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Freitag, 3. September 2010
JugendKIRCHE in Zeiten der Schweinegrippe PDF Drucken
Geschrieben von pierre roh   
Freitag, 21. August 2009
Drah di net um - die Schweinegripp geht um ... Auch in der Jugendkirche?
Vor Grenzen macht das Schweinegrippe-Virus nicht halt - und auch vor Kirchentüren nicht. In den ansonsten mehr als gut besuchten Wallfahrtsorten und Pilgerfahrten des Landes blieben bisher die erwarteten Besucherströme aus und so manchen Kirchgänger hat das Risiko einer Menschenansammlung und die damit drohende Ansteckung an den Sonntagen abgeschreckt - viele Gottesdienste blieben ungewöhnlich schlecht besucht. Nicht so in den Jugendkirchen: Die JuGodis, Events und Workshops vermelden keine Besuchereinbussen gegenüber der Zeit vor der Pandemie.
 
In Mexiko, dem Mutterland der Misere, blieben direkt nach Ausbrechen der Grippe die Beichtstühle in einzelnen Kirchen geschlossen, die Fenster und Türen dafür weit geöffnet - der guten Belüftung wegen. Auch ordnete die Erzdiözese Mexiko an, Messen so kurz wie möglich zu halten und nicht länger als fünf Minuten zu predigen.

Ähnliches weiss nun, Monate nach dem ersten Erkrankungsfall in Mexiko, auch Costa Rica zu vermelden. Dort fällt das traditionsreichste und wichtigste katholische Pilgerfest zu Ehren der Schutzheiligen "La Negrita" aus - zum ersten Mal seit 227 Jahren.

Wegen der geringen Entfernung zur Hauptstadt San Jose und des zu erwartenden Menschenandrangs sei eine weitere Ausbreitung des H1N1-Virus zu befürchten, begründeten Kirche und Gesundheitsbehörde unter der Woche die Entscheidung.

Doch nicht nur Amerika ist betroffen. Auch auf der anderen Seite des Erdballs, in Australien, zwingt das Virus die Kirche zum Handeln. Melbournes Erzbischof Denis Hart setzte etwa in seinem Bistum Umarmungen als Friedensgruss sowie Messwein zur Kommunion aus, um einer Ausbreitung vorzubeugen.

In Europa läuten vor allem Kirchen in Grossbritannien die Alarmglocken. In einem Brief an alle Bischöfe empfiehlt etwa die Spitze der anglikanischen Kirche von England, vorerst die Kelch- und Mundkommunion auszusetzen. Es sei nun angemessen, Leitlinien auf nationaler Ebene anzubieten, wie die Kirche angesichts der Schweinegrippe am besten die öffentliche Gesundheit beachten könne, heisst es in dem Schreiben der Erzbischöfe Rowan Williams und John Sentamu.

Aus Rom drang bislang kein Notfallplan zur Schweinegrippe an die Öffentlichkeit. Ähnlich in Deutschland, wo es bislang keine Einwände gegen Wein, Weihwasser und Umarmungen beim Friedensgruss gibt. Vorbeugemassnahmen seien bislang angesichts der geringen Zahl der Vorfälle nicht ergriffen worden und auch nicht geplant, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn.

Seit Beginn der Ferien stieg allerdings die Zahl der registrierten Schweinegrippe-Fälle in Deutschland deutlich an - ein eher unerwünschtes Mitbringsel aus fernen oder auch nahen Ländern. Die katholische Kirche und die evangelischen Kirchenkreise reagieren jedoch gelassen.

Die "Schweinegrippe" ist erstmalig im April 2009 in Mexiko und den USA registriert worden. Die Symptome der neuen Grippe sind ähnlich der einer saisonalen Grippe (Influenza), vor allem Fieber, Atemwegsbeschwerden und Gliederschmerzen. Nach bisherigen, vorläufigen Erkenntnissen betreffen schwere, selten auch tödliche Verläufe, insbesondere Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen, z.B. Asthma, Diabetes oder Herzkreislauferkrankungen.

Inzwischen ist der Erreger weltweit in über 70 Staaten nachgewiesen worden. Die WHO (World Health Organisation = Weltgesundheitsorganisation) hat am 11.06.2009 die so genannte Phase 6 ausgerufen, die charakterisiert ist durch fortgesetzte Mensch-zu-Mensch-Übertragungen des neuen Influenzavirus in einer zweiten der insgesamt sechs WHO-Regionen. Mit der Höherstufung bildet die Weltgesundheitsorganisation die Situation der vergangenen Tage und Wochen ab, in denen immer mehr Staaten Erkrankungsfälle bestätigt haben.

In der BRD sind bisher rund 14'000 Infektionen bekannt geworden. Grundsätzlich müssen wir davon ausgehen, dass weiterhin infizierte und erkrankte Person einreisen, möglicherweise aber auch Infektionen in Deutschland stattfinden werden.

Der Sprecher der Evangelischen Kirche im Rheinland, Jens Peter Iven, sagte, dass die Entwicklung der neuen Grippe aufmerksam, aber unaufgeregt beobachtet werde. Massgeblich seien Leitlinien des Landeskirchenamts in Düsseldorf und der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn, Matthias Kopp, teilte mit, dass entsprechende Hygiene-Empfehlungen zur Grippe-Pandemie nicht herausgegeben würden.

Derartige Äusserungen erklären auch das relaxte Verhalten der Jugendkirchen, die der Epidemie bei den JuGodis eher mit Gleichmut begegnen: "Wenn die Oblate oder das Brot lediglich in den 'Wein' eingetunkt werden, ist die Ansteckungsgefahr unbedeutend." Aus Furcht vor der Schweinegrippe sollte nach Ansicht der Hamburger Bischöfin Maria Jepsen niemand auf das Abendmahl verzichten.

Angst oder gar Panik würde die Menschen nur lähmen, so die Bischöfin. Auch auf den Händedruck beim Friedensgruss müsse niemand verzichten. Schon in der Vergangenheit habe die Kirche bei Erkältungs- oder Grippewellen nicht vom Friedensgruss abgeraten. Sicherlich sei es aber sinnvoll, sich gerade in diesen Tagen öfter die Hände zu waschen.

Dennoch: Besondere Vorsichtsmassnahmen gelten beim Abendmahl bzw. den Eucharistiefeiern; sofern sie noch stattfinden. Da sich die Schweinegrippe durch Tröpfcheninfektion überträgt, sind Hautkontakt, (Friendens-)Küsse, Händeschütteln, Anhusten und Anniesen zu vermeiden. Mundschutz sowie Händewaschen sind probate aber nicht ausreichende Hilfsmittel zum Ansteckungsschutz.
"Der beste Schutz gegen Influenza ist Impfung", ist die Gesundheitsministerin Ulla Schmidt überzeugt, um die unkontrollierte Verbreitung des Virus in den Griff zu bekommen und die Todesrate möglichst gering zu halten, denn trotz des bislang milden Verlaufs der Grippe könnten Todesfälle in der BRD nicht ausgeschlossen werden. Allerdings rät sie bislang davon ab, Kinder impfen zu lassen. Zunächst sollten die klinischen Studien abgewartet werde. "Grundsätzlich kann ich aber jeder impfen lassen, der das möchte", versprach Schmidt.

Der Impfplan sieht vor, dass ab September vor allem medizinisches Personal, chronisch Kranke, Polizisten und Feuerwehrleute zuerst zu impfen. Allerdings haben amerikanische Experten nun herausgefunden, dass der Impfplan der Bundesregierung und anderer Ländern nicht der effizienteste bei diesem Virus sein wird. Es sei, so schreiben die Forscher Jan Medlock von der Yale Universität in New Haven in Connecticut und Alison Galvanie von der Clemson Universtität in South Carolina im Fachjournal "Science", wesentlich sinnvoller, zuerst Schulkinder und ihre Eltern zu impfen.

Die Forscher stützen ihre Aussage auf Programmierungen, die sie unter anderem mithilfe von Daten zur Spanischen Grippe von 1918/1919 erstellt hatten. WHO-Experten setzen dieser Studie entgegen, dass das Virus sich bereits so stark ausgebreitet hat, dass es nicht mehr darauf ankäme, die Verbreitung zu stoppen. Vielmehr gehe es jetzt darum, die besonders gefährdeten Personen zu schützen.
In den USA hat das Christliche Notfall-Netzwerk (Phoenix/Bundesstaat Arizona) Christen aufgerufen, sich auf den Fall einer Epidemie in ihrer Umgebung einzustellen. Sie sollten nicht nur daran denken, sich selbst zu schützen, sondern sie sollen auch für betroffene Mitbürger da sein. Eine Infektionswelle verlangt nämlich nicht nur nach medizinischer Hilfe. Vielmehr ist zudem Seelsorge gefragt - und Panik sollte unter allen Umstäänden vermiden werden!

Auch der Präsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Hermann Barth, riet zur Ruhe: "Wir nehmen das beklommene Gefühl von Gottesdienstbesuchern zur Kenntnis, die sich vor einer Ansteckung fürchten", sagte Barth. Sollte die Zahl der Erkrankten besorgniserregend steigen, werde es auch eine schriftliche Empfehlung an die 22 Landeskirchen in Deutschland geben.

Doch verstärkte Aufklärung und vorbeugende Massnahmen täten Not, da die Verbreitung der Schweinegrippe in den kommenden Monaten laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) massiv zunehmen und auch mehr Todesopfer fordern wird. In vielen Ländern könnte sich die Fallzahl bald alle drei bis vier Tage verdoppeln, warnte der WHO-Direktor für die Region des westlichen Pazifik, Shin Young Soo. Allein in Deutschland sind nach Angaben des Robert Koch Instituts mehr als 4000 neue Fälle des Virus gemeldet worden. Bei vielen der Erkrankten handelt es sich um Urlaubsrückkehrer, vor allem aus Spanien.

"Wir können nicht mit Sicherheit sagen, ob das Schlimmste vorbei ist oder ob das Schlimmste noch kommt", sagte WHO-Chefin Margaret Chan in einer Videobotschaft zum Auftakt eines dreitägigen Treffens von Experten aus dem asiatisch-pazifischen Raum in Peking. "Wir müssen aber auf jede Überraschung vorbereitet sein, die dieses Virus uns noch bereitet. Und wir müssen uns auf eine zweite oder sogar eine dritte Welle der Ausbreitung vorbereiten." Schliesslich habe es bei vergangenen Pandemien meist mehrere Wellen gegeben, sagte Chan.

"Ab einem gewissen Punkt wird es so scheinen, als gebe es eine Explosion der Fallzahlen", sagte Shin auf einer Tagung von Gesundheitsexperten in Peking. "Es ist sicher, dass es mehr Fälle und mehr Tote geben wird." Bis vergangene Woche sind dem neuartigen Erreger laut der in Genf ansässigen Organisation WHO fast 1.800 Menschen erlegen.
 
Weitere Informationen
Informationen des Robert-Koch-Instituts (RKI): www.rki.de

Informationen der WHO (World Health Organisation): www.who.int

Informationen der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention): www.cdc.gov

Informationen der EU: www.europa.eu/health

Informationen des Auswärtigen Amtes: www.auswaertiges-amt.de

Informationen des Bundesministeriums für Gesundheit: www.bmg.bund.de

Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.bzga.de

Gebiete mit bestätigten Fällen: www.flutracker.rhizalabs.com

Informationen zu persönlichen Schutzmassnahmen bei Virusinfektionen auf der Internet-Seite www.wir-gegen-viren.de

Kostenlose Info-Rufnummer des Bundesministeriums für Gesundheit:
Tel. 0800 44 00 55 0 (Mo-Do 8-18 Uhr, Fr 8-12 Uhr)

 
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