Kino und Kirche - geht das zusammen? "Ja", behaupten der Pastor der St-Sixti-Gemeinde, Mathis Burfien, und die Leiterin des Kinos Neue Schauburg, Marianne Junge in Northeim. Eine Leinwand vor dem Altar - gemeinsam riefen sie das Projekt "Kirche und Kino" ins Leben. Hier werden Filme mit Gottesdiensten verbunden. "Kino und Kirche sollen sich gegenseitig befruchten", sagt Burfien. Auf den ersten Blick habe beides wenig miteinander zu tun. Doch in jedem Film verberge sich eine Botschaft, die Antwort auf eine wichtige Lebensfrage gibt, sagt Burfien. Deshalb laden der 38-jährige Pastor und die 26-jährige Kinoleiterin auch am kommende Wochenende zu einer Premiere. "Adams Äpfel" ist der Titel des Films, dem sich Burfien in einem Gottesdienst in der Northeimer St.-Sixti-Kirche widmet. Darin geht es um den naiven Pfarrer Ivan, der als Bewährungshelfer dem brutalen Adam den Weg zurück in die Gesellschaft ebnen soll. Der wundert sich, dass er das Weichei Ivan selbst durch rohe Gewalt nicht vom Pfad der Tugend abbringen kann.
 Der Film Adams Äpfel ist eine Groteske des dänischen Regisseurs und Drehbuchautors Anders Thomas Jensen aus dem Jahr 2005. In Dänemark startete der Film am 15. April 2005 und lief anschliessend auf verschiedenen Filmfestivals auf der ganzen Welt (u.a. im Rahmen des Fantasy Filmfests in Deutschland). In Deutschland kam der Film am 31. August 2006 in die Kinos und ist jetzt auch auf DVD erhältlich. ADAMS ÄPFEL ist eine bissige Komödie mit Tiefgang über menschliche Schwächen, göttliche Willkür und die Frage, wie viel Güte ein Mensch ertragen kann. Mit seinem ganz besonderen Sinn für skurrile Situationen und Charaktere verstrickt Regisseur Anders Thomas Jensen seine Protagonisten in einen genauso absurden wie komischen Kampf zwischen Gut und Böse. Dabei zeigt er auf charmant-sympathische Weise, dass es alles andere als leicht ist, sich in diesem Konflikt für die richtige Seite zu entscheiden - auch wenn höhere Instanzen ihre Finger im Spiel haben. Im Gottesdienst zeigt Burfien einige Ausschnitte aus dem Film und spürt der Botschaft des Inhalts nach. Noch sitzt der Pastor über seiner Predigt. "Kopfzerbrechen bereitet mir der Teufel, der in dem Film eine Rolle spielt", sagt er. Den Film in voller Länge zeigt zwei Tage nach dem Filmgottesdienst die Neue Schauburg am Dienstag, 20. Januar, ab 20 Uhr. Der Eintritt kostet 6,50 Euro. Wer den Filmgottesdienst besucht, bekommt einen Gutschein und zahlt einen Euro weniger. Dass der Film noch einmal in ganzer Länge nach dem Gottesdienst gezeigt wird, ist neu.
Filmgottesdienste organisiert Burfien bereits seit fünf Jahren. Seit er 2007 nach Northeim kam, bietet er drei Filmgottesdienste im Winter an. Zuletzt besuchten 130 Besucher, zunehmend jüngere Menschen, den besonderen Gottesdienst. Kino und Kirche passen zusammen. "Filme sind ganz nah dran am Menschen", sagt Burfien. Und das ist auch er mit seiner Idee.
Filmgottesdienst: Sonntag, 18. Januar, ab 18 Uhr, St.-Sixti-Kirche
Kinovorstellung: Dienstag, 20. Januar, ab 20 Uhr, Neue Schauburg
Glaubensfrage USA 2008; Regisseur: John Patrick Shanley  Das Wort "Zweifel" inspirierte Autor und Regisseur John Patrick Shanley zu dem meistgefeierten Stück des letzten Jahrzehnts, das schliesslich dazu führte, dass er die Geschichte für ein Drehbuch adaptierte. Der Oscarpreisträger ("Mondsüchtig", 1988) verpflanzte die Zweifel in eine bedeutungsschwere und scheinbar unlösbare Situation: ein Pfarrer wird beschuldigt, ein Mitglied seiner Gemeinde missbraucht zu haben. Eben eine solche Situation, die Menschen schnell polarisiert. In der Menschen ohne zu zögern andere brandmarken und verdammen würden. Die Geschichte siedelt er an der katholisch konventionellen St. Nicholas Schule der Barmherzigen Schwestern in der Bronx in der spannungsreichen Atmosphäre Mitte der 60er an. Es ist die Zeit unmittelbar nach dem Kennedy-Attentat und des Wendepunktes der Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre. Die sozialen Hierarchien und das Establishment, sowie das Militär und die organisierte Religion wurden in Frage gestellt. Das 1962 von Papst Johannes XXIII einberufene zweite Vatikanische Konzil leitete eine Reihe von bedeutenden Reformen ein, die die Kirche moderner und somit offener und zugänglicher für die wandelnde Gesellschaft machen sollte. All diese Veränderungen und Modernisierungen werden in Pater Flynn, verkörpert durch Oscarpreisträger Philip Seymour Hoffman, personifiziert. Er stellt einerseits die bestehenden Institutionen in Frage, während er andererseits noch in diesem System arbeitet. 1964, St. Nicholas in der Bronx. Die strengen Sitten der Schule werden grimmig von Schwester Aloysius Beauvier (Meryl Streep) gehütet. Und eben diese will der lebensbejahende, charismatische Priester Pater Flynn (Philip Seymour Hoffman) auf den Kopf stellen. Der Wind des politischen Wandelns weht durch die Gemeinde und die Schule nimmt sogar ihren ersten schwarzen Schüler auf, Donald Miller (Joseph Foster). Doch dann berichtet die hoffnungsvoll-naive Schwester James (Amy Adams) ihrer mit eiserner Faust herrschenden Direktorin, dass Pater Flynn dem kleinen Donald zu viel private Aufmerksamkeit widmet. Schwester Alyosius startet sofort einen Kreuzzug gegen Pater Flynn. Sie will die Wahrheit herausfinden und ihn von der Schule vertreiben. Ohne jeglichen Beweis und nur mit ihrer moralischen Sicherheit bewappnet, verstrickt sie sich mit Pater Flynn in einen Glaubenskampf, der Institutionen von Kirche und Schule zu zerreissen droht - mit verheerenden Konsequenzen. Ein Streit zwischen zwei scharfsinnigen und wortgewandten Menschen entfacht, die sich nicht davor fürchten ihre Worte als Waffen einzusetzen. Der Zuschauer wird der klassischen Krimi-Frage gegenüber gestellt: "Hat er es getan oder nicht?" Man sieht die Geschichte durch das Prisma seiner eigenen Vorurteile und Erfahrung sowie seiner emotionalen Beziehung zu Institutionen und widersprüchliche, paradoxe und geheimnisvolle Menschen lassen einem sein eigenes Urteilungsvermögen hinterfragen. Sieben LebenUSA 2008; Regie: Gabriele Muccino  In dem intensiven, aber plakativen Drama 'Sieben Leben' arbeitet Superstar Will Smith erneut mit Regisseur Gabriele Muccino und den Produzenten von "Das Streben nach Glück" zusammen. Die Macher dieses Filmes orientieren sich am Strickmuster der schicksalsschwangeren Filmpuzzles "21 Gramm" und "Babel" des Mexikaners Alejandro Gonzales Inarritu und seines Drehbuchautoren Guillermo Arriaga, das sie polarisieren und ganz hollywoodlike trivialisieren, indem sie Will Smiths Starstatus in seiner tragischen Rolle nicht beschädigen , sondern bestätigen. Smith spielt in 'Sieben Leben' die Rolle des von Selbstzweifeln geplagten Ben Thomas, den ein schicksalhaftes Geheimnis umgibt. Er bricht auf zu einer aussergewöhnlichen Reise, auf der Suche nach Wiedergutmachung - an deren Ende sich sein Leben sowie das von sieben Fremden für immer verändern wird; und so ist der Film mit einer dezenten christlichen Note versehen, die die Inszenierung mit den ersten Worten von Ben Thomas aus dem Off anschlägt, ohne sie besonders hervorzuheben. Ben Thomas (Will Smith) hockt völlig verzweifelt in einem Motelzimmer in Los Angeles. Der ehemalige Luftfahrt-Ingenieur steht kurz davor, seinem Leben ein Ende zu setzen. Mit einem Anruf bei der Notrufzentrale kündigt er seinen unmittelbar bevorstehenden Selbstmord an. Rückblick: Wie es zu dieser Situation kam, verrät die Vorgeschichte. Ben hat sich vorgenommen, das Leben von sieben Menschen fundamental zu verändern. Er schleicht sich als Finanzbeamter in deren Umfeld ein und schnüffelt herum. Seine Deckung gibt er nicht auf, das Geheimnis, das seine Person umgibt, behütet er sorgsam. Besonders die hübsche Grusskartendruckerin Emily Posa (Rosario Dawson) weckt sein Interesse. Über seine Kompetenzen hinaus gewährt er ihr einen grosszügigen Aufschub für ihre Steuerschulden. Eine Herzkrankheit hindert sie an der Ausübung ihres Berufes. Aber die Chance auf ein Spenderherz ist gering. Zwischen den beiden entwickelt sich eine zaghafte Beziehung, die wie der Film selbst auf halber Strecke zwischen Ambition und Konvention stecken bleibt. Vom amerikanischen Traum zum Albtraum: In ihrer ersten Zusammenarbeit 'Das Streben nach Glück' widmeten sich Regisseur Gabriele Muccino und sein Superstar Will Smith mit einem sehr kräftigen Druck auf die Tränendrüse dem märchenhaften Aufstieg eines Obdachlosen zum Grossverdiener - brutaler Friss-oder-stirb-Kapitalismus in Reinkultur, der allerdings so süss serviert wurde, dass er Smith-Fans nicht sauer aufstiess. Hier geht das Duo Muccino/Smith nun den entgegengesetzten Weg. Hauptfigur Ben Thomas startet ganz oben, sein Ziel ist jedoch vorgezeichnet: der Tod. Ton und Thema sind düster, aber der omnipotente Publikumsliebling Smith sorgt dafür, dass selbst diese Reise ins Herz der Finsternis mit Unterhaltungswert aufwartet. Der Soundtrack birgt zudem manche schöne Überraschung, wie etwa 'One Of These Things First' des verblichenen Nick Drake, 'Feeling Good' in der Version von Muse und auch 'For Me Formidable' gesungen von Charles Aznavour, 'How Insensitive' interpretiert von Diana Krall, trägt aber im Endeffekt, wie auch einige humoresque Momente, dazu bei, den wahrhaftig todtraurigen Kern der Geschichte ein wenig in Watte zu verpacken. Das Mitführen von Taschentüchern ist dennoch empfehlenswert, denn 'Sieben Leben' ist Kino der grossen Gefühle. Publikumsliebling Will Smith ("Das Streben nach Glück", "I am Legend", "Hancock") und Rosario Dawson ("Sin City", "Rent", "Death Proof - Todsicher") brillieren in den Hauptrollen dieses feinfühligen Dramas., an ihrer Seite Woody Harrelson ("No Country for Old Men", "Larry Flynt - Die nackte Wahrheit") und Barry Pepper ("Der Soldat James Ryan", "Flags of our Fathers"). Die PerlmutterfarbeBRD 2008; Regie: Marcus H. Rosenmüller  Der Roman "Die 'Perlmutterfarbe'" hat eine beeindruckende Odyssee hinter sich: Nachdem die jüdische Autorin Anna Maria Jokl 1933 bereits aus Berlin geflüchtet war, musste sie 1939 auch ihre neue Heimat Prag verlassen, als die deutschen Truppen in die Tschechoslowakei einmarschierten. Dabei liess sie ihr einziges Hab und Gut, das Manuskript zur "'Perlmutterfarbe'", kurz vor der Grenze bei einem Schlepper zurück. Eigentlich hatte sie damit das Buch bereits abgeschrieben, doch zwei Wochen später besuchte sie der Schlepper Jokl in einem Flüchtlingslager und gab es ihr zurück. Brigitte Hobmeier: "Sie beschreibt, wie sie alles zurücklassen musste, als sie aus Berlin fliehen musste. Sie erzählt auch, wie sie mit einem Mann gesprochen hat und er sie fragte, was sie am meisten vermissen würde. Natürlich erwartete er eine Antwort wie Meine Möbel, meinen Schmuck oder meine Möbel. Sie antwortete aber mit "mein Manuskript", welches sie zurücklassen musste. Das beeindruckte ihn dermassen, dass er ihr das Manuskript holte und ihr ins Exil nach England verhalf." Selbstverständlich durfte die Geschichte, in der Jokl ihre Erfahrungen mit den Nationalsozialisten verarbeitete, nicht zu Kriegszeiten in Deutschland erscheinen. Erst 1948 brachte ein Ostberliner Verlag den Roman auf den Markt. Doch bereits drei Jahre später wurde "Die 'Perlmutterfarbe'" in der DDR auch schon wieder verboten und erst Anfang der 90er Jahre wiederaufgelegt. Nun hat sich der bayerische Vorzeige-Regisseur Marcus H. Rosenmüller (Schwere Jungs, Beste Zeit, Beste Gegend, Räuber Kneissl) der Geschichte um eine kleine Notlüge mit schwerwiegenden Folgen angenommen. 1931, in einer bayerischen Kleinstadt: Der 13-jährige Alexander (MARKUS KROJER) geht in die A-Klasse einer Realschule. Er ist beliebt und sein bester Freund ist Maulwurf (DOMINIK NOWAK). In Lotte (ZOÉ MANNHARDT) ist er ein bisschen verliebt. Als der Zufall ihm Maulwurfs neueste Erfindung, die 'Perlmutterfarbe', die Papier im Sonnenlicht in Regenbogenfarben glänzen lässt, in die Hände spielt, gerät sein Leben etwas aus den Fugen. Durch einen Zufall rollt die Flasche mit der Farbe in den Ranzen von Alexander. Der arbeitet gerade an seinem Beitrag für den diesjährigen Malwettbewerb. In der Klasse herrscht alsbald helle Aufregung über das Verschwinden der Perlmutterfarbe. Alexander hat sich vom B-Karli (Paul Beck) ein Buch ausgeliehen, aus dem er Bilder abpausen möchte. Durch einen weiteren unglücklichen Zufall fällt die offene Flasche mit der Perlmutterfarbe auf das wertvolle Buch. Hastig wirft Alexander es ins Feuer, als sein Schulkamerad an der Tür klopft, um es abzuholen. Statt mit der Wahrheit herauszurücken, greift Alexander zu einer Notlüge. Gruber, ein unliebsamer Klassenkamerad, deckt Alexander und nutzt seine Abhängigkeit für seine Zwecke. Geschickt kann er den Verdacht auf B-Karli (PAUL BECK) lenken und eine Hetzkampagne lostreten. Alexander verstrickt sich immer mehr in ein Lügengespinst und entfernt sich weiter von Maulwurf und seinen Freunden, während Gruber die beiden Klassen hinterhältig gegeneinander ausspielt... Die KlasseFrankreich 2008; Regie: Laurent Cantet  Dies gleich vornweg: Wer ins Kino geht, um möglichst grossen Abstand zu der ihn umgebenden Wirklichkeit zu gewinnen, ist in diesem Film fehl am Platz. Schauplatz ist nicht irgendeine computerbereinigte oder exotische Kulisse, sondern ein schmuckloses Schulgebäude am Randbezirk gesellschaftlicher Normalität. Gerade hier drängt sich die Frage "Lehrer, Traumberuf oder täglicher Albtraum?" auf. Die Zeiten, in denen dieser Berufsstand noch besondere Hochachtung genoss, sind längst vorüber. Trotzdem ist für viele der Beruf des Lehrers immer noch sehr attraktiv. Die Sicherheit des Beamtenstatus, die vielen Ferientage, die Freude an der Wissensvermittlung und die Chance, junge Menschen positiv zu prägen, sind nur einige der Gründe, sich für eine Laufbahn im Schulbetrieb zu entscheiden. Allerdings müssen sich Pädagogen heute mehr denn je auch als Sozialarbeiter einbringen, um mit respektlosen und lernunwilligen Schülern fertig zu werden. In dem dokumentarisch angehauchten Drama "Die Klasse" taucht der Zuschauer in den Alltag einer Schulklasse ein und begleitet einen Lehrer und seine Schüler ein Trimester lang. François Bégaudeau, der sich hier cineastisch selbst darstellt, war selbst ein ganz gewöhnlicher Pädagoge, der seine Erfahrungen in einem Buch namens "Ente Les Murs" festhielt, das in in seinem Heimatland Furore machte und diesem Film zugrunde liegt. Dabei zeichnet Regisseur Laurent Cantet (In den Süden) ein realistisches Bild des Lehrerdaseins mit all seinen Höhen und Tiefen. Auch Themen wie Schulpolitik und deren Umsetzung werden aufgegriffen, womit der Film die Problemstellungen der Bildungssysteme wohl aller westlichen Industriestaaten widerspiegelt. So wird dieser Film auch jene vor den Kopf stossen, die einen dieser "pädagogisch besonders wertvollen Schulfilme" erwarten. François (François Bégaudeau) ist ein engagierter Lehrer an einer Pariser Schule in einem Problembezirk des 20. Arrondissements. Ihm geht es nicht nur darum, seinen Stoff in seiner 25-köpfigen Französischklasse irgendwie durchzuziehen. Er hat vielmehr den Anspruch, seinen Schülern auch ein gewisses Mass an Respekt und Toleranz zu vermitteln. So kommt einmal Anne Franks Tagebuch als Schullektüre ins Spiel; doch die Reaktion der Schüler ist verhalten bis ablehnend. In dem angeblich nach einer wahren Geschichte gedrehten US-Film "Freedom Writers" wird dieses Buch zum Anstoss für eine Klasse, sich zu motivieren und sich auch mit den jeweiligen eigenen persönlichen Dämonen auseinanderzusetzen. Hier ist ein derartiger Ansatz nicht einmal im Entferntesten zu erahnen. Denn seine unmotivierten 13- bis 15-jährigen Schützlinge sind nicht nur in einem schwierigen Alter, sondern entstammen zudem den unterschiedlichsten Kulturkreisen. Die Bemühungen um Wissens- und Wertevermittlung bedeuten so ein tägliches nervenaufreibendes Ringen, und trotz der spezifischen französischen Aspekte dieses Films, bei dem man sich übrigens die nicht selbstverständliche Mühe einer sorgfältigen Synchronisation machte, beschert er doch auch deutschen Kinobesuchern ein AHA-Erlebnis nach dem anderen. Er wird auch wirklich dramatisch, wenn es dann gegen Ende verstärkt um den Schüler Suleyman geht, der aus Mali kommt, eine negative Haltung an den Tag legt und von der Schule zu fliegen droht. Und dann steht auch immer wieder Fussball im Mittelpunkt, ist immer wieder Thema der mehr oder weniger kultivierten Diskussionen in der Klasse, mit Streit und bösen Worten; und klar: jede Nationalität hat ihre eigene Lieblingsheimatmannschaft. Am Ende des Schuljahres dann ein versöhnliches Fussballspiel zwischen Schülern und Lehrern als Ausklang - bis im Herbst der Kampf weitergeht. Die Goldene Palme, die der Film 2008 in Cannes erhielt, ist in diesem Falle eine Empfehlung, sich diesem Stück Lebenswirklichkeit im Kino auszusetzen. TwilightUSA 2008; Regie: Catherine Hardwicke  Er ist der Ladykiller unter den Kreaturen der Dunkelheit. Spätestens seit Anne Rice wird der Vampir romantisch verklärt und als Casanova der Nacht und Herrscher unausgelebter Sehnsüchte idealisiert. Eigentlich ist es vor dem Hintergrund dieser Entwicklung nur konsequent, wenn aus dem einst gefürchteten Fürst der Finsternis nunmehr ein waschechtes Teenie-Idol wird, dem die Herzen junger Mädels in Scharen zufliegen. Nachdem die Vampir-Reihe der US-amerikanischen Jugendbuchautorin Stephenie Meyer international für grosse Aufmerksamkeit sorgte, war schnell klar, dass auch ein zugehöriger Film gute Chancen hätte, ein grosses Publikum anzusprechen. Gesagt, getan! Nun kommt, knappe vier Jahre nach der Veröffentlichung des Auftakt-Romans "Bis(s) zum Morgengrauen", mit "Twilight" die erste Verfilmung in die Kinos. In den USA schlug der Film von Catherine Hardwicke (Dogtown Boys, Dreizehn) ein wie eine Bombe und startete sogar besser als James Bond 007 - Ein Quantum Trost. Isabella "Bella" Swan (Kirsten Stewart) ist ein hübsches, zurückhaltendes 17-jähriges Mädchen. Um dem Glück ihrer Mutter mit deren neuem Mann nicht im Wege zu stehen, zieht sie zu ihrem Vater Charlie (Billy Burke) nach Forks, einer kleinen, stets von dichten Wolken verhangenen Stadt im amerikanischen Nordwesten. Eigentlich ist Isabella Swan (Stewart) nur ungern nach Forks zurückgekommen. In der verregneten US-Kleinstadt scheint nur selten die Sonne, das Leben ist langweilig - und der Ort steht eigentlich für eine Zeit, die sie hinter sich zu lassen gehofft hatte. In ihrer Schule findet sie schnell Anschluss. Doch mehr als für ihre neuen Freunde interessiert sich Bella für die sonderbare Cullen-Familie. Vor allem für Edward Cullen (Robert Pattinson, * 13. Mai 1986 in London, England), zu dem sie sich wie magisch hingezogen fühlt. Irgendetwas ist dennoch seltsam an diesem jungen Mann, doch es dauert eine Weile, bis Bella dahinter kommt: Edward ist ein Vampir! Pattisons Interpretation des zahnlosen Edward ("Sie wollten, dass ich ein perfektes Lächeln habe", enthüllte Robert jetzt dem "Daily Express". "Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass mit meinen Zähnen etwas nicht stimmt. Aber die Produzenten wollten trotzdem, dass ich eine Spange trage.") rückt den blassen Dracula-Erben in die Nähe eines unbeugsamen, aber gebildeten Outlaws, der gerne mal am Klavier für seine Angebetete in die Tasten greift und bei allen Macho-Posen immer zu seinen Gefühlen steht. Denn auch der hat ein Auge auf das Mädchen geworfen, allerdings ist es für ihn nicht leicht, seinem Verlangen nach Blut zu widerstehen…Aber Isabella kann nicht fliehen. Längst ist sie dem Knaben bedingungslos ausgeliefert. Doch wir können aufatmen: Bei allen schmerzhaften Komplikationen, die eine solche Konstellation zwischen Mensch und Vampir gewöhnlich mit sich bringt, ist es doch ein glücklicher Zufall, dass Edwards Familie menschlichem Blut schon vor langer Zeit abgeschworen hat. Stattdessen geben sie sich mit tierischen Opfern zufrieden. Die Versuchung, von dieser Regel wieder einmal abzuweichen, bleibt aber latent als Bedrohung spürbar. Insofern ist das Verhältnis zwischen Bella und Edward nie frei von Spannungen. Wirklich bedrohlich wird es allerdings erst, als andere Vampire auftauchen, die weit weniger nobel sind und keinen "Wir-saugen-nur-Tiere-aus"-Kodex kennen. Obwohl es zwischen Bellas Beschützer und Neuankömmling James (Cam Gigandet) wenig überraschend zum Showdown kommt und dabei zumindest kurzzeitig die Action im Vordergrund steht, ist Twilight kein Film, der auf blutige Suspense abzielt. Die mit Gothic-Elementen versetzte Geschichte ist letztlich so harmlos wie Edwards und Bellas keusches Tête-á-Tête. Einen derart enormen Erfolg, wie ihn Twilight - Biss zum Morgengrauen, die Buchverfilmung der gleichnamigen Vorlage von Stephenie Meyer, aktuell durchlebt, hätte sich ein Verleih- und Produktionshaus wie Summit Entertainment, das erst seit einem Jahr am amerikanischen Markt vertreten ist, sicher nicht träumen lassen. Unzählige Anhänger der mittlerweile zur Tetralogie angewachsenen Buchreihe zog es in die Lichtspielhäuser. Doch der Erfolg beim Publikum ist ja bekanntermassen nicht immer ein Indikator für künstlerische Qualität, sondern manchmal auch Indiz für (zu) viele künstliche Aromastoffe. In seiner Ausgangslage erinnert 'Twilight - Biss zum Morgengrauen' an den schwedischen Vampir-Beitrag 'So finster die Nacht', der angeschoben von weit weniger PR auf Festivals wie dem Fantasy Filmfest zum Publikumshit avancierte. Während letztgenannter aber die Freundschaft zwischen dem zwölfjährigen Oskar und dem Vampir-Mädchen Eli beschrieb, vollzieht Meyers einen Rollentausch. Bei ihr ist es der Junge, den es nach Blut dürstet, womit die Geschichte zumindest in Bezug auf den Geschlechteraspekt die klassischen Vampir-Legenden zitiert. Damit scheinen die Vergleiche zum jahrhundertealten Mythos aber auch bereits aufgebraucht. Ansonsten fühlt sich Twilight eher wie die provinzielle Neuauflage von blutleeren B-Pictures mit einem reichlich blassen Cast an. Da das aufgewandte Produktionsbudget bereits am US-Starttag eingespielt werden konnte, liess die Meldung über weitere Fortsetzungen erwartungsgemäss nicht lange auf sich warten. Wie Variety meldete, hat Summit Entertainment dem Sequel, genannt New Moon, nun offiziell grünes Licht für die Produktion gegeben. Der zweite Buchband erzählt, wie Edward Cullen seine grosse Liebe in einem Versteck verborgen hält, um diese vor den anderen Vampiren zu schützen. Die vier Bände des Twilight-Franchise konnten weltweit über 17 Millionen Mal abgesetzt werden. Der offizielle Soundtrack erschien in den USA am 4. November 2008 und erreichte in den Vereinigten Staaten Ende November 2008 Platz 1 der Billboard-Albumcharts. Stephenie Meyer war an der Zusammenstellung der Musik beteiligt, so sind auf dem Soundtrack unter andrem die Bands Muse und Linkin Park vertreten, die nach Aussage der Autorin bei ihrem Schreibprozess eine wichtige Rolle gespielt haben. Der Titelsong "Decode" stammt von der Band Paramore. Das Video zum Song wurde am 3. November 2008 veröffentlicht und enthält Szenen aus dem Film. Feuerherz - Die Reise der jungen AwetDeutschland/Österreich 2008; Regie: Luigi Falorni  Im Vorfeld der Weltpremiere im Rahmen der → Berlinale 2008 waren immer mehr Stimmen laut geworden, die die Wahrheit der autobiographischen Erzählung ("Mein Weg", 2004) der Sängerin Senait Mehari, einer vermeintlichen Kindersoldatin, in Frage stellten - das Buch wurde ein Bestseller, verkaufte sich bis heute nahezu 500'000 mal. Die Frage war nun, ob sich diese Problematik auch auf den Film übertragen würde? Die Antwort fällt eindeutig aus: Nein! Zum einen haben das produzierende Studio Senator und die Filmemacher ihren Film nur lose an die Vorlage angelehnt, aus der sechsjährigen Senait wurde beispielsweise die zehnjährige Awet. Auf einen Vorspann, der wie bei anderen Bestseller-Verfilmungen auf die Quelle verweisen würde, hat man gleich ganz verzichtet. Senait Mehari kam auch gar nicht erst zur Pressekonferenz. Und Falorni hat von Anfang an klargestellt, er wollte keineswegs ein "Film zum Buch" machen; es sei ihm vielmehr darum gegangen, Meharis Geschichte "als Inspiration zu verstehen, sie als eine universale Geschichte um ein Mädchen im Krieg zu erzählen." Mancher Kritiker fühlt sich bei der anschwellenden Debatte an das Werk der Mitten in Afrika-Autorin Ulla Ackermann erinnert, die angeblich 16 Jahre lang als Kriegsberichterstatterin berichtet hatte und dann unter Druck einräumte, "weite Teile der Biografie erfunden" zu haben. Oder die hochgeschriebene angebliche Autobiografie des Juden Binjamin Wilkomirski alias Bruno Dössekker, der sich in eine Opferrolle versponnen hatte. "Es ist sehr schwer, eine solche Leidensbiografie in Frage zu stellen. Er wirkte absolut glaubwürdig", bekannte später eine renommierte Kritikerin. Karl May nicht zu vergessen, der Bändeweise von seinen "selbst erlebten Abenteuern" berichtete. In diesem Genre gibt es Hochstapler, Erinnerungskünstler, Traumatiker, Politiker, Wirtschaftsbosse und die Grenzen zwischen Facts und Fictions verschwimmen unauflöslich, weshalb auch die Amerikaner gern von "Faction" reden. "Wir finden die Geschichte wahnsinnig spannend" sagt die beim BR für "Feuerherz" zuständige Redakteurin Gladziejewski. Der Sender tritt ebenso wie Arte als Co-Produzent auf. Es handele sich um die "fiktionale Verfilmung eines fiktionalen Werkes", sagt sie und fügt hinzu: "Es kann doch nicht bestritten werden, dass es in Afrika Kindersoldaten gegeben hat." Abscheulicher als der Tod erscheint immer der Verlust der kindlichen Unschuld. So gesehen trat Mehari, die sein Jahren in Hamburg beheimatet ist , mit ihrem Buch mitten in das Schwarze der medialen Beschäftigung mit dem Thema Kindersoldaten. Der einzige Fakt, der zählt, ist die Existenz von Kindersoldaten in der eritreischen Befreiungsarmee - und die wird heute von kaum einer ernst zu nehmenden Quelle mehr bestritten. Zum anderen stellt sich die Frage nach der "Wahrheit" lediglich nach Mass der Betroffenheit - noch wurde derartig medienwirksam auf diese Problematik hingewiesen; und dies ist ein wahrlich nobler Verdienst, auch wenn der Film möglicherweise die Fiktionalisierung einer Fiktionalisierung ist. Im Presseheft zum film wir d die Autorin folgendermassen zitiert: Es geht hier nicht um mich als Person, sondern um alle Kinder, die im Krieg gelitten haben." Eine Drehgenehmigung in Eritrea wurde dem Team nicht erteilt, so dass das Team auf Kenia ausweichen musste. Fünf Tage vor Drehbeginn sprangen die Darsteller ab, aus Angst, wie es heisst. Man hat sich mit Laiendarstellern aus einem Lager behelfen müssen, die die Landesprache Tigrinya beherrschten, um den Film vor dem Aus zu retten. Diese Angst ist "Feuerherz" anzumerken. Sie hat das Herz einer Kämpferin: Voller Stärke, Liebe und Sehnsucht. Mitten in den Wirren des Unabhängigkeitskrieges Eritreas gegen Äthiopien wächst die aufgeweckte Awet, liebevoll betreut von italienischen Schwestern, in einem Waisenheim in Asmara auf. Als Baby wurde die zehnjährige Awet (Letekidan Micael) ausgesetzt. Überraschend stellt sich heraus, dass ihr Vater, ein Freiheitskämpfer, noch lebt. Aus einer Laune heraus holt er seine Tochter in die Familie zurück. Damit ist seine neue Frau jedoch gar nicht einverstanden, es ist schon so schwer genug, die vielen hungrigen Kindermäuler zu stopfen. Statt familiärer Geborgenheit findet Awet Armut und harte Arbeit. Der Vater gibt sie und ihre Schwester schliesslich als "Töchter Eritreas" an eine der rivalisierenden Befreiungsarmeen. Awet erlebt dort Freundschaft und Begeisterung für die Ideale der Freiheit, aber auch den ganzen Wahnsinn des Krieges. Sie wird konfrontiert mit Tod und Fanatismus. Doch ihr "Feuerherz" (zum Abschied erhielt Awet von einer der Ordensschwestern ein gesticktes Bild eines Feuerherzens, das sie von nun an als Talisman bei sich trägt), ihr Mut und ihr Gewissen weisen ihr einen anderen Weg, einen Weg aus den Wirren des Krieges. Nachdem sie die ersten Toten und Verletzten gesehen, die Schrecken des Krieges am eigenen Leib erfahren hat, lehnt sich Awet gegen das Blutvergiessen immer mehr auf, nimmt sie heimlich die Patronen aus den Gewehren ihrer Kameraden. Luigi Falorni hat in gewisser Weise auch seinen Film entladen, hat die Munition entschärft. In "Blood Diamond" haben wir vor einem Jahr mehr über Kindersoldaten erfahren, auch wenn der das Thema nur am Rande behandelte. "Feuerherz" erzählt nur davon und drückt sich doch vor seiner Geschichte, die universal erzählt vor allem von der Angst vor der eigenen Courage berichtet - auch die der Filmemacher. Und das ist in jeder einzelnen Szene zu spüren. Bloss nicht anecken, bloss nicht provozieren. Ein Film im Weichspülgang, der wehtun soll und doch nicht wehtun darf. Er beginnt in einem Kloster, in dem die kleine Awet lernt, nicht nur die rechte, sondern auch die linke Backe hinzuhalten. Zuvor hat der in Italien gebürtige Regisseur nur Dokumentationen gedreht, hat mit der "Geschichte vom weinenden Kamel" eine ganz kleine Geschichte ganz gross erzählt und es damit bis zur Oscar-Nominierung gebracht. Hier, in seinem Spielfilmdebüt, geht es ihm genau andersrum. Er erzählt eine grosse Geschichte ganz klein. Vermag die Laiendarsteller nicht wirklich anzuleiten und hält immer wieder mit fremdem Blick auf die exotische Landschaft. Die wahren Schrecken des Krieges, sie berühren in diesem am 29.Januar 2009 in die Kinos kommenden Streifen niemals wirklich, alles ist mehr oder weniger vorhersehbar und wenig ergreifend geschildert, so dass auch die Tränen der tapferen Hauptdarstellerin kaum nützen, unser Mitgefühl zu verstärken, wie sich auch schon bei der verhaltenen Reaktion des Publikums auf der Berlinale 2008 zeigte. Zu wenig wird glaubhaft vermittelt, um das Grauen und die seelische Not der KindersoldatenInnen erfahrbar oder auch nur begreifbar zu machen. Und das Ende, bei dem das kleine Mädchen mit dem grossen Herzen mit seiner Schwester sowie einem weiteren Kampfgefährten einfach so davonläuft und in der Wüste beinahe zu Tode kommt, ist so lakonisch und an einer Stelle unfreiwillig komisch geraten. Man möchte politisch korrekt gerührt sein, wird aber von dem Geschehen auf der Leinwand doch recht kalt gelassen, so dass man beinahe froh ist, wenn sich das Ende des Films abzeichnet. Stauffenberg - Die wahre GeschichteBRD 2008, Regie: Oliver Hamburger / Christian Frey Operation Walküre - Das Stauffenberg-AttentatUSA/BRD 2008, Regie: Bryan Singer  Im Gespräch war, ob der Film "Valküryie", im Deutsch sprachigen Raum 'Operation Walküre', die Berlinale am 5. Februar eröffnen solle. Mit dem frühen Starttermin in den USA zerschlug sich dieser Plan für Berlinale-Direktor Dieter Kosslick. Auf die Frage, warum Cruise nicht zur Berlinale komme, hatte Kosslick kürzlich geantwortet: "Er hat mich nicht gefragt, ich habe ihn nicht gefragt. Es freut mich, dass der Film offenbar ankommt." Jedenfalls ist Cruises Stauffenberg nach der Weltpremiere, der zeitgeschichtliche Film lief am 25. Dezember an, noch rechtzeitig dran für eine Oscar-Nominierung. Das wäre im Februar nicht der Fall gewesen. "Ich wollte einfach den bestmöglichen Film drehen. Es ist ein zeitloser Thriller. Der Mensch gegen alle Chancen", sagte Hollywood- Schauspieler Cruise am Premierenabend der "USA Today". Obwohl die erste Kritik im Filmfachblatt "Variety" zwiespältig war - die Premierengäste zeigten sich begeistert von der in den USA wenig bekannten Geschichte um die Wehrmachtsoffiziere mit dem Attentat auf Hitler den Krieg zu beenden. Für einige Zuschauer war es wie eine Geschichtsstunde, die sicherlich noch umfangreicher ausgefallen wäre, wenn sie zuvor den ZDF-Zweiteiler "Stauffenberg - Die wahre Geschichte" in diesem Zusammenhang gesehen hätten. Vor der Deutschland-Premiere des US-Kinofilms "Operation Walküre" mit Tom Cruise am 20. Januar thematisiert das ZDF das Attentat auf NS-Diktator Adolf Hitler. Das actionbetonte Hollywood-Heldenepos "Operation Walküre" konzentriert sich auf die Planung und Ausführung des Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 in dessen Hauptquartier Wolfsschanze in Ostpreussen und den damit verbundenen Staatsstreich. Die ZDF-Autoren Oliver Hamburger und Christian Frey rücken dagegen die persönliche Entwicklung des Menschen Claus Schenk Graf von Stauffenberg, "dessen Profil von Wegbegleitern und Familienangehörigen gezeichnet wird", in den Mittelpunkt. Bei dem ZDF-Film handelt es sich um eine Mischung aus inszenierten Szenen mit Schauspieler Peter Becker in der Hauptrolle des Stauffenberg, Dokumentarbildern und Aussagen von Zeitzeugen, die in den beiden vergangenen Jahren gesammelt wurden. ZDF-Redaktionsleiter Zeitgeschichte Guido Knopp: "Der Graf war deutsch-national, nie Nazi." Als Hitler 1939 die sogenannte Rest-Tschechei zerschlägt, stieg der Groll in Stauffenberg hoch. "Der Narr macht Krieg", wurde er später zitiert. 1942 sprach Stauffenberg im engsten Kreis zum ersten Mal vom Umsturz. Er gab seine Pläne auch nicht auf, als er beim Afrika-Einsatz schwer verletzt wurde. Das Attentat plante er für den 20. Juli 1944. Gegen 13 Uhr sollte die Lagebesprechung auf der Wolfsschanze stattfinden. Zwei Zündsätze wollte Stauffenberg, dem mehrere Finger fehlen, scharf machen. Dann der Schock: Italiens Diktator Mussolini kündigte für den Nachmittag seinen Besuch an. Stauffenberg handelte unter Zeitdruck. Er konnte nur noch eine Bombe scharf machen, platzierte den Sprengsatz im Koffer im Besprechungsraum, verliess unter einem Vorwand die Wolfsschanze und sah noch im Wegfahren die Explosion. Stauffenberg und seine Mitkämpfer scheiterten aber mit ihrem Attentat auf NS-Diktator Adolf Hitler in der Wolfsschanze in Ostpreussen. Hitler wurde dabei nur leicht verletzt. Der 36-jährige Stauffenberg und andere Verschwörer, die das kriegsgebeutelte Deutschland vom Tyrannen befreien und weitere Kriegsfolgen verhindern wollten, wurden noch in der folgenden Nacht erschossen. Stauffenbergs Frau berichtete später, sie habe sich beim Verhör der Nazis ihrem Mann gegenüber illoyal verhalten müssen, um sich und die Kinder zu retten. Die Mutter kam zwar ins KZ und die Kinder ins Kinderheim, wurden aber gerettet. Unter den Zeitzeugen kommen unter anderem auch zwei von Stauffenbergs Kindern, seine jüngste Tochter Konstanze von Schulthess-Rechberg, und der älteste Sohn, Berthold Graf Stauffenberg, zu Wort. Den stärksten Eindruck hinterlässt die jüngste Stauffenberg-Tochter Konstanze von Schulthess-Rechberg, die erst nach seinem Tod geboren wurde. Sie macht mit ihren klugen Anmerkungen auch die politische Dimension des Anschlags deutlich, wenn sie sagt: "Ich habe in meiner ganzen Jugend nie aufwachen und meinen Eltern vorwerfen müssen: Warum habt ihr nichts getan? Sie haben gezeigt, dass es in Deutschland auch Menschen mit Gewissen gab." In der Tat gibt seine Tat noch heute "Grund für stillen Stolz", wie Knopp zurecht betont, "wir atmen etwas freier, weil es ihn gegeben hat." Zu Wort kommt auch Ewald von Kleist, der letzte noch lebende Mitverschwörer und Augenzeuge des Attentats, Stauffenbergs Fahrer, den Wachposten der Wolfsschanze. Alle bezeugen die aufrichtige Gesinnung und den Opfermut Stauffenbergs, der bereit war, für das Wohl des deutschen Volkes und die Zukunft Deutschlands sein Leben hinzugeben und das seiner Frau und vier Kinder zu riskieren. Wäre das Attentat gelungen, so wäre vielen deutschen Zivilisten und Soldaten vermutlich der Tod im Krieg erspart geblieben, vielen hunderttausend Juden der Mord im Konzentrationslager und vielen deutschen Städten wie Würzburg oder Dresden die Zerstörung, lautet eine Aussage des Films. Der ZDF-Historiker Guido Knopp hat keine Angst vor grossen Gefühlen. Sie helfen ihm, schwierige Dinge so zu erklären, dass sie jeder versteht. Darum gehe es ihm, sagt er gerne: Verständnis. Knopp ist der Mann, der den Deutschen seit 20 Jahren die Nazis erklärt (Hitler - Eine Bilanz, Hitlers Helfer, Hitlers Helfer II, Hitlers Krieger, Hitlers Frauen und Marlene u.a.). Wenn beides zusammenfällt, also grosse Gefühle und Nazis, dann ist Knopp dabei, wie sich auch wieder in der Moderation in diesem Film beweist. Der Stauffenberg-Darsteller Peter Becker agiert jedoch durchweg zu steif und widerspricht so dem Off-Kommentar, der Stauffenberg als lebensfrohen und gern lachenden Mann charakterisiert, und zu oft verschwendet der Zweiteiler wertvolle Sendezeit für kitschige Idyllen mit spielenden Kindern auf grünen Wiesen oder sentimentalen Abschiedsszenen. Davon abgesehen erweist sich die Produktion als ernsthafte, solide recherchierte und detailgenaue Biografie des schwäbischen Berufsoffiziers, der mit seiner deutsch-nationalen Gesinnung während des Zweiten Weltkrieges zunehmend auf Distanz zum NS-Regime ging. Das alles ist handwerklich sauberes "Histotainment", aber überflüssig. Es gibt mehr als ein halbes Dutzend Filme über den 20. Juli, auch gute (Jo Baier, 2004). Das Attentat ist jedem, der sich ein bisschen für den deutschen Widerstand interessiert, bekannt. Das fehlende Päckchen Sprengstoff, die verstellte Aktentasche, das Hickhack in Berlin: nicht neu. Tom Cruise muss es der Welt neu erzählen. Aber das ZDF? /Stauffenberg - Die wahre Geschichte - Sendetermine bei ZDF, 3SAT und Arte beachten/ "Der Film war sehr bewegend. Ich wusste, dass es französischen Widerstand gegeben hat, aber nichts über den deutschen Widerstand", sagte Marie Hughes aus New York nach der Uraufführung von 'Valkyrie'. "Ich wusste zwar, dass es Attentatsversuche gegeben hatte, aber nicht in welchem Ausmass und in den höchsten Rängen. Es sind alles fantastische  Schauspieler. Am Ende hält man eine halbe Stunde lang den Atem an" so die Britin Eberina Fox. Schon allein deshalb hat der Film mit Tom Cruise seine Berechtigung, trotz allen widersinnigen Debatten der deutschen Streitmichel. Die "Walküre"-Dreharbeiten in Deutschland im vergangenen Jahr hatten Schlagzeilen gemacht. Für kontroverse Diskussionen sorgte vor allem, ob ein bekennender Scientologe wie Cruise die Hauptrolle übernehmen dürfe. Als Profi ging es Tom Cruise um die Stauffenberg-Story in "Walküre". Von der Aufregung um seine Scientology-Mitgliedschaft zeigte er sich überrascht. "Ich sehe mich als Filmemacher, und da ging es mir darum, eine wichtige Geschichte zu erzählen, die ich so noch nie gesehen habe. Und damit in Amerika und im Rest der Welt Leute zu konfrontieren, die glauben, alle Deutschen seien Nazis und am Holocaust beteiligt gewesen." Auch um die Genehmigung für Aufnahmen im Innenhof des historischen Berliner Bendlerblock gab es heftige Querelen. Die Drehgenehmigung für eine Tages- und drei Nachtszenen an diesem historischen Ort, dem Schauplatz der Erschießung Stauffenbergs und drei seiner Mitverschwörer, war im Juni 2007 zunächst verweigert worden, weil das Verteidigungsministerium, das das Gebäude heute nutzt, die Würde des Ortes bedroht sah. Im Bendlerblock ist heute unter anderem die „Gedenkstätte Deutscher Widerstand“ untergebracht. Im September 2007 wurden die Dreharbeiten im Bendlerblock jedoch unter Auflagen genehmigt. Von der Aufregung in Deutschland sei er überrascht gewesen: "Ich persönlich habe das auch nie so erfahren", erklärte der Hollywood-Star. "Wir, unser Team und meine Familie, sind wunderbar in Deutschland behandelt worden. Wir hatten eine tolle Zeit in Babelsberg und haben auch im Alltag, auf der Strasse, immer nur positive Erfahrungen gemacht. Das muss man einfach von den Dingen trennen, die da gesagt oder geschrieben wurden." Doch lassen wir die Querelen um Tom Cruise einfach beiseite, und behandeln den Film nicht nach der Echtheit der realen Ereignisse, sondern rezensieren wir das cineastische Ergebnis und dessen handwerklichen Qualitäten. Bryan Singer schafft es tatsächlich trotz grossem Budget und einem Staraufgebot einen Film zu inszenieren, der gar nicht wie ein Blockbuster wirkt. Viel mehr befindet sich der Zuseher unversehens überwiegend in einem brisanten Kammerspiel - und zwar in einem, dass von der ersten Minute an Spannung verspricht. Fast minutiös baut dieses Produkt einen Bogen, der bis zum dramatischen Finale erstklassig arrangiert, und unbeirrt durchgezogen wird. Als Endergebnis bleibt ein Werk das sowohl auf dem technischen Gebiet, als auch auf einer schauspielerischen Ebene, ein sehr hohes Niveau erreicht. Der deutsche Schauspieler Thomas Kretschmann, der hier den Major Rehmer spielt, sagt, für ihn habe sich das Drehbuch, wie ein Thriller gelesen - überraschend, angesichts der ja bekannten Geschichte - und Tom Cruise schraubt die Erwartungen gleich auf realistische Dimensionen herunter. Dies sei ein Thriller, ein Spannungsfilm, sagt er. Doch bei seiner Performance vergisst man nach wenigen Minuten die Negativpresse. Er beweist hier, dass er auch ein ziemlich guter Schauspieler sein kann. Zu Beginn agiert der 46 jährige Amerikaner noch seines Landes typisch heroisch. Doch diese Eigenschaft legt er schnell ab und unterwirft seine Professionalität dem Projekt. Ruhig, besonnen und überlegt, spielt Tom den Part ohne laute Töne. 'Operation Walküre' ist daher Toms beste schauspielerische Leistung seit 'Minotity Report'. Hier ist im Gesamten ein ruhiges, seriöses, und stets interessantes Werk entstanden, das mit hochkarätigen Schauspielern besetzt wurde. Kenneth Branagh als Generalmajor Henning von Treschkow, Bill Nighy als Generalmajor Friedrich Olbricht, Tom Wilkinson als General Freidrich Fromm, Terence Stamp als Ludwig Beck, sind von der englisch sprechenden Fraktion ebenso zu nennen wie Thomas Kretschmann als Major Otto Ernst Remer, Matthias Schweighöfer als Lieutenant Herber, Christian Oliver als Major Adam sowie Christian Berkel, der als Stabchef Mertz von Quirnheim den grössten Part unter den beteiligten deutschen Schauspielern in dieser internationalen Grossproduktion inne hat; und dann wäre da noch Stauffenbergs Enkel Philipp von Schulthess, der einen Stabsmitarbeiter Treschkows und Mitkämpfer von Stauffenberg darstellt, zu nennen: "Meine Mutter wünscht sich, dass der Film gut ankommt. Die Geschichte meines Grossvaters wurde ja respektvoll behandelt. Die Familie wollte sich nicht einmischen - weder ihren Segen geben, noch das Projekt verurteilen." Die Kamera kommt dem Geschehen, wie zuletzt oft gesehen, nicht zu nah, wenngleich ein paar Gesichtsaufnahmen die Mimiken der Darsteller einfängt. Die Licht / Schattenspiele werden wunderbar choreographiert, und dahingehend eingesetzt, dass die dunklen Aspekte überwiegen. Dadurch widerfährt dem Film eine besondere Atmosphäre, die atemberaubend zum Flair des Allgemeinen passt. John Ottman ummantelt mit seinem Score den Film einfühlsam und eindringlich zugleich. "Operation Walküre" macht aus dem Attentat vom 20. Juli 1944 eine Spannungsmaschine. Vorbereitung, Durchführung und Scheitern der Sprengstoffanschläge in der sogenannten Wolfsschanze, dem entlegenen Hauptquartier Hitlers in den letzten Kriegsjahren, werden auf ihr Nervenkitzelpotential abgeklopft - und das durchaus effektiv. Die Amerikaner, Briten und Kanadier bauen ihre Stellungen an der Atlantikküste 1944 stündlich weiter aus - ein Problem, das die Nationalsozialisten aber einfach ignorieren. Göring hat wieder unhaltbare Versprechungen gemacht, was die Luftwaffe leisten wird, und alle wollen daran glauben. Der "Berghof" war einmal Hitlers privates Ferienhaus. Seit er im Jahr 1923 zum ersten Mal als Tourist auf den Obersalzberg kam, hat er ein besonderes Verhältnis zu der Gegend entwickelt. Hier schrieb er den zweiten Teil von "Mein Kampf", hier mietete er das "Haus Wachenfeld" von der Witwe eines Lederwarenfabrikanten, bevor er es 1932 für 40000 Reichsmark kaufte. Nach zahlreichen Umbauten ist daraus nun sein Hauptquartier in den Alpen geworden - eine vollausgerüstete Befehlszentrale, die auch zum Empfang von Staatsgästen dient. Das Kaminzimmer und die Veranda des alten Hauses wurden auf Wunsch das Diktators erhalten und in den neuen Gebäudekomplex integriert. Terrasse mit Alpenpanorama, Holzstühle mit buntgemusterten Kissen - das Ganze strahlt die absurde Friedlichkeit eines Kurhotels aus. So herrscht eine gespenstische Atmosphäre auf dem "Berghof", eine Mischung aus Verleugnung der Realität und Abschottung von der Aussenwelt, die Stauffenberg "faul und verrottet" vorkommt. Hitler hat die Aufstellung der neuen Ersatzdivisionen zur Chefsache erklärt; in den nächsten Wochen wird es weitere Sonderbesprechungen bei ihm geben. "Operation Walküre" wird in die entscheidende Phase eintreten, und Stauffenberg hat nun auch eine Vorstellung davon, wer der Attentäter am Ende sein könnte: er selbst könnte die Bombe in der Nähe des Diktators platzieren. Aber ist dieser Schritt auch jetzt, angesichts des drohenden militärischen Untergangs, noch sinnvoll? Stauffenberg sucht noch einmal Rat - bei dem Mann, von dem er die Führung der "Operation Walküre" übernommen hat.  Cruise hat sich nach eigenen Worten mit Lektüren über Stauffenberg und den deutschen Widerstand fast zugeschüttet und zeitweise flackert bei ihm etwas von der späten Zerrissenheit und Verzweiflung Stauffenbergs auf, ein Patriot, der seinem Land als vermeintlicher Verräter einen letzten Dienst erweisen muss - "Entweder Deutschland oder Hitler". Er weiss, dass Henning von Tresckow in Ostpreussen bei einer Armeeführerbesprechung ist, und schickt einen am Widerstand beteiligten Grafen mit dieser entscheidenden Frage zu ihm. Oberst Tresckows Antwort räumt jeden Zweifel aus: "Das Attentat auf Hitler muss erfolgen, um jeden Preis", lautet die Botschaft. "Sollte es nicht gelingen, so muss trotzdem der Staatsstreich versucht werden. Denn es kommt nicht mehr auf den praktischen Zweck an, sondern darauf, dass die deutsche Widerstandsbewegung vor der Welt und vor der Geschichte unter Einsatz des Lebens den entscheidenden Wurf gewagt hat. Alles andere ist daneben gleichgültig." Tom Cruise bekam eine Gänsehaut, als er seiner Rolle gemäss im Berliner Bendlerblock "erschossen" wurde. "Es war eine atemberaubende Erfahrung, genau an der Stelle zu stehen, wo diese Menschen ihr Leben riskiert haben." Und beim Anziehen der deutschen Wehrmachtsuniform hatte er ein "mulmiges Gefühl", wie er später über die Dreharbeiten zum Film "Operation Walküre" von Bryan Singer ("X-Men", "Superman Returns") sagen wird. Cruise, dem manche eine gewisse äusserliche Ähnlichkeit mit Stauffenberg bescheinigen, fand das Drehbuch "unglaublich fesselnd, sowohl aus historischer Sicht, als auch als grossartiger Thriller" und Guido Knopp bescheinigt dem Film, er sei "spannend und handwerklich gut gemacht". Die Europapremiere ist am 20. Januar kurz vor der Berlinale in der deutschen Hauptstadt geplant. "Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat" läuft deutschlandweit am 22. Januar in den Kinos an. siehe auch → pierre's FILMSPEzIAL |