Das Bistum Hildesheim reicht vom Eichsfeld bis zur Nordsee, von der Weser bis zur Elbe. Eine riesige Fläche, in der die Katholiken oft sehr verstreut leben und Jugendarbeit in den Pfarrgemeinden wegen der langen Wege sehr schwierig ist. Das Bistum hat zwar Jugendpastorale Zentren in Hannover und Duderstadt eingerichtet, "aber nördlich der Autobahn A2 bis zur Nordsee macht der Fachbereich Jugendpastoral des Bistums den Jugendlichen zur Zeit kaum Angebote", beschreibt Pfarrer Wilk recht anschaulich die unerfreuliche Situation.
Nach seinem Dienstantritt im September 2008 hat sich Martin Wilk umgesehen und kam zu der Überzeugung: "Wir müssen zu den Jugendlichen in die Fläche gehen." In den vergangenen Monaten wurde daher unter seiner Leitung im Fachbereich Jugendpastoral die Initiative "HotSpots - Spirits and Live"- entwickelt. In allen 18 Dekanaten will der Pfarrer jeweils für zehn Tage an einer Kirche unweit einer Schule Quartier beziehen. Das Ziel der Initiative: Mit einem Team von sechs Freiwilligen will der katholische Geistliche mit Schülern über den Glauben sprechen und kirchliche Jugendinitiativen starten, die sich im Idealfall zu einer fest installierten Jugendkirche bündeln könnten.

Dafür hat sich Wilks Mannschaft bereits in jedem Dekanat eine Kirche zur vorübergehenden Jugendkirche auserkoren und zum HotSpots-Basislager bestimmt. Einzige Voraussetzung: Die Kirche muss in der Nähe einer Schule liegen. Mit einem Wohnmobil – eine Spende der "Caritas Hannover" – und Minibus samt Anhänger wird "HotSpots" dann vor Ort auftauchen. Verziert sind die Fahrzeuge mit einem farbenprächtigen HotSpots-Logo, das für Aufsehen sorgen soll. Mit im Bus und Wohnmobil: die Referenten Nils Junker, Patricia Hinz und Renate Grönniger sowie Julian Jäger, Fabian Boungard und Johanna Karge, die mit dem Projekt ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) verbinden.
Die Lage im Bistum Hildesheim ist exemplarisch für die Nöte der beiden grossen Kirchen in vielen deutschen Landstrichen: Die rückläufige Zahl an Gläubigen sowie schrumpfende Finanzen zwingen zu Einschnitten in die Infrastruktur. Gemeinden werden zusammengelegt und Kirchengebäude aufgegeben. Spezielle Angebote wie Jugendgottesdienste lassen sich da beim besten Willen nicht mehr überall organisieren - der Zugang zur vielfach desinteressierten Jugend wird noch schwieriger. Im Bistum Hildesheim soll die Zahl der Pfarreien von ursprünglich 348 auf 120 im Jahr 2014 sinken. Dutzenden der 438 Kirchen droht die Schliessung.
Die Kirche und die Gemeinde seien nicht attraktiv, sie fänden dort nur schwer einen Platz, hatten viele junge Leute dem 38-Jährigen Wick geklagt. Nun schlägt Wilk sein "HotSpots"-Basislager in der Provinz auf, etwa in Alfeld, Bückeburg oder Sarstedt. Das Wohnmobil mit Vorzelt soll zu einem Schülercafé werden, es wird eine Wanderausstellung aufgebaut und Jugendgottesdienste werden organisiert.
"Hotspots"sind eigentlich Einwahlpunkte für das Internet - am mobilen "HotSpot" der Kirche sollten Jugendliche sich ins Netzwerk des Glaubens einwählen können, wirbt Wilk. Im Gepäck haben die HotSpots-Mitarbeiter viele Ideen. Die Gastkirche könnte zehn Tage lang mit Licht, Ton, Stoff und Farbe zur Jugendkirche umgestaltet werden, in der dann auch jugendgerechte Jugendgottesdienste stattfinden sollen. Ausserdem wird die Wanderausstellung "Glaubenszone" aufgebaut. Sie ist das Ergebnis mehrerer Vorbereitungstreffen in den vergangenen Monaten.
Jugendliche haben sich dabei mit verschiedenen Aussagen des Glaubensbekenntnisses auseinander gesetzt und dazu interessante Installationen erarbeitet. Klar, dass HotSpots auch den Ministranten vor Ort ein spezielles Programm bietet. Für all das wollen die Verantwortlichen auf den Schulhöfen der Umgebung werben. Dazu wird das Wohnmobil mit einem Vorzelt zum Schülercafé umgebaut, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Bei der Werbung helfen professionell gestaltete Broschüren und Plakate und nicht zuletzt eine eigene →
Homepage.
Das Vorhaben des Jugendseelsorgers ist ambitioniert: In dem insgesamt auf drei Jahre angelegten Projekt will Wilk mit seinem Glaubens-Konvoi durch Niedersachsen touren. Danach will er entscheiden, wie es weitergeht. Eine Pause gönnt er sich nur in den Sommerferien. Wichtig ist ihm vor allem, ein Netzwerk zu den jungen Menschen zu knüpfen. "Auch Jesus war nicht überall", meint der Pastor, "aber viele haben seine Idee weitergetragen."
Und was ist, wenn das HotSpots-Team nach zehn Tagen wieder abzieht? Welche Nachhaltigkeit hat das Projekt? Pfarrer Wilk hofft, dass sich in jedem Dekanat mindestens vier Jugendliche finden, die den HotSpots-Gedanken weiter tragen, indem sie ein soziales Projekt oder eine kirchliche Initiative beginnen und wenigstens ein Jahr lang dabei bleiben. Bei 18 Dekanaten wären dies dann insgesamt 72 Jugendliche, zu denen der Fachbereich Jugendpastoral im Bischöflichen Generalvikariat engen Kontakt halten will. Diese Jugendlichen sind dann die eigentlichen "HotSpots": Knotenpunkte, zwischen denen ein Kontaktnetz geknüpft wird.