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Home arrow News & Infos arrow Archiv arrow Jugendkirche pierre sein FILMTIPp: 07-09
Freitag, 30. Juli 2010
Jugendkirche pierre sein FILMTIPp: 07-09 PDF Drucken
Geschrieben von pierre roh   
Mittwoch, 1. Juli 2009
JUGENDKIRCHE FILMTIPp

Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden (FBW: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können ) hat neue Kinofilme im Auftrag aller BundesLänder unter die Lupe genommen. Ihre Prädikate wertvoll und besonders wertvoll haben bundesweite Gültigkeit. Über die Auszeichnung mit den Prädikaten entscheiden unabhängige Jurys mit ausgewiesenen Filmexperten aus ganz Deutschland. Mit dem Prädikat "wertvoll" wird ein Film ausgezeichnet, "dem künstlerische, dokumentarische und filmhistorische Bedeutung zukommt."

Mit dem Prädikat "besonders wertvoll" wird ein Film ausgezeichnet, "dem überragende künstlerische, dokumentarische und filmhistorische Bedeutung zukommt." Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden (FBW) wurde 1951 gegründet. Sie ist eine Einrichtung der Länder und ist die älteste deutsche Filmförderungsinstitution. Der erste prädikatisierte Spielfilm war ein ganz besonderer: Der Verlorene, die einzige Regiearbeit des Schauspielers Peter Lorre - ein deutscher film noir.

Besonders wertvoll


Mit dem Prädikat "besonders wertvoll" wurden ausgezeichnet: Coraline (USA 2009/101 Min./FSK: 6) - Animationsfilm: Nach Nightmare before Christmas zaubert Regisseur Henry Selick sein neuestes Grusel-Märchen als beeindruckende 3D-Version auf die Leinwand. Nach dem Umzug in ein neues Haus ist die freche Coraline weder mit ihren überarbeiteten Eltern noch mit den exzentrischen Nachbarn so ganz zufrieden. Da kommt ihr die scheinbar bessere Parallelwelt, die sich hinter einer versteckten Tür auftut, ganz recht. Doch tatsächlich verbirgt sich dort so mancher Schrecken. Kinostart: 30. Juli.

Selbst ist die Braut (USA 2009/108 Min./FSK: 0) - Komödie (s.u.): Die wandlungsfähige Schauspielerin Sandra Bullock überzeugt als knallharte, kanadische Chefverlegerin, die kurz vor der Ausweisung aus den USA steht und daher ihren Assistenten (Ryan Reynolds) zur Scheinehe zwingt. Die bestens konstruierte Geschichte bietet mit perfektem Timing und wundervoll spritzigen Einfällen eine Menge Situationskomik und überraschende Wendungen. Das ungleiche Paar wider Willen liefert sich eine Schlacht mit viel Wortwitz und wird darüber hinaus in eine turbulente Konfrontation mit der konservativen Schwieger-Familie im entlegenen Alaska verwickelt. Kinostart: 30. Juli.

Die Unbeugsame (F/G/D 2008/109 Min.) - Drama: Die willensstarke Anführerin eines Roten Frauenbataillons überlebt den Angriff und die sexuellen Misshandlungen durch bürgerliche Weissgardisten mit Hilfe eines jungen Soldaten, der sie vor ein ordentliches Gericht bringen möchte. Doch der Richter entpuppt sich als gefährlicher Zyniker. Basierend auf historischen Ereignissen um das Jahr 1919 schildert diese eindrucksvolle Geschichte das menschliche Verhalten in Ausnahmesituationen. Die Vielschichtigkeit der Charaktere und ihre beinahe nüchterne Inszenierung, das perfekt aufgebaute Drehbuch ohne Sentimentalität und die zum Teil fast dokumentarisch wirkenden Bilder erzeugen eine besondere Wirkung, die noch lange nachhallt.

Wertvoll

Mit dem Prädikat "wertvoll" wurden ausgezeichnet: Jasper und das Limonadenkomplott (D/F/RU 2008/86 Min./FSK: 0) _ Animationsfilm: Jasper der aufgeweckte kleine Pinguin, wohl bekannt aus seinen Abenteuern bei der Sendung mit der Maus, erscheint nun erstmals auf der Kinoleinwand. An Bord eines Kreuzfahrtschiffs will er dem ängstlichen Kakapo-Vogel helfen, die gestohlenen Eier aus dem Besitz des bösen Limonadenfabrikanten zurückzuholen. Um diese Verschwörung aufzulösen, müssen der Pinguin und seine neuen Freunde eine gehörige Portion Mut, Erfindungsgabe und Zusammenhalt aufbringen. Kinostart: 30. Juli.

Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen (D/F 2009/101 Min.) - Biopic: Mit ihrem Blick auf das Leben der Hildegard von Bingen hat Regisseurin Margarethe von Trotta sich nicht nur einer einflussreichen und prägenden Frauenfigur des Mittelalters angenommen, sondern mit einer hochkarätigen Besetzung, authentischer Ausstattung und adäquater Musik eine anregende historische Rekonstruktion der damaligen Zeit geschaffen. In eindrucksvollen Bilder, gezeichnet durch eine kunstvolle Kamera- und besondere Lichtführung, schildert sie die Schicksale der Ordensschwestern im Kampf um Liebe, Neid und Unabhängigkeit in einer männlich dominierten Welt. Nicht zuletzt ist es der grossen Leistung von Barbara Sukowa zu verdanken, dass diese faszinierende Persönlichkeit mit all ihren unterschiedlichen Fähigkeiten und Facetten spürbar wird und auch heute noch zu wirken vermag. Kinostart: 24. September.

Als Dokumentarfilm des Monats ist Schwere Geburt (D 2009/60 Min.) ausgezeichnet worden: "Es wird eine Mutter und ein Kind geboren." Anfang Zwanzig wird Katja schwanger, von einem jungen Mann, den sie erst ein paar Tage kennt. Trotz grosser Zweifel entscheiden sich beide für das Kind und für die Verantwortung. 20 Monate nach der Geburt begleitet die Dokumentarfilmerin Christa Pfafferott auf einfühlsame Weise den Alltag der drei und ihre konfliktreichen Versuche zu einer Kleinfamilie zusammen zu wachsen. Neben aufschlussreichen Interviews sind es vor allem die bewegenden Alltagszenen, die bestehende Zwiespälte zwischen Ängsten, Wünschen, Überforderung und Glück über das neue Leben der Tochter deutlich zutage bringen.

Zum Kurzfilm des Monats wurde der Experimentalfilm Terminal (D 2009/8 Min.) gewählt: Die Maschinen führen ein Eigenleben: Grosse Container in allen möglichen Farben, aus allen denkbaren Perspektiven, Arbeitsfahrzeuge im Wechsel von Tag zu Nacht. In einer ungewöhnlichen Choreographie verbindet dieser Experimentalfilm die alltäglichen Abläufe auf einem Containerterminal zu einem ebenso aufschlussreichen wie spannenden Einblick in die Maschinenwelt. Zusätzlich zum gut gewählten Rhythmus der Bildebene ergänzt die Tonspur mit genau abgestimmtem Sound den gelungenen ästhetischen Gesamteindruck.

ICE AGE 3

USA 2009 - Kinostart Deutschland: 01.07.2009
Regie: Carlos Saldanha - Drehbuch: Michael Berg, Peter Ackerman
 
Die Helden der Eiszeit-Kassenschlager sind als Stars eines unglaublichen neuen Abenteuers endlich zurück auf der Leinwand. Bereits nach "Ice Age" und "Ice Age 2 - Jetzt taut's!" war klar, dass die tierischen Protagonisten dieses extrem unterhaltsamen Eiszeit-Universums zu den absoluten Lieblingen einer weltweit trickfilmbegeisterten Fangemeinde zählen. Teil 3 der "Ice Age"-Saga entführt uns in eine Parallelwelt unter den klirrend kalten Tundralandschaften, deren exotische Fauna und Flora den frostgewohnten coolen Filmviechern buchstäblich die Rede verschlägt.

Natürlich versucht Scrat noch immer die schwer fassbare Nuss zu schnappen (und findet dabei vielleicht die grosse Liebe), Sid, das Faultier, bekommt Ärger, als er sich mit gefundenen Dino-Eiern seine eigene Ersatzfamilie schaffen will und Diego der Säbelzahntiger fürchtet, dass er vielleicht zu "soft" werden könnte, wenn er immer mit seinen Kumpels rumhängt.

Schuld an dieser abenteuerlichen Odyssee ist die "mammutöse" Familienplanung von Manni und Ellie, die hoffnungsfroh der Geburt eines Bonsai-Mammutsprösslings entgegenblicken. Ein Umstand, der auch in Faultier Sid den Kinderwunsch reifen lässt - und seien diese auch nur klammheimlich adoptiert! Als Sid in einer Höhle drei riesige verwaiste Eier entdeckt, eignet er sich diese kurzentschlossen an. Bald sind drei entzückende Dinosaurier-Babys ausgebrütet.

Doch der Groll der T-Rex-Mama, die sich ihre Brut nicht einfach kidnappen lässt, ist gewaltig. Geifernd scheucht sie die ganze "Ice Age"-Bande durch eine Art "Dino-Hades", der sich unter einer gigantischen bläulich schimmernden Eiszeitkuppel befindet. Scrat, der hyperaktive Nager mit den drolligen Glubschaugen, wird bei seiner manischen Suche nach der schmackhaftesten Eichel auf ein höchst attraktives Eichhörnchen-Weibchen namens Scratte derselben prähistorischen Art stossen. Und schon wird die emsige Nahrungssuche zum heissen Flirtparcours!

Säbelzahntiger Diego hat ganz andere Sorgen. Die majestätische Grosskatze fühlt sich seltsam weichgespült und in ihrer Autorität untergraben. Stoisch-bockig wählt Diego den Alleingang, um nicht als Softie und Streichelmieze dazustehen. Neu im tierischen Verbund ist das einäugige Wiesel Buck, ein kauziger Geselle, der sein Zyklopendasein einem ungleichen Kampf mit einem Albino-Saurier verdankt und sich, ganz wie Prinz Charles, mit Bäumen und Büschen unterhält.

Schuld an dieser abenteuerlichen Odyssee ist die "mammutöse" Familienplanung von Manni und Ellie, die hoffnungsfroh der Geburt eines Bonsai-Mammutsprösslings entgegenblicken. Ein Umstand, der auch in Faultier Sid den Kinderwunsch reifen lässt - und seien diese auch nur klammheimlich adoptiert! Als Sid in einer Höhle drei riesige verwaiste Eier entdeckt, eignet er sich diese kurzentschlossen an. Bald sind drei entzückende Dinosaurier-Babys ausgebrütet.

Doch der Groll der T-Rex-Mama, die sich ihre Brut nicht einfach kidnappen lässt, ist gewaltig. Geifernd scheucht sie die ganze "Ice Age"-Bande durch eine Art "Dino-Hades", der sich unter einer gigantischen bläulich schimmernden Eiszeitkuppel befindet. Scrat, der hyperaktive Nager mit den drolligen Glubschaugen, wird bei seiner manischen Suche nach der schmackhaftesten Eichel auf ein höchst attraktives Eichhörnchen-Weibchen namens Scratte derselben prähistorischen Art stossen. Und schon wird die emsige Nahrungssuche zum heissen Flirtparcours!

Säbelzahntiger Diego hat ganz andere Sorgen. Die majestätische Grosskatze fühlt sich seltsam weichgespült und in ihrer Autorität untergraben. Stoisch-bockig wählt Diego den Alleingang, um nicht als Softie und Streichelmieze dazustehen. Neu im tierischen Verbund ist das einäugige Wiesel Buck, ein kauziger Geselle, der sein Zyklopendasein einem ungleichen Kampf mit einem Albino-Saurier verdankt und sich, ganz wie Prinz Charles, mit Bäumen und Büschen unterhält.

LA MISMA LUNA

USA, Mexiko 2007 - Kinostart Deutschland: 09.07.2009
Regie: Patricia Riggen - Drehbuch: Ligiah Villalobos
 
'La misma Luna' ist das gemeinsame Spielfilmdebüt der Regisseurin Patricia Riggen und der Drehbuchautorin Ligiah Villalobos. Sie erzählen eine Geschichte von Mutter und Sohn, die auf verschiedenen Seiten der amerikanisch-mexikanischen Grenze leben, bis der Junge beschließt, dieser Trennung ein Ende zu bereiten. Als ernsten Hintergrund wählte Riggen die illegale Einwanderung in die USA, verweilt aber nicht allzu tiefgründig beim erwähnten Thema und gibt der melodramatischen Mutter-Sohn-Geschichte weit mehr Raum. Der Titel weist auf diese hin, denn die Mutter sagt einmal zu ihrem im Heimatland gelassenen Sohn “wenn du den Mond siehst, dann denke daran, dass ich den gleichen Mond auch sehe und an dich denke”.

Der neunjährige Carlitos lebt in Mexiko bei seiner Grossmutter, während seine Mutter Rosario in Los Angeles als Hausmädchen ohne Papiere Geld verdient, um die Familie zu Hause zu unterstützen. Seit vier Jahren kennt Carlitos sie nur noch als Stimme: Jeden Sonntag ruft sie ihn an, von einem öffentlichen Telefon in L.A., dessen Standort sie ihm oft beschreibt. Als die Grossmutter stirbt, beschliesst Carlitos, seine Mutter zu suchen.

Er überquert die Grenze versteckt in einem Auto, nächtigt in einer Unterkunft für illegale Arbeiter und trifft eine mexikanische Band (Los Tigres del Norte). Er arbeitet auf einer Tomatenplantage und in der Küche eines Schnellimbiss, er lernt seinen unzuverlässigen Vater kennen, und er erobert das Herz seines Mitreisenden, des missmutigen Gelegenheitsarbeiters Enrique.

Nach einer Odyssee durch ein fremdes Amerika kommt Carlitos schliesslich in Los Angeles an. Als sich die Adresse seiner Mutter jedoch als Postfach herausstellt, sucht Carlitos nach dem öffentlichen Telefon, dessen Umgebung ihm so oft beschrieben wurde. Denn wenn er es findet, kann er dort sonntags um 10 Uhr Rosario antreffen.

Eine riskante Reise, die den Film zu einem Roadmovie mit ungewöhnlichem Protagonisten macht: ein tougher Neunjähriger, der sich den Gefahren eines fremden Landes stellt, begleitet von immer neuen, abenteuerlichen Figuren aus den Randgebieten der amerikanischen Gesellschaft. Mit Klugheit und Herz bewältigt der Junge alle Hindernisse und erobert so die Sympathie seiner Zuschauer.

So wurde Patricia Riggens Erstling beim Sundance Film Festival mit stehenden Ovationen und tosendem Applaus aufgenommen und bei den Latinos in den USA ist der Film zum überraschenden Erfolg geworden. Der Film thematisiert das Schicksal zahlloser mexikanischer Kinder, die von ihren Eltern zurückgelassen werden, da diese in den USA eine bessere Lebensgrundlage für ihre Familien schaffen wollen.

"Illegale Flüchtlinge setzen ihr Leben aufs Spiel, wenn sie die Grenze überqueren", so Riggen. "Sie verlassen ihre Familie und Angehörigen und tun all das nur aus einem einzigen Grund: aus Liebe zu ihrer Familie, damit sie ihnen ein besseres Leben finanzieren können. Man muss kein Mexikaner oder illegaler Flüchtling sein, um mit dieser Geschichte mitzufühlen."

KLANG DER SEELE

Deutschland 2008 - Kinostart Deutschland: 09.07.2009
Buch & Regie: Marian Czura

1851 gegründet, entwickelte sich die Darmstädter „Akademie für Tonkunst“ im Laufe der Jahre zu einer luxuriös ausgestatteten Anlaufstätte für musikbegeisterte junge Menschen. Seit dem Jahr 2005 ist der Komponist Meijering Direktor der Institution. Ihn und vier Jugendliche zwischen vierzehn und neunzehn Jahren, die eine unbändige Leidenschaft zur Musik auszeichnet, fühlen sich zu einer äusserst speziellen Aufgabe berufen: Sie wollen Komponisten werden. Klänge zu kreieren, die Menschen bewegt, ist ihr angestrebtes Ziel.

Stets hat es den Aussenstehenden fasziniert, was denn in den aussergewöhnlichen Menschen vorgeht, die schöpferisch tätig sind. Schlicht faszinierend ist es, zu sehen, wie unterschiedlich die begeisterungsfähigen, dabei aber grösstenteils auch sehr bodenständigen Musiker ihre Ideen aufzeichnen und in etlichen Diskussionsrunden zergliedern. Der in sich ruhende Cord Meijering erweist sich sowohl in fachlicher wie auch menschlicher Hinsicht als sehr kompetent und übt - falls nötig - gezielt Druck aus, ohne jedoch mit einer selbstzweckhaften Autorität zu insistieren.

Marian Czuras Dokumentarfilm „Klang der Seele“ widmet sich also hauptsächlich den vier jungen Nachwuchskomponisten auf der schwierigen Reise zu einem individuellen Stil. Unparteilichkeit wird man ihm wohl kaum bescheinigen können, gestaltete er doch 2007 das neue Logo der Akademie. Eine gewisse Absicht, diese zu bewerben, ist also fraglos mit im Spiel, am interessanten Inhalt des Films ändert dieser Umstand aber nichts.

Dabei begeistert gerade der äusserst charismatische holländische Dozent Cord Meijering, da er seine Schüler behutsam und doch bestimmt auf die richtigen Bahnen zu lenken versteht. Sieht man von einigen wenigen Längen sowie einer eher unterdurchschnittlichen Machart ab, bleibt ein sehenswerter Einblick hinter die Kulissen der Musiklandschaft.

Der Regisseur und Kameramann Marian Czura hatte das Glück die Jugendlichen 15 Monate lang bei ihrer schöpferischen Arbeit mit seinem Filmteam zu begleiten. Die Zusammenarbeit mit den jungen Musikern war so erfolgreich, dass im Endergebnis ein aufregender Dokumentarfilm entstehen konnte, der einen ausserordentlichen Hochgenuss zu bereiten vermag.

Ungemein talentiert sind alle, allerdings noch nicht soweit gefestigt, um nicht die üblichen Fehler, die ein solches Talent mit sich bringt, zu begehen. In Momenten, in denen sie über Platon und das Wesen der Kompositionskunst reflektieren, fällt jedoch die verbesserungswürdige formale Umsetzung auf. Ein derartiges Sujet verlangt eine etwas sorgfältigere Inszenierung, die eben nicht nach Heimvideo riecht. Angesichts der schwierigen Lage, was die Finanzierung deutscher Filme betrifft, zumal bei einem wie diesem, der sich ausschliesslich an ein eher älteres, musikinteressiertes Publikum richtet, überrascht es allerdings kaum, dass es an einer aufwendigen, ästhetisch hochwertigen Optik mangelt.

Wer sich für instrumentale Musik begeistert, dem dürfte „Klang der Seele“ höchstwahrscheinlich zusagen. Einige kleine Mankos trüben das Vergnügen, einer Kompositionsklasse bei ihrer künstlerischen Entwicklung zuzuschauen, nur bedingt. Dennoch stellt sich aufgrund der bescheidenen Produktionsmittel und der sehr speziellen Thematik, die sicherlich nicht allzu viele Kinozuschauer ansprechen wird, die Frage, ob die erhellende Dokumentation nicht vielleicht in einem sorgsam geplanten televisonären Themenabend besser aufgehoben wäre.

HARRY POTTER und der Halbblutprinz

USA 2009 - Kinostart Deutschland: 16.07.2009
Regie: David Yates - Drehbuch: Steven Kloves - Buch: J.K. Rowling,

Die Darsteller der Hauptcharaktere in den vorhergegangenen Teilen der Filmreihe werden wieder in ihren angestammten Rollen zu sehen sein. Wichtige, erstmals für diesen Film zu besetzende Rollen waren die des Professor Horace Slughorn, der von Jim Broadbent verkörpert wird, Narzissa Malfoy (Helen McCrory) und Lavender Brown (Jessie Cave). Der junge Tom Riddle wird als Elfjähriger von Hero Fiennes Tiffin, einem Neffen des Voldemort-Darstellers Ralph Fiennes, und als Jugendlicher von Frank Dillane dargestellt.

Das Drehbuch stammt wieder von Steven Kloves. Nachdem er bereits die Skripte für die ersten vier Harry Potter Filme geschrieben hat, kehrte er zur Reihe zurück, um das Drehbuch für "Harry Potter und der Halbblutprinz" zu schreiben. Bisher sind fast alle Harry-Potter-Filme von Kloves geschrieben worden. Die Ausnahme machte jedoch "Harry Potter und der Orden des Phönix", denn um zur Regiearbeit zurückzukehren (Kloves ist auch Regisseur) nahm sich Steve Kloves eine Auszeit und übergab das Zepter für den fünften Harry-Potter-Film an Michael Goldenberg. Goldenberg, der schon beim ersten Harry-Potter-Film versucht hatte, ins Team aufgenommen zu werden, nahm die Gelegenheit Kloves zu ersetzen, gerne an und schrieb das Drehbuch für Harry Potter 5.

Der Produzent  Heyman kommentiert: "Bei diesem Film gab es - mehr als bei den vorigen- etliche Handlungsstränge, denen man folgen musste, weshalb dies eine der größten Herausforderungen war. Wir waren gesegnet mit einem weiteren herrlichen Drehbuch von Steve Kloves, der sie alle brillant zusammengewebt hat. Und David Yates hat daraus Gel gemacht. Er ist ein beeindruckender Regisseur. Neben dem Punkt eine gute Geschichte zu erzählen, ist ihm die Menschlichkeit der Charaktere sehr wichtig und er fährt damit fort neue Seiten aus unseren Schauspielern zu locken, die sogar ich noch nie zuvor gesehen habe."

Regisseur David Yates betrat die Welt von Harry Potter mit "Harry Potter und der Orden des Phönix", dem fünften Film der Reihe. "Ich hatte so ein tolles Erlebnis beim letzten Film und war begeistert, zurückgebeten zu werden", sagt er. "Ich liebe das sechste Buch. Es ist ungemein unterhaltend und bringt mehr Romanzen nach Hogwarts als wir je zuvor gesehen haben, kombiniert mit der verblüffenden Enthüllung von Voldemorts Vergangenheit, die gewaltige Folgen für den Rest der Reihe hat. ...

Ich machte den Halbblutprinzen, weil ich diese Welt liebe, weil ich diese Figuren liebe und glaube, dass ich weitere Aufgaben mit ihnen habe. Ich habe eine Art Stimmungsänderung am fünften Film vollzogen, welche ich im sechsten Film fortsetzen und ausbauen will. Und ich kann sehen, wie sich die fünfte Geschichte auf einem sehr interessanten Weg in der sechsten Geschichte entfaltet. Also befinde ich mich auf einer Reise mit diesem Material und dieser Welt und ich bin scharf darauf, sie zu Ende zu führen."  "Es ist eine Freude, mit ihm zu arbeiten", sagt Radcliffe. "Ich habe mich immer darauf gefreut, ihn am Set zu sehen, weil er so viel Energie und Enthusiasmus mitbringt, was fantastisch ist."

Hier stellt nicht nur ein neues Kapitel im Leben Harrys und seiner Freunde und Feinde dar, es ist eines, das Humor und Herzleid, Romanze und Erlösung und Vergangenheit und Gegenwart verbindet wie nie zuvor. Und als Folge von Voldemorts Rückkehr hatte die Wahl zwischen Gut und Böse nie schwerwiegendere Folgen. "Ein weiteres Jahr bringt eine weitere Reihe von Herausforderungen für Harry, Ron und Hermine mit sich und je älter sie werden, desto vielschichtiger werden sie", so Yates. "Ich habe es genossen, die tieferen Aspekte der Charaktere mit Dan, Rupert (Grint) und Emma (Watson) zu entdecken. Sie sind wirklich begeistert, ihre Rollen zu forcieren und in ihren Rollen vorangetrieben zu werden, weil wir alle wollen, dass ihre Charaktere wachsen und sich sowohl mit den sich entfaltenden Geschichten, als auch mit dem Publikum weiterentwickeln.

"Für mich handelten die Filme schon immer von einem Verlust der Unschuld", sagt Daniel Radcliffe, der Schauspieler hinter der Hauptfigur, der vielleicht nicht mehr länger als junger Zauberer bezeichnet werden kann. "Als Harry diese Welt betrat, war alles verblüffend und großartig und gewissermaßen rein. Aber während die Filme voranschritten zerfiel das völlig und er erkennt, dass die Zaubererwelt genauso viele Herausforderungen hat wie die Welt, in der er zuvor aufgewachsen ist, wenn nicht sogar mehr."

In "Harry Potter und der Halbblutprinz" schliesst sich Voldemorts Faust immer enger um die Welt der Muggels und der Zauberer - sogar in Hogwarts ist man nicht mehr so sicher wie früher. Nach Voldemorts öffentlichem Angriff auf das Zaubereiministerium kann nun keiner mehr behaupten, er sei nicht zurückgekehrt. Um mit den Gefahren, die von Todessern und anderen seiner Gefolgsleute ausgehen, fertig zu werden, wählt die Zaubereigemeinschaft einen neuen Anführer. Der neue Zaubereiminister Rufus Scrimgeour lässt nichts unversucht, die Arbeit des Ministeriums in ein gutes Licht zu rücken, obwohl sie alles andere als erfolgreich ist.

Selbst die Muggel bekommen mit, dass irgendetwas im Gange ist. Harry, der vor seinem sechsten Schuljahr persönlich von Dumbledore zu den Weasleys eskortiert wird, muss sich wappnen. Überall lauern Gefahren. Deshalb bekommt er Privatunterricht bei Prof. Dumbledore und lernt mehr über Voldemorts Vergangenheit. Aber wie soll ihm das helfen gegen den dunklen Lord zu bestehen? Und was überhaupt führt Draco Malfoy im Schilde? Ist er gar für den Beinahe-Tod von zwei Hogwartsschülern verantwortlich? Wieso glaubt Harry niemand, dass auch mit Snape etwas nicht stimmt?

Unterdessen haben die Schüler noch ganz andere Probleme: In den Mauern der Burg spielen die Teenager-Hormone verrückt. Harry fühlt sich immer stärker zu Ginny hingezogen - doch Dean Thomas geht es genauso. Und Lavender Brown hat sich Ron ausgesucht, aber nicht mit Romilda Vanes Schokolade gerechnet! Währenddessen kocht Hermine vor Eifersucht, will aber ihre Gefühle auf keinen Fall zeigen. Nur ein Schüler bleibt inmitten dieser knospenden Romanzen völlig unbeeindruckt. Er will unbedingt Eindruck machen - und sei es mit dunklen Machenschaften. Während alle Welt verliebt ist, bahnt sich eine Tragödie an, die Hogwarts unwiderruflich verändern könnte.

Nachdem die letzten Harry-Potter-Filme alle als ein Streifen in die Kinos gekommen sind, wird man sich bei dem nächsten Projekt "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" auf einen Zweiteiler einstellen müssen. Nach langen Diskussionen und Absprachen wurde, zusammen mit Joanne K. Rowling entschieden, dass man den letzten der sieben Filme in zwei Teile aufdröseln wird.

David Yates, der jetzt schon seinen dritten Harry-Potter-Film machte, sagte dazu, dass der Film, oder eher das Buch, zu viele wichtige Details hätte, so dass man es schlecht in nur einem Kinostreifen behandeln könnte. Demnach soll der erste Teil von Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Ende November 2010 in die Kinos kommen und die Fortsetzung im Juli 2011.
SALAMI ALEIKUM

BRD 2009 - Kinostart Deutschland: 23.07.2009
Regie: Ali Samadi Ahadi - Drehbuch: Ali Samadi Ahadi, Arne Nolting

Der Filmemacher Ali Samadi Ahadi kam als 13jähriger aus Iran nach Deutschland. Inzwischen hat er sich durchgesetzt. Sein jüngster Erfolg: 2006 gewann er mit seinem Film "Lost Children" den Deutschen Filmpreis. Er tritt auf die Menschen zu, schüttelt Hände, umarmt Bekannte und ignoriert souverän das Blitzlichtgewitter der Fotografen, strahlt Selbdstbewusstsein bei der Premiere seines neuen Filmes aus.

Zu Selbstbewusstsein hat Ali Samadi Ahadi auch allen Grund. Der 37-Jährige ist ein erfolgreicher Filmemacher. Für den Dokumentarfilm "Lost Children", den er gemeinsam mit Oliver Stoltz gedreht hat, gewann er mehrere Preise, zuletzt den Deutschen Filmpreis - und viel Lob. In seinem Spielfilmdebüt stand ihm nun der Sinn nach etwas Heiterem - einer Geschichte mit viel Humor und noch mehr Herz, die auf märchenhaft-spielerische Art von Identität und Heimat(losigkeit) handelt. Und schon in den ersten Minuten schüttet Ahadi ein Füllhorn an Ideen aus und brennt ein Stilfeuerwerk ab, das von animierten Sequenzen bis hin zu bollywoodesken Musicalnummern alles umfasst, was richtig Laune macht. Wie eine ironische Scheherazade erscheint Mohsens (Popsänger Navid Akhavan) Leben:

Er ist bereits Ende 20 und lebt immer noch bei seinen Eltern, in deren kleiner Kölner Wohnung das untergegangene persische Königreich noch sehr präsent ist. Obwohl er kein Blut sehen kann, arbeitet er in der Kölner Familienmetzgerei. Sein Vater (Michael Niavarani) hält ihn für einen Versager, gibt ihm jedoch nie eine Chance, das Gegenteil zu beweisen. Mohsen hat für sich zwei Wege gefunden, damit fertig zu werden. Entweder rettet er sich in Tagträumereien oder - wenn es ganz dick kommt - strickt er, um zu entspannen.

Um seinem griesgrämigen Vater zu beweisen, dass er doch kein Versager ist, will Mohsen mit einem Coup dessen Schlachterei retten. Er kauft billig Schafe, die er in Polen abholen soll. Beim Versuch die elterliche Metzgerei zu retten, havariert er mit seinem Kleinlaster ausgerechnet in der tiefsten ostdeutschen Provinz: in einem verstaubten kleinen Dorf, dessen Bewohner alles Neue und Fremde nach 1989 misstrauisch beäugen. Ausländer werden dort gar nicht gern gesehen. Das ist Mohsen völlig egal, denn er findet seine Traumfrau: Die ehemalige Kugelstosserin Ana, jetzige Automechanikerin, gross, stark und blond.

Tausendundeine Nacht prallen auf den real stillgelegten Sozialismus. Doch nach einigen Hindernissen entflammt auch Ana für Mohsen, der mit seiner naiv-optimistischen Art die besondere Gabe hat, anderen Menschen wieder Hoffnung und neues Selbstwertgefühl zu geben. Doch dann verstrickt sich Mohsen in die grösste Lüge seines Lebens: Um der Vegetarierin Ana zu gefallen, gibt er sich als Textilhändler aus.

Schon wittert ganz Oberniederwalde den fetten Coup, allen voran Anas Vater (Wolfgang Stumph): Der reiche Sohn soll den stillgelegten VEB "Textile Freuden" kaufen und zu neuem Aufschwung verhelfen! Mohsen wird schnell sehr beliebt, auch wenn man hier nicht gerade auf Ausländer wie ihn gewartet hat. Aus einer kleinen Notlüge entsteht eine gewaltige bunte Seifenblase voller Hoffnung, Zuversicht und Irrtümer.

Nachdem Mohsen bewusst wird, welche Projektionen sich um ihn gebildet haben, will er niemanden enttäuschen. Vor allem nicht Ana, der Vertrauen so wichtig ist. Doch eines Tages steht der väterliche Mercedes vor der Tür und das Lügengebäude droht zusammenzubrechen - aber ...

"Salami Aleikum" war DER Abräumer auf dem 20. Internationalen Filmfestival Emden-Norderney und Ali Samadi Ahadi gewann den vom NDR vergebenen Preis für die beste Regie. Zusätzlich bekam der Film den 2. Preis des Bernhard-Wicki-Preises (ein Publikums-Preis).
 
FANBOYS


USA 2008 - Kinostart Deutschland: 30.07.2009
Regie: Kyle Newman - Drehbuch: Adam F. Goldberg
 
Filme über Geeks, die dem Kino und ihrer Religion "Star Wars" huldigen, stehen unter keinem guten Stern. Patrick Read Johnsons "77" wartet seit zwei Jahren auf die Veröffentlichung, ebenso lang lag "Fanboys" im Archiv Harvey Weinsteins. Die Prämisse von Kyle Newmans Regiedebüt hat Kultpotenzial, doch mehr als eine liebenswerte Komödie steht letzlich nicht auf der Habenseite, weil es an Budget, erzählerischer Geschlossenheit und Mut zu grösserer Verrücktheit fehlte.

Wir befinden uns im Jahr 1998, der Star Wars-Hype ist kurz vor dem Kinostart von "Episode I" auf einem vorläufigen Höhepunkt. Gerade jetzt müssen 2000 Meilen östlich von San Francisco die eingefleischten Anhänger Hutch (Dan Fogler), Windows (Jay Baruchel) und Eric (Sam Huntington) erfahren, dass ihr alter Schulfreund Linus (Chris Marquette) an Krebs erkrankt ist und die Premiere des heiss ersehnten Werks nicht mehr erleben wird. Um ihm eine letzte Freude zu bereiten, schmieden die Jungs einen waghalsigen Plan, um eine Preview für den Freund zu ermöglichen.

Natürlich ist das Vorhaben weniger leicht, als gedacht: Gemeinsam mit Fangirl Zoe (Kristen Bell) will man in ferne Galaxien, zur Skywalker Ranch, vordringen, wo George Lucas am Feinschliff seines Comebacks "Episode 1" arbeitet. Sechs Monate vor der Weltpremiere startet das Quartett seine Expedition, an deren Ende Einbruch und Erleuchtung stehen sollen.

Bei einem witzigen Abstecher in feindliches Territorium treffen sie auf eine Gruppe verachteter, von Seth Rogen angeführter und von Captain Kirk inspirierter Trekkies. Weitere Stationen sind eine Kneipe mit schwulen Bikern, eine rätselhafte Konfrontation mit einem jungen Klon von Web-Guru Harry Knowles, eine "Star Trek"-Convention in Vegas, auf der sie in die Hände von Liebesdienerinnen fallen und schliesslich die Skywalker Ranch, auf der das Wachpersonal Outfits von Lucas' Debüt "THX 1138" trägt.

Für "Fanboys", die das Star-Wars-Universum nie verlassen haben und Boba Fett für den coolsten Typen der Galaxis halten, ist diese Komödie ohne Frage Pflichtprogramm - zumal man in ihr die Leidenschaft fürs Kino spüren kann. Möge die Macht mit dir sein. Bei uns ist der Film noch nicht einmal in den Kinos angelaufen - jedoch in den USA ist bereits seit 19. Mai die DVD zu "Fanboys" erhältlich. Als Extras enthält die DVD Outtakes, Crew- und Schauspielerkommentare sowie verschiedene Dokumentationen über die Entstehung des Films und seinen Hintergrund.

"Da eine Menge Leute den Film (in den USA) nicht im Kino gesehen haben, könnte die DVD ein Klassiker wie 'Donni Darko' oder 'Office Space' werden, die ebenfalls im Kino kaum Beachtung fanden und als DVD ein grosse Erfolge waren", hofft der Regisseur Kyle Newman und stellt fest, dass 'Fanboys' der am meisten illegal heruntergeladene Film in den letzten Wochen war, "noch vor Wolverine oder Star Trek. (lacht) Im Moment will ich einfach nur, dass der Film gesehen wird. Von dem, was ich gehört habe, mögen die Leute den Film wirklich und das gefällt mir ausnehmend gut."

SELBST IST DIE BRAUT

USA 2009 - Kinostart Deutschland: 30.07.2009
Regie: Anne Fletcher - Drehbuch: Pete Chiarelli

Wer hätte das gedacht: Mittvierzigerin Sandra Bullock feiert mit der romantischen Komödie "Selbst Ist die Braut" ein furioses Comeback. Unter welchen Überwindungen sich eine eiskalte Erfolgsfrau in einen Menschen verwandelt, ist eine komische Tour de Force, bei der Bullock ihre schauspielerische Klasse eindrucksvoll unter Beweis stellt. Der Star aus zahlreichen Hits wie "Speed" oder "Miss Undercover" spielt hier die erfolgreiche Lektorin Margaret Tate macht es ihrer Umwelt nicht leicht. Vor allem ihr junger Assistent Andrew Paxton (Ryan Reynolds hat unter ihrer Ungeduld und ihren übertriebenen Ansprüchen zu leiden.

Doch dann läuft das US-Visum der Kanadierin aus. Um ihre Ausweisung aus dem Land zu verhindern, muss sie schnellstmöglich einen amerikanischen Ehemann präsentieren. Keine einfache Angelegenheit für eine allein stehende Kratzbürste. In ihrer Verzweiflung erpresst Margaret den unbedarften Andrew, sich als ihr Verlobter auszugeben.

Dass damit ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt wird, ahnt sie nicht. Andrew nämlich, den sie jahrelang wie einen Sklaven gequält hat, dreht den Spiess um. Er fordert Gleichberechtigung. Und Zärtlichkeit. Und seine aus zahlreichen Schrullen bestehende Familie will eine richtige Schwiegertochter: Bei einem Antrittsbesuch bei Andrews Eltern in Alaska wird die Schwiegertochter in spe nicht einfach nur überschwänglich empfangen. Sie haben auch eine spontane Überraschungshochzeit geplant.

Endlich kann man Publikumsliebling Sandra Bullock wieder in einer turbulenten romantischen Komödie im Stil von WÄHREND DU SCHLIEFST und EIN CHEF ZUM VERLIEBEN sehen. An der Seite des wunderbar komischen Ryan Reynolds (PARTY ANIMALS) begeistert sie das Publikum als Zicke vom Dienst, deren Qualitäten als liebenswerte Ehefrau auf eine harte Probe gestellt werden.

Von ihrer verstorbenen Mutter Helga habe sie gelernt, einzigartig zu sein: "Sie hat mir in ihrem starken deutschen Akzent eingebläut: "Sei ein Original." Dabei wollte ich so sein wie die anderen Girls in meiner Klasse. Doch ich bekam keine superengen Jeans. Stattdessen musste ich grüne Schlaghosen tragen, die Mama in Deutschland gekauft hatte!"

Im realen Leben konnte Sandra Bullock lange Zeit einer Heirat nichts Gutes abgewinnen: "Ich war gegen die Institution Ehe, weil ich keine Vorteile darin sah. Ich finde es auch traurig, dass bei uns gesetzlich geregelt ist, wen und wie wir lieben sollen. Deshalb bin ich auch gegen den Paragraphen, der gleichgeschlechtliche Ehen verbietet."

Heiraten wollte sie also selbst eigentlich nie. Trotzdem ist sie seit knapp vier Jahren glücklich mit dem vier Jahre jüngeren Moderator Jesse James verheiratet. Völlig angstfrei feiern die beiden im Juli ihren 4. Hochzeitstag. Ihr Glücksgeheimnis? Er schaut mich morgens liebevoll an, auch wenn mein Haar aussieht, als hätten die Hunde dran genagt. Ich fühle mich sexy in seiner Gegenwart!"

Die erfolgreiche Junggesellenkomödie "Hangover", die sich zwei Wochen an der Chartspitze gehalten hatte und ihre Kasse allein in Nordamerika schon mit 152,9 Millionen Dollar gefüllt hat, machte der energischen Braut Platz und rutschte auf Rang 2 ab. Mit einem Wochenendeinspiel von 34,1 Millionen $ (24,5 Millionen €) hat sich die romantische Komödie "Selbst Ist die Braut" in den USA spielend an die Spitze der Kinocharts gesetzt. "Selbst Ist die Braut" wird wohl zugleich als Date-Movie und Familienkomödie der grosse Sommerhit des Jahres 2009.

Für Sandra Bullock bedeutet dieses Einspielergebnis den besten Kinostart ihrer Karriere. Ihr folgt der Trickfilm "Oben" aus der Pixar-Erfolgsschmiede, der sogar schon 224,1 Millionen Dollar auf seinem US-Konto zu verzeichnen hat. Der Steinzeitfilm "Year One - Aller Anfang ist schwer" machte seinem Titel alle Ehre: Er kam mit der abenteuerlichen Reise zweier Neandertaler quer durch die Bibelgeschichte nicht über Platz 4 hinaus.

Elf Tage Parkinsel

Fahnen kündigten ab dem 18. Juni das Grossereignis an, das die Ludwigshafener Parkinsel in ein Mekka für Filmfreunde verwandelte. Die Sommerkomödie "Haus und Kind" von Andreas Kleinert eröffnete das elftägige Festival des deutschen Films, bei dem bis zum 28. Juni rund 30.000 Zuschauer erwartet wurden.

Wenn die Wirtschaft kriselt, wächst das Bedürfnis nach geistiger Nahrung: Für Kulturschaffende und alle, deren Herz für Kunst und Kultur schlägt, liegt dieser Schluss immer nahe. Dass die Logik des Verhältnisses von Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft um einiges komplexer ist, muss da keinen Widerspruch bedeuten. Unabweisbar jedenfalls ist der noch einmal stark gewachsene Zuspruch zum noch jungen Festival des deutschen Films in Ludwigshafen. Und der lässt sich sicher nicht nur damit erklären, dass die Parkinsel ein so schöner lauschiger Ort ist, der zum Verweilen einlädt.

Bis zum 28. Juni waren auf der Parkinsel insgesamt 26 deutsche Filme gezeigt worden. Höhepunkte des Festivals sicherlich der Besuch der Schauspielerin Senta Berger, die am Freitag anlässlich der Premiere des Wettbewerbsbeitrags "Frau Böhm sagt Nein", auf der Parkinsel zugegen war, die Verleihung des "Preises für Schauspielkunst" am Sonntag, 20 Uhr, an Hannelore Elsner und die grosse Preisverleihung am Sonntag, 28. Juni, 19.30 Uhr. Am Donnerstag, 25. Juni, stand das Programm im Zeichen der Wende vor 20 Jahren: an dem Tag wurden Festivalfilme zum Thema sowie Billy Wilders Komödie "Eins, Zwei, Drei" gezeigt.

Mit der Preisverleihung endete am Sonntagabend das fünfte Festival des deutschen Films in Ludwigshafen. Elf Filme haben um den mit 50.000 Euro dotierten Filmkunstpreis konkurriert. Sollten sie wirklich die besten des Jahrgangs sein, haben sie gezeigt, dass sich die deutschen Filmemacher gern mit Innenschau und klassischen Themen beschäftigen.

Um zerrüttete Beziehungen ging es sieben, acht Mal: Meist machen sich Liebende selbst das Leben schwer, durch zu viel Grübeln oder Unreife ("Alle Anderen", "Mitte Ende August"), andere haben sich vielleicht zu überstürzt zueinander bekannt (im Siegerfilm "Weitertanzen"). Ehemänner halten Rückschau, vor allem wenn sie noch ein Kind mit einer zweiten haben ("Der Architekt", "Mensch Kotschie"), oder stehen zwischen Frau und Geliebter ("Haus und Kind"). Es wird dabei gern an Häusern auf dem Land gewerkelt, auch Baumärkte werden heimgesucht oder als Heimsuchung empfunden. Und wenn einmal ein Paar glücklich und sich selbst genug ist, kommt eine äussere Bedrohung ("Liebeslied").

Natürlich wird auch vom Tod erzählt: von der Schuld, die Unfallverursacher verspüren, und der Trauer der Hinterbliebenen ("Der rote Punkt", "10 Sekunden"). Manchmal scheint auch die ganze Welt zu enden, wie in Werner Schroeters mit einer Sonderauszeichnung bedachtem Film "Diese Nacht", einer Reflektion über das Wesen von Diktaturen und Gewalt. Den spröden Alltag dagegen, das Aufbäumen gegen Ungerechtigkeiten im Arbeitsleben thematisierte nur ein Film,"Frau Böhm sagt Nein".

Die Preise gehen in Ordnung: "Weitertanzen" von Friederike Jehn wurde mit dem mit 50.000 Euro dotierten Filmkunstpreis 2009 ausgezeichnet. Der Streifen überrascht mit ungewöhnlicher Perspektive: Braut Maren (Marie-Christine Friedrich) erlebt ihre Hochzeitsfeier als Albtraum, wofür Regisseurin Friederike Jehn schön absurde Bilder findet - jedoch löst sich alles zu wohlig auf. Die Jury lobte "Weitertanzen" als ein "Stück opulentes Kino, voller Sinnlichkeit und leiser Trauer".

Eine Besondere Auszeichnung erhielt zum einen "Diese Nacht" von Werner Schröter, bei dem die Jury nicht nur den abgründigen Film, sondern auch den Regisseur für sein Gesamtwerk ehrte, während "Mitte Ende August" von Sebastian Schipper "ein Film gegen spiessiges Konsenskino" ausgezeichnet, etwas Schwung fehlt, wobei die Festivalbesucher auch Ruhe schätzen, wie die Publikumspreise zeigen: "Der rote Punkt" (Marie Miyayama) erzählt von einer Japanerin, die im Allgäu ihrer dort einst tödlich verunglückten Familie nachspürt. Ein leiser, trauriger Film, der vom sanften Spiel Yuki Inomatas lebt.

→"Ihr könnt euch niemals sicher sein" aus der Reihe "Lichtblicke" von Nicole Weegmann beschäftigt sich mit den Amokläufen an Schulen. Der Film lief bereits im Fernsehen. Dass er dennoch auch im Kino ankommt, erfreut. Ebenso, dass die 38 Filmgespräche dieses Mal laut Festivalleiter Michael Kötz 7000 Zuhörer fanden, doppelt so viele wie 2008.

Die Veranstalter zeigten sich äusserst zufrieden, als sie das Festival Revue passieren liessen. Mit rund 29.000 Zuschauern stiess die Veranstaltung auf der Parkinsel auf grosse Resonanz, 2008 waren noch ein Drittel weniger Interessierte nach Ludwigshafen gekommen.Und dass auch die Kinder Kino schätzen: 1311 verkaufte Tickets wurden gezählt - eine deutliche Steigerung.

Das Medium Film gewinnt noch einmal ungemein, wenn man es mit anderen teilen kann und wenn ebenso prominente wie kompetente Festival-Gäste den Eindruck vermitteln, man befinde sich - obwohl der Ort nicht Berlin oder München, sondern Ludwigshafen ist - geradewegs in seinem Zentrum. Der überregionale Zuspruch tut das Seinige, um diesen Eindruck zu verstärken. Ob man die diesjährigen Filme und Preisträger, besonders den Träger des hoch dotierten "Filmkunstpreises", nun höher oder niedriger einschätzt als diejenigen der Vorjahre, ändert daran wenig.

Offenkundig erfreut sich die Kultur in dieser Metropolregion einer grossen Nachfrage. Womöglich wäre sie sogar noch grösser, wenn sich Festivals nicht zeitlich überschneiden würden, wie es dieses Jahr zwischen Filmfestival, Mannheimer Schillertagen und den Heidelberger Literaturtagen der Fall war. Nur folgerichtig wäre es, wenn sich endlich auch die Landesregierung in Mainz zu den Förderern rechnen liesse.

Filme des Festivals Cottbus im Kino, TV oder auf DVD

Gleich vier Filme aus den früheren Programmen des FilmFestival Cottbus finden sich in den kommenden Tagen und Wochen auf der Kinoleinwand, im Fernsehen und auf DVD wieder. Den Anfang macht Andreas Dresens SOMMER VORM BALKON. Die melancholische Komödie des Berliner Regisseurs, der 2005 als Mitglied der Internationalen Festivaljury für die Preisvergabe in Cottbus mitverantwortlich zeichnete, beschloss vor vier Jahren die fünfzehnte Auflage des Festival des osteuropäischen Films. 

Ab sofort im Handel findet sich die DVD des bewegenden Jugendfilms ARMIN (Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Deutschland 2007). Regisseur Ognjen Svilicic präsentierte im Produktionsjahr 2007 seine berührende Vater-Sohn-Geschichte persönlich auf dem FilmFestival Cottbus in der Sektion Jugendfilm.

Noch jünger sind zwei Spielfilme, die im Monat Juli ihre Kinopremiere in Deutschland feiern. Seinen Kinostart erlebt die internationale Koproduktion TULPAN am 2. Juli 2009. Mit Deutschland, Schweiz, Kasachstan, Russland und Polen beteiligten sich im Vorjahr gleich fünf Nationen an der Produktion dieser poetisch-exotischen Komödie.

Der Wettbewerbsbeitrag und letztjährige Eröffnungsfilm des Festivals feierte im November in Cottbus seine Deutsche Erstaufführung. Zusätzlich wurde der russische Regisseur Sergej Dwortsewoj für seinen Film mit dem "Spezialpreis für die beste Regie" des 18. FilmFestival Cottbus geehrt - dotiert mit einem Preisgeld in Höhe von 7.500 Euro, gestiftet vom Rundfunk Berlin-Brandenburg.

Der zweite Kinostart am 23. Juli 2009 gehört der polnischen Sommergeschichte KLEINE TRICKS (2007). Zwar ging Regisseur Andrzej Jakimowski mit seinem dritten Spielfilm - Wettbewerbsbeitrag der 17. Festivalauflage - in Cottbus leer aus, dennoch kann der Filmemacher auf einige beachtliche Erfolge verweisen. So wurde KLEINE TRICKS unter anderem auf Polens bedeutendstem nationalen Filmfestival in Gdynia mit Preisen für den Besten Film, Beste Kamera und Beste Produktion prämiert. 

Beide Filme können Cineasten demnächst auch in der Lausitz erleben. TULPAN ist eine von drei aktuellen Produktionen, die dem Publikum vom 9.-11. Juli 2009 bei den 3. Filmnächten am Ilse-See, eine Kooperation der Internationalen Bauausstellung "Fürst-Pückler-Land" (IBA) und dem FilmFestival Cottbus präsentiert wird.


 
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