Die Kirchgemeinde Zittau hat in ihrer Vergangenheit verschiedene Formen von Jugendarbeit erlebt. Jede Form hat zu ihrer Zeit ihre Berechtigung. Jedoch ist gerade dieser Bereich einem stetigen Wandel ausgesetzt. Die Lebensformen von jungen Menschen ändern sich fortwährend - die Zeit nach 1989 machte dies besonders in der ehemaligen DDR gravierend deutlich. Die Kirche als nunmehr ein "Anbieter" unter vielen anderen (und die Zittauer Jugendhilfelandschaft ist sehr vielfältig) ist unter anderem mit folgenden Problemstellungen konfrontiert:
- weiterhin Abwanderung von Kindern und Jugendlichen
- oft bleiben sozial schwierige Kinder und Jugendliche in der Region
- junge Menschen wollen sich vor allem treffen und miteinander ins Gespräch kommen – Themen sind erst in zweiter Linie interessant
- das Freizeitangebot ist sehr differenziert und qualitativ z.T. sehr hochwertig
- Angebote leben von der Person und dem Ort
Einbindung in längerfristige Verantwortung ist schwieriger geworden, Engagement muss zeitlich überschaubar sein, da die Anforderungen in den Schulen stetig höher werden. Und deshalb: Chancen ergreifen können, Zuversicht stärken, das soll in der JuKi Zittau auf eine jugendgemässe Weise, d.h. in einer Form geschehen, die von den jungen Menschen verstanden wird. Evangelium hat immer etwas mit Verstehen zu tun. Die Lebenswelt der Jugendlichen, ihre Kultur und Ausdrucksweise, ihre Denkansätze sind oft so anders, als in der Erwachsenenwelt und erst recht in unseren normalen kirchlichen Bezügen.
Konkret heisst das, christliche Grundwerte neu definieren und diese in das gesellschaftliche Leben wieder stärker zum Tragen kommen lassen. Dies könnten beispielsweise Verhaltensformen der gegenseitigen Wertschätzung, Achtung, Verantwortung und Verbindlichkeit sein und junge Menschen können hier zum Impulsgeber für ihr Umfeld und auch für die Kirchgemeinde werden.
Darum ist es wichtig, diese Zielgruppe speziell anzusprechen. Das geschieht in der Auseinandersetzung mit Kirche, Glauben, und anderen Jugendlichen. Jugendkirche soll Glauben erfahrbar, wahrnehmbar, erlebbar machen. Das ist für alle Menschen wichtig, für Jugendliche in der Phase des Orientierens jedoch besonders.
"Wir möchten, dass junge Menschen ihre Begabungen entdecken und entfalten können. Dabei helfen wir – wie andere Träger der Jugendhilfe auch – Leben zu entfalten und Ressourcen zu fördern. Deshalb sollen sich die Jugendlichen auf die vielfältige Weise mit unterschiedlichsten Themen ernsthaft und jugendgemäss auseinandersetzen können", ist das konkrete Anliegen der ev. Jugend in Zittau. An einem offenen Abend, am 2. September 19:30 Uhr, wird deshalb im Gemeindesaal auf der Pfarrstrasse 14 die Konzeption einer JuKi in ihrer bisherigen Fassung vorgestellt und diskutiert werden.
Danach wird sich der Kinder- und Jugendausschuss der Kirchgemeinde mit dem Entwurf befassen und eine Beschlussvorlage zur Gründung der "Jugendkirche” und den ersten Schritten fassen, die dann im folgenden Kirchenvorstand im September oder Oktober beschlossen werden soll.
"Jugendkirche" in der Weberkirche ?In der Weberkirche sollen sich die Funktionen und Ausstattungen schrittweise in einem längeren Zeitraum entwickeln, der vor allem im Sinne des vorliegenden JuKi-Konzeptes gut begleitet werden muss. Nach dem vorliegenden Förderantrag bei EFRE wird zunächst neben der Dachsanierung ein kleines "Sozialgebäude" auf dem Gelände des alten Friedhofs (Weberpark) entstehen.
In diesem sollen WCs für Männer/Frauen und extra für RollstuhlfahrerInnen, eine kleine Küche und ein Raum für einen Arbeitsplatz und bis zu 15 Personen Platz finden. Hier wird vor allem ein Ansprechpunkt für die Menschen rund um die Weberkiche entstehen. Eine anteilige Stelle für eineN SozialpädagogIn ist Beratungspartner, vermittelt zu anderen Hilfeangeboten usw.
Der Raum kann genutzt werden für Einzel- und Gruppengespräche. Weiterhin eröffnet er eine Reihe von Möglichkeiten für Feste im Rahmen der kirchgegemeindlichen Arbeit, z.B. auch zur räumlichen Absicherung des Kindergottesdienstes. In der Kirche selbst sollen die personellen Möglichkeiten genutzt werden, um für Zittauer und Touristen einen Informationspunkt u.a. auch mit speziellen Angeboten der Zittauer Kirchgemeinde einzurichten.
In der Kirche wird zudem eine fest installierte Ton- und Lichtanlage, einschliesslich Beamer vorgesehen. Perspektivisch ist neben einer farblichen Auffrischung des Kirchenraumes auch eine Entkernung sinnvoll. Zumindest ein Teil der fest eingebauten Kirchenbänke sollte aus der Kirche entfernt werden, um mehr Flexibilität zu ermöglichen (Theater, Band...) Die Altargestaltung sollte zeitgemäss und jugendlich sein.
Gegenwärtig prüft ein Architekturbüro, inwieweit es realisierbar sein könnte, auf Emporen, im Unterraum und im Dachgeschoss Proberäume, Gruppenräume für Woirkshops etc. und Übernachtungsmöglichkeiten einfachsten Standards einzurichten. Dieses sollte schon jetzt als eine Planungsoption für den weiteren Ausbau der Kirche weiterverfolgt werden. So könnte perspektivisch z.B. TEN SING aus der Apostelkirche ins Zentrum Zittaus ziehen.
"Wir haben uns zu mehreren Zukunftswerkstätten getroffen, in denen wir zusammengetragen haben, wie Kirche sein muss, damit Jugendliche sich wohlfühlen. Ich habe nun all das genommen, die aktuellen Möglichkeiten angeschaut und ein erstes Konzept für eine 'Jugendkirche' geschrieben", sagt der Gemeindepädagoge Friedemann Herbig, und "vieles holpert noch und ist sicher nicht zu Ende gedacht. Zum Beispiel möchte ich die Sozialarbeit noch etwas detaillierter herausarbeiten… Manches seht ihr vielleicht anders."
"Bitte beteiligt euch an der Diskussion", fleht deshalb Friedemann. Dazu sind ausdrücklich ALLE interessierten Menschen, die sich in der Kirchgemeinde engagieren wollen, eingeladen, denn "die Dinge sind weiter im Fluss, vor allem was die Finanzen anbetrifft - aber das soll uns nicht an grossen und wichtigen Visionen hindern", wie auch jetzt schon die regelmässig stattfindenden Jugendgottesdienste beweisen: