
Die für Freitag angesetzte Trauerfeier auf seiner Neverland Ranch wurde kurzfristig abgesagt. Stattdessen soll nun am Dienstag, den 7. Juli 2009, ein Abschiedskonzert im Staples Center in Los Angeles Fans und Presse Gelegenheit geben, den "King of Pop" zu verabschieden. Das Staples Center verfügt über 20.000 Plätze, die restlichen Besucher sollen von Aussen über Video-Leinwände mitfeiern können.
Etliche Tickets will man kostenlos abgeben, lässt Familie Jackson in einer Erklärung verlauten. Mehr als eine halbe Million Menschen haben sich im Internet bereits um Karten für die Michael-Jackson- Trauerfeier am Dienstag in Los Angeles beworben. Das berichtete der US-Nachrichtensender CNN. Wenige Stunden zuvor war die Online-Lotterie erst angekündigt worden.
Von den 17 500 kostenlosen Karten sind 11 000 für die Trauerfeier selbst, 6500 für eine Live-Übertragung ins nahe gelegene Nokia- Theater. Nach dem Zufallsprinzip werden 8750 Namen gezogen, die jeweils zwei kostenlose Eintrittskarten erhalten. Karten im freien Verkauf gibt es nicht, das Gelände wird grossräumig abgesperrt.
"Schauen Sie sich die Veranstaltung in Ihrem gemütlichen Zuhause an", bat die amtierende Bürgermeisterin Jan Perry unter Hinweis auf Sicherheitsbedenken. Der Konzertveranstalter AEG Live liess unterdessen erkennen, dass er trotz der Millionenausfälle durch die abgesagten Konzerte in London einen Gewinn erhofft. "Mein Herz ist gebrochen, aber der Firma geht es gut", sagte Unternehmenschef Randy Phillips laut "New

York Times".
Die Anmeldefrist auf der Seite www.staplescenter.com läuft noch bis Sonntagmorgen 3.00 Uhr MESZ. Insgesamt werden 17'500 Karten kostenlos vergeben. Der Internetdienst tmz.com berichtete unterdessen, dass der "King of Pop" in einem vergoldeten, mit königsblauem Samt ausgeschlagenen Bronzesarg seine letzte Ruhe finden soll. Wann und wo der Popstar jedoch bestattet wird, bleibt weiterhin unklar.
Das Staples Center, eine Sport- und Konzertarena mit insgesamt 20 000 Plätzen, sowie der Vorplatz, auf dem die Leinwandübertragung stattfinden soll, gehören der AEG-Live. Das Unternehmen war auch für die geplante Comeback-Tour → "
This Is It" verantwortlich. Die Veranstalter kündigen an, auf Wunsch der Familie werde weltweit allen Fernsehsendern eine kostenlose Live-Übertragung zur Verfügung gestellt. Schätzungen zufolge wird es mehr als eine Milliarde Zuschauer geben. Los Angeles erwartet einen beispiellosen Besucheransturm von mehreren hunderttausend Menschen.
Details zur Feier gaben die Veranstalter nicht bekannt. "Wir sind noch dabei, das zu entwickeln", sagte Ken Sunshine, Sprecher der Jackson-Familie. Einen Trauerzug durch die Stadt soll es nicht geben. Nach Angaben von Jacksons Bruder Jermaine will sich die Familie vor dem öffentlichen Abschied mit einigen handverlesenen Gästen an einem unbekannten Ort zu einer kleinen privaten Zeremonie treffen.
In den Medien überschlagen sich unterdessen die Spekulationen über die Trauerfeier, die als weltweites Medienspektakel inszeniert werden soll. Sie findet am Dienstag um 19.00 Uhr MESZ im Staples Center von Los Angeles statt, in dem Jackson zwei Tage vor seinem Tod bei einer Probe zum letzten Mal auf der Bühne stand. CNN berichtete, dass Ken Ehrlich, der die Grammy-Verleihung produziert, und Kenny Ortega, der Jacksons Londoner Konzerte inszenieren sollte, die Gedenkfeier gestalten werden.
Video der Proben aufgetauchtVor seinem plötzlichen Tod probte der "King of Pop" eifrig für seine Comeback-Konzerte, wie ein nun aufgetauchtes Video belegt. Die Aufnahmen zeigen Michael Jackson in einer guten und fitten Verfassung. Das Video entstand im Staples Center, in dem die Trauerfeier am kommenden Dienstag stattfinden wird. In einem Video ist Jackson mit einigen seiner Tänzer zwei Tage vor seinem Tod bei Proben zur geplanten Comeback-Tour zu sehen. Darin performt er zu seinem Erfolgshit → "
They Don‘t Care About us".
AEG Live hat seinen Angaben zufolge mehr als hundert Stunden Filmmaterial von den Proben, das veröffentlicht werden könnte. Zudem habe die Firma für 17 Millionen Dollar eine Versicherung für die Konzertserie abgeschlossen, die zwar nicht einen natürlichen, aber einen Unfalltod Jacksons abdeckt. Das Ergebnis der Autopsie liegt noch nicht vor und die ersten Mordtheorien tauchen auf: Sowohl Jacksons Vater als auch Janett Jackson äussersten derartige Verdächtigungen.
Nicht nur Millionen von Fernsehzuschauern haben weltweit die Trauerfeier für Michael Jackson verfolgt - auch für das Internet wurde die Zeremonie zu einem Grossereignis.
Für das weltweite Datennetz dürfte die Übertragung zu einer der grössten Belastungsproben seit dem Tod von Prinzessin Diana geworden sein. Eine Vielzahl von Websites, Netzwerke und Portale übertrug live aus der kalifornischen Metropole und hatten unter der Last der Zugriffe durch die Nutzer teilweise erheblich zu kämpfen.
Der Ansturm hatte auf vielen Sites schon vor Beginn der Zeremonien für eingefrorene Standbilder oder schwarze Bildschirme gesorgt. "So etwas haben wir noch nicht erlebt", sagte Julian Weiss, bei n-tv für neue Medien zuständig. Es habe "immense Zugriffszahlen" gegeben.
Der amerikanische TV-Sender CNN hatte für die Übertragung des medialen Grossereignisses im Internet wohlweislich eine Kooperation mit dem sozialen Netzwerk Facebook geschlossen. Schon Stunden vor dem offiziellen Beginn wurde live vom Friedhof und aus dem Staples Center berichtet. Bei Facebook hatten sich bereits am späten Nachmittag virtuell über 200 000 Trauergäste versammelt - nicht viel anders bei Twitter.
Die zu Beginn unter der sakralen Kirchenfensterdekoration im Staples Center in Los Angeles verlesenen Grussbotschaften von Diana Ross und Nelson Mandela waren der Auftakt zu einer Reihe bedingungsloser Liebesbezeugungen mit einem Hang zur Verklärung. Brooke Shields nahm weinend Abschied von ihrem seelenverwandten Jugendfreund.
Auch als Motown-Gründer Berry Gordy erzählte, dass Michael wie ein Sohn für ihn gewesen sei, verstand man seine Trauer. Und Stevie Wonder sagte, dass er diesen Moment lieber nicht erlebt hätte, doch "Gott brauchte Michael wohl noch mehr als wir". Es war wie eine Grammy-Verleihung in Moll, mit einem einzigen Preisträger.

Da hier Privates öffentlich gemacht wurde, war oft nicht klar, ob wirklich von Michael Jackson die Rede war oder dieser instrumentalisiert wurde. Das änderte sich schlagartig, als Paris Katharina, die Tochter von Michael Jackson, für alle überraschend ans Mikrofon trat: "Seit ich geboren wurde, war mein Papa der beste Vater , den man sich vorstellen kann, und ich wollte nur sagen, dass ich ihn liebe."
Es waren die bewegendsten Minuten in einer Trauerfeier aus Pomp, Kitsch und Gloria, die die langjährige Freundin Michaels, Liz Taylor, bereits im Vorfeld als das grosse öffentliche Trara bezeichnete und dem Spektakel konsequenterweise fernblieb. Doch es war dieser kleine Moment, aus dem die Kunstfigur mit dem wachsbleichen Gesicht, dem Verklärten, dem Entrückten, ein ganz normaler Vater wurde.
Es ist der Augenblick der trauernden Halbwaisen, der sogar Amerikas nicht gerade zartbesaitete Boulevardpresse reuevoll reagieren lässt. Selbst die 'New York Post', für die Jackson nur "Wacko Jacko" war, der Abgedrehte, der Verrückte, beklagt die grobe Karrikatur, auf die man den 'King of Pop' reduziert habe.
So sprach man kaum von Jacksons kontroversen Privatleben, das eh nur wenige kannten, und feierte stattdessen seine Karriere als amerikanischen Traum. Die Basketballspieler Kobe Bryant und Magic Johnson dankten ihm, weil er ein Türöffner für dunkelhäutige Weltstars gewesen sei. Neben Martin Luther King III. hielt auch der Bürgerrechtler Reverend Al Sharpton eine wütende Ansprache, in der er auf Michaels Verdienste für die afroamerikanische Emanzipation hinwies.
Nicht zuletzt sei auch Barack Obamas Präsidentschaft eine Folge von Jacksons Beharrlichkeit, Barrieren einzureissen. "Ich möchte seinen Kindern sagen, dass nichts Seltsames an eurem Vater war. Es war seltsam, was euer Vater aushalten musste." Dafür gab es stehenden Applaus.
Die Reden wurden zunehmend politisch und würde man in den Lobhudeleien statt "Michael Jackson" den Namen "Barack Obama" einsetzen, könnte man sie prima im nächsten Wahlkampf recyceln. Es ist erstaunlich, dass das Ansehen des Mannes, der so wenig wie möglich wie ein Afroamerikaner aussehen wollte, sich seit den 1990er Jahren in einer Opferrolle inszenierte, in der afroamerikanischen Gesellschaft so bedeutend erscheint.
Zugleich hätte man sich gewünscht, dass Jackson als wirklich universeller Musiker gewürdigt worden wäre. Doch dafür fehlten die wichtigsten Leute auf der Bühne: Madonna, Paul McCartney, Prince, vielleicht auch Bruce Springsteen und die Rolling Stones.
Aber es war leider nicht alles schöne Kunst in Jacksons Karriere, es gab nicht nur "Thriller" und "Beat It", auch "Leihmütter" und "samenspendende Dermatologen" prägten das äusserlich komplexe Konstrukt der Wacko-Jacko-Welt. Jetzt, nach seinem Tod, sind die Angehörigen zunächst froh, dass nicht mehr schlecht über ihn geredet wird. Das Rätselraten um die letzte Ruhestätte der Pop-Ikone hält indes unvermindert an. Jacksons Sarg stehe auf dem Prominenten-Friedhof Forest Lawn in Hollywood, teilte ein Sprecher der zuständigen Behörde im Kreis Los Angeles dem Internetdienst "E!Online" mit.
Nach Angaben von Jacksons Bruder Jermaine würde die Familie den Leichnam am liebsten auf der Neverland Ranch bestatten. Nach der Trauerfeier am Dienstag im Staples Center war der goldene Sarg laut Behörde auf den Friedhof zurückgebracht worden. Diese Aussage wurde von Hubschrauberpiloten, die dem Leichenwagen in der Luft gefolgt waren, nicht bestätigt. Sie berichteten, dass der Wagen auf mysteriöse Weise plötzlich aus ihrem Blickfeld verschwunden sei.
Michael Jacksons Sarg soll wieder aufgetaucht sein. Laut “E!Online” wäre der goldene und mit roten Rosen geschmückte Sarg direkt nach der Trauerfeier zurück zum Forest Lawn Friedhof gebracht worden. Das soll heute von einem Sprecher des Registrieramtes bestätigt worden sein. Gesehen wurde der Sarg dort jedoch nicht.