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Freitag, 30. Juli 2010
Jugendkirche ohne Internetpräsenz undenkbar PDF Drucken
Geschrieben von pierre roh   
Dienstag, 27. Januar 2009

jugendkirche setzt auf internetpräsenzIn den letzten fünf Jahren hat sich in den christlichen Kirchen viel getan. Jugendliche als ernst zu nehmende Rezipienten (Beobachter), die mehr brauchen und wollen als automatisch abgespulte Gottesdienste und Bibelstunden, werden zunehmend in den Fokus gemeindlicher Tätigkeit aufgenommen und als "neue Gläubige" entdeckt, vor allem innerhalb der aufstrebenden Jugendkirchenbewegung (JuKiBe). Dem wird in steigendem Masse auch im medialen Bereich Rechnung getragen. JuKi ohne Präsenz im Internet erscheint z. B. inzwischen nahezu undenkbar.

Während Fernsehen und Hörfunk, jedenfalls was die öffentlich-rechtlichen und in letzter Zeit auch in zunehmenden Masse die privaten Sendeanstalten betrifft, sich schon lange mit christlichen Angeboten mit Qualitätsanspruch zielgruppensicher an Jugendliche wenden, hat sich erst in der jüngsten Vergangenheit  im Internet ein entsprechender Trend durchgesetzt: "Ein Journalismus für Jugendliche, der sich konzeptionell, inhaltlich, sprachlich und optisch an professionellen Maßstäben innerhalb des  Onlinesektors orientiert."

Unter den vielfältigen Jugendangeboten im Internet finden sich immer mehr christlich orientierte Inhalte. Sie bieten Sachthemen, Ratgeber, Nachrichten und Kurzreportagen, die häufig schon erfolgreich multimedial sowie interaktiv aufbereitet sowie durch unterhaltende Online-Elemente aufgelockert sind. Damit kommt der Online-Journalismus der wachsenden Nutzung des Internets durch Jugendliche entgegen, und sogar Hörfunk- und Fernsehangebote für Jugendliche streben entsprechende Online-Auftritte an.

Auch die Kirchen wagen vermehrt den Schritt ins Internet. Eine ernsthafte Jugendkirche ohne eigene Online-Präsenz ist inzwischen sowieso nicht mehr denkbar und einmal im Jahr wird eine ansprechende christliche Homepage mit einer Prämie bedacht, dem sogenannten → "Web-Fisch". Die besten christlichen Websites werden dadurch seit 1996 mit dem Symbol des Wettbewerbes, dem augenzwinkernden Fisch, ausgezeichnet. Darüber hinaus gibt es noch Geld- und Sachpreise. Die Entscheidung trifft eine Fachjury.anklicken

Dennoch ist die christliche Kirche im medialen Umfeld stark unterrepräsentiert. "Angesichts der Digitalisierung der Medien darf die Kirche das Feld nicht nur anderen Sinnanbietern überlassen", sagt der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Gerhard Fürst, und propagiert Pläne für einen katholischen Fernsehsender. Die katholische Kirche in Deutschland will diese Ambitionen diesbezüglich gründlich überprüfen.

So stellt sich für Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, die Frage: "Wen wollen wir erreichen? Mit einem Nischenkanal für die, die wir ohnehin erreichen, ist noch nicht viel gewonnen." Unklar sei zudem, wie teuer ein eigener TV-Sender eigentlich wäre.

Grundsätzlich seien sich die Bischöfe in Deutschland zwar einig, medial in die Offensive zu gehen. Das Fernsehengagement dürfe aber nicht dazu führen, dass die Kirche ihre Programmplätze bei den öffentlich-rechtlichen Sendern aufgäbe, resümiert Zollitsch, und "ich gehe davon aus, dass wir im kommenden Jahr erst einmal mit beweglichen Bildern ins Internet einsteigen und dort Erfahrungen sammeln".

Ob es bei einem erfolgreichen Start dieses Versuchs noch zu einem katholischen TV-Sender in Deutschland kommt, scheint zumindest fraglich - schon aufgrund der bisher unkalkulierbaren Kosten: die Schätzungen schwanken zwischen dreieinhalb und 30 Millionen €uro pro Jahr. Zudem gewinnt das Internet als Informationsmedium weitreichende Bedeutung, während die TV-Anstalten hingegen zunehmend Marktanteile verlieren.

Die Bedeutung des Fernsehens beginnt zu bröckeln: Erzielte vor drei Jahren das klassische Fernsehprogramm noch einen Zuschaueranteil von 74 %, wird im langsam einsetzenden Sinkflug nun die Marke von 67 % erreicht. Die sich hier abzeichnenden Bedeutungseinbussen des bisherigen Fernsehens sind gekoppelt mit der Bedeutungszunahme des Netzes.

Die klassischen Medien ringen um ihre Bedeutung und die öffentlich-rechtlichen Anstalten um ihr Recht, ein Online-Angebot zu veranstalten, das volle Gebühren auch für das Netz rechtfertigt, anstatt ihre Existenzberechtigung in der Gestaltung eines ansprechenden Programms zu suchen. Das Fernsehen wird voraussichtlich in der Gruppe der Unterhaltungsmedien bereits in wenigen Jahren als wichtigste Nachrichtenquelle durch das Internet abgelöst werden.

Mit dem neuen Medium Internet etabliert sich auch ein neues On-Demand Informationsverhalten. Allein 47 % der 14- bis 19-Jährigen sind hierzulande Mitglied einer Online-Community. Wesentliche Schlussfolgerung aus den neuesten Daten zur Mediennutzung der Deutschen der "Allensbacher Computer- und Technikanalyse" (Acta 2008):
  • Die Nutzung von Informationen erfolgt zunehmend anlass- und ereignisgetrieben, der habituelle Griff zu Zeitung oder Fernbedienung ist passé.
  • Die Nutzer reagieren auf die Informationsfülle mit einer Verengung ihres Interessenspektrums.
  • Die Nutzer konzentrieren sich stärker auf Informationen, die ihnen persönlich etwas nützen - wie etwa Reviews neuer Informationstechnik.
Im Gegensatz zur Deutschen Bischofskonferenz wagt Papst Benedikt XVI. und der Vatikan schon jetzt einen in die Zukunft weisenden Schritt ins Internet: Seit diesem Wochenende ist das katholische Kirchenoberhaupt auf der Online-Video-Plattform YouTube mit einem eigenen Kanal präsent: vaticande.

Lange Zeit stand der Vatikan nicht gerade im Ruf, zur Avantgarde des internationalen Medienbetriebs zu gehören. Die Medienarbeit hinkte säkularen Standards hinterher, der "Osservatore Romano" wirkte mit endlosen Bleiwüsten wenig leserfreundlich (mittlerweile ist er eine topaktuelle Tageszeitung geworden), lediglich "Radio Vatikan" fiel schon seit Jahren durch seine grosse Professionalität auf. Die neue Zusammenarbeit mit "Google" auf "YouTube" ist nun ein Signal, dass die Kirche ihre Botschaft vor allem dort anklickenpräsent machen möchte, wo die Jugend ist.

Erste Video-Clips zeigen den Papst im Kanal der Google-Tochter mit Ausschnitten seiner Weihnachtsbotschaft und zum Weltfriedenstag am 1. Januar sowie mit seiner Sicht zum Nutzen der Medien für den Frieden im "Digitalen Zeitalter". Papst Benedikt XVI. hat die "digital generation" zu einem klugen Umgang mit den modernen Medien, vor allem mit dem Internet aufgerufen.

Bei einem Angelus-Gebet unterstrich er am Sonntag, 25. Januar, die Chancen der neuen Technologien für eine Kultur des Respekts, des Dialogs und der Freundschaft. Die Verbreitung von Video-Clips - in Kooperation mit Google über YouTube - sei ein guter Beitrag, um Nachrichten über den Vatikan breiter und schneller über das Worldwideweb zugänglich zu machen. Zugleich könne sie Menschen auf der Suche nach geistiger Suche auf Antworten weiterhelfen, sagte er in einem Grusswort auf Englisch und wünschte der  gestarteten Video-Initiative viel Erfolg.

Täglich sollen ein bis drei Clips hinzukommen. Der werbefreie Kanal solle es Millionen Menschen weltweit erlauben, sich direkt und möglichst aktuell über die Aktivitäten des Papstes zu informieren. Im Internet wird der neue Kanal schon spasseshalber "Popetube" genannt.

Bereits seit 1997 nutzt der Vatikan das Internet nicht nur für die weltweite interne Kommunikation mit den Apostolischen Nuntiaturen und sonstigen vatikanischen Vertretungsbehörden, sondern ebenso für die Informations- und Öffentlichkeitsarbeit. Auch die einzelnen Kurien-Dikasterien entdecken zunehmend das Internet. Auf der Website des "Governatorats" des "Staates der Vatikanstadt" kann man neuerdings über sechs "Webcams" Live-Bilder vom Petersplatz oder vom Grab Johannes Pauls II. betrachten.

Die Jugendkirchen sind im Gegensatz dazu nahezu spartanisch auf YouTube vertreten, schlicht weg unterrepräsentiert. Um dieses Medium umfangreicher für die Vorstellung der JuKis zu nutzen, wird in den nächsten Wochen von den Jugendkirchenportalen (jukis.org und jugendkirchen.org) eine umfangreiche Kampagne ins Leben gerufen, die diesen Mißstand zu beheben sucht. Nähere Informationen demnächst hier.
 

 
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