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Freitag, 30. Juli 2010
JUGENDKIRCHE Pierre sein FILMTIPp 08-09 PDF Drucken
Geschrieben von pierre roh   
Montag, 3. August 2009
JUGENDKIRCHE FILMTIPp
Bis vor einigen Jahren waren vor allem amerikanische Serien darauf ausgelegt, den Zuschauer nicht zu "verlieren". Sollte der Episodenjunkie eine Folge verpassen, musste er jederzeit wieder ohne Probleme in den Handlungsstrang einsteigen können. Experimente wie David Lynchs komplexe Mystery-Serie "Twin Peak" waren in Übersee die ganz grosse Ausnahme. Im Globalisierungs-Zeitalter hat sich das längst verändert. Selbst Krimiserien wie "NCIS" und Co. kommen trotz einer klaren "Case-Of-The-Week"-Ausrichtung nicht mehr ohne fortlaufende Geschichte aus. Und damit ist keineswegs nur die Charakterentwicklung gemeint, sondern manchmal werden auch Fälle über mehrere Episoden oder sogar eine ganze Staffel bearbeitet.

Noch weiter gehen die sogenannten "Serials", deren moderner Vorreiter die Echtzeit-Agenten-Serie "24" ist. Bei Werken wie "Prison Break", "Lost" oder "Dexter" macht es schlicht und einfach keinen Sinn, mal hier und da eine Episode zu schauen. Man muss wahlweise die Serie oder einzelne Staffeln als Ganzes betrachten. Auch immer mehr Kino-Filme haben inzwischen diese Ausrichtung, wie → Harry Potter,
Twilight, → X-Men und vor allem' Herr der Ringe' beweisen.

In diesen Filmen werden die Individuen in der Regel sehr ausführlich mit ihren dramaturgischen Lebensereignissen durch ihre Rolle definiert. Stehen nun aber die Bausteine der konstruierten Welt, also z.B. Elemente der Filmbilder oder aber die einzelnen subjektiven Eindrücke, die man akzeptiert und "mitlebt", in Verbindung mit einer objektiven Realität, stellt sich die Frage: Gibt es Grundpfeiler in der Wahrnehmung, die eine feststehende Bedeutung haben und die erklären, weshalb der Hang nach einem 'roten Faden' zunimmt?

Ein Lebensbereich, in dem es besonders um die fundamentale menschliche Wissensgier gepaart mit partieller Verunsicherung geht und in dem diese Fragestellung seit Urzeiten Bestand hat, ist die Religion. Von ihr sind aber die Philosophie, die Kunst, und hier vor allem die cineastische Kunst, nicht weit entfernt. Immer standen Religion, Philosophie und Film in einem engen Verhältnis zueinander, mal geprägt durch Misstrauen, mal durch Ablehnung oder Übereinstimmung und immer schreckte das Eine vor dem Anderen. Gerade im Film, der wohl einflussreichsten Kunstform des 20. Jahrhunderts, zeigt sich dieses Wechselverhältnis deutlich.

In den letzten Jahren lässt die Popularität von Filmen wie der Matrix-Trilogie darauf schliessen, dass die Frage der Wahrnehmung und ihres Realitätsbezugs, aber auch deren vielfältige religiöse Implikationen, einer breiten Öffentlichkeit wichtig erscheinen. Deshalb bedienen die sogenannten 'Blockbuster' in der Regel die akzeptierten und erwarteten dramaturgischen Muster innerhalb einer Gesellschaftsform und werden bestimmt durch die sozialen, religiösen sowie politischen Normen, denen die Mehrheit folgen kann.

Aufgrund der Globalisierung und des zunehmenden Konsumierens für andere als dem eigenen westlichen Kulturkreis zugehörigen Films, erscheint jedoch eine längere Einführung immer notwendiger, um den Handlungssträngen, die sich sehr oft den eigenen kulturellen Erfahrungen entziehen, überhaupt folgen zu können. Die Auswirkungen sind ein zunehmendes sich veränderndes Filmverständniss und ein Öffnen für neue Toleranzspektren.

Die Filmstoffe sind in jeder Kultur unterschiedlichen Betrachtungsweisen unterworfen und wie die Rollen in einem Film enthält auch das Rollenverständnis innerhalb einer Gesellschaft Themen, Figuren, Anweisungen, Kostüme, Kulissen, Szenen und irgendwann zwangsläufig einen Abspann.

Adventureland

USA 2008 - Kinostart Deutschland: 30.07.2009
Regie: Greg Mottola - Drehbuch: Greg Motto
la

James Brennan (Jesse Eisenberg) hat gerade das College abgeschlossen, eine Kurzzeitbeziehung hinter sich, ist weiterhin Jungfrau und freut sich daher auf den anstehenden Sommertrip mit seinen Freunden ins weniger bigotte Europa. Doch als sein Vater (Jack Gilpin) versetzt wird und nun finanziell nicht mehr so gut dasteht, fällt nicht nur die schon zugesagte Reise flach - um sich sein Wunschstudium an der renommierten Columbia University finanzieren zu können, ist James zudem gezwungen, sich einen Ferienjob zu suchen.

Nach einigem Suchen findet er eine Anstellung im lokalen Freizeitpark "Adventureland" und darf sich fortan mit schlecht gelaunten Gästen, seinen kuriosen Chefs (Bill Hader, Kristen Wiig) und seinen nicht weniger sonderbaren Kollegen herumschlagen. Einer der wenigen Lichtblicke des Jobs ist die rebellische, ebenfalls im Park arbeitende Em (Kristen Stewart), die jedoch heimlich in einer Beziehung mit dem älteren Mike (Ryan Reynolds) steckt, dem Frauenschwarm des Parks. Mit Hilfe seines neuen Kumpels Joel (Martin Starr) und der attraktiven Aussenseiterin wird die Arbeit im "Adventureland" einigermassen erträglich. Bis sich James in Em verliebt und dadurch sein kompletter Gefühlshaushalt durcheinander gebracht wird, zumal Em zwar seine Gefühle erwidern zu scheint, sich aber offenbar nicht wirklich binden möchte.

"Adventureland" wurde bereits 2008 gedreht, noch bevor die 
"Twilight"-Blutsauger mega-erfolgreich wurden. Dass es die Sommerkomödie nun doch noch ins Kino schafft, ist wohl den Fans von Kristen Stewart und Co. zu verdanken. Die Wartezeit bis zum nächsten "Twilight"-Abenteuer wird jedenfalls ein bisschen verkürzt: "Biss zur Mittagsstunde" startet erst am 7. Januar 2010 in den Kinos.

Bis dahin vergnügt sich Kristen Stewart als Em mit ihrem Filmpartner Jesse Eisenberg, der James spielt, zwischen Karussells und Zuckerwatte. Entspannend ist das nicht: Im "Adventureland" regiert das pure Chaos - und da sind einige Lacher garantiert. Trotzdem ist der Film nicht albern, sondern eine liebenswerte Geschichte über grosse Träume, die erste Liebe und das Erwachsenwerden.

Regisseur Greg Mottola bewies schon mit "Superbad", dass er etwas von Humor versteht. Die gelungene Mischung aus derber Komik und sympathischen Figuren machten die Teenie-Komödie zum legitimen Nachfolger von "American Pie". Kein Wunder also, dass Mottolas neuester Film "Adventureland" als ähnlich geartetes Werk vermarktet wurde, um all diejenigen Zuschauer, die "Superbad" mochten, noch einmal ins Kino zu locken.

Doch leider hat das dem Film mehr geschadet, als genutzt, denn "Adventureland" ist, trotz einiger derber Gags, ein sehr viel erwachseneres, zärtlicheres und vor allem besseres Werk, als "Superbad". In seinem neuen Film erinnert er sich an die eigene Jugend: Auch Mottola hat einen Sommer lang in einem Freizeitpark gejobbt. In einer Nebenrolle am Schiessstand zu sehen: Frauenschwarm Ryan Reynolds, derzeit an der Seite von Sandra Bullock in → "Selbst ist die Braut" im Kino.

 
Maria, ihm schmeckt’s nicht!
 
BRD, Italien 2009 - Kinostart Deutschland: 06.08.2009
Regie: Neele Leana Vollmar - Drehbuch: Daniel Speck und Jan Weiler - Buch: Jan Weiler

Jan Weilers Romanbestseller 'Maria ihm schmeckt’s nicht!' erobert jetzt die Kinoleinwände. Lino Banfi und Christian Ulmen interpretieren die liebevoll gezeichneten Hauptcharaktere der gleichnamigen Sommerkomödie und ist gleichzeitig eine geradezu grimmige Konfrontation der Kulturen. Regisseurin Neele Leana Vollmar ("Friedliche Zeiten") inszenierte den Film charmant und witzig in Apulien, München, Krefeld und Duisburg. Der Film spielt dabei humorvoll auch mit den leisen Tönen deutsch-italienischer Missverständnisse.

Jan (Christian Ulmen) möchte die Deutsch-Italienerin Sara
(Mina Tander) heiraten. Ganz unspektakulär. Nur standesamtlich. Doch Jan hat die Rechnung ohne seinen zukünftigen Schwiegervater gemacht. Antonio Marcipane (Lino Banfi), der 1965 als Gastarbeiter nach Osnabrück kam und mit der Deutschen Ursula (Maren Kroyman) verheiratet ist, verlangt eine Hochzeit in Süditalien. Basta!

Jan und die Marcipanes reisen nach Campobello, um die grosse Familienfeier mit der ganzen Sippschaft vorzubereiten. Da schlummert viel Raum für Missverständnisse, wenn Jan seiner Verlobten Sara in die süditalienische Heimat des väterlichen Familienzweigs folgt. Ziel: Hochzeit mit allen Verwandten.

Man möchte ihn am liebsten mit einem Mützchen ins Bett schicken, so routiniert gibt Ulmen den Michel mit strähnigem Haar, blässlicher Haut und schüchterner Ordnungswut. Herr Lehmann war ja in mancherlei Hinsicht so etwas wie die Apotheose des Deutschtums, weshalb sich Ulmen als dessen Interpret schon fast zwangsläufig anbietet.

Konfrontiert mit südlichem Temperament, apulischer Küche, weichen Betten und harter Bürokratie, muss Jan sich schon bald fragen, ob Sara und ihre Familie wirklich die Richtigen für ihn sind. Da verschluckt sein künftiger Schwiegervater kurzerhand den Trauring des Schwiegersohns, um ihn zum Tragen des urgrossväterlichen Erbstücks zu zwingen, und gibt ihn dann einige Zeit später, aus der Toilette tretend, ganz nonchalant zurück: "Den hat jemand liegenlassen."

Der italienische Komödien-Superstar Lino Banfi setzt eine beachtliche Leibesfülle und den schnoddrigen Bariton als Schwiegervater in spe so überzeugend ein, dass sein Antonio spielend zum Zentrum des Filmes wird. Chronisch unfähig, über die eigenen Handlungen Rechenschaft abzulegen, und Diktator in einer Welt, die neben ihm selbst nur Komparsen zulässt, ist es unmöglich, sich seinem Charisma zu entziehen.

Der eingangs erwähnte Zusammenprall der Kulturen ereignet sich dermassen drastisch, dass einem die ständigen Zynismen der Marke: "Ich kann nicht anders, ich bin ja Deutscher!" ziemlich schnell gehörig auf die Nerven gehen. Die Kategorien des Deutschen und des Italienischen werden zu massiven Blöcken der Selbstverleumdung und radikalen Abgrenzung, ohne dass der Film mit überraschenden Einsichten aufwarten könnte.

Und so verspielt Vollmar die Möglichkeiten der Ausgangssituation, uns durch die Komödie Einblicke in das Wesen kultureller Identitäten zu verschaffen. Stattdessen empfindet man zuletzt vor allem eines: dass hier leider doch eher Klischees bedient werden, als dass man mit ihnen spielte. Nationale Zugehörigkeit als Gefängnis des Individuums.

Summertime Blues 
 
BRD - Kinostart Deutschland: 20.08.2009
Regie: Lisa Marie Reich - Drehbuch: Friederike Köpf, Uschi Reich, Robin Getrost - Buch: Julia Clarke

Ganz nebenbei eröffnete ihm seine Mutter Diana, dass sie sich von Alex' Vater Steffen scheiden lassen wird. Und es kommt noch dicker: Mandy, Steffens neue Freundin, ist schwanger - und Diana will mit ihrem neuen Lover Seth den Sommer in Südengland verbringen. Schweren Herzens und mit dem unguten Gefühl, seiner Wurzeln beraubt zu sein, muss Alex mit Diana und Seth von Bremen nach Kent reisen - und verschanzt sich hinter einer Mauer aus Coolness und Sarkasmus.

Nun sitzt er hier in der Pampa und will nichts anderes als zurück. Nachts ist es zu dunkel und zu still, er vermisst seine Freunde, und überhaupt, ihm fehlt die Zivilisation. Doch dann macht Alex die Bekanntschaft der pfiffigen jungen Engländerin Louie und die reisst Alex ein wenig aus seinem Gefühls-Tief. Louie ist engagiert, witzig, unabhängig - und sie hat ein grosses Herz für Tiere.

Sie zeigt Alex die Schönheit in den Wäldern dieses vermeintlich öden Kaffs im Nirgendwo. Und als dann noch Seths Tochter Faye auftaucht, steht Alex' emotionale Welt vollends Kopf. Faye ist smart, stark, vernünftig und verdammt hübsch. Obwohl er sich anfangs dagegen wehrt, kann Alex nicht anders als sich in sie zu verlieben. Allerdings muss er erstmal Ordnung in seinem Leben schaffen.

Nach der überstürzten Heimkehr nach Bremen stellt sich Alex der Tatsache, dass Schmerz und Verantwortung ebenso zum Erwachsenwerden gehören wie Unbeschwertheit und grosse Gefühle. Und langsam, aber sicher wird ihm klar, wo sein Platz im Leben ist - und wem sein Herz gehört. Denn Verliebtsein ist gar nicht so einfach und Erwachsenwerden schon gar nicht.

Summertime Blues ist temporeich und witzig, bewegend und gleichzeitig unwiderstehlich, lustig, traurig und manchmal beides zugleich.  Nun soll die Geschichte hier in erster Linie aus der Perspektive des Jungen erzählt werden, da ist eine gewisse Einseitigkeit natürlich statthaft, aber auch Alex' Innenleben bleibt letztlich unterbelichtet. Allzu selten werden seine widersprüchlichen Gedanken und Gefühle so zum Ausdruck gebracht wie in einigen Off-Kommentaren, durch die seine Wünsche und Absichten mit seinem tatsächlichen Handeln kontrastiert werden.

Der Film ist das Regiedebüt von Marie Reich und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Julia Clarke. In Deutschland werden rund 39 Prozent aller Ehen geschieden, etwa 150.000 Kinder unter 18 Jahren sind davon betroffen und insbesondere für die Sprösslinge bewahrheitet sich in den meisten Fällen das alte Sprichwort: Scheiden tut weh. Die Erfahrung dürfte jedem Jungen und jedem Mädchen zumindest aus dem Freundeskreis vertraut sein, daher besitzt ein Jugendfilm über einen von der Scheidung der Eltern betroffenen Teenager ein grosses Identifikationspotential.

Seine Zielgruppe ist aber zugleich ein Expertenpublikum. Dem versucht das Mutter-Tochter-Duo Uschi (Produktion) und Marie Reich (Regie) gerecht zu werden, indem es in seiner Teenie-Romanze "Summertime Blues" kaum ein typischerweise mit einer Scheidung verbundenes Problem auslässt. Das erweist sich jedoch als Irrweg, denn für sich genommen durchaus treffend beobachtete Situationen ergeben in ihrer Aneinanderreihung eben nicht automatisch ein glaubwürdiges Porträt, doch dessen ungeachtet eine wunderschöne Sommer- und Liebesgeschichte - ebenso sarkastisch wie anrührend.

Year One ALLER ANFANG IST SCHWER

USA 2009 - Kinostart Deutschland: 27.08.2009
Regie: Harold Ramis - Drehbuch: Harold Ramis, Gene Stupnitsky, Lee Eisenberg - Buch: Harold Ramis

Jagen. Sammeln. Schlafen. Es muss doch mehr im Leben geben - selbst in der Steinzeit. Das denkt sich jedenfalls der grossmäulige Paläolithikum-Bewohner Zed (Jack Black), der als Jäger eine echte Niete ist und bei seinem Schwarm Maya (June Raphael) ebenso wenig eine Chance hat wie der schüchterne, sensible Oh (Michael Cera) bei der hübschen Eema (Juno Temple). Zed und Oh wird zudem von der Dorfgemeinschaft nahe gelegt, sich doch eine andere Wohnstatt zu suchen.

Die beiden beschliessen also einen eigenen Stamm zu gründen und stolpern zufällig über den Baum der Erkenntnis nebst passender Schlange. "Was ist der Sinn des Lebens?" Diese äusserst tiefgründige und philosophische Frage stellt sich von nun an der einfache Dorfbewohner Zed (Jack Black). Seine neuerworbene Erleuchtung bringt ihn prompt in so grosse Schwierigkeiten mit dem Rest seines Dorfes, dass er die Flucht ergreifen muss.

Gemeinsam mit seinem Kumpel Oh (Michael Cera), der sich Zed widerwillig anschliesst, brechen die beiden Freunde zu einer abenteuerlichen Reise quer durch den Anbeginn der Zeitrechnung auf. Von nun an werden sie getrieben vom Wunsch, den Rest ihrer Welt kennenzulernen: Die beiden ungleichen Helden starten zu einer ereignisreichen, abenteuerlichen Odyssee. Woher kommen wir und warum beschneidet ein Mann das Geschlechtsteil seines Sohnes?

Solchen existenziellen Fragen widmet sich die Komödie, in der zwei unbedarfte Steinzeit-Genossen auf einen ganz besonderen Streifzug durch die Menschheits- und Religionsgeschichte gehen. Jack Black und Michael Cera zeigen zwei Wilde, die sich mit ihren Ansichten und Erlebnissen modern geben. Die Zeitepochen, in denen sie Kain und Abel, Abraham und Isaac treffen und in der es sie bis nach Sodom verschlägt, scheint auch nicht viel anders zu sein, als wir unsere Welt wahrnehmen.

Auf der Suche nach einer Antwort geraten sie - immer im denkbar ungünstigsten Moment - in allerlei haarsträubende Situationen, die ihre wildesten Träume übertreffen, und verursachen dabei Katastrophen von wahrhaft biblischen Ausmassen. Nachdem sie den Brudermord von Kain (David Cross) an Abel (Paul Rudd) mit ansehen mussten, den biblischen Urvater Abraham (Hank Azaria) kennengelernt haben und auch noch Zeugen der ersten historisch verbürgten Beschneidung geworden sind, landen Zed und Oh in Sodom.

Hier nehmen sie an irritierenden Orgien teil und müssen feststellen, dass Maya und Eema ausgerechnet hierhin als Sklavinnen verschleppt wurden. Die beiden zögern nicht - sie müssen ihre beiden Herzdamen aus diesem Sündenpfuhl befreien. Und der Aufschneider Zed und der zurückhaltende Oh müssen sich jetzt als echte Helden erweisen.

"Year One - Aller Anfang ist schwer" könnte eigentlich eine grossartige Sommerkomödie mit anschliessendem Kultstatus zu werden, betrachtet man die Macher dieses Streifens: Harold Ramis ("Ghostbusters", "Caddyshack", "Und täglich grüsst das Murmeltier") führte Regie, Judd Apatow ("Superbad", "Beim ersten Mal") produzierte, Gene Stupnitsky und Lee Eisenberg ("The Office" - die amerikanische Version von "Stromberg") schrieben am Drehbuch, Jack Black ("Tropic Thunder", "Kings of Rock") und Michael Cera (→ "Juno", "Arrested Development") haben schon oft ihr humoristisches Talent bewiesen und weitere Unterstützung bekamen sie von Hank Azaria, Paul Rudd und Oliver Platt.

Das Alte Testament stand Pate für diese Komödie. Ganz im Stil von Mel Brooks’ "Die Geschichte der Welt, Teil 1" und Monty Pythons "Das Leben des Brian" schickt Ramis seine beiden Hauptfiguren auf eine Reise durch die Zeit zu einigen Stationen des Alten Testamentes. Ob dieser doch manchmal recht derbe Klamauk tatsächlich der Blockbuster des Sommers wird, bleibt allerdings abzuwarten.
 
Beim Leben meiner Schwester


USA 2009 - Kinostart Deutschland: 27.08.2009
Regie: Nick Cassavetes - Drehbuch: Jeremy Leven, Nick Cassavetes, Jodi Picoult

Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden (FBW) hat "Beim Leben meiner Schwester" von Regisseur Nick Cassavetes das Prädikat "besonders wertvoll" verliehen. Das Familiendrama startet am 27. August 2009 in den Kinos. In den Hauptrollen sind Alec Baldwin, Cameron Diaz, Joan Cusack und Abigail Breslin zu sehen.

Da weder ihr Sohn Jesse (Evan Ellingson - Letters From Iwo Jima) noch sie selbst als passende Spender für die kleine Kate in Frage kommen, entschliessen sie sich, ein drittes Kind zu bekommen, das genetisch auf die Bedürfnisse seiner grossen Schwester abgestimmt ist. Baby Anna ist fortan also ein lebendiges Ersatzteillager für Kate, deren Krebs immer wieder zurückkehrt. Die Eltern sind zu allem bereit, um Kate am Leben zu erhalten. Anna muss immer bereitstehen, um Kates Leben zu retten. Doch als sie Kate eine Niere spenden soll, schaltet Anna den Anwalt Campbell Alexander (Alec Baldwin - Glengarry Glen Ross, Jagd auf Roter Oktober) ein, um dies zu verhindern.

Die FBW in ihrer Begründung für die Vergabe eines Prädikats an diesen Film: "Der auf einer Romanvorlage basierende Familienfilm schafft es, durch raffinierte Perspektivwechsel und Rückblenden in der Erzählung und der Kameraführung die unterschiedlichen Standpunkte und Gefühlslagen aller Beteiligten nachvollziehbar zu machen, ohne dabei wertend zu sein.

Mit dieser vielschichtigen Schilderung setzt sich die mutige und respektvolle Geschichte mit heiklen Themen um Leben und Tod auseinander und stellt dabei auch für den Zuschauer die hochspannende Frage nach den moralischen Grenzen menschlichen Eingreifens in natürliche Abläufe. Ein intelligent gemachter Film und eindrucksvolles Plädoyer für ein würdevolles und selbstbestimmtes Leben, konsequent bis zum Schluss."
 
Dass dann aber eine Art Gottesurteil konstruiert wurde, das alle Personen von der praktischen Konsequenz einer persönlichen Entscheidung befreit - ein für die Filmbranche der USA unausweichliches Happy-End also - die ja das schwierigste wäre - zeugt von einer zwanghaften Harmoniesucht und dem Unwillen, die jedoch bereits das Buch vorschrieb, sich letzten Endes den bitteren Folgen nicht stellen zu wollen. In der Rückschau gerät so der Prozess zu einer Farce, und der Film, den man seines Mutes wegen hätte bewundern können, zum Hollywood gewohnten Kitsch- und Rührstück.

LOL (Laughing Out Loud) ®

Frankreich 2008 - Kinostart Deutschland: 27.08.2009
Regie: Lisa Azuelos - Drehbuch: Lisa Azuelos

Immer schon waren Sprache und Kleidung Codes der Abgrenzung der Jungen von den Alten. Doch mit der massenhaften Verbreitung von Kommunikationstechnologien und im Zuge des so genannten Web 2.0 sind die Möglichkeiten der Abschottung der Generation nach 1990, deren Leben sich inmitten der allmählichen Virtualisierung aller Lebensverhältnisse ereignet, noch extremer geworden.

"LOL" ist nicht nur der Chat-Ausdruck für "Laughing Out Loud", also ein lautes Lachen, sondern auch der Name, den ihre Freunde der 15-jährigen Lola gegeben haben.  Aber nach lachen ist ihr momentan gar nicht: Lola (Christa Theret) hat sich sehr auf den ersten Schultag und das Wiedersehen mit Arthur (Félix Moati) gefreut. Doch die gute Laune hält nicht lange vor.

Wie alle ihre Freunde ist Lola kommunikationssüchtig. Es wimmelt nur so von schmucken Mac Book Pros, Sony Vaios, Sony Ericsson Handys und Konsorten, beizeiten tanzt das Symbol des Messengers am unteren Bildrand und ein Chatfenster übernimmt die Hälfte des Bildausschnitts. Markenfetischismus und die neuen Formen des Gedankenaustauschs scheinen dem französischen Teenager ein und dasselbe zu sein. Aber zugleich verortet Azuelos ihre Figuren durch den vehementen Gebrauch von State-of-the-art Technologie im sozialen Kontext der oberen Mittelklasse. Die Wohnungen von gediegenem Design, die Autos neu, die Kleidung hip.

LOL ist ein Film von bewusst inszeniertem Oberflächenreiz, der sich nicht satt sehen kann an seinen Protagonisten und ihren Spielzeugen. Die Kamera bewegt sich ganz zeitgemäss vor allem von Hand geführt durch die Schulhöfe und Lofts, bleibt dabei immer ganz nah am Geschehen. LOL ist ein Film der Gesichter, kein Pickel kränkt die jugendliche Blüte und die Eltern halten sich sexy und topfit.

Wenn LOL als Generationenfilm verstanden werden will, sehen wir die Jugend von ihrer modischsten Seite mit all ihren klischeehaften Problemen: Arthur hat LOL offenbar in den Sommerferien betrogen, ein aufreizendes Blondchen mischt ihre Clique auf, und die neuen Gefühle für Arthurs besten Freund bringen sie zusätzlich durcheinander.

Lols Mutter Anne (Sophie Marceau) macht alles noch schlimmer: Wer nicht einmal weiss, was "lol" bedeutet, sich mit dem eigenen Ex zu heimlichen Rendezvous verabredet und obendrein in der Schule von einem Polizisten anmachen lässt, den die Mitschülerinnen alle supercool finden, ist nicht nur unmöglich, sondern total daneben.

Anne wiederum fragt sich, was bloss mit ihrer süssen kleinen Tochter passiert ist und warum sie nicht mehr mit ihr reden kann. Wo eben noch schönste Vertrautheit war, herrscht jetzt das reine Chaos. Azuelos fängt eine Qualität der Beziehung zwischen den Generationen ein: den augenscheinlichen Mangel an Konfliktfähigkeit. Trotz seines immensen Potentials zur Subversion und Nischenbildung hat es das Internet bekanntlich nicht vermocht, einen merklichen ideologischen Wandel zu provozieren.

Gerade durch die massive Nutzung und immer neue Ausweitung der Möglichkeiten des Selbstinszenierens bescherte uns das Internet die stabilste Gesellschaft und die konfliktärmste Jugendkultur seit Menschengedenken. Die Jugendlichkeit ist in dem Masse virtuell geworden, wie sie Abgrenzung von den Älteren benötigt. Genau das begegnet uns in LOL: eine ewig kommunizierende, hip gestylte Jugend, lasch und müde trotz ständiger Bewegung, die in ihrem Herzen schon den Konservativismus der Zukunft trägt.

62. Filmfestival Locarno: 5. bis 15. August

filmfestival_logoBereits zum 62. Mal findet in Locarno auf der Piazza Grande das Internationale Filmfestival vom 5. bis 15. August 2009 statt. Als eines der wichtigsten Kinoereignisse der Welt wird Locarno während elf Tagen zum Treffpunkt für Spezialisten, Cineasten und Filmfreunde. Mit den abendlichen Vorführungen auf einer der weltweit grössten Leinwände, kann die Piazza Grande als der “schönste Kinosaal unter freiem Himmel” bezeichnet werden.

Das umfangreiche Programm der Veranstaltung bietet ein breit gefächertes Angebot: vom Autoren- bis zum Experimental-Kino und den Filmen für das breite Publikum; von bekannten Regisseuren und jungen, aufstrebenden Cineasten aus verschiedenen Ländern und sehr unterschiedlichen Kino-Realitäten. Der Veranstaltungskalender des Festivals unter der Leitung von Frédéric Maire umfasst verschiedene, mittlerweile bewährte, Sektionen. Zu diesen gehören erst einmal der “Internationale Wettbewerb”. Er ist Langspielfilmen aus allen Ländern der Welt reserviert, welche sowohl von erfahrenen als auch von jungen Regisseuren realisiert werden. Die “Cineasten der Gegenwart” zeigen Spiel- und Dokumentarfilme über das Geschehen in diversen Ländern. Die “Leoparden von morgen” sind Kurzfilmen vorbehalten. Die “Retrospektive” erweist alljährlich bekannten Persönlichkeit des Weltkinos oder bestimmen Genres Hommage.

Zahlreiche weitere Vorführungen der siebten Kunst, Treffen und Seminare vervollständigen das umfangreiche Angebot des Festivals, welches während zehn Tagen im August einen Hauch festlicher Internationalität in die Stadt Locarno bringt. Die Masse an Festivalbesuchern aus aller Welt erlebt die Veranstaltung in frenetischem Rhythmus. Sie füllt die Säle, die Plätze und die Festival-Treffpunkte vom Morgen bis in die späten Abendstunden.

Ein Höhepunkt der Ausgabe 2009 ist die Retrospektive, die sich “Manga Impact” nennt, und mit einer breit gefächerten, multimedialen Auswahl dem Universum des japanischen Animationsfilms sowie seinem aussergewöhnlichen Reichtum im sozialen, kulturellen und künstlerischen Bereich widmet. Eine mitreissende Reisende durch Geschichte, Genres und Stile dieses Kinos mit Vorführungen von Spielfilmen, Kurzfilmen und TV-Serien.

Die Retrospektive wird begleitet von einer umfassenden Ausstellung mit Bildern, Zeichnungen, Comics, unterschiedlichsten Gegenständen, Spielwaren, Rollen- und Videospielen; von einer Publikation und einer Internet-Seite. Dies alles, um das breite Panorama des japanischen Animationskinos und sein Universum zu illustrieren, mit besonderem Schwerpunkt auf den Comics, an denen es sich inspirieren lässt und mit denen es in Verbindung gebracht wird: Die tausend Jahre alten Mangas. Das Programm des 62. Internationalen Filmfestivals findei ihr hier als Download



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