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Die Jugendkirche und die Welt der Comic-Bibel 2 |
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Geschrieben von pierre roh
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Sonntag, 15. März 2009 |
In Europa, vor allem in dem ungeheuer produktiven franko-belgischen Comic-Raum, zeichnete sich eine ähnliche Verlagspolitik ab, wie sie sich in den USA eingebürgert hatte, getragen zweifelsohne auch von der Vorstellung, Religion sei Privatsache und habe im öffentlichen Raum und damit auch in der öffentlichen Kommunikation nichts zu suchen. Die Intensität, mit der vor allem seit den 1990er Jahren das Christentum, seine Geschichte, die katholische Kirche, der Islam, das Judentum und selbst nicht-theistische Glaubensformen zum Thema der Comics werden, ist daher ein neues Phänomen. Wenn der Text einem zu lang vorkommt, können diese kleinen Comics Wunder wirken.
Obwohl Comics seit vielen Jahrzehnten zur Jugendkultur gehören und sich langsam auch bei den hartnäckigsten Verfechtern des humanistischen Bildungsideals die Erkenntnis durchgesetzt haben mochte, dass es mehr als nur Donald Duck gibt, wird immer wieder deutlich, dass “das vermeintliche Bildungsbürgertum” dieses Medium immer noch nicht verstanden hat. Für diejenigen aber, die sich gegenüber der vielbeschworenen "Wiederkehr der Religion" gerade unter den Jugendlichen nach wie vor abstinent verhalten, ist hier ein Hebel im Einsatz, der sich die Möglichkeiten der Popkultur zunutze macht. Entsprechend drängt sich beinahe auf, diesen neuen religiösen Diskurs der Comics als ein Element jenes Prozesses zu sehen, der seit kurzem als "Wiederkehr der Religion" in Wissenschaft und Journalismus thematisiert wird. Die explizite Präsenz der Religionen in den Comics als Medium unterhaltsamer Selbstverständigung und unterhaltsamer öffentlicher Kommunikation könnte im Kontext anderer Phänomene der genannten Wiederkehr auf ein neues Interesse an Religion und eine Art neuer kultureller Salonfähigkeit derselben verweisen. Diese Präsenz wäre dann ein zusätzlicher Beleg dafür, dass Religion sich zur Zeit im "Aufwind" befindet, ein Übergang in eine "postsäkulare" (Habermas 2001) Zeitsituation bzw. Phase stattfindet. Mit derart unmittelbar gegenwartsbezogenen Zeitdiagnosen ist vorsichtig zu verfahren. Schon die Rede von der Wiederkehr der Religion lässt die Frage stellen, ob die so begrüsste jemals wirklich abwesend war bzw. überhaupt hätte abwesend sein können. Somit haben Comics, wie jede Form der Populärkultur, fraglos eine wichtige Funktion als Anzeiger sozialen Bewusstseins - und nicht nur innerhalb der westlichen Welt. Manga Jesus ... and more Anders als bei uns lieben in Japan Alte und Junge gleichsam Comics. So ist es üblich, zu Stosszeiten in den Zugabteil Nippons die ganzen Pendler zu sehen, wie sie ihre Nasen in das aktuelle Manga-Comic stecken. Die stark stilisierten Zeichentrickfiguren mit den grossen, ausdrucksvollen Augen und Mündern, die uns in der Form von "Heidi", "Sindbad", "Captain Future" und "Kimba, der weisse Löwe" über lange Jahre hinweg begegneten, unterscheiden sich vom Stil her stark von den Disney-Figuren, den Superhelden-Comics, den Francobelgiern und anderen Comiczeichnungen. "Um Japaner zu erreichen, ist dieses Buch effektiver als jeder Jesus Film, der gezeigt wird", berichtet ein Missionar, der schon lange in Japan lebt, über den Versuch, den 127 Millionen Japanern mithilfe einer fast 300-seitigen 'Manga-Bibel' das Evangelium nahe zu bringen. "Das Buch ist sehr authentisch", sagt der Manga-Experte Matthew Brady, "doch im Gegensatz zu den anderen Manga-Comics ist es in Farbe, was ein anderes Gefühl vermittelt, als es die Manga-Leser gewohnt sind. Zudem sind die Seiten mit Überschriften und Dialogen gefüllt und lehnen sich in diesen Punkten eher an westliche Comics an. So ist dieser Jesus-Comic doch anders, als traditionelle Mangas, und wir wissen noch nicht, wie die Manga-Fans darauf reagieren werden." Alles in allem kann man den Comics einen ähnlichen universalen Charakter zusprechen, wie ihn auch die Musik und andere Kunstformen besitzen. Somit ist hier auf ganz natürliche Weise eine Plattform entstanden, über die sich kulturelle Unterschiede überbrücken lassen und die das Verständnis für die unterschiedlichsten Gedanken- und Glaubensrichtungen vereinfacht. Missionierung bekommt somit eine zusätzliche Ausdrucksform - auf die unterschiedlichste Darstellungsart und -weise. Hier eine kleine Auswahl mit z.T. völlig verschiedenen Comics, die direkt oder indirekt biblische Inhalte oder Teile der Bibel umsetzen. Manga Messiah Text: Hidenori Kumai - Illustratoren: Kozumi Shinozawa, Atsuko Ogawa Tyndale House Publishers (2007) 287 Seiten - ISBN: 1-4143-1680-1 Die Pop-Kultur macht es sich zur Aufgabe, alles, was Jugendliche und junge Erwachsene ansprechen und interessieren könnte, niederschwellig zu adaptieren. Da blieb es nicht aus, dass biblische Stoffe Einzug in die moderne Malerei, U-Musik, Film und jetzt in die Comics hielten. Um dem asiatischen Markt die Bibel näher zu bringen, wurde diese in die Manga-Kultur übersetzt. Der Anfang macht Manga Messiah (Teil 1, die Evangelien), handelt vom Leben Jesu, von seiner Geburt bis zur Auferstehung, und ist so authentisch als für dieses Medium möglich transponiert worden. Die Geschichte wurde von Japanern aufbereitet und wird den Bedürfnissen ihrer Landleute leidlich gerecht. Zu viele westliche Erzählmomente diktieren den Erzählfluss und dürften daher lediglich für jene interessant sein, die bereits mit der Bibel vertraut sind. Es ist mehr als fraglich, ob dadurch neues Interesse an der Bibel als solche erwachsen kann. Dessen ungeachtet hat Shinozawa eine sehr gute Arbeit abgeliefert, die Informationen für eine Zielgruppe liefern soll, die sich mit diesem Stoff bisher nur so nebenbei beschäftigt hat. Seit kurzem gibt es nicht nur englische Übersetzungen von dem Buch, sondern auch weitere Teile (siehe die "Manga-Metamorphosis" oder die "Manga Bibel"), die das 1. Buch Mose oder die Apostelgeschichte im beliebten Comicstil nacherzählen. Manga Metamorphosis Text: Hidenori Kumai - Illustratoren: Kozumi Shinozawa, Atsuko Ogawa Tyndale House Publishers (2008) 288 Seiten - ISBN: 1414316828 Die Fortsetzung von Manga Messiah (Teil 2, Apostelgeschichte und Briefe) wird bereits von den Fans des Genres mit kritischem Blick betrachtet: - Diese ‘Mangas’ sind eher pre-Teenstyle, auch bunt, der westlichen Lesegewohnheit angepasst und nicht s/w und nicht rechts-links Leserichtung, wie es Mangapuristen wohl erwarten würden. "Das Buch ist sehr authentisch", sagt hierzu der Manga-Experte Matthew Brady. "Doch im Gegensatz zu den anderen Manga-Comics ist es in Farbe, was ein anderes Gefühl vermittelt, als es die Manga-Leser gewohnt sind. Zudem sind die Seiten mit Überschriften und Dialogen gefüllt und lehnen sich in diesen Punkten eher an westliche Comics an. Japanische Mangas enthalten hingegen viele Seiten nur mit Actionbildern, die die Geschichten ohne Worte erzählen. So ist dieser Jesus-Comic doch anders, als traditionelle Mangas, und wir wissen noch nicht, wie die Manga-Fans darauf reagieren werden." (Teile 3 bis 5 sind geplant) Manga Bible Story Text/Ilustration: Masakazu Higuchi - Editor: Noboru Yamaguchi Publisher: Forest Books (2005) 879 Seiten - ISBN: 426401798X Die Bibelgeschichten scheinen einem universellen Anspruch zu genügen. Die Mangas, die sich bisher diesem Thema widmeten, haben einige der besten Künstler Nippons auf den Plan gerufen. Der Auszug aus Ägypten, David und Goliath, das Leben Christi und einige mehr wurden hier auf eine ganz neue Weise nacherzählt. Manga ist mehr als ein einfältiger Zeichenstil und entwicklte, ähnlich der Bibel, zu einem nicht zu unterschätzenden weltweiten Kultur- sowie Glaubensphänomen. So wurde z.B. eine Manga Bible im "Korean manwha style" erstellt. In dieser Version wurde die Geschichte mit den Traditionen Asiens verwoben, was sich als sehr hilfreich erwiesen hat, um die westliche Symbole in den asiatischen Kulturkreisen verständlich zu machen! Fünf Ausgaben sind bereits erhältlich. Man sollte sich übrigens näher mit diesen Adaptionen beschäftigen, bevor man einen Blasphemie-Vorwurf geltend macht. Hier nun die Bibel in einem s/w-Manga-Stil des renomierten Manga-Illustrators Higuchi, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Geschichte von der Genesis bis zu den Briefen des Paulus vorrangig für das asiatische Publikum zu skizzieren. Er benutzte unterschiedliche Stilrichtungen, die sich jedoch im typischen Manga-Stil bewegen (einige Seiten sind hauptsächlich mit dem Bibeltext versehen, andere eher mit Humor gespickt und reichhaltig bebildert). Manga Bible Texte und Illustrationen: verschiedene Tyndale House Publishers (2007) 1104 Seiten - ISBN-10: 1414316798 Diese Manga-Bibel wurde von einigen der renommiertesten Illustratoren Japans umgesetzt und durch Tyndale publiziert. Die weltweite jugendkulturelle Bedeutung der Mangas, verstärkt naturgemäss im asiatischen Raum, kann durch diese Bibelumsetzung die Heilige Schrift weit über den westlichen Kulturkreis hinausgetragen. Diese japanische Manga-Bibel unterscheidet sich grundlegend von der → Manga Bibel des in England geborenen Nigerianers Sibu, die 2007 bei Hodder and Stoughton erschien. So finden sich in der Tyndale Bibel immer wieder Erklärungen, die die Geschichte ergänzen (z.B. Markus 3/35 - Seite149: "Yeshuah's words did not express hostility toward his family...but his new teaching defined a new family relationship...one created by mutual faith...the family of God."). Diese auf der "New Living Translation Bible" basierende Ausgabe ist erneut ein Beispiel dafür, dass die Bibel in jeder Zeit und in jedwedem Erdkreis seine Berechtigung hat. Der komplette Bibeltext ist hier abgedruckt und wird mit insgesamt 96 Seiten Manga aufgelockert. Die Zeichnungen arbeiten einzelne Schlüsselszenen heraus, die die Intensität des Textes unterstützend begleiten. Gerade wenn man mit den Bibeltexten nicht so vertraut ist, wird man diese in einem neuen Licht sehen. Wie jede grosse Religion besitzen auch sie unumstössliche Erkenntnisse des friedfertigen Zusammenlebens, die in diesem Falle im Neuen Testament gipfelt.
Picture Stories from the Bible: The Old Testament in Full-Color Comic-Strip Form
Bloch Pub Co (1997) 222 pages - ISBN-10: 0934386013
In den frühen 1940ern veröffentlichte M.C. Gaines eine Comic-Serie, die sich den Geschichten der Bibel widmete. Die regelmässig erscheinenden Heftchen finden bald ihren Fan-Kreis, sind heute gesuchte Sammlerstücke und besitzen Kult-Status. Dr. Daniel Thursz, Executive Vice President, B'nai B'rith International, empfiehlt diese Comics den Eltern "...speaks to the child in his own language" auch wegen seiner Werktreue, "a real service by providing them with this book. The stories follow the text of Scripture very closely".
Als Gaines verstarb, veröffentlichte sein Sohn Bill Gaines mit der Unterstützung des Laymen's National Bible Committees und der National Bible Week die Comics erneut. Vor ein paar Jahren wurden sie dann in gebundener Form auf 222 Seiten verlegt, und das Buch erfreute sich damit auf Anhieb weiterer Unterstützung: Hadassah Magazine. "...a unique opportunity to educate and enchant at the same time." David Kucharsky, Editor, Christian Herald: "...a significant contribution to teaching the Scriptures to children of a new generation."
Die Bibel Text: Siku, Frank Neubauer (Übersetzer)
Ehapa Comic Collection - Egmont Manga & Anime (2007) 224 Seiten - ISBN: 3770431804
Der britische Zeichner Ajibayo Akinsiku, kurz Siku, bekannt geworden durch seine Mitwirkung an der Reihe 2000 AD, leiht dem grössten Bestseller der Welt seinen unverwechselbaren Stil, für ihn eine Herzensangelegenheit. Die im mangaesquen Stil gehaltene Interpretation der Heiligen Schrift, die er und Szenarist Akin vorlegen, richtet sich vor allem an junge Leser, die bisher noch nicht mit der Bibel in Berührung kamen.
'Die Bibel' kann somit durchaus als spannende Geschichte gelesen werden, die uns in lebendigem Artwork und zeitgemässer Sprache zur "Sekte der Nazarener" führt. Keine klassische Bibelstunde also. Was der Leser mitnehmen will, bleibt ihm selbst überlassen, "denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert" (Hebräer 4, 12). Ausführlichere Besprechung → hier. siehe auch → Die Jugendkirche und die Welt der Comic-Bibel 1 |
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