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Freitag, 30. Juli 2010
Jugendkirche für St. Gallen 2010 PDF Drucken
Geschrieben von pierre roh   
Donnerstag, 4. Juni 2009
Jugendkirche für St. Gallen - JuKis nicht mehr unerwünscht
Junge Erwachsene finden Kirche altmodisch und sich unerwünscht: Dieses Fazit kann man in einem eben veröffentlichten Buch über die Religiosität der Schweizer Jugend (Ausgabe vom 30. Mai) nachlesen. Darum versuchen die Kirchen mit speziellen Angeboten - von Rap-Gottesdiensten bis Seelsorge für arbeitslose Jugendliche - diese in ihrer Welt abzuholen: In Winterthur gibt es auf dem Sulzerareal eine "Fabrikkirche", in Zürich die Streetchurch. Auch in der Stadt St. Gallen startet ab 2010 ein solches Projekt.

Katholiken und Evangelische planen in St. Gallen eine "Junge Kirche". Das Projekt startet im kommenden Jahr. Die Kirchen wollen nicht missionieren, sondern den Lebensweg der kirchenfernen, aber sinnsuchenden Jugend begleiten. Die beiden Kirchen wollen jährlich 350 000 Franken - Katholiken 60, Evangelische 40 Prozent - für den dreijährigen Pilotversuch zur Verfügung stellen. Mit der "Kirche mit jungen Leuten" - zur Zielgruppe gehören vor allem die 18- bis 25-Jährigen - kommt ein Projekt mit mehrjähriger Vorarbeit (→ wir berichteten) zur Umsetzung.

Bei den Kirchen weiss man: Jugendliche und junge Erwachsene ticken oft anders als die traditionelle Kirche. Sie besuchen kaum Gottesdienste und ihre Bindung an ihre Heimatkirche ist eher als dürftig zu bezeichnen. Während Schweizer Freikirchen mit ihrer rigorosen Ethik regen Zulauf durch Jugendliche verzeichnen können, ist die Situation bei Religionsgemeinschaften mit einer liberaleren Weltsicht dramatischer.

Genau hier will das St. Galler Projekt ansetzen. Die Fäden für das Junge-Kirche-Projekt laufen bei Markus Naef von der evangelischen Kantonalkirche und bei Damian Kaeser zusammen. Man wolle "nicht die jungen Leute in die Kirche zurückholen", sagt der Leiter der Pastoralen Arbeitsstelle der Katholiken. "Wir wollen mit kirchenfernen, aber sinnsuchenden jungen Erwachsenen auf einen Weg gehen", sagt Kaeser.

Nicht missionieren sei das Ziel, sondern mit einer bewusst christlich-liberalen Haltung auf dem Lebensweg begleiten. Dabei stützen sich die Verantwortlichen auf kirchensoziologische Milieu-Studien. Diese zeigen, dass es für "normale" junge Menschen mit Selbsterfahrungs-Lebensstil in Beziehung, Beruf und Freizeit kaum kirchliche Angebote gibt.

Dass die Planung Hand und Fuss hat, wird auch aus der Strategie für den Aufbau der "Kirche mit jungen Leuten" klar. Statt dass man eine Kirche jugendgerecht einrichtet und wartet, bis die Jugend kommt, soll eine "Junge-Kirche-Bewegung" Projektträger werden. Bereits ist das Stelleninserat für einen "Projektanimator", einen Theologen oder soziokulturellen Animator, druckreif.

In einer ersten Phase soll sich eine Trägergruppe bilden. Als Sinnbild für den Aufbruch und Balanceakt wird in einer St. Galler Kirche temporär ein Hochseilgarten - wie dies in Basel gemacht wurde - eingebaut. Mit Motivationsarbeit und den Wünschen und Fragen, die junge Sinnsucher mitbringen, soll sich in einem Teamprozess der Weg der "Kirche mit jungen Leuten" ergeben. Dazu gehört auch das Programm, in dem sowohl Events wie Spirituelles Platz haben sollen.

Für den Vollbetrieb sind 150 Stellenprozente vorgesehen und während die evangelische Kantonalkirche eine Anschubfinanzierung übernimmt, müssen nach drei Jahren die städtischen Kirchgemeinden für das Geld aufkommen. Wo aber soll die "Junge Kirche" nach der Projektphase eine dauerhafte Beheimatung erhalten?

Zwar gibt es Altstadt-Kirchen wie St. Mangen, die nicht ausgelastet sind, doch für solche Fragen ist es zu früh. Seit überhaupt der Gedanke an eine Jugendkirche aufgekommen ist, wurden verschiedene Örtlichkeiten angedacht, diskutiert und wieder verworfen. Für Kaeser ist die "Junge Kirche" auch in einem "weltlichen" Raum möglich, wie das Beispiel Winterthur zeige.
 
zu diesem Thema:
 
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  •  In St. Gallen gibt es seit geraumer Zeit Bestrebungen, eine Jugendkirche, wie sie vielerorts in Deutschland, Wien und Grossbritannien funktioniert, auf die Beine zu stellen. Katholische und ev. ...

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