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Freitag, 30. Juli 2010
Jugendkirche im "Web 2.0" PDF Drucken
Geschrieben von pierre roh   
Montag, 29. Dezember 2008
Jugendkirche und das WebDas Internet hat sich rasant entwickelt. War es in den ersten Jahren nur einigen technisch versierten Nutzern möglich, das Internet in vollem Umfang zu nutzen, ermöglichen heutige Techniken vielen Nutzern Inhalte zu publizieren, mit anderen zu kommunizieren und aktiv am Informationsaustausch teilzuhaben. Das aktuelle Schlagwort für diese Fortentwicklung des Internets lautet "Web 2.0": Video-Portale wie "YouTube", Online-Netzwerke wie "StudiVZ" und andere Communities sind nur die bekanntesten Beispiele für die Möglichkeiten des "Web 2.0". Auch für die Kirche bieten sich durch die Weiterentwicklungen neue Möglichkeiten, insbesondere als Kommunikationsplattform: Die christliche Öffentlichkeitsarbeit könnte mehr Wirkung erzielen, wenn die Formate des Internets zielgruppengerecht eingesetzt werden würden.

In Zeiten des "Web 2.0" stehen viele Techniken dank einfacher Bedienung einem breiten Publikum zur Verfügung. "Web 2.0" ist Mit-Mach-Internet - das Online-Lexikon "Wikipedia", das Video-Portal "Youtube", Netzwerke wie "StudiVZ" stehen für diesen Begriff - und auch unser Juki-Portal versucht das im Ansatz. Da gerade jüngere Zielgruppen durch die herkömmliche kirchliche PR-Arbeit oft nicht mehr erreicht werden, liegt hier ein zentrales Feld für die kirchliche Öffentlichkeitsarbeit der Zukunft.

Es ist von Interesse, dass sich aus den zunächst virtuellen Communities des so genannten Web2.0 reale Begegnungen und Gemeinschaften bilden können. Da gerade jüngere Zielgruppen durch die herkömmliche kirchliche Öffentlichkeitsarbeit zum Teil nicht mehr erreicht werden, bietet sich hier ein Feld für die kirchliche Informationsarbeit, die auch überraschenderweise die Jugendkirchen noch nicht in ausreichendem Masse nutzen.

"Entwickelt Internet Kirche" und ist "Web 2.0" wirklich die Neuerfindung des Internets oder eigentlich nur eine Weiterentwicklung schon angelegter Möglichkeiten des World Wide Web? Ist es vielleicht nur eine Werbeblase von Marketing-Experten?

Das Konzept "Web 2.0" begann mit einem Brainstorming zwischen O’Reilly und MediaLive International. Dale Dougherty, Web-Pionier und Vizepräsident von O’Reilly, merkte an, dass das Web wichtiger als jemals zuvor sei. Interessante neue Anwendungsmöglichkeiten und Seiten tauchten mit erstaunlicher Regelmässigkeit auf. Mit dem "Web 2.0" bezeichnet man, allgemeinverständlich formuliert, den Internet User in das Geschehen mit eingreifen zu lassen. Dies passiert durch die Möglichkeiten, dass User News und Termine veröffentlichen können. Neben dem besteht auch die Möglichkeit in Foren Fragen zu stellen oder zu diskutieren, wie es beispielsweise auch bei jukis.org mittels → Bewegungsmelder möglich ist.

Aber es existiert immer noch grosse Uneinigkeit darüber, was "Web 2.0" nun genau bedeutet. Einige halten es für ein bedeutungsloses Schlagwort aus dem Marketing, Andere akzeptieren es als neue allgemeingültige Einstellung. Nach welchen Kriterien klassifiziert man die einzelnen Anwendungen und Ansätze als "Web 1.0" oder "Web 2.0"?

Mit dem Thema "Kirche im "Web 2.0" beschäftigte sich auch eine Studientagung im münsterschen Franz-Hitze-Haus Anfang April 2008 (am 5. und 6. März 2009 geht diese Veranstaltung in die nächste Runde). In der Veranstaltung 2008 sollten die neuen Chancen und auch die Grenzen, die sich der Kirche im Internet bieten, dargestellt und auf ihren pastoralen Nutzen hin analysiert werden, und da zeigte sich sich, dass bereits die Definition des "Web 2.0" strittig war. "Web 2.0" - für diejenige die viel mit dem Internet arbeiten, ist "Web 2.0" mittlerweile zu einem Buzzword geworden, dass alles und nichts aussagt. Man könnte es auf deutsch übersetzen mit "Mitmachinternet". Für andere ist der Begriff unbekannt.

"Auf den Zug aufspringen"

Doch egal wie die Experten aus der kirchlichen Internetarbeit zum Begriff standen: Konsens bestand darin, die neuen Möglichkeiten zu nutzen. Dabei beförderten die Referate zum Teil Erstaunliches zu Tage: Norbert Kebekus, Leiter der Internetseelsorge im Erzbistum Freiburg, berichtete, dass ein Diskussionsforum - eigentlich noch ein Bestandteil von "Web 1.0" - bereits nach drei Monaten geschlossen wurde.

Die Meinungsbeiträge entsprachen dem offiziellen Charakter des Auftritts nicht. Nichtsdestotrotz bastelt der Theologe und Öffentlichkeitsarbeiter derzeit an einem neuen Projekt: In der virtuellen Welt von → "Second Life" haben die Freiburger eine Kirche errichtet, in der wöchentlich mehrmals das kirchliche Abendgebet, die Komplet, gebetet wird.

Der Freiburger Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, äusserte bei einer SWR-Podiumsdiskussion in Konstanz: "Wir wollen neue Wege gehen und diese Chance nutzen. Herzstück der Präsenz in Second Life ist der virtuelle Nachbau der romanischen Kirche St. Georg auf der Bodenseeinsel Reichenau. Das Gotteshaus lädt zu Begegnung und Gespräch, Gottesdiensten und Gebetszeiten ein." Die Erfahrungen in der seit 1. November 2008 online verfügbaren, dreidimensionalen Parallelwelt sowie die psychosozialen Auswirkungen sollen mit Blick auf künftige kirchliche und seelsorgerische Arbeit ausgewertet werden.
 
Engagiert plädierte Matthias Sellmann von der Katholischen Sozialethischen Arbeitsstelle in Hamm für eine stärkere Nutzung der erweiterten Möglichkeiten des Internets. Bei seiner Darstellung unterschiedlicher Medienmentalitäten hob er in Wetzlar hervor, dass für bestimmte Zielgruppen das Darstellungsformat wichtiger als der Inhalt sei. Gerade der Blick auf die jüngeren Internet-Nutzer und deren Verhalten im Internet sei nötig, um - auch ältere - Menschen ansprechen zu können.

Gerade die Entwicklung massenmedialer Kommunikationsnetze sah der Theologe als ein "Zeichen der Zeit", das auf seine Bedeutsamkeit "für die in ihm gegebene Gottesgegenwart zu lesen ist". Sellmann wörtlich: "Web 2.0 ist ein Zug, auf den wir unbedingt aufspringen müssen." Erprobte Formen der Internet-Nutzung laufen nach Darstellung von Kebekus gut: Bei der Seelsorge via eMail gibt es 400 bis 500 Erstkontakte pro Jahr; 3.600 Nutzer haben nach seiner Darstellung einen Newsletter mit einer wöchentlich Meditation zum Sonntagsevangelium abonniert. Gut liefen Angebote zu den so genannten geprägten Zeiten des Kirchenjahres wie Advent- und Fastenzeit.

Ulrich Fischer, Leiter der Katholischen Fernseharbeit in Frankfurt a. M., zeigte anhand der Entwicklung von Speichermedien auf, dass mittlerweile viele Fernsehsendungen via Internet konsumiert werden und deshalb dort bereitgehalten werden müssten. Norbert Lübke von der virtuellen Kirche St. Bonifatius in "funcity.de" stellte heraus, dass Seelsorge im Web mit Gesicht gemacht werden müsse. Die Anonymität der Ratsuchenden sei zudem die Voraussetzung für Vertrauensbildung.

Grundsätzlich zeigten die Gespräche im Anschluss an die Referate, dass es für amtliche Internetseiten schwierig sein werde, viele Mit-Mach-Möglichkeiten anzubieten. Diese Vorhaben müssten ausserhalb der amtlichen Strukturen umgesetzt werden. Eine weitere offene Frage war, ob "die Kirche" vorhandene Plattformen nutzt oder eigene aufbaut, was aber auch einen Rückzug in ein Ghetto bedeuten könne.

Internet und Ethik

Ein weiterer wichtiger Punkt bei dieser Tagung war eine ethische Diskussion. Ethisch, dabei geht es darum, ob Werte eingehalten werden, damit die Menschen gut miteinander leben können. Im Fall Internet ging es bei dieser Thematik um den Punkt, wie viele persönliche Informationen der User in seinem Profil angeben sollte. Eine Meinung hierzu war, dass persönliche Infos nur in dem Masse veröffentlicht werden sollten, wie der einzelne User verkraften kann.

Dabei geht es auch über eine lange Sicht, so dass jemand, der in einigen Jahren eine Ausbildungsstelle sucht, aufpasst, dass an der Stelle, wo er gerne Fotos von seinen "jugendlichen Streichen" ins Internet stellt, nicht mit seinem richtigen Namen auftritt. Aber auch persönliche Probleme mit Eltern und Freunden gehören nicht ins Internet mit seinem richtigen Namen oder sogar mit Telefonnummer und Anschrift.

Wer dennoch ein Problem hat und Hilfe sucht oder gerne Fotos von den "jugendlichen Streichen" ins Internet stellen möchte, der hat zwei Möglichkeiten. Zum einen kann jeder sich ein oder mehrere beliebige Pseudonyme oder besser bekannt als Nicknames zulegen. Des Weiteren ist es auch immer wichtig darauf zu achten, dass die Anbieter der Communities vertrauensvoll mit den Daten umgehen. Also einfach vor der Anmeldung nachschauen, ob es eine Information über den Datenschutz gibt.

Doch es wurden auch ganz banale Erkenntnisse zu Tage gefördert, was "Web 2.0" bedeutet: Bei der Frage, ob die Tagungsunterlagen "klassisch" via eMail ausgetauscht werden oder im "Web 2.0"-Stil in einem Netzwerk zur Verfügung gestellt werden sollen, meinte ein Teilnehmer: "Da schaue ich nicht rein, weil mir die Zeit dafür fehlt."

Dabei kann keine Kirche, kein Verein, keine Gemeinde es sich heute im Grunde noch leisten, sich nicht im Internet zu präsentieren und sich auf dem Laufenden zu halten. Zu gross sind die Vorteile: aktuelle Informationen, leichte Vernetzung, günstige Werbemöglichkeiten und manches mehr. Und doch gibt es noch immer viele "weisse Flecken" oder langweilige - und schlimmstenfalls veraltete - Seiten im Web. Dabei ist es für Gemeinden und Kirchen weder schwierig noch teuer, einen ansprechenden Webauftritt zu unterhalten.

Studie wurde in die Wege geleitet

Anlässlich der IFA im September 2008 hielt die Katholische Fernseharbeit in Kooperation mit den Versicherern im Raum der Kirchen ein Presseseminar in Berlin ab. Das Thema lautete "Kirche auf dem Newsdesk".

Prof. Dr. Bernd Trocholepczy ( Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können ) vom Fachbereich 7 der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main präsentierte die → Studie "Verkündigung 2.0 - Kirche im Web 2.0" den interessierten Pressevertretern. Es folgte eine Podiumsdiskussion mit Dr. Kolmer von der Firma Media Tenor, der eine Studie zum Thema Kirche im Fernsehen durchgeführt hat und Dr. Meier von der Universität Erlangen, der eine Studie über die journalistische Wahrnehmung von Kirche in Printmedien vorstellte.

Dr. Kolmer resümierte über das Vorkommen von Kirche in den Nachrichtensendungen des Fernsehens: "Die Organisation ist da, wo ist die Boschaft?" Jürgen Pelzer von der Universität Frankfurt, Mitarbeitr an der Studie "Kirche im "Web 2.0" griff dieses Fazit auf, um erste Eindrücke der noch laufenden Studie so zusammenzufassen: "Die religiösen Themen sind im "Web 2.0" da, wo ist die Organisation Kirche?"

Für die Studie wurde der Begriff "Web 2.0" anhand von 5 Kriterien definiert:
  1. "Web 2.0" meint eine zeitliche Phase der Entwicklung des Internets, die ca. 2003 begann. Der Begriff wurde Ende 2005 von Tim O´Reilly erschaffen um die Änderungen in der Wahrnehmung und Entwicklung des Internets zu beschreiben.
  2. "Web 2.0" meint Einbeziehung und Kommunikation mit und unter den Nutzern.
  3. "Web 2.0" meint die Vergemeinschaftung der Nutzer im Internet, den Communityeffekt
  4. "Web 2.0" meint die zunehmende Bedeutung des Bewegtbildes
  5. "Web 2.0" meint die Erstellung von Inhalten durch die Nutzer
Vom Virtuellen zum Realen

Wer tiefer einsteigen möchte, sei auf zwei Events im neuen Jahr hingewiesen. Am 27. Januar wird Thomas Kilian in Bielefeld einen Vortrag über "Kirche und "Web 2.0" halten: "In unserem praxisorientierten Seminar lernen Sie die Möglichkeiten kennen, auch mit geringem Budget und einfachen Mitteln eine ansprechende, funktionale und leicht zu bearbeitende Website zu erstellen. Auch neue Technologien des so genannten "Web 2.0" wie Weblog, Podcast und Wiki werden im Workshop unter die Lupe genommen. Selbstverständlich geht es dabei auch stets um die Umsetzbarkeit im Rahmen Ihrer individuellen Gegebenheiten in Kirche und Verein."

Am 7. und 8. Mai findet in der Christlichen Medienakademie in Wetzlar ausserdem ein Intensiv-Seminar über "Kirche und Gemeinde im Zeitalter von "Web 2.0" statt. Die Schwerpunkte sind dieses Mal:
  • Kirche im "Web 2.0" - Ergebnisse einer aktuellen Studie (s.o.)
  • Open Space zur Präsentation von und zum Austausch über Projekte im "Web 2.0"
  • Jugendkirche mit "Web 2.0"?
Für die Kirche bieten sich durch das "Web 2.0" neue Möglichkeiten, insbesondere als Kommunikationsplattform für die grösser werdenden seelsorglichen Einheiten. Die Öffentlichkeitsarbeit kann wirkungsvoller werden, wenn die Formate des Internets zielgruppengerecht eingesetzt werden. Weiter ist von hohem Interesse, dass sich aus den zunächst virtuellen Communities des "Web 2.0" reale Begegnungen und Gemeinschaften bilden.

In der Veranstaltung sollen die neuen Chancen und auch die Grenzen, die sich der Kirche im Internet bieten, dargestellt und auf ihren pastoralen Nutzen hin analysiert werden. Was erwartet uns in der Zukunft von der Kirche und dem Internet, wurde bei der letzten Tagung mit bangem Blick gefragt. Einig waren sich dabei alle Teilnehmer, dass es auf private Initiativen ankommt, denn die Institution Kirche ist in dem Bereich zu langsam.
Christlicher Medienverbund KEP e.V.
Postfach 1869
35528 Wetzlar
eMail: info(at)christliche-medienakademie.de
Telefon (06441) 915-166
Telefax (06441) 915-157
 
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