All jene, die das Projekt Jugendkirche auf eine Wellness-Oase in der St.-Johannes-Kirche zu Langenholthausen reduzieren möchten, haben den Sinn der Aktion nicht erkannt. Hier geht es nicht darum, eine altehrwürdige Kirche in eine Wüste oder Wellness-Oase zu verwandeln, obwohl die Wüste auch in der Bibel einen hohen Symbolwert besitzt, sondern darum, die jungen Menschen für die Kirche und den Glauben zu begeistern.
Während die Aktion "Jugendkirche" im Pastoralverbund "Balver Land" von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde, ist es dem Nachbarn aus dem "Oberen Hönnetal" gelungen, die Jugend für sich zu gewinnen. Wer die bisherigen Veranstaltungen besucht hat, dem kann nicht verborgen geblieben sein, mit wieviel Herzblut die Jugendlichen ihr breitgefächertes Programm gestalten und durch ihre Begeisterung nicht nur ihresgleichen, sondern auch zahlreiche Erwachsene in die Kirche geholt haben, und sei es nur für einige Tage.

Aus diesem Grunde haben es die jungen Leuten aus dem Pastoralverbund "Oberes Hönnetal" verdient, dass auch weiterhin an sie und ihre tollen Ideen geglaubt wird, und wie es aussieht steht der neue Pfarrer hinter der Idee 'Jugendkirche'. Der Pastoralverbund "Oberes Hönnetal", der erst vor knapp drei Wochen Pastor Ansgar Hester verabschiedete, konnte bereits am Sonntag vor einer Woche in der St.-Lambertus-Kirche Affeln mit Werner Spancken einen neuen Pastor willkommen heissen.
Diese Aufgabe übernahm vorrangig Pfarrer Andreas Schulte, der sich am Samstag vom Kirchturm der JuKi St.-Johannes in Langenholthausen abseilte. "Ob man sich in Zeiten des Priestermangels wirklich abseilen sollte, weiss ich nicht", sagte Pfarrer Andreas Schulte mit einem Lächeln auf den Lippen.
Auch während der Einführungsmesse kräftig die Werbetrommel für die Aktion Jugendkirche rührend, machte der Chef des Pastoralverbundes "Oberes Hönnetal" deutlich, wie engagiert die Christen in den Gemeinden Garbeck, Langenholthausen, Affeln, Altenaffeln, Küntrop und Blintrop sind. Die Skepsis der Alteingesessenen ist grösstenteils Begeisterung gewichen. Die Jugendkirche in Langenholthausen erwies sich bisher als absoluter Volltreffer und zieht junge Gläubige aus der gesamten Region an
"Wir haben in den Gemeinden Menschen, die offen und ansprechbar sind für den Glauben. Dazu wünsche ich Dir ein gutes Händchen, einen wachen Blick und ein liebevolles Herz", sagte Andreas Schulte, der seinem Amtsbruder versicherte: "Du kommst in einen Pastoralverbund, der gut aufgestellt ist. Mit unserer Gemeindereferentin Elke Luig und dem neu geweihten ständigen Diakon Gerd Eisenberg zusammen können wir uns entsprechend ergänzen. Dazu bedarf es einer guten Absprache der Aufgabengebiete und eines regelmässigen Austausches in den Teamsitzungen."
Als Pfarrer Andreas Schulte seine Freude darüber zum Ausdruck brachte, dass der Pastoralverbund "Oberes Hönnetal" einen neuen Priester begrüssen durfte, "was in der heutigen Zeit nicht mehr selbstverständlich ist", räumte er seinem Kollegen Werner Spancken eine längere Eingewöhnungsphase ein. "Jeder Mensch hat seine eigene Lebens- und Berufungsgeschichte und jeder Mensch hat unterschiedliche Begabungen, aber sicher auch seine Macken. Wir gönnen Dir zunächst einmal die Zeit, hier anzukommen, damit Du Dich auch mit der Geschichte der Menschen und der Gemeinden im Pastoralverbund vertraut machen kannst", betonte Andreas Schulte, bevor er auf die geplante Fusion der Pastoralverbünde "Oberes Hönnetal" und "Balver Land" einging.
Die Herausforderung für die kommenden Jahre werde es sein, sich auf weitere Veränderungen, sprich Vergrösserungen der Pastroralverbünde, einzulassen. "Darüber sind unsere Gemeinden natürlich nicht nur glücklich, aber sie sind auch gut vorbereitet und

haben einen klaren Blick für die Realität." Für alle gelte es jetzt, diese Vergrösserung der Pastoralverbünde mit einem gewissen Mass an Eigenverantwortlichkeit und Fingerspitzengefühl zu begleiten.
"Das mache ich daran fest, dass es hier bereits seit Längerem neben der Eucharistiefeier, Gottesdienste, Andachten oder auch Kommunionfeiern gibt, zu denen sich die Gemeinden versammeln", liess Andreas Schulte seinen Amtsbruder wissen und überreichte ihm einen Gutschein für eine besondere Wallfahrt.
"An einem Tag in der nächsten Zeit lade ich Dich zu einer Sechs-Kirchen-Wallfahrt durch den Pastoralverbund ,Oberes Hönnetal' ein. Und wie es bei einer Wallfahrt üblich ist, gehört dazu auch das Einkehren zum Kaffeetrinken in einer heimischen Gaststätte", so Pfarrer Andreas Schulte, dessen Begrüssungsworte von Beifall begleitet wurden.
Jugendkirche gewinnt an ZuspruchAls der Pfarrer das erste Mal aus dem Glockenturm blickte, brandete spontan Jubel unter dem Kirchturm auf. Oben stand Andreas Schulte mit weichen Knien. "Aber jetzt gibt es

wohl kein Zurück mehr", war sich der Geistliche bewusst und begann den ungewohnten Abstieg. Von unten sieht alles halb so wild aus. Knapp 35 Meter Höhe machen aus der Froschperspektive nicht viel her. Exakt 76 Treppenstufen höher rauscht der Wind durchs Kirchengeläut und beim Blick über Langenholthausen fühlt sich die Höhe plötzlich ganz anders an.
Auch für Pfarrer Andreas Schulte, der sich als erster vom Kirchturm abseilte. Nach anfänglichem Zögern gelang der Abstieg aber doch ganz souverän und der Pfarrer erntete den verdienten Applaus. Für die Jugendlichen gab es jetzt kein Halten mehr. Sie wollten selbst den Abstieg vom Glockenturm wagen. Clemens Lösse kam mit der Liste kaum nach. Ohne Zweifel war dies der bisherige Höhepunkt der Jugendkirche in Langenholthausen und wird den Kletterern wie auch den vielen Zuschauern unter dem Kirchturm sicher noch lange in Erinnerung bleiben.
Auch die Erzkonservativen aus der Katholischen Kirche müssen sich inzwischen eingestehen, dass ihre Skepsis bei der Mehrheit der Hönnestädter nur noch Kopfschütteln hervorruft. Nachdem Markus Ickler aus Balve die "Wohlfühl-Oase" kritisierte, sah sich der im Balver Ortsteil Langenholthausen ansässige Lokalredakteur der Westfalenpost, Richard Elmerhaus, genötigt, eine Replik auf den Leserbrief zu erstellen.
"Spontan habe ich nach dem Lesen gedacht, vielleicht wäre es gut gewesen, wenn Markus sich vorher bei seinem Vermieter und Nachbarn, Herrn Pfarrer Dr. Reinhard Richter intensiv und theologisch fundiert hätte erklären lassen, was man zum Beispiel unter der Realpräsenz des Allerheiligsten versteht", antwortete daraufhin Reimund Schulte, und "ich lade Dich ein, aktiv die Angebote der Jugendkirche anzunehmen, es besteht die Möglichkeit bis zum Ostersonntag, 12. April, an den unterschiedlichen Veranstaltungen teilzunehmen. Ich kann Dir versprechen: Du wirst begeistert sein! Ich jedenfalls bin überzeugt und beeindruckt, wie lebendig und jung Kirche sein kann."
Ob allerdings die Lokalseite der Westfalenpost das geeignete Medium für eine Auseinandersetzung mit der sogenannten "Jugendkirche" ist, sei einmal dahingestellt. Fakt

ist, die Theologie der Kirche lässt einen gewissen Pluralismus zu. Selbst Theologen wie der Tübinger Hans Küng finden dort ihren Platz. Das Ziel aber muss klar sein. Inzwischen ziehen selbst die Oberkritiker ihren Hut vor der Leistung der Jugendlichen, die es geschafft haben, das Projekt "Jugendkirche" weit über die Grenzen der Hönnestadt Balve hinaus bekannt zu machen.
Das Echo auf den liebevollen Umgang, den die jungen Menschen derzeit mit den Erwachsenen pflegen, ist völlig zu Recht äusserst positiv und verdient auch von den Beobachtern aus der City von Balve Respekt und Anerkennung, wenn sie sich schon nicht zu einem Lob durchringen können.
Walburga: "Ein herzliches Dankeschön an alle Jugendlichen, die sich in der Jugendkirche engagieren und auch an alle Erwachsenen, die die Jugendkirche ermöglichen und mittragen."
siehe auch →
Jugendkirche hautnah