Die Bauplanung der Jugendkirche schreitet stetig voran, auch wenn es etwas länger gedauert hat, als geplant - die Entwurfsplanung ist inzwischen fast abgeschlossen, ein Innenraumkonzept zur Prüfung freigegeben und Lüftungs- und Heizungssystem vorgeplant. Sicher kann aber der angepeilte Eröffnungstermin im 1. Halbjahr 2009 nicht eingehalten werden, wie den Verantwortlichen inzwischen bewusst ist: "Ganz nach dem Motto: 'Gut Ding braucht Weile' gehen wir derzeit davon aus, dass die Jugendkirche im Herbst 2009 ihre Pforten öffnen wird."
Trotzdem wird die Jugendkirche wie geplant mit einem spannenden Mix aus Kulturevents, Seminaren & Workshops und natürlich JuGodis loslegen. Vielleicht werden die brav gestylten Stammgäste des "Loop" an einem Freitag, den 13. verwundert sein, sollten sie überhaupt mitbekommen, dass hier etwas Einzigartiges in der bayrischen Kirchenlandschaft geschieht.

Im Nebentrakt der beliebten Disco, dem "Golden Nugget", soll an diesem Februarabend 2009 die Jugendkirche mit einer Party und Livemusik ihr Programm beginnen. Zwei Wochen darauf folgt dann der erste Gottesdienst. Kirche und Disco sind in Nürnberg ab Mitte Februar kein Widerspruch mehr; bis zur Eröffnung wird die Jugendkirche regelmässige Veranstaltungen in der Diskothek Loop/"Golden Nugget" durchführen.
Landesbischof Johannes Friedrich, der die Jugendkirche nach langer Überzeugungsarbeit der Nürnberger einem beträchtlichen Geldsegen unterstellt, scheint das verinnerlicht zu haben. So zuckt er nicht einmal zusammen, als das Projektteam ihm erklärt, dass Jugendliche die Kanzel von St. Lukas gerne auch einmal als DJ-Pult zweckentfremden würden. Der Bischof erledigt Informationsbesuche im Dekanat Nürnberg. Dabei lässt er sich in der Kirche in der Siedlung Nordostbahnhof auf den Stand der Dinge bringen.
Umbau und Sanierung werden dem 1963 eingeweihten Gebäude gut tun, sagt der Architekt Roland Nörpel. "Nach der Wärmedämmung wird es deutlich weniger kosten, die Kirche auf 20 Grad zu heizen als heute auf acht Grad." Die Besichtigungsgruppe friert in der klammen Halle, als Nörpel zeigt, wo das Café, die Büros, die Ton-, Video- und Bühnentechnik unterkommen sollen. "Die Bänke kommen raus, eine Fussbodenheizung kommt rein. Man kann dann auch mal auf dem Boden liegen und sich im Raum ausbreiten."
Bischof Friedrich nickt zustimmend, wenn auch nachdenklich. Thomas Kaffenberger, der Dekanatsjugendpfarrer, wendet sich an ihn: "Ich will Ihnen noch etwas sagen. Wir sind mit diesem Projekt auf der Suche. Wir haben keine Lösung. Wir wissen nur, dass wir uns bewegen müssen." Der Bischof entgegnet: "Wir müssen solche Wege gehen." Am Tag darauf wird er in seiner Predigt in der neuen Christuskirche die Notwendigkeit der evangelischen Kirche erwähnen, durch Anpassung ihrer Gebäude beweglich zu bleiben und sich "auf veränderte Zeiten einzulassen".

Obwohl im Viertel viele Familien leben, erliegt auch die Gemeinde St. Lukas einer drastischenSchrumpfung. Von den 2400 Mitgliedern sind zwei bis drei Prozent aktiv, wie überall, sagt Pfarrer Hans-Detlev Roth. Deshalb könnten sie für ihre Gottesdienste problemlos in den Gemeindesaal ausweichen. Nach "anfänglichen Widerständen" begrüsse die Gemeinde nun die Expedition Jugend. "Wir wollen ja weiterleben", das habe Roth seinen Leuten inzwischen klar gemacht.
Und auch Stadtdekan Michael Bammessel spricht von "jetzt insgesamt breiter Unterstützung" in der jüngsten Dekanatsausschußsitzung. Einige Nürnberger Pfarrer hatten die Landeskirche im Herbst der ungerechten und prestigesteuerten Geldverteilung bezichtigt. Eineinhalb Millionen Euro gibt sie für den Umbau von St. Lukas aus, fünf Jahre lang will sie die laufenden Kosten der Jugendkirche tragen. Auch die Evangelische Jugend bringt Mittel ein und sucht im Moment nach Sponsoren.
Unterdessen ist das Planungsteam auf 35 Leute zwischen 15 und 27 Jahren gewachsen, berichtet der Projektleiter Tobias Fritsche. Ausser ihm arbeiten hauptamtlich bereits eine Jugendreferentin und der Theaterpädagoge Jürgen Blum mit. Am 15. Januar kommt noch die neue Kulturreferentin Larissa Hirschmann hinzu, die sich vor allem um Kulturveranstaltungen und Events kümmern wird.
Das JuKi-Team kommt auch dem Nordostbahnhof näher. Das Jugendkirchenoffice zieht in einen ehemaligen Handy-Laden direkt am Leipziger Platz 8. Es wird kräftig gestrichen, gemalert, geschreinert, lackiert, geputzt, gehämmert um ihn JuKi-gerecht zu gestalten. Wenn ihr Bock habt das Team ein bisschen zu unterstützen, könnt ihr gerne am 8.1. ab 15.00 Uhr bis ca. 19.00 Uhr ins neue Office kommen und helfen Möbel tragen, Regal-Teile zusammenschrauben, Bilder aufhängen, gemeinsam die Chillecke gestalten...
Zudem befinden sich zwei Bands, eine Theatergruppe (ab dem 8.1. immer donnerstags von 18-20 Uhr im KECK, Burgstrasse 1-3) und ein Gospelchor ('Youth Gospel' ab dem 13.1. immer dienstags von 19.30-21.30 Uhr im Grossen Saal Gemeindehaus St. Lukas, Coburger Strasse 10) im Aufbau - und nur noch zwei Monate bis zum, wie Fritsche sagt, "Startup-Event" im "Golden Nugget".
Bei diesem ambitionierten Projekt muss so einiges zusammenpassen, was bisher unvereinbar erschien. Spätestens im November soll die Kirche St. Lukas fertig umgebaut sein - solange wird ein Musikclub als Übergangsort gemietet. Deshalb jetzt schon vormerken: Ab 13. Februar 2009 gibt’s jeden 2. und 4. Freitag im Monat (ausserhalb der Ferien) Gottesdienste, Konzerte und andere Veranstaltungen für junge Menschen zwischen 15 und 29 Jahren, denn dann eröffnet die evangelische Jugendkirche Nürnberg provisorisch in einem Musikclub an der Klingenhofstrasse 56.