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Donnerstag, 9. September 2010
Cola-Kreuze in der Jugendkirche PDF Drucken
Geschrieben von pierre roh   
Montag, 31. August 2009
Jugendkriche stellt Cola-Kreuze aus"Wenn Sie kein Coca-Cola Schild mehr sehen, haben Sie die Grenzen der menschlichen Zivilisation erreicht." Dieser überhebliche Werbeslogan kennzeichnet bis heute das Image von Coca-Cola als die Weltmarke der "Blubberwasserhersteller" schlechthin. Ebenfalls ist das Kreuz sowohl als archetypisches Zeichen sowie als Zeichen des Christentums, das den universalen Heilswillen Jesu durch seinen Tod am Kreuz und die Auferstehung ausdrückt, weltweit bekannt und erfolgreich. Diese zwei "Megazeichen" hat Ruppe Koselleck strittig zu Coca-Cola-Kreuzen formatiert, bzw. schlicht zu sinnfreien Symbolen zusammengefügt, die am Samstag, 5. September, 18-24 Uhr, in der Jugendkirche effata! in Münster teilweise ausgestellt werden.

The Coca Cola Company ist ein weltumspannender Konzern. In nahezu jedem Land dieser Erde hat er eine eigene nationale Niederlassung gegründet. Der weisse Schriftzug des koffeinhaltigen Erfrischungsgetränkes auf rotem Grund darf als das weltweit bekannteste Firmenlogo bezeichnet werden, und das Chistentum ist einer der erfolgreichsten Religionsgemeinschaften, welche in Sekten und Sektionen unterteilt den Globus weltweit mit einem Netz von Kirchen umspannt. Sein Symbol ist das Kreuz.

Aus der Addition von Kreuz und Cola-Dose entstand das Cola Kreuz. Von jedem Land, in dem es eine nationale Coca-Cola-Company gibt, fertigt Koselleck ein Kreuz. Die Auflage seiner Arbeit ist also von der Verbreitung eines Erfrischungsgetränkes abhängig. Nach letzten Informationen wird es etwas mehr als einhundert solcher Kreuze geben, welche jeweils aus echten nationalen importierten Cola-Dosen bestehen.

Da das deutsche Cola-Kreuz bereits verkauft ist und in der westfälischen Kreuzsammlung zu Liesborn-Wadersloh inmitten eines Kreuzzuges vom Mittelalter bis zur Moderne hängt, kann man das germanische Cola Kreuz bereits nicht mehr erstehen. Auch das Japanische ist bereits in einer anderen Sammlung untergebracht, hängt im Franz-Hitze-Haus und das Länderkreuz in Abu Dabi wurde aus Protest abgehängt.

Das Koreanische dagegen bleibt noch unfertig, da Koselleck bislang noch auf die nationalen Dosen wartet. So muss man also jeweils auf den Fundus der aktuell verfügbaren Kreuze zurückgreifen. Dabei sind die Kreuze selbstähnlich, fast gleich. Weisser Schriftzug und weisses geschwungene Bildmarke auf rotem Grund.

Der immense Aufwand nationale Cola-Dosen aus den unterschiedlichen Erdteilen für die Produktion weiterer Kreuze heranzuschaffen, steht in dem Widerspruch zu dem kaum noch erkennbaren Unterschied des Sichtbaren. Das Populäre befördert eine selbstgewählte Gleichschaltung, für die der Kommunismus noch den Gulag brauchte und der Kapitlalismus bloss die Jeans, die Beatles oder ein Glas eisgekühltes koffeinhaltiges ...

Und doch weicht Koselleck von den Mustern der Pop-Art ab, in dem er dem kleinen Unterschied, sowie dem geringfügig abweichenden und der notwendigen Handarbeit einen seltsam romantischen Werkbegriff unterschiebt. Die Cola Dosen für seine Kreuze sind sensibel ausgewählte, hochachtungsvoll behandelte Massenprodukthüllen, denen der Blechschnitt und das genagelte Arrangement eine Resteinzigartigkeit im Ewiggleichen verleihen, die einen Kunstbegriff beschreiben, den Koselleck propagiert. Aus dem Nebensächlichen wird das Nebenwesentliche – das Nebenwesen selbst.

Das Cola Kreuz lässt sich weder auf eine moraline Kapitalismuskritik noch auf eine Kirchenanklage einschränken. Dass überall das Gleiche gleich, nur eben verschieden sei, findet in Koselleck's Cola Kreuz ein neues Symbol, welches in Zeiten der Globalisierung herzlich dazu einlädt missverstanden zu werden. Der Betrachtende sieht zwischen Blasphemie und Antiamerikanismus, zwischen Pro-Pop-Art-Absolutismus und Prä-post-non-profit (...) so ziemlich alles, was den Betrachter eben selbst auszeichnet. Der potentiell beleidigte Christ findet stets einen religiösen Eiferer, der das Cola Kreuz verteidigt.

Zwölf Coca-Cola-Kreuze werden nun am 5. September in der Jugendkirche gemeinsam mit dem Künstler Ruppe Koselleck installiert. Sie hängen im Gewölbe des Kirchenraumes, manche muss man erst entdecken. Die Ausstellung der Kreuze währt nicht lange. Lediglich eine Nacht werden sie in deiser Konstellation präsentiert. Die JuKi in Münster schliesst sich damit der "Langen Nacht der Museen" mit dem Projekt "Schauraum" an. Es wird also eine "Lange Nacht der Kreuze". In dieser Installation und in dieser Menge werden diese in Kürze wohl nicht mehr zu sehen sein.
 
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