Die Jugendkirchen-Bewegung (JuKiBe) kann Jugendlichen und jungen Erwachsenen hierfür einiges bieten: Ganze Pakete an "Baumaterial" für ihr Wissensgebäude, das Handwerkszeug nebst Gebrauchsanweisung für deren Zusammensetzung, Baupläne, Unterstützung für die Stabilität, Beratung für die "Inneneinrichtung" und obendrauf noch im günstigsten Fall eine lebendige Gotteserfahrung.
Die Jugendkirche (JuKi) kann in enger Zusammenarbeit mit den Lehranstalten, Erziehungsberechtigten und in erster Linie mit der Jugend selbst die Welt für Heranwachsende beschreiben, für sie Zusammenhänge schaffen und erklären, ihnen helfen, Fakten und Ereignisse einzuordnen. Die JuKi kann Jugendlichen Ängste nehmen und Hoffnung machen; sie kann Jugendliche unterstützen, sich eine eigene Meinung zu bilden; und schliesslich kann sie die christlichen Jugendlichen erfreuen und unterhalten.
In den ersten Jahren unseres noch jungen Jahrtausends hat sich innerhalb der JuKiBe viel getan. Jugendliche als ernst zu nehmende Christen, die mehr benötigen als Bibelstunde, Bastelecke und Kreuzwegbegehung, werden zunehmend in den Fokus kirchengemeindlicher Tätigkeit aufgenommen - werden als neue "Zielgruppe" entdeckt.
Während sich christliche Splittergruppen, zumindest die sektenähnlichen verstärkt aus den USA kommenden, schon lange mit jugendgerechten Angeboten mit entsprechendem Qualitätsanspruch zielgruppensicher an Jugendliche und junge Erwachsene wenden, hat sich erst in der jüngsten Vergangenheit im etablierten christlichen Milieu ein Trend durchgesetzt:
Eine Kirche für Jugendliche, die sich konzeptionell, inhaltlich, sprachlich und optisch an den Ansprüchen Jugendlicher orientiert, ohne die liturgischen Qualitätsmaßstäbe der Kirche für Erwachsene zur Gänze aufzugeben.
Und die Tendenz ist steigend. Jugendkirche, Junge Kirche, Jugendpastorales Zentrum, Jugendkulturkirche, ... wenden sich mit einem breiten christlichen Repertoire an Themen und Ansprüchen vor allem auch an die christlichen Jugendlichen ohne kirchliche Bindung.
Gerade nach der Auswertung der Sinus-Studie U27 sind in den letzten Jahren verstärkt Jugendkirchen entstanden, die gezielter ein stimmiges Konzept verfolgen, noch genauer auf die Jugendlichen eingehen und deren professioneller Anspruch in der

Themenaufbereitung, der Sprache und im Gestalten der Räumlichkeiten orientiert, sich an die grosse Wissbegier und an die Bedürfnisse der Jugendlichen nach Orientierung und Nutzwert wendet. Es sind vor allem dieses gezielte "auf die Jugend zugehen", das den Bedeutungszuwachs der Jugendkirchen erklärt.
Ein wichtiger Bereich ist natürlich zwischenzeitlich der Online-Sektor geworden. Wer früher einem Gebet Nachdruck verleihen wollte, zündete eine Kerze an. Vor allem junge amerikanische Gläubige stellen ihre Bitten heute für alle gut sichtbar immer häufiger ins Netz. Auf extra dafür eingerichteten Internetseiten können sie ihre besonderen Anliegen an Gott schreiben.
Gleichgesinnte Unbekannte posten dann ebenfalls ein Stossgebet, um der Bitte Nachdruck zu verleihen und das Anliegen zu unterstützen. Welcher Religion der Betende dezidiert angehört, ist oftmals zweitrangig, Hauptsache die "Power of Prayer" (Macht der Betenden; Macht des Gebetes) verbindet. So weit ist es in der BRD noch nicht; allerdings haben die in deutscher Sprache installierten Internet-Kirchen eine überraschend hohe Akzeptanz bei den christlichen Usern erreicht, die auf einen Trend hindeuten, der wohl nicht mehr umkehrbar ist.
Auch unter den vielfältigen Jugendangeboten finden sich immer mehr christliche Inhalte und eine JuKi ohne WorldWideWeb-Auftritt erscheint inzwischen geradezu undenkbar. Sie bieten Sachthemen, Hinweise auf Jugendgottesdienste (JuGodis) und christliche Events (z.B. →
Bewegungsmelder), Reportagen sowie Ratgeber, die häufig schon erfolgreich multimedial und interaktiv aufbereitet und durch unterhaltende Online-Elemente ergänzt sind.
Damit kommt dem christlichen Online-Angebot
1. eine immer grösser werdende Bedeutung zu und
2. der wachsenden Nutzung des Internets durch Jugendliche entgegen.
Auch christliche Zeitschriften und Zeitungen wagen vermehrt den Schritt ins Internet (z.B. das badische 'Konradsblatt'' - im Aufbau). Die Motive und möglichen Vorteile für die Online-Anbieter sind vielfältig, aber eines zumindest scheint deutlich: Ein pädagogischer Impuls liegt der Kommunikation mit Jugendlichen immer zugrunde, in den Online-Auftritten der Jugendkirchen sogar die Verantwortung für die informative Selbstbestimmung der Jugendlichen, die in den christlichen Gemeindeverbund hineinwachsen sollen. Das ausschlaggebende Motiv ist eben die Sorge um den Nachwuchs.
Durch Jugendkirchenangebote, eben auch im Netz, kann durchaus eine stärkere Bindung an die Gemeinde erzielt werden. Schwindender Einfluss, sinkende Kirchensteuereinnahmen, die dringliche Sorge um neue Kirchgänger rücken die Heranwachsenden verstärkt ins Blickfeld der grossen christlichen Kirchen. Es wird einiges zum guten gewendet und dennoch drohen die jungen Christen nach der Kommunion/Konfirmation der Kirche abhanden zu kommen.
Zwar verliert insbesondere das Christentum in der Gesamtbevölkerung generell an prägender Reichweite, die Einbussen unter den Jugendlichen wiegen jedoch ungleich schwerer, insofern sie die erwachsenen Christen von morgen sind. Um diesem Trend entgegenzuwirken, entschieden sich bereits vor Jahren eine Vielzahl von Kirchen

Heranwachsende mit jugendgerechten Angeboten ins "schlingernde Boot" zu holen.
Schulprojekte mit christlichen Inhalten wurden durchgeführt, was anfänglich als eine wirkungsvolle Massnahme anmutete, um Jugendliche an die Kirche heranzuführen. Dennoch haben diese Jugendangebote nicht den erhofften Erfolg gebracht. Eine effiziente Bindung konnte damit an die Kirche nicht erreicht werden, eine längerfristige schon gar nicht. Die Annahme, Jugendliche würden durch temporäre Angebote auch in die "restliche" Kirche angedockt, hat sich kaum bewahrheitet: Jugendliche wollen nicht durch herkömmliche Kirche sozialisiert werden und finden sich grundsätzlich nicht gerne in einem "Erwachsenen-Produkt" wieder.
Hier tritt ein inhärentes und schwer lösbares Problem zu Tage: Heranwachsende an sich sind schwierig als eine eindeutig zu definierende Altersgruppe zu fassen und zudem in höchstem Grade heterogen. So blieb es in früheren Jahren nicht aus, dass die Konzepte, die Inhalte, die Sprache und vor allem die visuelle Umsetzung einer gewollt jugendgerechten Kirche häufig an der Zielgruppe ohne längerfristige Wirkung "vorbei rauschte" - zu unterschiedlich waren die Auffassungen innerhalb der Vorstellungswelt des Klerus, wollte er für Verständigung und Verständnis um die Jugend ringen, was durchaus nicht der Regel entsprach.
Aus diesem Kommunikationsverhältnis erwuchsen die Grundlagen und Anforderungen für ein Umdenken innerhalb der kirchlichen Jugendarbeit. Eine spürbare Änderung trat aber erst vor nicht all zu langer Zeit ein, als sich die Erkenntnis, auch im Zuge der beängstigenden Zahlen aus Studien, was das "bundesweite Wegbrechen der Jugendlichen aus dem Kirchenverbund" betrifft, langsam durchsetzte, dass man die Heranwachsenden nur halten würde, wenn man sie aktiv in das Kirchengeschehen einbinden könne.
Die Idee der Jugendkirchen war geboren und trotz mannigfaltiger Widerstände kann sich diese inzwischen zu einer regelrechten JugendKirchenBewegung (JuKiBe) ausweitenden Form christlicher Glaubensäusserung einer hohen Akzeptanz durch die Jugendlichen erfreuen. Es wird somit ein Prozess eingeläutet, der dazu führen kann, dass Heranwachsende, deren Erfahrungsschatz und Wissen, deren Sozialkompetenz und kognitive sowie emotionale Entwicklung gerade in der Jugend auf Lernen konzipiert ist, sich im christlichen Kontext wohl fühlt.
Es scheint so, dass dem Kirchensterben vorerst in einzelnen Fällen Einhalt geboten werden konnte und hier eine kirchliche "Nachwuchssicherung" geleistet wird. Die Jugendlichen wollen solche spezifischen Angebote, wie sie die Jugendkirchen bieten, und sie nutzen sie auch - wenn sie gut gemacht sind und mit Engagement geführt werden.