens. Er ist heute einer der wichtigsten Lehrer des Tibetischen Buddhismus, speziell für seine Anhänger aus dem Westen, mit deren Kultur er sich intensiv befasst hat. In 3-jährigen Seminaren lassen sich immer mehr Anhänger in die Lehren der Religion einweihen. Was sie dazu bewegt, will Boris Penth in seiner Dokumentation aufzeigen.
1959, als der Dalai Lama nach Indien flüchtete, führte auch Jamyang Khyentse die ganze Familie auf einem langen Pilgermarsch nach Sikkim. Das kleine Königreich im Himalaya wurde zur neuen Heimat von Sogyal Rinpoche. Dort erhielt er seine weitere buddhistische Ausbildung und besuchte eine katholische Schule. Als junger Mann ging er ins englische Cambridge, um Vergleichende Religionswissenschaften zu studieren. Mit der westlichen Mentalität vertraut, diente er jahrelang großen Meistern als Übersetzer und bereitete den ersten Besuch des Dalai Lama in Europa vor.
Der Film kehrt an die Stätten seiner Kindheit zurück, zeigt nie gesehene Aufnahmen von Tempeln und Wirkungsstätten großer Meister in Sikkim und entfaltet die Grundessenz buddhistischer Weisheitslehren: von der Meister-Schüler Beziehung über die tibetische Tradition reinkarnierter Tulkus bis zu den Lehren über Leben und Sterben.
Im Mittelpunkt des Wirkens von Sogyal Rinpoche heute steht der von ihm in Südfrankreich gegründete Tempel Lerab Ling. Dort werden derzeit mehrere hundert Menschen während eines 3-Jahres-Retreats in die Tiefen buddhistischer Tradition eingeführt. Dies ist ein historisches Novum: noch nie zuvor sind so viele Menschen im Westen aus ihrem Beruf und Alltag ausgestiegen, um sich über einen so langen Zeitraum hinweg einem tiefen und ernsthaften Studium buddhistischer Lehre und Praxis zu widmen. Was sie dazu bewegt und welche Erfahrungen sie machen, darüber berichten Teilnehmer im Film. Diese Aussagen dürfen als exemplarische Mosaiksteine zum Verständnis der kulturellen und gesellschaftlichen Befindlichkeit westlicher Menschen heute gesehen werden.
Auch John Cleese, der großartige Schauspieler und Mitbegründer der legendären Monty Python Gruppe, trägt zu verblüffenden Einsichten bei. Mit Hilfe des Premierministers der tibetischen Exilregierung, Professor Samdongh Rinpoche, geht der Film Themen wie Glückssuche, Mitgefühl und dem Sterben nach. Gerade das im Westen noch häufig tabuisierte Thema von Tod und Sterben, dem der Film viel Raum gibt, hat viele Menschen zu Sogyal Rinpoche und seinen Lehren geführt.
Als einer der letzten Lehrer, die noch in Tibet geboren wurden, und zugleich im Westen verwurzelt, gelingt es diesem wie nur wenigen, die Essenz der uralten Lehren den Menschen hierzulande nahe zu bringen - oftmals durchzogen von seinem ansteckenden Humor.
Indem der Film rund um existentielle Fragen des Menschseins kreist und dabei Glaubensüberzeugungen und Perspektiven eines anderen Kulturkreises präsentiert, lädt er dazu ein, eigene Anschauungen zu reflektieren und ein erweitertes Verständnis der eigenen und fremder Kulturen zu etablieren.
RÉSISTE! - Aufstand der PraktikantenBRD 2009 - Kinostart Deutschland: 12.11.2009
Regie: Jonas Grosch - Drehbuch: Jonas Grosch

Till (Hannes Wegener) ist Dauerpraktikant. Er arbeitet hart für wenig Geld und tut alles, um endlich eine Festanstellung zu ergattern. Diesmal hat er ein gutes Gefühl, sein Chef scheint ihn zu mögen. Doch als es zum Gespräch kommt, erhält er nur das Angebot, weitere sechs Monate als Praktikant zu bleiben.
Da hat Till die Eingebung: Er gründet eine Agentur, die die Arbeitsbedingungen ausgebeuteter Praktikanten verbessern soll - gegen Provision natürlich. Währenddessen trifft die temperamentvolle Sydelia (Katharina Wackernagel) in der Stadt ein, um ihre neue Stelle anzutreten. Was sie erst vor Ort erfährt: Sie soll ein Jahr als Praktikantin arbeiten. Wutentbrannt schließt sie sich Tills Firma an und plant den Aufstand.
Das Film-Ergebnis hält allerdings bei weitem nicht, was der Titel "Résiste!- Aufstand der Praktikanten" verspricht. Zwar plant eine Reihe von Praktikanten den Aufstand, doch der ist eher eine Rahmengeschichte für eine wirre Familienproblematik und eine nervige und überflüssige Liebesgeschichte. Natürlich ist Sydelia das Love-Interest von Hauptfigur Till, was von Anfang an klar ist, sich aber durch peinlich gestellte romantische Szenen erst anbahnen muss. Die meisten Dialoge wirken konstruiert und wollen für lustige Wendungen sorgen, verfehlen ihre Absicht jedoch größtenteils. Schnarch!
Die Wirtschaft schnarcht hingegen nicht. Der mysteriöse Mogul Magnum (Devid Striesow) droht mit Konsequenzen, sollte Till seine Agentur nicht an ihn verkaufen. Der weigert sich und hat plötzlich nicht nur die Firmenbosse gegen sich, sondern auch seine Freunde Tamara (Fanny Staffa) und Toto (Steffen C. Jürgens). Vorhersehbar und Gähn.
Statt die ständig zunehmende Masse der unterbezahlten und ausgebeuteten Praktikanten in den Vordergrund zu stellen, die für einen Hungerlohn einen Vollzeitjob machen und noch längst nicht darauf hoffen dürfen, danach eine Anstellung zu kriegen, wird immer wieder erwähnt, wie toll die 1968er Generation war.
Hier kommt mit Christof Wackernagel und Sabine Wackernagel die Verwandtschaft von Regisseur Jonas Grosch zum Einsatz. Sie erzählen ausführlich von den guten alten Zeiten. Damals ging man noch auf die Straße und machte auf Missstände aufmerksam. Damals war die Gesellschaft auch noch nicht so leistungsorientiert wie heute, wo man sich im Praktikum keinen Fauxpas mehr leisten darf - aus Angst vor schlechten Referenzen.
Da "Résiste" Jonas Groschs Abschlussfilm von der Filmakademie ist, kann man das ein oder andere Auge zudrücken. Dennoch merkt man, dass hier jemand zu viel für seinen Film gewollt, aber noch nicht richtig gekonnt hat.
DIE UNWERTIGENBRD 2009 - Kinostart Deutschland: 19.11.2009
Regie: Renate Günther-Greene - Drehbuch: Renate Günther-Greene

Waltraut Richard war im Erziehungsheim, Günter Discher gar im Jugendkonzentrationslager und Richard Sucker leistete als Vierjähriger Zwangsarbeit. Sie alle sind Opfer der faschistischen Rassengesetze, denn ihr Leben wurde von den Nationalsozialisten als unwert eingestuft. Noch heute leiden die Opfer unter den traumatischen Erlebnissen. Regisseurin und Autorin Renate Günther-Greene dokumentiert die schrecklichen Ereignisse und beleuchtet die Lebenswege der Überlebenden.
Ihren wissenschaftlich schlicht dummen und menschlich grausamen Rassengesetzen folgend, kategorisiert das Nationalsozialistische Dritte Reich ab 1935 neben Juden, Roma und Sinti, Homosexuelle und anderen gesellschaftlich nicht ins Konzept passende Gruppen auch zehntausende Heranwachsende als lebensunwert. Während der blonde arische Nachwuchs in der Hitlerjugend auf Linie getrimmt und zelebriert wird, werden unangepasste, behinderte oder aus anderen Gründen nicht ins faschistische Raster passende Kinder und Jugendliche zu Unwertem Leben erklärt und ausgesondert.
Waltraut Richard und ihre Geschwister kommen in Erziehungsheime, Günter Discher muss ins Jugendkonzentrationslager und Richard Sucker leistet als Vierjähriger Zwangsarbeit. Behinderte Kinder werden zu tausenden grausam ermordet, aber auch in den Heimen und Konzentrationslagern ist das Überleben eine Lotterie. Jahrzehnte nach Ende der nationalsozialistischen Terrorherrschaft bestimmen die grausigen Erlebnisse immer noch das Leben der wenigen Überlebenden.
Die sogenannten Nürnberger Rassengesetze wurden am 15. September 1935 vom damaligen Reichstagspräsidenten Hermann Göring in Nürnberg verkündet. Die Dokumentation von Regisseurin und Autorin Renate Günther-Greene beleuchtet dieses grausige Kapitel der Nationalsozialistischen Herrschaft. 'Die Unwertigen' handelt darüber hinaus auch von der gesellschaftlichen Verdrängung der Ereignisse nach 1945, dem zweiten Verbrechen an den unzähligen minderjährigen Opfern. Das Engagement gegen das Vergessen und der Kampf für finanzielle und moralische Wiedergutmachung sind der Antrieb vieler Überlebenden.
LIEBE MAUERBRD 2009 - Kinostart Deutschland: 19.11.2009
Regie: Peter Timm - Drehbuch: Peter Timm

'Liebe Mauer' ist eine romantische Komödie über eine skurrile, grenzüberschreitende Liebe von Regisseur Peter Timmt. Einmal mehr beweist er damit, dass Ost-West-Themen seine Spezialität sind. In den frühen 1990er Jahren hatte er mit "Go Trabi Go" und "Manta, Manta" große Erfolge gefeiert. Gedreht wurde unter anderem in Erfurt und Berlin, die Mauer-Szenen in Halle. Er wirft in einer Liebeskomödie seinen nostalgischen Blick auf die letzten Wochen vor der Maueröffnung.
Die freche dunkelblonde Studentin verliebt sich in den jungen Soldaten. Beide verabreden heimliche Treffen an der Mauer. Vertreter von Stasi und CIA sehen darin die Anfänge einer Revolte. Denn gerade hat die Massenflucht über die ungarische Grenze und die Prager Botschaft begonnen. Dabei versuchen die beiden Frischverliebten so viel Zeit wie möglich miteinander zu verbringen.
Die Studentin Franzi (Felicitas Woll) zieht im Herbst 1989 mit nicht viel mehr als ihrem Rucksack nach Berlin. Von ihrer Altbauwohnung direkt am Grenzübergang kann sie in den Osten schauen und entdeckt auf der anderen Seite der Mauer Sascha (Maxim Mehmet). Er ist Grenzsoldat wider Willen. Um den begehrten Medizinstudienplatz zu bekommen hat er sich zwangsweise für drei Jahre bei der Volksarmee verpflichtet.
Über die Grenze hinweg beginnt eine deutsch-deutsche Liebesgeschichte. Wie gut, dass Saschas Jugendfreundin Uschi (Anna Fischer) ihr so ähnlich sieht. Unbemerkt tauschen die beiden Frauen ihre Ost-West-Identitäten. Endlich kann Franzi über Nacht bleiben, doch ihr Rendezvous fliegt auf.
Unter den wachsamen Augen von Stasi und CIA, in deren Verlauf die Beiden nicht nur mit den ungebrochenen ideologischen Gegensätzen zwischen beiden Seiten der Grenze konfrontiert werden, sondern auch mitten in den Strudel der Ereignisse geraten. Ihre Liebe hat keine Chance, doch dann fällt die Mauer.
Regisseur Peter Timm liefert fast punktgenau zwanzig Jahre nach dem Mauerfall einen Blick auf die letzten Tage der DDR im Spiegel einer deutsch-deutschen Liebesgeschichte. "20 Jahre sind seit der Maueröffnung vergangen", sagt Produzentin Heike Wiehle-Timm ("Alles für meinen Vater", "Blueprint", "Ein Mann für jede Tonart"). "Viele Menschen haben die Bilder von damals noch im Kopf. Aber wir müssen Bilder finden, um sie auch den jungen Leuten von heute zu vermitteln.
Einerseits machen wir mit 'Liebe Mauer' einen historischen Film, andererseits wollen wir die Figuren so nah an den Zuschauer heranbringen, dass der historische Abstand verschwindet, dass keine Distanz zwischen Geschichte und Zuschauern entsteht - das Publikum soll sie wie eine heutige Lovestory erleben - also eine romantische Komödie: Liebe mit Hindernissen - in diesem Fall ist das Hindernis die Mauer. Doch die Liebe kann sie überwinden."
Auf humorvolle Weise erinnert der Film somit auch daran, dass trotz der Auflösungserscheinungen im Arbeiter- und Bauernstaat bis zuletzt keineswegs klar war, ob die "friedliche Revolution" so friedlich werden würde. Dass Regisseur Peter Timm, ansonsten eher für Filme wie "Go Trabbi Go" und "Manta - Der Film" bekannt diese Thematik mit einer "Liebe überwindet alle Grenzen" Botschaft verknüpft ist zwar nicht neu, aber durchaus publikumswirksam.
Eine gute Woche zu spät startet 'Liebe Mauer' in den deutschen Kinos - die Mauer fiel am 9. November 1989. Die Aufmerksamkeit angesichts der Feiern zum Mauerfall dürfte der romantischen Komödie dennoch sicher sein und die Produzentin zeigt damit zumindest ein Gespür für die geschickte Platzierung eines Filmstarts.
DAS GELBE SEGELUSA 2008 - Kinostart Deutschland: 19.11.2009
Regie: Udayan Prasad - Drehbuch: Pete Hamill

Die Teenager Gordy (Eddie Redmayne) nimmt in Louisiana 15-jährige Ausreißerin Martine (Kristen Stewart) mit. Beide sind auf dem Weg nach New Orleans. Unterwegs nehmen sie den zurückhaltenden Brett (William Hurt) mit. Gordy will seinen Vater besuchen. Martine fühlt sich von ihrem Vater vernachlässigt und will einfach weg von Zuhause. Brett hat erst sechs Jahre im Gefängnis verbracht und will sein altes Leben zurück. Er sehnt sich nach seiner großen Liebe May (Maria Bello). Dabei geht Brett der Frage nach, warum die Beziehung in die Brüche ging und ob es eine zweite Chance für ihn gibt.
Ehe sie ihr Ziel erreichen, werden sie von sintflutartigen Regenfällen gezwungen, die Reise zu unterbrechen. Sie übernachten im nächstbesten Motel. Der Sprüche klopfende Gordy vermutet in dem wortkargen Brett den Axt-Mörder. Das findet Martine gar nicht lustig, denn sie sieht den zurückhaltenden Außenseiter insgeheim als sympathisch an.
Aber alle drei sind sich fremd, vertrauen einander nicht und haben eigentlich nur die Gemeinsamkeit, dass sie vom Ort, an dem sie sich gerade befinden, weg wollen. Damit kommt ein Roadmovie in Gang, das seinen Weg nicht nur über die Straßen Louisianas der Post-Katrina-Ära, sondern vor allem zu den Innenwelten der Protagonisten nimmt.
Allmählich erfahren sie mehr über einander und sich selbst und fassen Vertrauen. Brett hat sechs Jahre im Gefängnis gesessen und wurde erst vor kurzem entlassen. Nun ist Brett unsicher, ob er in sein altes Leben zurückkehren kann. Die Erinnerungen an seine große Liebe May (Maria Bello) lassen ihn nicht los, doch er hat Angst, mit ihr Kontakt aufzunehmen.
Dieser Film ist ein stilles, dabei aber sehr packendes Roadmovie, das die pubertären Fragen in ein Gewand der ewigen Suche stekctz, um auch ja keinen Zweifel aufkommen zu lassen. dass die Neurosen . Spannung entsteht durch die Annahme, dass es sich bei Brett um einen Mörder handeln könnte. Der Zuschauer glaubt zunächst, in einem Horrorfilm zu sitzen. Er erwartet, dass der Mann die beiden Jugendlichen tyrannisieren wird. Denn er weist durch seine Introvertiertheit zunächst ähnliche Verhaltensweisen auf wie ein Psychopath.
Doch dann wird die Handlung subtil in eine andere Richtung gelenkt. Und dafür kann man Regisseur Udayan Prasad nur danken. Stoffe über psychopathische Killer, denen ausgerissene Jugendliche zum Opfer fallen, gibt es viele. Das Roadmovie bleibt bis zuletzt spannend, da die Vergangenheit des Protagonisten ganz langsam aufgedeckt wird. Das ist filmisch überzeugend umgesetzt. Prasad verwendet das Motiv des Wassers als Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Regen, Flüsse oder laufende Wasserhähne lassen bei Brett Erinnerungen an seine verflossene Liebe aufkommen.
Die Beziehung zwischen den Jugendlichen und ihrem erwachsenen Begleiter gehen in eine überraschende Richtung. Dabei inszeniert Udayan Prasad diese Reise zum Wesenskern seiner Figuren denn auch weniger durch informationstragende Dialoge, sondern über Blicke, Mimik und Gestik. Vor allem William Hurt gelingt hier eine nuancenreiche Darstellung: Brett ist zunächst der zurückhaltende, verschlossene Beobachter, der sich in der Welt neu zurecht finden muss. Die Teenager selbst sind mehr impulsiv als koordiniert, sie sind getrieben von sexueller Anziehung, dem Wunsch nach Halt, Akzeptanz und Selbstverortung in der Welt, mithin den Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens.
Kirsten Stewart (Twilight - Biss zum Morgengrauen, Twilight, 2008) verkörpert Martine sehr eindringlich zwischen emotionaler Unsicherheit und trotziger Selbstbehauptung. Eddie Redmayne (Elisabeth: Das goldene Königreich, Elisabeth -The Golden Age, 2007) zeichnet seine Figur als hoch sensiblen jungen Mann, der seine Empfindsamkeit mit blenderischer Coolness zu verbergen sucht.
Jedoch ist 'Das gelbe Segel', ein Remake des japanischen Films Shiawase no kiiroi hankachi (1977) von Yôji Yamada, ein durchweg konventioneller Film, dessen Linearität geradezu altmodisch anmutet, der seine Stärke allerdings aus den präzisen Beobachtungen des minimalistischen Wechselspiels seiner Protagonisten gewinnt, die er zu einem wirkungsvollen Stimmungsbild verdichtet.
NEW MOON - Biss zur MittagsstundeAustralien 2009 - Kinostart Deutschland: 26.11.2009
Regie: Chris Weitz - Drehbuch: Melissa Rosenberg

Der zweite “Twilight“-Teil “New Moon – Biss zur Mittagsstunde“ kommt früher in die deutschen Kinos als geplant. Die Vampir-Romanze sollte ursprünglich erst am 7. Januar 2010 laufen. Doch aufgrund reger Nachfrage und der Ungeduld der Fans hätte Concorde Filmverleih den Streifen jetzt vorverlegt. Der einzige Grund für den Verleih einen geplanten Kinostart zu ändern, dürften allerdings ganz banal die merkantilen Vorteile sein - in diesem Falle das Weihnachtsgeschäft.
Als der erste Teil der "Twilight"-Saga, →
"Twilight - Biss zum Morgengrauen", im Januar 2009 in die Kinos kam, löste die Teenie-Romanze eine wahre Massenhysterie aus. Die bis dahin unbekannten Hauptdarsteller Robert Pattinson und Kristen Stewart können seither keinen Schritt mehr vor die Tür setzen, ohne von Reporterscharen, Fotografen und Fans umringt zu sein. Sehnsüchtig wartete man auf die Fortsetzung, die nicht lange auf sich warten ließ.
Allerdings trennten sich die Produzenten von Regisseurin Catherine Hardwicke, die für den ersten Teil verantwortlich war. Hardwicke forderte mehr Vorbereitungszeit und wollte mit der raschen Fortsetzung keinen Qualitätsverlust akzeptieren. Die Zeit wollte man ihr nicht geben und so wurde Chris Weitz ("Der goldene Kompass") für die Fortsetzung engagiert. Den Fans wird's egal sein, sie schmachten auch so weiter für die beiden Hauptdarsteller.
Dass die Liebe zwischen der sterblichen Bella (Kristen Stewart) und Vampir Edward (Robert Pattinson) auf zahlreiche Hindernisse stoßen würde, war jedem klar. Doch dass sich Edward just am 18. Geburtstag von seiner ach so geliebten Freundin trennen würde, kam überraschend. Er kann gerade noch rechtzeitig verhindern, daß Bella von einem Vampir getötet wird und erkennt, dass Bella durch ihre permanente Nähe zur Vampirwelt in großer Gefahr schwebt
Edward reist samt seiner Familie ab. Für Bella bricht eine Welt zusammen. Sie kann sich ihr Leben ohne Edward nicht mehr vorstellen. Zunächst unbewusst, begibt sich Bella in immer größere Gefahren, da sie meint, in solch gefährlichen Situationen Edwards Nähe und seine Stimme wahrzunehmen. In dieser Zeit steht ihr Jacob Black (Taylor Lautner) zur Seite. Zwischen den einstigen Jugendfreunden entwickelt sich erneut eine feste Bindung. Bella kann sich auf den Teenager verlassen. Allerdings bemerkt sie nicht, dass sich Jacob langsam in einen Werwolf verwandelt, den Erzfeinden der Vampire.
Sehr zum Unmut zahlreicher Fans haben die Filmemacher die Wiesenszene, gewissermaßen das romantische Herz des Romans, total verfäscht: Der Dialog wurde auf andere Szenen verteilt, die Wiese selbst sieht aus wie eine halbherzige Osterdekoration, auf der Edward und Bella dann gerade mal gefühlte drei Sekunden verbringen. Bella stolpert nicht ganz so tollpatschig wie im Buch durch die Handlung und führt außerdem nicht Charlies Haushalt.
Enttäuschen dürfte auch einige Fans darüber sein, daß Schlußszenen ausgelassen, beziehungsweise stark abgeändert wurden und daß man Jaspers Fähigkeiten nicht einmal erwähnt. Dafür stimmt die Chemie zwischen den Hauptdarstellern, Billy Burke gibt einen erstklassigen Charlie ab und die "Kernsätze" sind alle drin. Zudem ist die Handlung mit Vorausdeutungen auf "New Moon" durchsetzt und weitaus actionreicher als im Buch. Für Fans des Buches auf jeden Fall empfehlenswert: Schön anzusehen, atmosphärisch dicht, überwiegend Charaktertreu und mit soliden schauspielerischen Leistungen.
Aus reinem Pragmatismus hat Weitz den Regieposten für den dritten Film der Twilight-Reihe abgelehnt. Aber die Frage stellt sich, ob er für den vierten Teil wieder bereit wäre: "Ich habe mit Summit noch nicht wirklich darüber gesprochen, alles was ich wusste, war, dass ich zu müde sein würde, um Eclipse – Bi(s) zum Abendrot zu machen, und dass es wohl besser wäre, jemand anderen diesen Posten übernehmen zu lassen."
Breaking Dawn, der vierte Teil der Reihe wird als kaum verfilmbar verhandelt. Chris Weitz sagte dazu: "Es ist hart. Es ist schwierig, weil die Reihe mit der Zeit anspruchsvoller wird." Aber entmutigen läßt sich der Regisseur dadurch nicht und meint nur: "Ja, es ist machbar. Alles ist machbar. Ich würde es sicher in Betracht ziehen". Aber da Eclipse – Bi(s) zum Abendrot von David Slade inszeniert wird, "wollen die Fans möglicherweise ihn und nicht mich als Regisseur für Breaking Dawn".